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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-03-06 · Heft 10 (6.3.1908) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 10 (6.3.1908)
Date
1908-03-06
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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die von Herrn Professor Philippson gegen die Alliance gerichteten Angriffe ging die Deutsche Konferenz-Gemeinschaft unter Billigung . der von den Präsidenten des Zentral-Komitees und der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft seinerzeit veröffentlichten Erklärung zur Tagesordnung über. L2 Berlin, 3. März. VonderJugendschriften-Kommission der Großloge für Deutschland VIII erhielten wir folgende Zuschrift: Zum Wettbewerb um ein jüdisches Märchenbuch, der von der Jugendschriften-Kommission der Großloge für Deutschland VIII U. O. 93. B. ausgeschrieben war, sind zehn Sammlungen eingegangen. Die Kommission hat beschlossen, die Hälfte des Preises im Betrage von 250 Mark dem Verfasser der Sammlung „Morgenröte", Herrn Jacob Levy in Köln, zu gewähren. Außerdem sind der Schriftstellerin Else Ury-Charlottenburg und dem Hauptlehrer Nuß in Aurich für einzelne Märchen aus den ihnen eingesandten Samm» langen kleinere Preise zuerkannt worden. Die Autoren der nicht preisgekrönten Arbeiten werden ersucht, ihre Adressen der Großloge anzugeben, damit ihnen die Arbeiten zurückgesandt werden können. Bald nach Erledigung unseres früheren Preisausschreibens hat uns ein hochherziger Freund unserer Bestrebungen die Summe von 1500 Mark zur Prämiierung geeigneter Jugendschriften zur Verfügung gestellt und uns so in die angenehme Lage gebracht, ein neues Preisausschreiben zu veranstalten. Es kommen diesmal drei Preise zur Verteilung, ein erster von 700, ein zweiter von 500 und ein dritter von 300 Mark. Erwünscht sind in erster Reihe Biographien bedeutender jüdischer Männer und Frauen aus nachbiblischer Zeit sowie die Schilderung kulturgeschichtlich interessanter Perioden der jüdischen Geschichte. Auch Bearbeitungen anderer Stoffe sind von der Bewerbung nicht ausgeschlossen. Die verschiedenen Biographien u. s. w. sollen zu einem Band vereinigt werden. Ebenso können einzelne Erzählungen, die sich dazu eignen, einem größeren Bande gleichartiger Arbeiten einverleibt zu werden, mit einem Preise bedacht werden. Die Einreichung der Arbeiten hat bis zum 31. Januar 1909 an die Adresse des Herrn D. Wolfs, Wilhelmstraße 118, Berlin SYV., zu erfolgen. Die Arbeiten sind mit einem Kennwort zu versehen; dasselbe hat auf einem verschlossenen Briefumschlag wiederzukehren, der eine Karte mit dem Namen des Verfassers enthält. Die Prüfung der eingegangenen Arbeiten und die Zuerkennung der Preise wird durch eine Kommission erfolgen, welche die Jugendschriften-Kommission der Großloge für Deutschland und des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reich gemeinsam ernennen. Die Verteilung der Preise erfolgt bis spätestens Ostern 1909. Die preisgekrönten Arbeiten bleiben Eigentum der Großloge, die für ihre Verbreitung in geeigneter Weise Sorge tragen wird. Die Verfasser übernehmen die Verpflichtung, die Arbeiten bis zum 11. August 1909 druckfertig herzustellen. s. Berlin, 2. März. Am 8. d. M. wird hier eine Delegierte nversammlnng des „Deutschen Verbandes jüdischer Krankenpfleg er innen-Vereine" (D. V. I. K.) in dem großen Sitzungssaal des zweiten Verwaltungsgebäudes der jüdischen Gemeinde Rosenstraße 2/4 stattfinden. Es handelt sich um wichtige, die Ausbildung und Stellung der Schwestern sowie deren Gehalts- und Pensionsbedingungen betreffende Fragen. Am 7. d. M. abends wird iur Schwesternheim des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen zu Berlin, Auguststraße 17 eine Begrüßung und Vorbesprechung der Delegierten stattfinden, während ein gemeinschaftliches Festmahl am Sonntag abend die Delegiertenversammlung beschließen soll. Auch die Frage der staatlichen Prüfung der jüdischen Krankenschwestern, welche nach dem jüngsten Erlaß des Ministers vorgesehen, aber nicht obligatorisch ist, wird in der Delegiertenversammlung zur Sprache kommen, nachdem die jüdischen Krankenanstalten in Berlin, Frankfurt a. M. und Köln zu staatlichen Prüsungsanstalten ernannt worden sind. Wenn auch die Zahl der bereits ausgebildeten jüdischen Schwestern, etwa 200, schon recht ansehnlich ist, so genügen dieselben iin keiner^Weise dem stets wachsenden Bedürfnis, weshalb es wünschenswert erscheinen muß, weitere Kreise auf diese humane, segensreiche Einrichtung aufmerksam zu machen, welche besseren und gebildeten'jüdischen Mädchen einen zwar schweren, aber schönen und ehrenvollen Berns zuführt, der dieselben für alle Zukunft sicherstellt. Berlin, 4. März. Die Berliner Aerzteschaft und die Gemeinschaft, der er treu angehörte, haben einen schweren Verlust erlitten durch den bereits kurz gemeldeten Tod des' Geheimen Medizinalrai Dr. Abraham Baer, der nach längerer Krankheit im 74. Lebensjahre gestorben ist. Seit einiger Zeit war er von seiner Stellung als leitender Arzt des großen Gefängnisses in Plötzensee zurückgetreten, in der er mehrere Jahrzehnte' mit größtem Erfolge tätig war, vor allem aber eine solche Fülle wertvoller wissenschaftlicher Beobachtungen gemacht hat, daß Baer geradezu als Begründer der modernen Gefängnis-Hygiene gilt. Die Ernährungsverhältnisse in den Gefängnissen Preußens vor allem hat er scharf beleuchtet und zu ihrer wesentlichen Verbesserung die erste wirksame Anregung gegeben. Er berichtete über die verhängnisvollen Folgen der einseitigen hauptsächlich pflanzlichen Kost, unter der die Mehrheit der Gefangenen entsetzlich zu Heiden hatte. Auch seine Schriften über das Vorkommen der Lungenschwindsucht in den Gefängnissen fanden die Beachtung der Behörden, ferner sein Buch über die Einrichtungen und Wirkungen der Strafanstalten in hygienischer Beziehung. Weit über den Nahmen dieses Gebietes hinaus gingen seine Schriften über den Alkoholismus, zu dessen besten Kennern er gehörte. Er war der rührigste Vorkämpfer gegen diese Volksseuche, deren nahe Beziehung zum Verbrechertum er wiederholt dargelegt hat. Aufsehen erregte auch Baers Buch über den Selbstmord im Kindesalter, und die wissenschaftlich bedeutendste seiner Schriften ist vielleicht das Buch: „Der Verbrecher in anthropologischer Beziehung", in dem er als Gegner der Lombrososchen Theorie von der angeborenen Verbrechernatur anftrat. Baer stammte aus Filehne, war 1862 zum Doktor der Medizin promoviert und war erst in Naugard i. P., seit 1872 in Berlin tätig, wo er auch später Bezirksphysikus wurde. Er war einer der angesehensten unter den beamteten Aerzten Deutschlands, und der Ruf seiner wissenschaftlichen Leistungen ging weit über die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus. Baer war ein glaubenstreuer Jude, der an allen Angelegenheiten unserer Gemeinschaft regen und warmen Anteil nahm. Ehre seinem Andenken! , i. Königsberg i. Pr<, 28. Februar. Unsere Gemeinde und mit ihr die deutsche Judenheit haben einen schweren Verlust erlitten. Am Montag abend ist in Gardone Riviera der Vorsitzende des Vorstandes der Synagogengemeinde, Stadtrat Samuel Magnus, im 74. Lebensjahre gestorben. Der Heimgegangene, der am 17. Februar 1834 zu Lyck geboren wurde, lebte hier seit mehr als vierzig Jahren in hochangesehener Stellung. Seit 1893 war er Stadtrat; seit ungefähr derselben Zeit Vorsteher unserer Gemeinde. Der Verstorbene hat eine umfassende gemeinnützige Wirksamkeit entfaltet, welche ihm die Wertschätzung und Anerkennung auch derjenigen Kreise erwarb, die seine religiösen Anschauungen nicht teilten. Er gehörte dem Vorstande der „Wohltätigen Gesellschaft", der Kochschen Waisen-Erziehungsanstalt, des Altenheims (Israelitisches Stift) und zahlreicher anderer Wohltätigkeitsinstitutionen an. Ganz besonderes Interesse wandte er dem „Hilfsverein der Deutschen Juden" zu, dessen Ausschuß-Mitglied er seit seiner Begründung gewesen ist. Fast fünfundzwanzig Jahre stellte er seine Einsicht und Tatkraft in den Dienst der städtischen Verwaltung, erst als Stadtverordneter, seit 1893 als Stadtrat. Seine kommunale Wirksamkeit ist anläßlich seines 70. Geburtstages durch Herrn Oberbürgermeister Körte gefeiert worden. Stadtrat Magnus war sein Leben lang ein treuer, erprobter Anhänger des Liberalismus und ein Führer der Freisinnigen Volkspartei in Ostpreußen von ihrer Begründung an. Die Trauer über den Hintritt des verdienstvollen Mannes ist eine allgemeine. Ehre seinem Andenken! n. Nienburg (W.), 1. März. Am 14. v. M. entschlief zu Frankfurt a. M. nach nur kurzer Krankheit der Lehrer Jakob Eckmann. Geboren am 21. Juli 1843 als Sohn eines Lehrers, erhielt er den ersten Unterricht bei seinem Vater. 'Mit 13 Jahren kam Eckmann nach Fulda und von da aus auf das Seminar nach Hannover, woselbst er 4862 die Abgangsprüsung mit „gut" bestand. Achtzehn Jahre alt, nahm Eckmann die Lehrerstelle in Bleckede an, um dieselbe im Jahre 1864 mit der Stelle in Schmalkalden zu vertauschen. Die Erlangung der letzteren war von einem nochmaligen Examen in Fulda abhängig, das Eckmann mit dem Prädikat „sehr gut und vorzüglich befähigt" ablegte. Nach seinem Fortgänge von

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