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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-03-27 · Heft 13 (27.3.1908) · p. Seite 156

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 13 (27.3.1908)
Date
1908-03-27
Page
Seite 156 (sequence 14)
Language
German
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Striemen auf dem Rücken und alle, alle flehten um Scheidung ihrer? Ehe. Die römische Matrone gewährte ihre Bitte, und als sie wieder dem Rabbi begegnete, sprach sie: „Du Haft recht. Meine Gottheit kann sich mit der Deinen nicht messen, unsere Gesetze stehen den Euren nach. Eure Lehre ist auf Wahrheit gegründet." - Doch Rabbi Jose lächelte und erwiderte: „Habe ich Dir nicht gleich gesagt, daß eine Ehe zu stiften zu den schwierigsten Dingen gehört?" „Und die Moral?" rief Rubenborg von seinem Whisttisch herüber. „Vordem wurden die Ehen im Himmel geschloffen," antwortete Förenskjöld, „heute ist das anders, und die römische Matrone würde diesmal recht behalten. Heute gelten nur noch die schönen Worte des Horaz: Geld ist Königin Der Welt, schafft alles Dir, ein reiches Weib. Kredit und Freunde,' Schönheit, Adel. Alles! „Nein, alles nicht," sprach Karola leise, „die Liebe nicht und nicht das Glück." ... Förenskjöld stand auf, und während er sich an den Kamin lehnte, trat die arme, bleiche Frau vor ihn hin und ergriff von neuem seine Hände. , „Siegfried, vergeben Sie mir," murmelte sie, „auch ich könnte Ihnen eine Geschichte erzählen von einer Frau, die der Reichtum, die der Luxus geblendet hat und die inmitten rauschender Feste wie eine Tote wandelte mit ihrem Herzen^ Sie hat unrecht getan, diese Frau, auch sich, sich am meisten,'; aber sie hat auch gebüßt an der Seite' eines ungeliebten Gatten, umgeben von den Nichtigkeiten der Gesellschaft und dann in der freudenlosen Einsamkeit ihrer Witwenjahre. Das Licht ihrer Nächte war die Erinnerung, die Hoffnung. . Wenn Sie finden, Siegfried, daß sie nicht genug bereut, nicht genug gebüßt hat, sprechen Sie es aus, sie wird fortfahren zu entsagen und zu lieben, aber nehmen Sie ihr die Hoffnung nicht." „Was verlangen Sie von mir, Karola?" „Vergebung." „Ich soll Sie also vergessen?" „Nein, nein," rief die junge Frau; sie machte eine Bewegung, als wollte sie ihm zu Füßen fallen, „ich gehöre Ihnen, ich habe immer Ihnen gehört, nur Ihnen, stoßen Sie mich nicht zurück, rauben Sie mir nicht die Hoffnung." „Und was hoffen Sie noch, Karola?" „O. mein Freund!" fuhr sie fort, „heute ist Chanuka! Es ist der Tag, wo Judas Makkabäus die falschen Götter gestürzt und den Altar des wahren Gottes aufgerichtet hat. Lassen Sie auch uns diese Götter zertrümmern, denen wir geopfert haben, die Eitelkeit, den Hang zum Reichtum, zum Genuß, die Hoffart und auch den Haß und die Rache." »Ich habe Sie niemals gehaßt", erwiderte Förenskjöld. „Lassen Sie uns also zu unserem Ideal zurückkehren, zu dem einzig wahren." „Und dieses Ideal wäre?" „Sie fragen noch?" rief sie und warf sich an seine Brust, „die Liebe, Siegfried." Förenskjöld hielt sie in seinen Armen, während sie mit ihren schönen, lächelnden und weinenden Augen zu ihm emporblickte. üf Literarische Mitteilungen. Von dem hebräischen Sammelbuch, Sagoren", das S. H. H o r o d ez k y heraüsgibt, ist soeben der siebente Band erschienen, Er enthält eine beträchtliche Zahl wertvoller Abhandlungen auf dem Gebiete der Wissenschaft des Judentums, die Beachtung verdienen. Aus diesen ist besonders hervorzuheben die.Studie des bekannten Gelehrten M. Friedmann in Wien über das während der Restauration des Tempels zur Regierungszeit des Königs Josia aufgefundene „Buch der Lehre". .Am interessantesten ist dabei wohl die Zusammenstellung aller Meinungen der alten jüdischen Bibelausleger und Religionsphilosophen, die sich mit diesem bedeutsamen Ereignis eingehend beschäftigt haben. Schon in dem fälschlich Raschi zugeschriebenen Kommentar zu der Chronik wird die Ansicht ausgesprochen, daß das aufgefundene Buch das Deuteronomium war. Allerdings ist damit noch immer nicht genügend erklärt, welche Bewandtnis es mit der Auffindung dieses Buches hatte, daS nach der Darstellung im Buche der Könige keineswegs etwas Unbekanntes und Neues war; ebenso verstehen wir noch immer nicht, warum dessen Lektüre auf den König einen so erschütternden Eindruck gemacht hat. Daß darin gegen Ende die bekannte schauerliche Strafandrohung vorhanden ist, ist keine ausreichende Erklärung für diese Erscheinung. Der Verfasser zitiert die Meinung des bekannten Religionsphilosophen Josef Albo, wonach die Rolle rückwärts zu rollen gewesen wäre, so daß gerade der Schluß mit seinem Schrecken erregenden Inhalt zur Vorlesung gelangt sei. Es soll dies im palästinensischen Talmud so erklärt werden; die Stelle ist aber nicht aufzufinden. Die Untersuchung wird vom Verfasser der Abhandlung sehr scharfsinnig und eingehend durchgeführt; sie ist ausreichend, die Annahme der Bibelkritiker und der älteren jüdischen Bibelausleger zu erschüttern. Aber die von ihm gegebene Erklärung, wonach es sich um das „Buch des Bundes" handelte, dessen Inhalt einen solchen Eindruck auf den König hervorgerufen hätte, befriedigt.ebenfalls nicht. Es ist hier nicht der Ort, diese Frage ausführlich zu behandeln, jedenfalls aber kann die gehaltvolle Studie dazu beitragen, daß sich jüdische Gelehrte der Erforschung dieser wichtigen Episode objektiv und ohne vorgefaßte Meinung widmen. Ferner wäre ans diesem Sammelbuch, noch die gediegene Untersuchung des Dr. S. Posnanski über den bekannten rationalistischen Bibelerklärer aus dem neunten Jahrhundert CHivi (oder wie Dr. Posnanski vorschlägt. Havajih) aus der persischen Provinz Balk zu erwähnen. Es ist dies der kühne jüdische Rationalist, gegen den der Gaon Saadia und Abraham ibn Esra polemisieren, dessen Methode, die in der Bibel berichteten Wunder auf Naturereignisse und Naturgesetze znrückzuführen, an sich zwar falsch sein mag, aber jedenfalls als ein Zeugnis für den damals in der Judenheit herrschenden - Freisinn gelten kann. Denn es wird vielfach bezeugt, daß jene rationalistische Auffassung damals tief in das- Volk eingedrungen war, da die jüdischen Schulmeister sich die Lehrmeinungen des Chivi angeeignet und nach ihnen die Jugend unterrichtet hatten. — Außerdem möchte ich noch die Skizze des Herausgebers selbst über einen der ersten. Begründer des Chassidismus, Menahem Mendel aus Witebsk, erwähnen. Der Verfasser, der die Theorien und die wirkenden Persönlichkeiten des Chassidismus gut kennt, enthüllt uns vieles von dieser jüngsten Erscheinung im Judentum, das bis jetzt im Dunkeln blieb. Außer diesen größern Abhandlungen enthält das Sammelbuch noch manche kleineren, nicht minder beachtenswerten von D. Kohn, Professor Dr. S. Krauß, Dr. Wellesch, Dr. H. A. Brody und Dr.' Weiß. Im ganzen reiht sich der siebente Band des „Hagoren" würdig den vorhergehenden Jahrgängen an. S. Bernfeld. Lriekkaven der Ledsktion. M4 M. r Im Jahre 1847 (5608) fiel das Purimfest auf den 2. März; im Jahre 1848 (5609) auf den 18. März. _ Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Dauchwitz in Berlin.

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