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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-03-27 · Heft 13 (27.3.1908) · p. Seite 154

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 13 (27.3.1908)
Date
1908-03-27
Page
Seite 154 (sequence 12)
Language
German
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154 erzählt doch eigentlich von zwei Paaren von Schöpfungstagen und Schöpfungen: am ersten Tage der Lichtschein, dem entsprechend. am vierten das ausgeprägte Licht der himmlischen Leuchtkörper, der Sonne, des Mondes und auch der Sterne, am zweiten die Trennung des Wassers und das Hervortreten der Luft, des Himmels, dem am fünften die Belebung dieser Elemente durch die Wassertiere und die Vogelwelt entsprach; worauf sich am dritten die Erde und ihre Flora zeigte, bis sie am sechsten durch die Fauna und die Krone der Tierwelt, den Menschen, ergänzt wurde. Aber dieser muß auch als Neubildung — nach der Bibel — bezeichnet werden, da der Schöpsungsbericht der Tierwelt mit einem Li tauw abschließt, und so schwelgen wir in der Erzählung der Thora, die uns nicht in direkten Zusaminenhang mit den Tieren, und seien es auch die entwickeltsten Affen, bringt. Dessen ist sich auch Adam bewußt, da ihn die Bibel unter den Tieren nichts zu ihm Passendes finden, aber angesichts der aus seiner Rippe gebildeten Eva sprechen läßt: „Das ist Gebein und Fleisch aus meinem Gebein und Fleisch, eine Männin, die den: Manne entspricht und ihn ergänzt." Der Keim zu allem aber lag natürlich im Urstoffe, aus dem ja schließlich auch die mannigfachsten Neubildungen erzeugt werden konnten, und der Midrasch erfüllt uns in unserem Glauben an die Authentie des biblischen Berichtes mit Ueberzeugungskraft, wenn er sagt, es war alles schon am ersten Tage „geschaffen", das heißt es lag der Keim zu allem im Urstoff, aber die Welt durfte alles erst nach und nach an den dafür bestimmten Schöpfungstagen hervorzaubern. Ich beschäftigte mich in letzter Zeit unter anderem mit mythologischen Studien, bei denen ich auch zu den Sagen der griechischen Mythologie im jüdischen Schrifttum des Talmuds und Midraschs Parallelen suchte und einen großen Teil jener belegt fand. (Die Disposition zu dieser Arbeit habe ich in meinem deutschen Aufsatz in der von mir und Dr. Silberberg-Schrimm zum 80. Geburtstage des Herrn Rabbiners Dr. Feilchenfeld-Posen herausgegebenen Festschrift geboten.) So drängten sich mir auch zu den Arbeiten des Herakles zahlreiche Vergleichsmomente auf, von denen ich das Kapitel der Bekämpfung der Hydra hier zitiere, weil ich eine Deduktion hieraus an obige Darstellung angliedern möchte. Der geehrte Leser kennt ja wohl den griechischen Mythos, der uns erzählt, wie Herakles dem Untier die neun Köpfe abzuschlagen versuchte und aus jedem abgeschlagenen zwei neue wuchsen, bis ihn sein Freund veranlaßte, die Kopfstümpfe abzubrennen und so die Verdoppelung zu verhüten. Ich fand zunächst im babylonischen Talmud (Traktat Kidduschin 29b) folgende interessante Parallele: Als Rab Acha bar Jakob seinen Sohn in das Lehrhaus des Abaje nach Pumbeditha gesandt hatte und an ihm nach seiner Rückkehr nicht genügende Fortschritte wahrnahm, entschloß er sich, selbst zu Abaje zu ziehen. In dessen Talmudschule, die außerhalb der bewohnten Stadt lag, befand sich aber ein Dämon, der die Talmudjünger, auch wenn sie zu zweien hingingen, selbst bei Tage gefährdete. Abaje bat nun, es solle niemand den Rab Acha bei sich aufnehmen, damit er im Lehrhause wohne und durch sein berühmt frommes Gebet den Dämon banne. Da der Gast nun im Lehrhause übernachtete, zeigte sich ihm der Dämon in der Gestalt eines siebenköpfigen Untiers, und bei jeder Verbeugung, die Rab Acha beim Beten machte, fiel jenenr ein Kopf ab. (Vergleiche noch das Gebet des R. Chija bar Asche: ib. 81b.) Am Morgen sprach er zu den „Genossen" (dennoch nicht ordinierten Gelehrten): „Wenn mir nicht ein Wunder geschehen wäre, hättet Ihr mich in Lebensgefahr gebracht." Noch eine andere Parallele gehört hierher. Bei der zweiten Plage, die über Pharao und die Aegypter kam, heißt es Exodus 8, 2: „Und der Frosch kam herauf und bedeckte das Land Aegypten", und wiewohl schon die alten Erklärer den Singular als Kollektiv nehmen, beachtet doch der Midrasch den Unterschied dieser Stelle und den weiterhin gebrauchten Plural und sagt, es war ein Frosch, und als ihn die Aegypter erschlagen wollten, zerstob er in viele Schwärme und erfüllte das ganze Land. (Auch in Num. 21,7 findet sich die Angabe, daß ursprünglich nur eine Schlange über Israel kam.) Mir fiel diese Agada ein, als ich jüngst im „Zeitgeist", dein Beiblatt des „Berliner Tageblatt" (Nr. 8, 1908), einen Aufsatz über „ein Grundgesetz im Wandel des Lebendigen" las, darin von folgendem Versuch des Naturforschers Wilhelm Roux die Rede ist. Dieser tötete nach der ersten Teilung eines Froscheies die eine der beiden Zellen durch Einführen einererhitzten Nadel völlig ab. Es war also nur noch eine Zelle vorhanden, und trotzdem teilte sie sich wieder in zwei, diese in vier und so fort, und die Entwicklung schritt weiter. Es entstand eine halbe Froschanlage, welche auf einer gewissen Stufe aus sich über die erste Hälfte hinaus zu wachsen begann und sich in der Anlage eines ganzen Frosches ergänzte. Und es konnten nach der Vierteilung drei Zellen, nach der Achtteilung sogar sieben Zellen fortgenommen werden, und das Viertel oder Achtel des Eies genügte, um die ganze Entwicklung fort-, zusehen. Liegt es nicht nahe, mit dieser naturwissenschaftlichen Beobachtung nicht nur den Mythos, nach dem sich die Kopsstümpfe der Hydra polypenartig ergänzten und fortbildeten, sondern auch die Schilderung unseres Midrasch von der Vermehrung der Frösche zusammenzubringen. Man wird vielleicht lächeln, den alten Weisen die Ahnung dieser Naturentwicklung nachzusagen; aber die altjüdische Schulweisheit ließ sich manches träumen, das sich erst der Forschung der Gegenwart enthüllt. Und ich brauche nur auf die mystische Vorstellung des Talmuds von den Masikin hinzuweisen, deren im jüdischen Schrifttum geschilderte Eigenheiten die medizinischen Fachleute schon längst dazu führten, sie mit den Bazillen zu konformieren und deren Theorie unter dem Gesichtspunkte „es gibt nichts Neues unter der Sonne" zu behandeln. Warum sollte dann nicht auch unsere obige Andeutung im gleichen Sinne aufgefaßt werden dürfen? •ggUTLLfggg Dir Geschichte von der römischen Matrone. Von Anton Lindheim. ährend der Wind im Kamin sang und die Schneeflocken an die Scheiben pochten, saß in einem eleganten Boudoir eine junge, hübsche Frau, den Kopf mit den bleichen Wangen und den großen dunklen Augen auf beide Hände gestützt und schien in die weite Ferne zu blicken. Und es lag auch im Nebel hinter ihr, was sie sah, gleich einem Traum, gleich einem Märchen. Karola hatte geliebt, als sie fast noch ein Kind war. Ein junger Arzt kam in das Haus ihres Vaters, des Bankiers Rubenborg. Siegfried Förenskjöld war in der reichen jüdischen Gesellschaft von Stockholm gut ausgenommen, obwohl er kein

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