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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-03-06 · Heft 10 (6.3.1908) · page 15

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 10 (6.3.1908)
Date
1908-03-06
Page
– (sequence 15)
Language
German
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2 . Jahrgang. Nr. 10, Berlin, 6. März 1908. Der Gemeindevote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung de§ Judentums. lkorrelpondrn?en und Machnchtm. Deutschland. 8. Berlin, 2. März. Die heutige Repräsentanten-Versammkung hatte sich durch eine sehr reichliche Tagesordnung hin" durchzuarbeiten, doch betraf die Mehrzahl der Vorlagen nur Formalien, welche schnelle, oft debattelose Annahme erfuhren. Nach der durch den Vorstandsborsitzenden Julius Jacobh vollzogenen Einführung und Amtsverpflichtung des wiedergewählten Repräsentanten Herrn Aron Hirsch, welcher zur Zeit des offiziellen Termins der Einführung ortsabwesend war, wurden folgende Zuwendungen angenommen: 5000 Mark des Herrn Max Mecklenburg an das II. Waisenhaus und 2000 Mark an die Nanny, Julius und Rosalie Boehm-Stiftung zur Erinnerung an seine verstorbene Tochter Tilde; 1500 Mark der Testamentsvollstrecker des Oskar Hahnschen Nachlasses zur Vergrößerung der Dr. Holzman-Stiftung, schließlich 644 Mark des Handwerkervereins ehemaliger Zöglinge des II. Waisenhauses zur Errichtung einer „Direktor Grunwald-Stiftung". Die turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder der Fürsorgekommission, Friedhofs- und Armenkommission und des Krankenhausvorstandes wurden sämtlich wiedergewählt. In das Kuratorium der Geheimen Medizinalrat Dr. Wolf Cohn-Stiftung wurden Maurermeister Weile, in die Deputation zur Beratung der Frage einer Abänderung der Satzungen der Waisenkommission die Herren Rechtsanwalt Dr. I gn a z Cohn, Emil Cohn, Hirsch und Professor Blaschke abgeordnet; in die Kommission zur Beratung der Frage über die Art derThoravorlesnng sind seitens des Gemeindevorstandes die Herren Iustizrat Timendorfer und Sanitätsrat Dr. Stern entsandt worden. Den Preisherabsetzungen von Synagogenplätzen in der Alten und Neuen Synagoge, Lindenstraße, Lützow- und Nykestraße stimmt die Versammlung zu. Es handelt sich hierbei um diejenigen Plätze, welche durch Säulen und Pfeiler verstellt sind und stets den Mietern Anlaß zur berechtigten Klage gaben. — Bei der Bewilligung von 45 000 Mark zur Vornahme von baulichen Veränderungen im Neichenheimschen Waisenhause kam es zu einer längeren Debatte. Herr Weinberg bestritt die unumgängliche Erforderlichkeit der Ausgabe, deren Bewilligung noch dazu außerhalb des Etats erfolgen muß, und berief sich darauf, daß der frühere Direktor des Waisenhauses durch Jahrzehnte mit den bisherigen Einrichtungen vollständig zufrieden war. Der Dezernent des Gemeindevorstandes Sanitätsrat Dr. Stern begründete in eingehender und wirkungsvoller Weise die Notwendigkeit der Reparaturen, deren Ausführung in allerkürzester Zeit vorgenommen werden müsse. Nachdem noch die Herren Prosessor Blaschke, Hirsch und Manheimer für die Dringlichkeit der Forderung, die nur als Abschlagszahlung anstatt eines Neubaues gelten solle, eingetreten sind, wurde die Vorlage bewilligt. Genehmigt wurden ferner die Ausgaben für den Druck und das Einbinden des Notenmaterials für die Nebensynagogen und die Ausgaben behufs Einrichtung von Predigten in den Beträumen des 'Krankenhauses, der Alterversorgungsanstalten und des Hospitals. Hier sollen zukünftig jüngere Rabbinatskandidaten von Zeit zu Zeit Predigten halten, für die ihnen 30 Mark als Honorar gezahlt werden. — Die Beiträge der Koscherfleischhändler zu dem Pensions¬ und Unterstütznngsfonds werden alljährlich, auch pro 1908/09 erlassen. — Dann folgen sehr zahlreiche Mietungen von Festsälen füc den Haupt- und Jugendgottesdienst an den hohen Feiertagen, darunter „Deutscher Hof", Blüthner- und Sch arwenka-Saal, Beethovensaal, Oberlichtsaal der Philharmonie, Logensaal lJoachimsthalerstraße), Mozartsaal, Sophiensäle, Kellers Festsäle. Bei dieser Gelegenheit regt Herr Weinberg an, ob nicht wenigstens an den hohen Festtagen der Hauptgottesdienst mit dem Jugendgottesdienst vereinigt werden könnte. Direktor Minden, welcher die gewichtigen pädagogischen Gründe für die Notwendigkeit des Jugendgottesdienstes betont, wie auch Justizrat Lilienthal verneinen diese Möglichkeit und betonen die Schwierigkeit einer etwaigen praktischen Durchführung, während Herr Manheimer sich der Weinbergschen Anregung anschließt. — Schließlich wandert ein Antrag des Gemeindevorstandes, die bisher an das Provinzialschulkollegium geleisteten Zuschüsse für den jüdischen Religionsunterricht an den höheren Schulen nunmehr direkt den Lehrern durch den Schul- und Talmud-Thora-Vorstand auszahlen zu lassen, auf Wunsch des Herrn Professor Blaschke in den Ausschuß zur Vorberatung. s. Berlin, 25. Februar. Am 25. d. M. hat die aus den deutschen Mitgliedern des Zentral-Komitees der Alliance Israölite Universelle bestehende Deutsche Konferenz-Gemeinschaft der Alliance Israölite Universelle ihre fünfte Jahrestagung im Saale des Brüdervereins gehalten. Die zur Teilnahme Berechtigten aus allen Teilen Deutschlands und die Mitglieder des Berliner Lokal-Komitees waren fast vollzählig erschienen oder hatten legitimierte Vertreter entsandt. Vom Zentral-Komitee in Paris war dessen Geschäftsführer delegiert. Den Vorsitz führten die Präsidenten der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft, Geheimrat Goldberger-Berlin und Charles L. Hallgarten-Frankfurt a. M., die den ausführlichen und mit allseitiger Zustimmung aufgenommenen Nechenschafts- und Arbeitsbericht für das Jahr 1907 erstatteten und den Arbeitsplan für 1908 entwickelten. Mit Befriedigung wurde festgestellt, daß die Zahl der Mitglieder im vergangenen Jahre wieder um Tausende gewachsen ist, dank der von der vorigen Tagung beschlossenen und inzwischen fast vollständig durchgeführten strafferen Zentralisierung, einereifrigen Propagandatätigkeit durch Vorträge und der Verbreitung des Organs der Konferenz-Gemeinschaft, der illustrierten Monatsschrift „Ost und West". Im Laufe des Jahres 1907 sind 48 neue Lokal-Komitees der Alliance geschaffen, 21 bestehende erweitert worden. Die helfende, aufrichtende und unterrichtliche Tätigkeit der Alliance Israelite Universelle blieb auch im vergangenen Jahre weltumfassend: in 142 Elementar- und Vorbereitungsschulen für Knaben und Mädchen, in Handwerker- und Ackerbauschulen, die über drei Erdteile verbreitet sind, werden 45 000 Zöglinge unterrichtet, vielfach auch gekleidet und gespeist. Für dieses Hilfswerk hat die Alliance im ordentlichen Etat l1/* Millionen Franken aufgewendet. Mit besonderer Genugtuung wurde die Mitteilung entgegengenommen, daß in den jüngsten Tagen wieder in Konstantinopel-Galata eine Allianceschule mit deutscher Unterrichtssprache eröffnet worden ist. — Durch den Geschäftsführer des Pariser Zentral-Komitees Herrn Bigart wurde davon Kenntnis gegeben, daß die Falascha-Expedition der Alliance bereits bei dem Negns von Abessynien eingetroffen ist, und daß die Alliance, sobald die Ratsamkeit sich ergeben hat, alle erforderlichen Maßnahmen zur erziehlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Hebung der Falaschas treffen wird. Die Tätigkeit der Deutschen Konferenz- Gemeinschaft war vornehmlich auch den räumlich näherliegenden Arbeitsfeldern zugewendet: den durchwandernden russischen Glaubensgenossen. und namentlich den Ausgewiesenen, widmete sie ihre unterstützende und fördernde Fürsorge. — Die Deutsche Konferenz- Gemeinschaft erörterte eingehend und in bejahendem Sinn die Frage der Ausdehnung beziehentlich Einführung deutschen Sprachunterrichts in einzelnen Allianceschulen, unter anderen in Marokko, und der durch besondere Umstände um ein Jahr verzögerten Entsendung von Zöglingen des Pariser Lehrerseminars der Alliance nach Deutschland zum Zweck der Erlernung der deutschen Sprache. Dem allgemeinen Bericht schloffen sich die Sonderberichte der einzelnen Bezirks-, Provinzial- und Landes-Komitees an. Ueberall konnte große Regsamkeit und erneuter Aufschwung konstatiert werden. Die Deutsche Konferenz-Gemeinschaft beschloß ferner, überall da, wo die Verhältnisse es - gestatten, ihren Komitees die Heranziehung von Ehrendamen als Komitee-Mitglieder zu empfehlen. — An Stelle des durch Tod ausgeschiedenen Herrn Oschinsky-Breslau wurde Herr Rabbiner Dr. Werner-München in den Vorstand gewählt. — lieber

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