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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-03-20 · Heft 12 (20.3.1908) · p. Seite 144

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 12 (20.3.1908)
Date
1908-03-20
Page
Seite 144 (sequence 14)
Language
German
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Ans diesen Cohn hat er sich so gefreut! Der hat ihm schnell sein junges Herz erschlossen! Wie schön war's dorten auf dem Schulhof heut, Als sie im Wettlauf so dahingeschossen. Und wie sie dann — noch vor der Klassentür — Voll Eifers treue Freundschaft sich versprachen! Nun kommt, des Vaters strenges. Scheltwort hier — Und alle Freundschaftspläne — sie zerbrachen! Und leise spricht das schwer enttäuschte Kind: —■ Die Stimme bricht ihm vor verhalt'nem Weinen — „Und wenn die Juden noch so schlecht auch sind. Ich aber, Vater, liebe diesen einen!" „Laß mich in Ruh'!" herrscht ihn der Vater an, „Bringst Du den Juden über meine Schwelle, . Ich sage Dir, mein lieber Junge, dann — Dann werf' ich ihn hinaus gleich auf der Stelle? Du sollst in deinem ganzen Leben nicht Mit diesem schlechten Judenpack verkehren! Die Juden hassen, das ist Christenpflicht!" So hört den Vater man den Sohn belehren. Und so belehrt am nächsten Tag der Sohn Zur Schule ging, ein Zittern in der Seele, Daß ihm der neue Schüler, Moritz Cohn,- Jm Kreise seiner Freunde, künftig fehle. Kaum zu ihm hin zu seh'n er sich getraut, Er weicht ihm ängstlich aus auch in der Pause; Denn in ihm tönt noch jener Zorneslaut, Mit dem der Vater ihn gewarnt zu Hause. Schon ist des bösen Hasses schleichend Gift Ins Jnn're dieses Kindes eingedrungen; Ein rauhes Wort, das rauh die Seele trifft. Hat halb der Liebe schönen Trieb bezwungen. Nach Schulschluß erst sich Fritz zu Cohn gesellt — Wie ein Verbrecher tut er's, ganz verstohlen — Und dann den Cohn er gleich zur Rede, stellt: „Bist Du ein Jude?" spricht er unverhohlen. Dabei schaut er ihm offen in's Gesicht Und denkt: Ach, wenn der Cohn mein Freund doch bliebe! Und aus den hellen Kindesaugen bricht, Ganz zaghaft nur, ein warmer Strahl der Liebe. Da tut ihm schnell die dumme Frage leid. Des Vaters Mahnung liegt ihm schon so ferne, Und darum fährt er fort zu gleicher Zeit: „Ich habe nämlich Juden furchtbar gerne!" So ward in diesem schönen Augenblick Der Haß vom Trieb des Herzens überwunden, Und scheu kroch jedes böse Wort zurück, Weil es der Liebe Gegengift gefunden. Doch daß die böse Saat aus Vaters Mund Im Sohn nicht später noch zur Blüte käme, Wer, dem des Lebens dunkle Gänge kund, Wer wär-, der dafür Bürgschaft übernähme? Forschungen aufzuhellen. Einen sehr wertvollen Beitrag gibter auch in der vorliegenden Arbeit, die alle Vorzüge des.Autors: seine Gründlichkeit, seine weite Gebiete umfassende Gelehrsamkeit, seine Kunst, die entlegenen Fäden zu einem einheitlichen Ganzen zu .verweben, in hellem Lichte glänzen läßt. Der jüdisch-persische Dichter Schahin befaßte sich in erster Reihe mit biblischen Erzählungen und mit sonstigen auf das Judentum bezüglichen Dichtungen. Solche sind: das Moses-Buch, das Ardeschir-Buch, von besonderem Interesse wegen der Geschichte Esthers und Mardochais, und das Esra-Buch. Der Stil und die bildliche Darstellung erinnern stark an den persischen Dichter Saadi, . der ungefähr zu der gleichen Zeit tätig gewesen ist. Die Fortsetzung soll über den zweiten Dichter derselben Periode, über Jmraim, handeln, von dem bisher die Literaturgeschichte ebenfalls noch nichts gewußt hat. SpreHsaal. Sehr geehrter Herr Redakteur! V^or kurzem las ich den Artikel „Ein berühmter jüdischer Zigeuner" bon E. Blumgrund in der Nummer 3 Ihrer geschätzten „Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Januar 1908 S. 33 f. Hierzu sei mir der Hinweis auf die Nummern 33 und 34 des „Jüdischen Volksblatt" (Herausgegeben von L. Philippson) im 3. Jahrg., 1856, gestattet, woselbst im zweiten Teile des Aufsatzes „Ein jüdischer Bildhauer und ein jüdischer Musiker" S. 131—135 eine sehr ausführliche Biographie über Markus Rüszavölgyi (Rosenthal). veröffentlicht worden. Der Darstellung über die Bedeutung und den Lebensgang jenes Künstlers, der für Ungarn der Böranger der Musik war (S. 135), liegt unter anderem die in „vieler Beziehung interessante Lebensskizze des echt magyarischen National-Kompositeurs Roszavölgyi (bis 1844) von dem rühmlichst bekannten ungarischen Schriftsteller Emer. Vahot" zugrunde (S. 131, Anmerkung). In eingehender Schilderung verfolgt jener Aufsatz den Lebenslauf Rs. bis zu seinem am 23. Januar 1848, also vor gerade 60 Jahren, erfolgten Tode zu Budapest. Auf dem dortigen israelitischen Friedhofe fand der ungarische Tonkünftler seine Ruhestätte, die mit einem Grabsteine, der eine bekränzte Apollo-Leier und eine Notenrolle nebst einer ein- .fachen Inschrift zeigt, geschmückt ist. In jenem Artikel wird auch (S. 134) bemerkt, daß R. auf die Zivilisierung der Zigeuner sein Hauptaugenmerk gerichtet habe. „Keine Hütte," lesen wir daselbst, „war ihm zu schlecht, um sich darin wochenlang aufzuhalten, wenn es galt, einem talentierten Zigeunerknaben die praktischen Begriffe der.Nationalmusik beizubringen, und verehren diese alleinigen Hauptträger der magyarischen Musik in ihm heute noch ihren Schutzgeist" usw. Der Schluß des interessanten Aufsatzes lautet: „Der gefeierte Petösi besang den dahingeschiedenen Volkskomponisten in einem größeren Gedichte, wo der Geist der magyarischen Musik geschildert sowie auch die nicht sehr glänzende Lage des unsterblichen Tonkünstlers in sehr poetischer Weise der Nation zum Vorwurfe gemacht wird." Auch die „The Jew. Encycl.“ enthält in Bol. X, S. 505 f. aus der Feder des Herrn Dr. Ludwig Venetianer, meines Kollegen zu Ujpest, einen Artikel über jenen großen Künstler; wobei unter „Lidliography" nur auf Reich, Beth-EI, I, 25, Budapest 1878 hingewiesen wird. Hochachtend . Ihr ergebener Dr. Lewinsky. Hildeshein:, den 17. März 1908. Literarische Mitteilungen. — Wilhelm Bacher: Zwei jüdisch-persische Dichter, Schahin und Jmrain. (Wissenschaftliche Beilage zum Jahresbericht der Landesrabbinerschule.) Budapest 1907. Seit Jahren bemüht sich Bacher mit dem ihm eigenen Fleiß das Geistesleben der Juden in Persien, das bis dahin so gut wie unbekannt war, durch seine $ Lrirkksltm der Nrdsktion. Die betreffende Auskunft wird Ihnen ick Bureau, des Zentral- Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Lindenstraße 13 II, bereitwilligst erteilt werden. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin.

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