Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1908)
- Date
- 1908-02-28
- Page
- Seite 104 (sequence 10)
- Language
- German
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MUWWWW virtuosen ernannt. Erst 41 Jahrealt starb er daselbst am 26. Januar 1849. Wasielewski, der bekannte Verfasser des Buches: „Die Violine und ihre Meister", der Parish-Alvars noch gehört hat, fällt in seinen Lebenserinnerungen: „Aus 70 Jahren" ein begeistertes Urteil über das Spiel dieses Virtuosen und Meisters: „Es liegt ein eigener Humor darin, daß die britische Nationdas eminent praktische, mit überwiegender Neigung industriellen und handelspolitischen Unternehmungen nachgehende Volk, eine besondere Vorliebe für die Harfe, also für jenes Instrument hat, welches durch seine geisterhaft hinschwebende Klangwirkung in einem poetischen Lichte erscheint, wie es denn auch durch die bildenden Künste mit richtigem Gefühl zum Attribut der Engel und ähnlicher Phantasiegestalten gemacht worden ist. Schon die alten Barden Britanniens bedienten sich der Harfe bei ihren Gesängen, und auch in der Neuzeit genießt dieses Tonwerkzeug in England besondere Schätzung und Pflege. Außer Parish-Alvars erinnere ich mich eines englischen Harfenvirtuosen namens John Thomas, der in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts Deutschland bereiste und sich als ein geschickter Spieler erwies. Seinen Landsmann Alvars vermochte er freilich nicht zu erreichen. Wenn dieser stattliche Mann die Harfe unter seine Finger nahm, so glaubte man mitunter Geisterstimmen zu hören, die sich bald in flüsterndenschmeichelnden, holden und bald in brausenden Klängen vernehmen ließen. Es lag etwas Mystisch-Dämonisches in diesem wechselreichen und bestrickenden Tonspiel. Wie bedauerlichdaß man derartige Eindrücke nicht fixieren konnte, was jetzt mit Hilfe des Phonographen bereits einigermaßen möglich ist und später wohl noch in vollkommenerer Weise möglich werden wird. Aber Parish-Alvars ist längst dahin und mit ihm seine eigenartig reizvolle Kunst." Uebereinstimmend wird berichtet, daß Parish-Alvars, eine stattliche, interessante und schöne, echt männliche Erscheinung, auch schon durch sein Aeußeres seine Zuhörer und Zuhörerinnen elektrisierte. * Während gar manche Harfenvirtuosen und -Virtuosinnen vor ihm durch ihre nachlässige und wenig poetische Haltung, sowie die Handhabung ihres Instrumentes einen nichts weniger als imponierenden Eindruck machten, war die poetische Art und Weise, mit der dieser moderne Barde sich gab, gewissermaßen eine Augenweide für diejenigen, die nicht allein nur hören, sondern auch sehen wollen. Durch ihn ist der Grundsatz von der Haltung der Harfe und wie die Hände und Finger beim Spiel zu halten und zu gebrauchen find, ein allgemeiner geworden. Elie Parish-Alvars bereicherte die Harfenliteratur mit zahlreichen ausgezeichneten und allgemein anerkannten Werken. Diese Kompositionen gehören mit zu dem Besten, was die Harfenkomposition überhaupt auszuweisen hat. Ich nenne hier von seinen Werken zunächst seine Studie: Studio ad imitazione del mandolino, seine Solostücke: Thöme original varie, precede d’une introduction; Marche favorite de Sultan; Souvenir de Milan; Introduction et Variations sur un theme de Bellini; Theme varie; 3 Romances s. parol.; Souvenir de Gemma di Vergy. Coro dei Corsari greci; Marcia; 3 Romances; Yoyage d’un Har,- piste en Orient; La lainte d’une jeune kille; L’Adieu; Ricordanza di Besnate; Traum am Bache; Gretchens Gebet vor dem Bilde der Mater dolorosa; Petit Souvenir de l’opera Belisario; Reminiscences de l'opöra: Dom Sebastian de Donizetti; Reveries; II pappagallo; Souvenir des operas Italiens; Souvenir de Portici; 2. Souvenir de l'opsra: Dom Sebastian de Donizetti; lllustrazioni dei Poeti italiani; Arie fav. ridotte; Bailabile; Barcarola; Derni&res pendees; Hungarian March; La partenza, la promessa et l’orgia; 3 airs des soirees musicales de Rossin Marche hongroise; Melodie et Marche funehre; Mobil Signor des Huguenots de Meyerbeer; CEuvres choisies brillantes et non difficiles; 3 romances de Schubert; 3 romances sans paroles; 6 Romances sans paroles; . Souvenir de Bochsa; Konzertstücke mit Orchesterbegleitung beziehungsweise auch mit 2 Harfen: Grande concerto; Concertino pour deuxharpes; Concert en mi-b-moll; Grande Phantasie et variations de bravour; Souvenir de l’opSra: Dom Pasquale; Grande Phantasie sur plusieurs airs favorits ital.; Grande duo concertino sur motives de Linda de Chamounix, und schließlich Gesänge mit Harfenbegleitung: ll Pescatore; Barcarola coli’ arpa; Tis time, I feel; to leave thee now usw., und endlich die größeren Vortragssolostücke: Concertino; 3 Romances; Grande Marche; La danse de fde; Serenade; Souvenir de Taglioni; Souvenir de Pischek und andere mehr. Seiner Liebe und Verehrung für seinen Stamm und seine Religion gab Parish-Alvars in seiner Komposition: »Souvenir de Bochsa, mosaique musical, facile et brillant“ Ausdruck. Es sei noch schließlich erwähnt, daß er auch durch gediegene Orchesterwerke Anerkennung gefunden und seine Virtuosität auf der Harfe auch durch den Vortrag der von ihm für dieses Instrument übertragenen Klavierwerke, wie z. B. der Etüden Chopins, der Konzerte Beethovens usw., bewährte. In England hielt Parish-Alvars in verschiedenen musikalischen und literarischen Vereinen Vorträge über sein Instrument, allerorten dafür in wirksamer Weise Propaganda machend. Besonders interessant waren seine geschichtlichen Ausführungen über die Harfe und ihre Entwicklung bei den einzelnen Völkern. Leider sind seine Vorträge im Druck nicht erschienen und doch wären seine Erörterungen, so z. B. über die Rolle, die die Harfe bei den Orientalen im allgemeinen und bei den Juden im besonderen spielte, von hohem kulturgeschichtlichen Wert. Er wurde nicht müde, darauf hinzuweisen, daß die Harfe im Mittelalter bei den nordischen Völkern als das vornehmste Instrument galt und daß ihre Spieler politische Persönlichkeiten waren, und ebenso, daß das Harfenspiel zur höfischen Bildung der Minnesängerzeit gehört habe und die vornehme Jugend beiderlei Geschlechts darin unterrichtet worden sei. Bemerkenswert ist übrigens der musikalische Umstand, auf den ich hier noch Hinweisen möchte, daß nämlich Komponisten israelitischer Allstammung, wie zum Beispiel Giaeomo Meyerbeer und Karl Goldmark, in ihren Opern und sonstigen Kompositionen der Harfe mit viel Verständnis, Geschick und Geschmack einen breiten Spielraum gewähren. Die von diesen geschriebenen Harfenpartien sind sehr effektvoll und praktisch. Besonders viel verwendet Karl Goldmark die Harfe und zwar sowohl für Finger — wie für Pedaltechnik Der Harfenist und Komponist im Theater- und Gewandhausorchester zu Leipzig, Johannes, Snoer, weist mit Fug und Recht in seiner Schrift: „Die Harfe als Orchesterinstrument" auf den Umstand hin, daß so viele sonst vortreffliche Komponisten in neuerer Zeit die Harfe stiefmütterlich behandeln, indem sie in dem Irrtum befangen seien, daß man für die Harfe gerade so viel wie für das Klavier schreiben könne, wahrscheinlich weil eine Harfenpartie ungefähr wie eine Klavierkomposition aussehe, ohne dabei zu bedenken, daß eine Stelle, die auf dem Klavier effektvoll und prachtvoll sei, sehr oft auf der Harfe gar keinen Effekt mache. So komme es, daß man bei den neueren Kompositionen sehr oft Stellen begegne, die weit besser für ein Klavierkonzert als für eine Komposition für die Harfe passen würden. Mich den Ausführungen - dieses Fachmannes anschließend, kann ich nur allen modernen Komponisten raten, die Schöpfungen des genialsten jüdischen Harfenisten Elie Parish^