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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-02-28 · Heft 9 (28.2.1908) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 9 (28.2.1908)
Date
1908-02-28
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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bankier Märker, am Portal empfangen und nach der Empore geleitet? und nun begann mit dem üblichen Zeremoniell die Feier. Rabbiner Dr. Salfeld aus Mainz, vordem in Dessau, war mit dem Anzündem der ewigen Lampe betraut; Kantor Weill fesselte durch seinen warmen Vortrag, an der Orgel saß Professor Bortmuß, der Bläserchor der herzoglichen Hofkapelle verlieh den Chorgesängen Wucht und Weihe,- und Landrabbiner Dr. Walter predigte erhebend über Psalm 24, 34. Der in machtvollen Akkorden ausklingende Psalm 150 beschloß die Feier um 1V4 Uhr. Die hohen Herrschaften zogen vor ihrer Ver» abschiedung den Gemeindevorstand, den Rabbiner, Kantor und andere Herren ins Gespräch und drückten allen Beteiligten warme Anerkennung für den schönen Verlauf der Feierlichkeit aus. Geheimrat Sonnenthal erhielt die Krone zu den Ritterinsignien l. Klasse des anhaltischen Hausordens Albrecht des Bären und Hofbankier Märker die Ritterinsignien I. Klasse genannten Ordens. — Die bekannte Baufirma Kremer und Wolfenstein in Berlin lieferte in dem neuen Bauwerk ein Meisterstück. 'Die Paramente lieferte das bekannte ’ Atelier der Geschwister Bleichrode in Berlin. v. Hamburg, 21. Februar. Die Vorsitzende des Jüdischen Frauenbundes Fräulein Bertha Pappen heim, Frankfurt a. AU, empfing von Fräulein Sadie American,der Vorsitzenden des New Yorker »001111611 of Jewish Women“, einen Brief, welcher in Uebersetzung wie folgt lautet: „The International Council of Women“ wird im Juni 1909 in Toronto einen Kongreß abhalten. „The Council of Jevvish Women“ beschloß nun zu veranlassen, daß ein internationaler Kongreß jüdischer Frauenvereine vor diesem in New York stattfindet. Ich bin nun beauftragt worden, mich mit hervorragenden Frauen und Männern in Verbindung zu setzen, um mit ihnen zu beraten, ob es möglich sein wird, solch einen Kongreß zustande zu bringen. „The Council of Jewish Women“ fühlt, daß die Frauen in den verschiedenen Landern auf den verschiedensten Gebieten Hervorragendes geleistet haben und dadurch in den Stand gesetzt sind, auf einem solchen Kongreß praktisch^ Vorschläge zu machen, besonders inbezug auf Zusammenarbeit der Frauen verschiedener Länder bei der Unterstützung und Beratung der Auswanderer. Es ist wahrscheinlich, daß eine große Anzahl jüdischer Frauen den Kongreß in Toronto besuchen werden. Wir dachten, daß die Frauen sich in New York auf ihrem Wege nach Toronto aufhalten werden und daß wir außerdem andere bedeutende Frauen überreden könnten, zu unserem Kongreß zu kommen. Ich wäre Ihnen verbunden, wenn Sie mir Ihre aufrichtige Ansicht über die Angelegenheit mitteilen würden. 1. Würden Sie selbst zum Kongreß kommen? 2. Würden Sie mir die Namen von Gesellschaften aufgeben und deren Vorsitzende, an welche Einladungen zu richten? 3. Wollen Sie mir die Namen solcher jüdischen Frauen in anderen Ländern - aufgeben, welche Hervorragendes leisten und in jedem Falle den Grund für Ihre Empfehlung und das Arbeitsfeld der betreffenden beifügen? 4. Wollen Sie mir ferner die Namen von Männern aufgeben, welche sich für die Sache interessieren, welche kommen würden und welche auf dem Kongreß von Nutzen sein würden? Natürlich besteht die Absicht, daß es ein Kongreß von Juden sein soll, welcher für Juden — direkt oder indirekt — arbeitet und daß er in seiner Folge eine internationale Vereinigung der jüdischen Frauen einleiten möge England hat „The Jewish Study Society“ und „The Union of Jewish Women Workers“, Deutschland hat den Jüdischen . Frauenbund. Andere jüdische Frauenvereinigungen kennen Wir nicht. Sollten Sie außer diesen noch sonstige Frauenbünde kennen, so wollen Sie mir dieselben aufgeben. Ich wäre Ihnen verbunden, wenn Sie mir in offenster Weise Ihre Ansicht über die Sache und Ihre Ratschläge mitteilen würden." i. Köln, 21. Februar. Am 19. d. M. fand hier die feierliche Einweihung des neuen israelitischen Asyls für Kranke und Altersschwache statt. Es sprachen dabei Postbaurat Bing als Leiter des Baus, Justizrat Eltzbacher und hierauf der Oberpräsident der Rheinprovinz, Freiherr v. Schorlemer-Lieser, der unter anderm sagte: „Meine sehr geehrten Herren! An dem Tage, wo das Israelitische Asyl für Kranke und Altersschwache seine stattlichen Neubauten vollendet und ihrer Bestimmung übergeben sieht, liegt auch mir daran, dieser Anstalt und der israelitischen Gemeinde in Köln meine herzlichsten und aufrichtigsten Glückwünsche und zugleich auch Dank und Anerkennung allen denen auszusprechen, die sich um das Zustandekommen dieses großartigen und. humanen Werkes bemüht und verdient gemacht haben. Durchdrungen von der Ueberzeugung, daß ich als Oberpräsident der Rheinprovinz allen Eingesessenen ohne Unterschied des Standes und Bekenntnisses wohlwollendes Interesse, Rat, Hilfe und Unterstützung schuldig bin. es freudig anerkennend, daß in dieser Anstalt in der Nächstenliebe und im Wohltun nicht Halt gemacht wird an der Grenze der Konfession, spreche ich mein ganz besonderes Interesse für das Zustandekommen dieses Neubaues und meinen aufrichtigen Wunsch dahin aus. daß es dem israelitischen Asyl für Kranke und Altersschwache unter seiner bisherigen bewährten Leitung vergönnt sei, auch im neuen Heim im alten Geiste mit immer wachsendem Erfolge den Kranken. Armen und Hilfsbedürftigen Schutz, Unterkommen und Hilfe zu gewähren. Meine Herren! Der Kaiser hat geruht, bei der heutigen Feier durch Auszeichnung sein Interesse denjenigen Herren kundzutun, die sich um diese Anstalt und um den Neubau ganz besonders verdient gemacht haben. Herr Justizrat Karl Eltzbacher! Sie sind ein Mitglied der Familie, die im Jahre 1867 den ersten Anfang zu dieser inzwischen immer größer gewordenen Anstalt gelegt hat. Ihr Name bleibt unzertrennlich verknüpft mit ° dem Asyl und wenn wir heute allseitig mit freudigem Dank begrüßen. daß diese Neubauten vollendet sind, so wissen wir auch, daß ihr Zustandekommen nicht zum wenigsten Ihrer tatkräftigen Hilfe und Ihren Bemühungen zu danken bleibt. Ich freue mich deshalb, Ihnen im Allerhöchsten Auftrag den Roten Adlerorden 4. Klasse aushändigen zu können. Ich hoffe, daß es Ihnen noch lange vergönnt sei, an der Spitze dieses Werkes für dasselbe in bisheriger Weise tätig zu sein. Und nun, Herr Oberarzt Dr. Auerbach, was Sie dieser Anstalt und ihren bisherigen Erfolgen gewesen sind, hat in beredten Worten bereits Herr Justizrat Eltzbacher zum Ausdruck gebracht. Ich freue mich, auch Ihnen den Dank Ihres Königs durch Verleihung des Charakters als Sanitätsrat zum Ausdruck bringen zu können; ich hoffe mit allen Anwesenden, daß Ihre bewährte Leitung dem Asyl für Kranke und Altersschwache noch viele Jahre hindurch erhalten bleibe. Das walte Gott!" Oberbürgermeister Wallraf brächte warm empfundene Glückwünsche der Stadt Köln dar. Im Namen der jüdischen Gemeinde sprach der Vorsitzende, Herr Louis Eliel, als Vertreter der Armenverwaltung und jüdischer Wohltätigkeitsvereine sprach Herr B. Feilchenfeld. Als Vertreter der Rheinlandloge war Herr Justizrat Dr. Max Callmann. Alsdann nahm Herr Sanitätsrat Dr. Auerbach das Wort zu einer längeren, sehr interessanten Rede über die Bedeutung des Asyls, um das er selbst die größten Verdienste sich erworben hat. Zum Schluß sprach Herr Rabbiner Tr. Frank, der im Ornat erschienen war, ein Weihegebet, welches die Anwesenden stehend anhörten und das einen tiefen Eindruck auf die. ganze Versammlung machte. V. Frankfurt, 14. Februar. In der Ausschußsitzung der israelitischen Gemeinde wurde gestern die Subvention der israelitischen Religionsschule von 3000 auf 5000 Mark erhöht und ein Betrag von 3000 Mark zur Deckung des größten Teils des Defizits bewilligt. Bei dieser Gelegenheit regte Dr. W. Hanauer die Uebernahme der Religionsschule durch die Gemeinde an, wodurch sicherlich die Leistungsfähigkeit der Schule sich erhöhen werde. Syndikus Justizrat Dr. Baer war der Ansicht, daß in der Verwaltung der Schule nicht der Wunsch bestehe, die Selbständigkeit zu verlieren. I. Dreyfuß meinte, man solle warten, bis man von seiten der Schule selbst an die Gemeinde herantreten werde. Gelegentlich der Bewilligung eines Beitrags für den Almosenkasten der israelitischen Gemeinde wurde angeregt, die milden Zuwendungen von Privaten an den Almosenkasten allmonatlich zu veröffentlichen. Ein Redner trat für eine Zentralisation der verschiedenen jüdischen Wohltätigkeitsinstitute in der Gemeinde ein, eine Anregung, die allseitig Beifall fand. — Würzburg, 21. Februar. Die „Neue Bayerische Landeszeitung", das Organ des bekannten Herrn Anton Memminger) brachte kürzlich unter der Spitzmarke „Sensationelle Verhaftung" die folgende Notiz, die ihr angeblich aus Paris telegraphiert würde und' die in viele Zeitungen übergegangen ist: „Im 1. Bezirk wurde der Direktor eines Knabenpensionats, in welchem die „Alliance Isra6lite“ hie jüdischen Waisenkinder unterbringt, unter der Beschuldigung verhaftet, sich an den ihm anvertrauten Kindern in sträflicher Weise vergangen

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