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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-02-21 · Heft 8 (21.2.1908) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 8 (21.2.1908)
Date
1908-02-21
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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: ’■' : v :: :';:::ri:--:y::A;-j2teL^: 4r:... ' " ." ."'""""' . am Gemeindeleben den religiösen Ueberlieferungen nicht entspricht". Infolge. dieser Stellungnahme hat der Kultusminister die erwähnte Bestimmung nicht genehmigt. Wir sehen nicht ein, inwiefern die Ausübung des aktiven Wahlrechts „den religiösen Ueberlieferungen nicht entspricht". — Die Budapester Staatsanwaltschaft hat. gegen das rumänische Blatt „Lu Pta" einen Prozeß angestrengt. Veranlassung hierzu bot ein in dem genannten Blatte gegen den Alkoholismus veröffentlichter Artikel, in, welchem den Gemeinden empfohlen wird, die Wirtshäuser ja nicht an Juden zu verpachten, da diese den Branntwein fälschen. T&m Sah und jfrrn. — Der „Verein für Arbeitsnachweis", begründet von den Berliner Logen U. O. B. B., hat durch seine Vermittlung im Monat Januar 182 Personen in Stellung gebracht und außerdem noch 60 Personen vorübergehend Beschäftigung nachgewiesen. — Von der Berliner medizinischen Fakultät wurde soeben Frau Hanna Hirschfeld, geborene Kaßmann, zum Doktor promoviert. Die junge 24 jährige Frau ist als Tochter eines Gutsbesitzers bei Warschau geboren, hat das Mädchengymnasium in Lodz durchgemacht und seit 1902 in Montpellier, Paris und in Berlin Medizin studiert. — Dem Großkaufmann Adolf Jan darf wurde das montenegrinische Komturkreuz des Ordens Danilo I. und der persische Sonnen- und Löwen- Orden HI. Klasse verliehen. — In Königsberg i. Pr. feierte am 7. d. M. seinen 90. Geburtstag der Rentier Alexander Kadisch. Er hat lange Jahre hindurch dem Vorstande der jüdischen Gemeinde ängehört und auch eine Reihe anderer Anstalten, dem israelitischen Stift, dem Waisenhause, der Wohltätigen Gesellschaft unermüdlich und treu seine Kräfte gewidmet. — Die Einweihung der neuen Synagoge der Israelitischen Kultusgemeinde Dessau fand am 18. d. M. in feierlicher Weise statt. Bericht folgt. — Die diesjährige Entlassungsprüfung am israelitischen Seminar zu Cassel findet in der Zeit vom 3. bis 10. März statt. Den neuen Lehrplänen gemäß wird nur in Religion (und Hebräisch), Deutsch, Französisch und Geschichte schriftlich geprüft. Die Prüfung umfaßt demgemäß nur noch vier (fünf) schriftliche Arbeiten gegenüber den bisherigen sieben (acht). Im nächsten Jahre kann die Anstalt auf — die westfälische Zeit eingerechnet — ein 100 jähriges Bestehen , zurückblicken. — Seitens des Vereins der orthodoxen Juden in Nürnberg wurde an den Magistrat das Ersuchen gestellt, gleich wie in München denjenigen Juden, welche am Samstag ihr Personal nicht beschäftigen, zu gestatten, daß an den Sonntagen bei geschlossenen Türen das jüdische Personal drei Stunden beschäftigt wird. Mit allen gegen zwei Stimmen wurde dieses Gesuch abgelehnt. In Fürth i. B. ist in hohem Alter Herr Jacob Cr am er gestorben. Derselbe nahm stets lebhaften und tätigen Anteil am jüdischen Leben und ist als Mann von strengster Religiosität, unerbittlicher Pflichttreue und regem Wohltätigkeitssinn ein Vorbild gewesen. — Vor kurzem wurde an der Universität Straßburg i. E. ein Student der Pharmazie relegiert, weil er einen Kommilitonen, einen Juden, tätlich beleidigt hatte. Ein von einer Anzahl Herren bei dem Rektor eingereichtes Gnadengesuch hatte keinen Erfolg. — Generalprokurator Manau, der in der Dreyfus-Affäre äls einer der ersten mit warmen Worten für die Unschuld Dreyfus' eintrat, ist im 85. Lebensjahre in Paris gestorben. — Das Komitee der Jto (Jewish Territorial Organisation) in Marsch au wurde von der Regierung aufgelöst, ebenso die Komitees in Kiew und Odessa. Als Grund wird angegeben, daß die Persönlichleiten der Negierung nicht vertrauenswürdig erschienen, obwohl sie anerkenne, daß die Tätigkeit der Gesellschaft keine revolutionäre sei. Das klingt sehr mysteriös. — Das Jargonblatt „Heint" („Heute") meldet, daß ihm aus Bobrujsk, Dünaburg, Kowno und anderen Städten von einem Verfall der jüdischen revolutionären Organisationen berichtet wird. In Kowno zum Beispiel seien im „Bunde", der mehr als 1000 Mitglieder zählte, kaum 50 Personen verblieben. Die Organisation der „Sozial-Zionisten", die 600 bis 700 Mitglieder hatte, zähle jetzt kaum ein Zehntel davon, und von den übrigen Organisationen sei kaum noch eine Spur vorhanden. — Das russische Unterrichtsministerium hat angeordnet, daß bei getauften Juden in Zeugnissen und Diplomen vermerkt werden muß, daß sie jüdischer Abstammung sind. — Nach einem Senatsukas vom 27. W/M. erhalten Juden, die in Polen zum evangelischen Glauben übergetreten sind, und zwar ohne Einholung der Erlaubnis des.Ministers des Innern, alle Rechte, die im Reich den Christen zustehen und unterliegen nicht einer .Beschränkung ihres Wohnrechts, falls dev Glaubenswechsel nach den von der evangelischen Kirche festgestellten Regeln und unter Wahrung des Artikels 24 des Paßgesetzes erfolgt ist, nach welchem Artikel die Frauen der zum Christentum übergetretenen Juden auch Christinnen werden müssen, widrigenfalls die Ehe geschiedenwerden muß. — Der Gouverneur von Podolien hat an die Lokalbehörden seines Gouvernements die Verordnung erlassen, daß in die Pässe für jüdische Reservisten oder ausgediente Soldaten, welche im russisch-japanischen Kriege eine Auszeichnung erhalten haben, die Beschränkungen bezüglich des Wohnrechtes, welche sonst in allen an Juden ausgefolgten Jnlandspässen vermerkt zu sein Pflegen, nicht eingetragen werden sollen. — Der Hilfsverein verdeutschen Inden erhielt aus Kiew folgendes Telegramm: „Die Kiewer Polizei veranstaltet neuerdings förmliche Treibjagden auf diejenigen Juden, die ihr Wohnrecht in Kiew nicht nachweifen können. Vor kurzem wurden 49 Juden arretiert, die per Schub nach ihren Wohnorten zurückgebracht werden." —Das Testament eines polnischen Juden, der unter dem Namen Harris Norman als Hausierer das namhafte Vermögen von 12 000 Pfund Sterling erworben hatte, beschäftigte am Donnerstag das Obergericht in London. Norman setzte die „Londoner Synagoge für arme und bedürftige Inden" und das Hospital in Cambridge, wo er namentlich seinen Hausierhandel betrieb, zu gleichen Teilen als seine Erben ein. Ein Halbbruder des Verstorbenen, Moses Kuttner in Whitechapelfocht das Testament an und behauptete, es sei gefälscht, wobei er aus die Art und Weise hinwies, wie es zutage gefördert wurde! Diese war in der Tat sehr sonderbar. Norman hatte sich von einem Barbier in Cambridge einen Zylinder ausgeborgt, um einem Begräbnis beizuwohnen. Nach dem Begräbnis brachte er den Hut zurück und sagte dem Barbier, er solle ihn sorgfältig aufbewahren. Norman starb bald darauf, und unter dem Futter des Hutes wurde das Testament aufgefunden. Der Richter bemerkte in Erwiderung der Ausführungen des Anwalts Kuttuers, daß noch viel sonderbarere Fälle von Testaments-Hinterlegungen vorgekommen seien, entschied für die Gültigkeit des Testaments und damit für die zwei bedachten Anstalten. — Nach deni Ableben des Rabbiners Taubes haben die Repräsentanten der Judenschaft in Jasoy Herrn Dr. Niemirower, der dort seit elf Jahren wirkt, zum alleinigen offiziellen Rabbiner ernannt. Dr. Niemirower hat zum erstenmal bei der Ableistung des Fahneneides der jüdischen Soldaten assistiert. Er bekämpft den Eidmore judaico, inbem er grundsätzlich jede Funktion bei solchen entschieden ablehnt. — Mulay Amrani, der Vertreter Mulay Hafids in Fez, hat strengstens anbefohlen, die Juden zu schonen. — Dem „Matin" wird gemeldet, daß 150 Juden aus Furcht vor den Schaujallämmen aus'Settat mit den französischen Truppen nach Berreschid flüchteten. Ungefähr 50 Juden, welche sich den französischen Truppen nicht anschließen konnten, wurden bei der Wiederbesetzung Settats von den Marrokkanern. niedergemacht. — Eine besondere Kommission wird binnen kurzem sich der wissenschaftlichen Erforschung, des Tales des Toten Meeres widmen, namentlich im Hinblick aus die Entdeckung von Minen und die Möglichkeit verschiedener Unternehmungen in diesem Teile des Jerusalemer Distriktes. Ein deutscher Spezialist für solche Fragen ist aus Berlin berufen worden und wird an den Arbeiten der Kommission teilnehmen. — Salornon Blumenkhal, Vizepräsident der „Jewisih Publication Society of America“, verschied im Alter von 59 Jahren in Philadelphia. Blumenthal stammte aus Deutschland und machte den Krieg 1870/71 mit. — Das kanadische Ministerium versendet in diesen Tagen an die Regierungen aller Emigrationsländer eine Warnung vor der Auswanderung nach Kanada. Die Einwanderung fremder Elemente sei im gegenwärtigen Augenblick nicht ratsam und in Kanada auch nicht erwünscht. Deshalb seien Auswanderungslustige möglichst von der Reise nach Kanada zurückzuhalten!

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