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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-03-13 · Heft 11 (13.3.1908) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 11 (13.3.1908)
Date
1908-03-13
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 Erenntenleben. Vor zwei Jahren bereits wurde die Synagoge aus Mangel an Gemeindemitgliedern geschlossen und gestern mit Genehmigung der Königlichen Regierung zu Oppeln in einem Versteigerungstermine öffentlich verkauft. Der Zuschlag bei einem Gebot von nur 1250 Mark wurde dem Pfarrer Urban in Sodow, zu dessen Parochie Czieschowa gehört, unter Vorbehalt der Genehmigung der Königlichen Regierung erteilt. Pfarrer Urban hat die Synagoge mit dem Rabbinerhause nicht zu Geschäftszwecken erworben, sondern um beide Gebäude möglichst lange als Baudenkmäler zu erhalten. Durch einen Hügel vom Dorfe getrennt, liegt der zur Synagoge gehörige große Kirchhof, auf dem früher die Juden aus meilenweiter Ferne beerdigt worden sind und der eine Menge alter Grabdenkmäler mit hebräischen Inschriften enthält. e. Dresden, 2. März. Am 25. v. M. veranstaltete die Emil Lehmann-Stiftung anläßlich des. zehnjährigen Todestages Emil Lehmanns eine überaus würdige, von etwa 400, auch nichtjüdischen, Teilnehmern besuchte Gedenkfeier. Der Vorsitzende Herr Max Elb bezeichnet^ es als Zweck der Stiftung, die Tugenden Emil Lehmanns in den jüdischen Gemeinden wach zu erhalten und ihn auch der jüngeren Generation als Vorbild eines echten Deutschen jüdischen Glaubens vorzuführen. Er kündigte auch das demnächstige Erscheinen einer Volksausgabe Emil Lehmannscher Schriften an, die um so mehr zu begrüßen sei, als der Vorrat der Gesamtausgabe zur Neige ginge. Den Hauptvortrag hielt unter größter Spannung der Teilnehmer, die sich später in hohe Begeisterung und immer von neuem anhebenden Beifall auslöste, Herr Landtagsabgeordneter Dr. Cohn aus Dessau. Er würdigte Lehmanns Bedeutung nicht nur für seine sächsische Heimat und stellte dann aus dem Lebenswerke Emil Lehmanns dar, wie sich in heutigen Zeitläuften der deutsche Jude verhalten soll, wie er seine Kinder körperlich und geistig erziehen, wie er sich als Jüngling beim Uebergang in den Beruf des Landwirts, des Handwerkers, des Kaufmanns, des Studierenden verhalten soll, wie er als Mann gesellschaftlich, wirtschaftlich und politisch Stellung nehmen soll. Schließlich wies er darauf hin, daß die Frau bei Erfüllung dieser Aufgaben Mitwirken muß. Der freimütige, dabei überaus taktvolle Vortrag des Redners wurde von Gesängen des Freiwilligen Damenchors und von Rezitationen Emil Lehmannscher Gedichte durch Frau Oberamtmann Hepner, der Tochter Lehmanns, stimmungsvoll umrahmt. Es war eine erhebende und schöne Gedächtnisfeier, die den Toten wie die Lebenden ehrte! m. Hamburg, 2. Mürz. Die Gesellschaft für jüdische Volkskunde hielt im Logenheim eine Versammlung unter Vorsitz des Herrn Dr. Paul Rieger ab. Der Vorsitzende gab zunächst seiner. Freude Ausdruck, daß der Begründer der Gesellschaft, Herr Dr. Grunwald-Wien, der heutigen Versammlung beiwohne, und er hoffe, daß Herr Dr. Grunwald auch ferner der Gesellschaft, deren Ehrenmitglied er sei, seine schätzenswerte Kraft zur Verfügung stellen werde. Herr Dr. Grunwald versprach, auch ferner für die Interessen der Gesellschaft zu wirken und deren Ziele zu fördern. Der Vorsitzende berichtete dann über die Tätigkeit der Gesellschaft im verflossenen Jahre und wies darauf hin, daß die Gesellschaft sich mit ihren Sammlungen an den Ausstellungen für Kultusgegenstände in Berlin und Kopenhagen beteiligt und dort lobende Anerkennung gesunden habe. Die Zahl der wissenschaftlichen Institute, mit denen die Gesellschaft in regem Schriftenaustausch steht, hat sich gegen das Vorjahr wiederum bedeutend vermehrt. Einen schweren Verlust hat die Vereinigung durch den Tod ihres bewährten Vorstandsmitgliedes, des Herrn Dr. Toeplitz, erlitten, der mit zu den Begründern der Gesellschaft gehörte. Eine größere Anzahl von Zuwendungen sind der Sammlung der Gesellschaft gemacht worden, und zwar von den Herren L. Friedenheim, Deutschländer, sowie aus dem Nachlaß des Herrn Dr. Toeplitz und der Frau I. Emden. Der in der letzten Vorstandssitzung gefaßte Beschluß auf Katalogisierung der Sammlungen konnte noch nicht ganz durchgeführt werden, doch sind die nötigen Vorarbeiten hierzu bereits erledigt. Die Kassenverhältnifse wurden als günstige bezeichnet und dem Kassierer Decharge erteilt. Im Anschluß an den Bericht entspann sich eine lebhafte Debatte über die Unterbringung der Sammlungen der Gesellschaft, des sogenannten jüdischen Museums. Herr Friedenheim empfahl die Aufstellung der Sammlung in dem neuen Museum für Völkerkunde, während andererseits das Kunstgewerbemuseum, das bereits in seiner Sammlung mehrere altjüdische Kultusgegenstände besitzt, als Ausstellungsort empfohlen wurde. Einstimmig wurde jedoch der Wunsch geäußert, daß die sehenswerten Sammlungen der Gesellschaft der breiteren Oeffentlichkeit mehr zugänglich gemacht werden. Nach längerer Debatte wurde die Angelegenheit dem Vorstand zur weiteren Beratung überwiesen. Auf Antrag des Herrn L. Friedenheim wurde noch die Einsetzung einer fünfgliedrigen Propaganda-Kommission beschlossen. Bei den vorgenommenen Vorstandswahlen wurden die Herren L. Joshua, A. Levy, N. Levy und I. Tannenberg zu Mitgliedern der Verwaltung neugewählt. o. Hannover, 1. März. Folgende Mitteilung dürfte fürjunge Leute, die sich dem Studium der technischen Wissenschaften widmen wollen, von Interesse sein: Hier besteht seit nahezu 40 Jahren eine „Stiftung zur Erinnerung an weiland Leeser Rosenthal und seine Ehefrau Sophie geb. Blumenthal" zur Unterstützung von Studierenden der Technischen Hochschule zu Hannover. Diese Stiftung ist zum Andenken an den bekannten Gelehrten und Begründer der nach ihm benannten Bibliothek von seinem Sohne, dem Baron Georg von Rosenthal in Amsterdam, begründet worden und wird von einem Kuratorium verwaltet, das aus dem Landrabbiner, dem Rektor der Technischen Hochschule, einem Professor der Technischen Hochschule und zwei Mitgliedern der Synagogengemeinde besteht. Dieselbe gewährt drei Stipendien von je 600 Mark und haben nach den Statuten zunächst darauf Studierende Anspruch, die aus der Familie des Stifters stammen und der jüdischen Religion angehören, ohne Rücksicht auf ihren Heimatsort; sodann Studierende aus der Synagogengemeinde Hannover oder einer anderen Synagogengemeinde der Provinz Hannover und endlich Studierende ohne Unterschied der Konfession, zunächst aus der Stadt Hannover, sodann aus einem anderen Orte der Provinz Hannover. Der Stifter hat mit dieser Stiftung die Absicht gehabt, Glaubensgenossen aus seiner Heimatprovinz zu dem Studium der technischen Wissenschaften zu veranlassen und ist diese Absicht auch in hohem Maße erreicht worden. Indessen hat es in letzter Zeit öfter an jüdischen Aspiranten aus der Provinz Hannover gefehlt und hat deshalb neuerdings der Baron von Rosenthal sich entschlossen, die Bestimmung über Berechtigung zu einem Stipendium eventuell auch auf die jüdischen Studierenden des Deutschen Reiches überhaupt auszudehnen. Unerläßlich ist aber, daß dieselben ihre Studien an der Technischen Hochschule zu Hannover ablegen. Zwei Stipendien werden im Oktober, das dritte im April vergeben und sind Gesuche an den Vorsitzenden, Landrabbiner Dr. Gronemann, einzureichen. e. Frankfurt a. M., 6. März. In der Sitzung des Ausschusses der Israelitischen Gemeinde wurde gestern das neue Anstellungs- und Pensionsregulativ für die Gemeindebeamten beraten und genehmigt. Nach dem neuen Regulativ gelten sämtliche Beamten nach zehnjähriger Dienstzeit als lebenslänglich angestellt. Nach Maßgabe der für die preußischen Staatsbeamten geltenden Bestimmungen werden die Pensionsverhältnisse und die Fürsorge für Witwen und Waisen geregelt. Die Rabbiner müssen mindestens eine Pension von 3000 Mark erhalten. Die Beamten rücken alle drei Jahre in eine höhere Gehaltsklasse ein. Bei unwürdiger Führung kann die Entlassung erfolgen; für die ist aber mindestens eine Zweidrittelmehrheit des Vorstandes und Ausschusses notwendig. Auf Beamte, die im Nebenberuf tätig sind und auf die Angestellten des Philanthropins bezieht sich das Regulativ nicht. R. München, 8. März. In einer der letzten Sitzungen des bayerischen Landtages spielte sich eine'für uns Juden ergötzliche Szene ab. Der Kultusminister Dr. Anton Ritter von Mehner wurde nämlich schon seit Jahren von Zentrums- und sozialdemokratischer Seite wegen seines Aeußern und wegen seiner Abstammung vielfach verulkt. In besagter Sitzung wehrte er sich nun pathetisch dagegen. Im bayerischen Ministerium sitzt übrigens noch ein getaufter jüdischer Minister! Es ist dies der stellvertretende Justizminister Staatsrat Dr. Wilhelm von Henle! Seine Brüder waren religiöse Juden und nahmen hohe Staatsstellen ein. Der eine war der im September 1905 verstorbene kgl. bayerische Regierungsdirektor Exzellenz Dr. Jakob Ritter von Henle. Ein anderer der kgl. bayerische Geheime Rat Dr. Sigmund Ritter von Henle, 1902 verstorben und auf dem israelitischen Friedhof in München begraben. Wieder ein anderer war der kgl. bayerische

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