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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-03-13 · Heft 11 (13.3.1908) · page 15

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 11 (13.3.1908)
Date
1908-03-13
Page
– (sequence 15)
Language
German
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/ Der Oemeindebote. -- *■“*'”* Vettsge zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums. lkorrelpondkn?rn und Mschrichtm. Deutschland. 8. Berlin, 6. März. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt gestern Herr Rabbiner Dr. Weiße vor einer außerordentlich zahlreichen Zuhörerschaft einen interessanten Vortrag: „Urteile hervorragender Nichtjuden über das Judentum". Gegenüber den Urteilen parteiischer Historiker von Tacitus bis Treitschke führte der Redner die Ansichten hervorragender Männer aus allen Lebensgebieten und allen Zeiten vor, die dem Judentum ihre Sympathie entgegengebracht haben. Der interessante Vortrag hat sicher eine gute Wirkung hervorgebracht und fand allgemeinen, wohlverdienten Beifall. — Aus den auswärtigen Literaturvereinen.' In Kottbus sprach Herr Albert Katz über „Lord Byron und seine hebräischen Melodien", in Königsberg i. Pr. Dr. H. Vogelstein über „Neuentdeckte jüdische Urkunden aus der Perserzeit", in Osterode i. Ostpr. Syndikus Dr. Max Wittenberg-Hamburg über „Biblische Frauen" und Prediger Sturmann über die Schrift: „Ein Wort zu seiner Zeit für Juden und Christen" von Kuhnert, Referendar Kamnitzer über „den zweiten Delegiertentag des Verbandes der deutschen Juden". Dr. Eppenstein-Briesen über „Die Wissenschaft des Judentums im 19. Jahrhundert", Frau Gladtke über „Erkennen wir Gott auch ohne Hilfe der Bibel?", in Lissa Dr. C oh n-Rawitsch-über „Ausgrabungen und Altertumsfunde im Orient und die Bibel", in Kosel Oberkantor Davidsohn-Gleiwitz über „Gottesdienstliche Gesänge seit ihrer Entstehung bis in die neuere Zeit", in Halle Rechtsanwalt Dr. Ascher-Dessau über „Probleme im modernen Judentum", in Hamburg Dr. H. Loewe-Berlin über „Kulturelle Streifzüge im jüdischen Orient". Rabbiner Dr. Rosenthal-Berlin sprach in Lippstaot über das Thema „Wodurch wurden die Juden von Ackerbau und Handwerk verdrängt?", in Hamm i.W. über „Die biblischen Königsbücher und Shakespeares Königsdramen", in Warburg über „Juda Halevi und Walter v. d. Vogelweide". In Essen sprach Dr. Lo ewenthal-Hamburg über „Björnson und das Judentum", in Köln Professor Geiger-Berlin über „Die Juden in der deutschen Literatur", Frl. Paula Loeb über „Benjamin von Tudela", in München Herr Fabius Schach über „Jüdisches Seelen-, leben in Ost- und Westeuropa", in Mannheim Kirchenrat Kröner- Stuttgart über „Propheten und Pharisäer", in Metz Oberrabb'mer Dr. Netter über „Die Entstehung des Talmuds". — Neue Literaturvereine wurden begründet in Marsberg, wo Dr. Rosenthal-Berlin über „Deutsche und Juden" sprach, und in Camberg, wo Dr. L. Perlmutter-Frankfurt a. M. einen Vortrag über „Moses Mendelssohn" gehalten hat. s. Berlin, 3. März. Der hebräische Sprachverein ,8r,.pba Leru" begann seine diesjährige Tätigkeit mit einer Sitzung, die an: 20. v. M. stattfand. Der Einladung waren gegen 100 Personen, Damen und Herren, gefolgt. In seiner Einladungsrede wies Herr I. Lin auf die erfolgreiche Tätigkeit des Vereins während seines siebenjährigen Bestehens hin und eröffnete einenAusblick auf die künftige Tätigkeit des Vereins, der ohne jede sonstige Tendenz die Kenntnis der hebräischen Sprache verbreiten und vertiefen will und zu diesem Zweck Kurse eingerichtet hat. Daraus nahm der Leiter der Kurse, Herr Rabb. Dr. Rosenthal das Wort, um die Methode darzulegen, die er bei seinem Unterricht einschlagen will. Den Hauptteil des Abends bildete ein Vortrag des Herrn Schriftsteller Brainin über „Die Bedeutung der hebräischen Sprache", in dem er die Wichtigkeit und Bedeutung der hebräischen Sprache für das Judentum überzeugend nachwies. An der regen Diskussion nach dem Vorträge beteiligten sich die Herren Dr. Rosenthal, Dr. Fink, Liu Gesang. Blum, Gottlieb, Dr. Reuzer, Wabkowskü Der Vorstand besteht aus: Schriftsteller Brainin, 1. Vorsitzender; Rabbiner Dr. Rosenthal, 2. Vorsitzender; Mr.Renzer, 1. Kassierer; L. Harscher, 2. Kassierer; fff....== I. Lin, 1. Schriftführer; R. Halpersohn, 2. Schriftführer. Die Versammlungen des Vereins finden jeden Montag um 9 Uhr in Wittners Restaurant, Münzstraße 81, die Kurse Montag ^9 Artilleriestraße 31 Part, statt. Gäste herzlich willkommen. 8 Berlin, 10. März. Den Spendern, welche die Mittel gewährten, zu Chanukah armen Kommunalschülern die notwendigsten Kleidungsstücke und Lehrmittel zu bescheren, stattet das Komitee für Chanukah-Bescherung seinen Dank für das ihm wiederum bewiesene Vertrauen und zugleich Bericht über seine Tätigkeit ab. Das Komitee empfing bar 18 872,74 Mark-und viele wertvolle Textilstoffe, Kleidungsstücke, Spielzeug und andere Gegenstände. Ferner von Herrn Kommerzienrat Jacob Landsberger 200 Mark, Frau Max Benjamin 100 Mark. Das Komitee verausgabte 22 529,70 Mark. 672 Familien mit 1324 Kindern wurden berücksichtigt, 12 Kinder mußten abgewiesen werden. Für die übrigen 1324 Kinder wurden durchschnittlich je 17,02 Mark verwendet. Für diesen Betrag erhielt fast jedes Kind Kleidung, Stiefel und Wäsche nach Maß gefertigt. Zur Ausführung seiner Arbeiten beschäftigt das Komitee ausschließlich kleine jüdische Handwerker und erleichterte denselben dadurch vielfach ihr Fortkommen. Die wesentliche Erhöhung der Ausgaben ist eine Folge der allgemeinen Teuerung. s. Berlin, 10. März. Kann ein Angestellter wegen antisemitischer Aeußerungen entlassen werden? Diese Frage unterlag der Entscheidung des Kaufmannsgerichts Berlins in einem Rechtsstreit, dem folgender Sachverhalt zugrunde lag: Der Kläger, Herm. B., war Verkäufer in der Werkzeughandlung von M. & O., deren beide Inhaber Juden sind.. Eines Tages kam er mit einem jüdischen Angestellten einer anderen Firma, der zum Einkauf hingeschickt war, wegen Benennung einer bestinnnten Zange in eine Meinungsverschiedenheit, und als ihn ein Mitangestellter darauf aufmerksam machte, daß er sich im Unrecht befand, erwiderte er: „Ich werde mir doch von dem Judenbub nichts sagen lassen?" Kurze Zeit darauf kam derselbe junge Mann wieder in das Geschäft der Beklagten, um einzukaufen. B. bediente aber erst die anderen Kunden, die später als jener gekommen waren und ließ ihn ganz bis zuletzt stehen. Als der Mitangestellte dem Kläger über das Ungerechte seines Verfahrens Vorhaltungen machte, erwiderte dieser: „Ach was! Erst kommen wir Christen und ganz zuletzt die Juden. Ich bin Antisemit und Mitglied des Deutschnationalen Handlungs-; gehilfenverbandes. Den Judenbuben bediene ich überhaupt nicht mehr." Die Geschäftsinhaber verfügten, nachdem sie von dem antisemitischen Gebaren in Kenntnis gesetzt wurden, die sofortige Entlassung des Angestellten, und das Kaufmannsgericht entschied, daß diese Entlassung zu recht erfolgt sei. Das Wort „Judenbub", das der Kläger gegenüber dem jüdischen jungen Mann gebraucht hat, war zwar nicht direkt gegen die Chefs des Klägers gerichtet, jedoch liegt es auf der Hand, daß diese Aeußerung eine Mißachtung der jüdischen Konfession im allgemeinen in sich schließe. Das bestätigt auch seine später erfolgte Aeußerung, er sei Antisemit. Die Inhaber brauchten sich derartige gegen ihre Konfession sich richtende Aeußerungen nicht bieten zu lassen; es kann ihnen auch nicht zugemutet werden, einen Angestellten weiter zu beschäftigen, der in ihrem Geschäft in Gegenwart von Personal und Kundschaft sich antisemitischer Tendenzen rühmt. e. Königsberg, i. Pr., 8. März. Das Leichenbegängnis des verstorbenen Stadtrats Magnus war ein wahrhaft erhebendes Zeugnis für den Wert dieses Mannes und für die Achtung, die er in weiten Kreisen genossen hat. Stadt und Gemeinde hatten ihre ersten Vertreter entsandt, um dieses Zeugnis abzulegen. Die Rede, die Rabbiner Dr. Vogelstein im Trauerhause hielt und die die „Königsberger Hartungsche Zeitung" fast im Wortlaut mitteilt, ist das würdigste Denkmal für den Heimgegangenen, dessen Vorzüge und Charaktereigenschaften sie mit oratorischer Meisterschaft schildert. Dann ergriff der, Oberbürgermeister Körte das Wort zu einer --SL-i---JS-a-

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