Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1908)
- Date
- 1908-03-06
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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^WWU WV^WWWWW Schmalkalden wirkte er kurze Zeit in Schotten und in Vernburg. um im Frühjahre 1873 die Lehrerstelle in Nienburg a. d. W. anzunehmen, woselbst er bis zum Herbste 1903 verblieb. Welche Liebe und Zuneigung der Entschlafene sich durch seinen hohen Geist wie durch sein heiteres, liebenswürdiges Wesen in Gemeinde wie Stadt erwarb, davon zeugten die zahlreichen Zeichen der Anerkennung bei Dienst- und Familienfestlichkeiten. Die Silberhochzeit wie das Fest der fünfundzwanzigjährigen Wirksamkeit in Nienburg hatte die Gemeinde benutzt, um in ehrenden Zuschriften und namhaften Ehrengaben ihrer Verehrung Ausdruck zu geben. Daß dieser Mann nicht nur in Nienburg bei seiner Gemeinde wie Vorgesetzten Behörde sowie bei seinen Kollegen, sondern bei allen denen, die ihm näher zu treten Gelegenheit hatten, sich der größten Hochachtung und Verehrung erfreute, ist leicht erklärlich. Bei feinem Scheiden aus dem Amte wurde ihm der Adler der Inhaber des Hohenzollerschen Hausordens verliehen. Nach seiner Pensionierung siedelte Eckmann nach Frankfurt a. M. über, um seinen Lebensabend nach langer Arbeit in Ruhe und Frieden bei seinen Kindern zu verbringen. Allein sein reger Geist und sein an Tätigkeit gewöhntes Leben ließen ihn ohne Schaffen keine Befriedigung finden. Er suchte sich durch Unterrichtsstunden Arbeit zu verschaffen, und damit nicht genug, nahm er eine Stelle als Hilfsvorbeter an der Synagoge zu Frankfurt an. Leider war es ihm nicht vergönnt, sich eines längeren Lebensabends zu erfreuen. Wenige Jahre nur warenihm in Frankfurt beschieden, aber doch genug, um sich auch hier Verehrung und Freundschaft in reichstem Maße zu erwerben. Davon zeugte bie Teilnahme beim Leichenbegängnisse. Rabbiner Dr. Seligmann entwarf an der Bahre mit bekannter Meisterschaft ein trefflich ausgeführtes Bild des Entschlafenen als Lehrer, Gatte und Vater. Auch Rabbiner Dr. Salfeld-Mainz rief dem Herzensfreunde tief ergreifende Worte des Abschiedes nach. Die Synagogengemeinde Nienburg hatte den Nachfolger des Heimgegangenen, Lehrer Katz, gesandt, der tief bewegt die letzten Grüße und den letzten Dank der Gemeinde Nienburg in ergreifender Rede überbrachte und gleichzeitig der Trauer des Vereins jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover, dem der Verstorbene bis zum Tode angehörte, Ausdruck gab. Im Namen der Vereinigung jüdischer Religionslehrer in Frankfurt a. M. sprach der Vorsitzende Dr. Höxter ehrende Worte, darauf hinweisend, wie schnell sich der Entschlafene in der kurzen Zeit seines Aufenthalts in Frankfurt die Herzen der Kollegen erobert habe. Der Sarg wurde in die Gruft gesenkt und bald deckte kühle Erdeeinen Mann, der allen unvergeßlich sein wird, die ihn kennen zu lernen Gelegenheit hatten. K. Steele, 20. Februar. Die Beerdigung des am 18. d. Mts. im Alter von nur 42 Jahren so plötzlich verstorbenen Herrn Lehrers und Predigers Lilienfeld, die heute nachmittag vom Trauerhause aus stattfand, gestaltete sich zu einer iniposanten Kundgebung der Liebe und Verehrung, die der Verblichene nicht um in seiner Gemeinde, sondern in der ganzen Bürgerschaft genoß. Die eigentliche Trauerfeier fand in der Synagoge statt, die die Zahl der Trauernden kaum zu fassen vermochte. Vor der aufgebahrten Leiche hielt nach einem stimmungsvollen Choral des Shnagogenchors Herr Rabbiner Dr. Coblenz aus Bielefeld, ein Freund des Verstorbenen, die Gedächtnisrede, worin er dessen seltene Treue als Gatte, Vater und Freund pries. Der Verstorbene sei das Muster eines deutschen Lehrers gewesen, und er habe, selbst nur das Gute wollend, mit unerschütterlichem Glauben auf den Sieg des Guten in der Welt gehofft. Er habe so gelebt, daß sein Wirren auch sein Denkmal sei. Der von Herzen kommende Scheidegruß ging allen nahe. Auf dem Wege zum Friedhöfe bildeten Tausende Spalier. Hier sprach am offenen Grabe zuerst Herr Rabbiner Dr. Samuel, der als Beauftragter der Essener Hauptgemeinde, der Tochtergemeinde Steele, das herzlichste Beileid zu dem schweren Verluste überbrachte und mit bewegten Worten von dem Dahingeschiedenen Abschied nahm. Es sprachen sodann noch die Herren Hauptlehrer Graf im Namen des Vereins israelitischer Lehrer, Grilnewald als Nachfolger und im Aufträge der Gemeinde Siegen, Jakobi aus Brakel als ältester Schüler und Sender aus Münster namens der Marks-Haindorfschen Stiftung. Vor- und nachher sang der Lehrergesangverein aus Steele tiefempfundene Weisen, während dessen man die sterbliche Hülle des allgemein beliebtem Lehrers in das kühle Grab senkte, dessen Prügel über und über mit den kostbarsten Kränzen bedeckt wurde. Das Andenken des braven, edlen Mannes wird so leicht nicht erlöschen. r. Hannover, 27. Februar. Vor kurzem feierte der Gemeinde- Sekretär Jacob Hoffmann die Wiederkehr des Tages, an dem dieser in jedweder Beziehung hervorragende Beamte, der seit jener Zeit gleichzeitig 'als dritter Vorbeter und Baal Kere fungiert, vor genau 40 Jahren in den Dienst der Gemeinde trat. Der Jubilar' hat es zu allen Zeiten verstanden, sich nicht nur bei seinen Vorgesetzten, sondern bei sämtlichen Mitgliedern der Gemeinde — ohne Unterschied des Standes und der religiösen Richtung — vermöge seines ganz hervorragenden, geradezu vorbildlich gewordenen Pflichteifers sowie seiner besonderen Befähigung als Vorbeter der alten Schule sich einer außerordentlichen Beliebtheit zu erfreuen. Er ist aber auch ein ebenso tüchtiger Kultuswie Verwaltungsbeamter. Sowohl am Vorabend des Jubiläumstages, am Freitag Abend, als am Sonnabend Vormittag fand in der Synagoge ein besonders festlicher Gottesdienst statt, bei dem der Synagogen-Chor und der Oberkantor Linhardt ihr Bestes zum Vortrag brachten. Die Synagoge war festlich erleuchtet, die amtlichen Plätze des Jubilars — Almenor und Vorbeterpult — prangten in Blumenflor. Der Jubilar wurde als Lebelisebi (Dritter) — was hier als besondere Auszeichnung gilt — vom Oberkantor mit Chorbegleitung in feierlichster Weise zur Thora aufgerufen während sich die Gemeinde von den Plätzen erhob; ferner sprach der Oberkantor einen zu diesem Zweck vom Landrabbiner verfaßten Nisebeboraeb, in welchem zu Ehren des Jubilars vom Repräsentanten- Kollegium eine' größere Spende für die „Unterstützungskasse für jüdische Lehrer, deren Witwen und Waisen in der Provinz Hannover" gelobt wurde, eine Kaffe, welche der Jubilar vor fast 40 Jahren mitbegründet hat und die ihm die wesentlichste Förderung verdankt- Ein erhebender Moment war es, als am Schluffe seiner Neumonds- Predigt Herr Landrabbiner Dr, Gronemann von der Kanzel herab der hervorragenden vielseitigen Eigenschaften des Jubilars gedachte und die ganze Gemeinde stehend den warmherzigen Segensworten lauschte. Nach Schluß des Gottesdienstes versammelten sich Vorstand und Repräsentanten im Sitzungszimmer des Gemeinde-Sekretariats, um uni er Führung des Vorsitzenden der Gemeinde, des Herrn Senator Fischer, die Glückwünsche der Gemeinde sowie der Gemeinde-Verwaltung und -Vertretung dem Jubilar in seiner im gleichen Gebäude belegenen Wohnung darzubringen. Der Vorsitzende gedachte in einer längeren Ansprache des verdienstvollen, segensreichen Wirkens des treuen Beamten, der unter 23 Vorstandsmitgliedern (einschließlich fünf erster und sechs zweiter Vorsteher) und unter zirka 60 Mitgliedern des ReprÜsentanten-Kollegs gearbeitet habe, die, wenn sie heute vereint wären, dem Jubilar einmütig das Zeugnis ausstellen würden, daß er zu allen Zeiten sich als idealer Beamter erwiesen, der allen anderen Beamten als Vorbild dienen könne und der die Hoffnungen, die auf ihn seinerzeit gesetzt seien, nicht nur voll und ganz erfüllt, sondern übertroffen habe. Der Vorsitzende überreichte am Schluffe seiner Ansprache dem Jubilar namens der Gemeinde eine Ehren-Dotation sowie namens der Mitglieder des Kollegs ein kostbares Geschenk. Nachdem der Jubilar, der von der Gattin, seinen Kindern und Enkeln umgeben und vor Rührung fast überwältigt, in ebenso herrlichen als treffenden und vortrefflichen Worten dem Kollegium und seinem Vorsitzenden gedankt, und nachdem der Herr Landrabbiner in seinem Namen und demjenigen der obenerwähnten Lehrer-Unterstützungskasse die Glückwünsche dargebracht hatte, gab noch Herr Rabbiner Dr. Freund namens der Gemeinde-Beamten in einer kernigen, warmen Ansprache den Glückwünschen der Beamten Ausdruck. Möge diesem herrlichen Tage ein glücklicher Lebensabend folgen. x. Gießen, 27. Februar. Am 17. d. M. wurde der den Israeliten zugewiesene Teil des K o m m u n a l f r i e d h o f e s seiner Bestimmung übergeben. — Eine in der Stadt hochgeachtete und allgemein beliebte Frau, Rosalie Michel geb. Schiff, die nach kurzem Krankenlager im 43. Lebensjahre dahinging, wurde von einer aus allen Kreisen der Bevölkerung bestehenden Trauerversammlung, in der sich auch als Vertreter der Stadt der Herr Oberbürgermeister Mecum befand, zu Grabe getragen. In der Versammlungshalle widmete. Herr Provinzialrabbiner Dr. Sander der Verstorbenen einen tiefempfundenen Nachruf, dem er, der erstmaligen Benutzung entsprechend, als Text Jes. Kap. 65, 20 zugrunde legte: „Dort soll nicht mehr dahingehen