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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-02-21 · Heft 8 (21.2.1908) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 8 (21.2.1908)
Date
1908-02-21
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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M Jnnercisien, aus Persien, aus Südärabien und aus Osteuropa, oder Abkömmlinge der spanischen Emigranten sind. Tr^ Nathan legte deS näheren dar, daß hebräisch und die Landessprache — arabisch beziehungsweise türkisch — in allen Schulen des Orients, Volksschulen wie höheren,- das unentbehrliche Sprachwissen darstellen müssen, daß man eine oder die andere europäische Kultursprache, je nach den örtlichen Bedürfnissen, in größeren Handelszentren dann noch hinzufügen müsse. Nur wo ein reales Bedürfnis dafür vorliegt, ist die Kenntnis einer Kultursprache ein Segen; in anderen Fällen — z. B. vielfach in ganz kleinen zerstreuten Ortschaften auf dem Lande — biete der Besitz einer Kultursprache einen verhängnisvollen Anreiz zur Auswanderung — und die Steigerung der jüdischen Auswanderung müsse nach Möglichkeit hintangehalten werden; es müsse ferner bezüglich der Wahl der zu lehrenden Kultursprache individualisierend verfahren werden, je nach der Verschiedenheit der Verkehrs- und der Handelsbeziehungen der größeren Orte. Dabei fallt freilich dem Hilfsverein eine große Aufgabe zu, da die Ausdehnung des deutschen Handels im Orient stetig wachse. Der Referent wies alsdann noch aus die außerordentliche Bedeutung hin, die die zeitgemäße Ausgestaltung des Talmud-Thora-Unterrichtswesens für den Orient und insbesondere für Palästina besitzt, und er teilte mit,' daß er ein prinzipielles Einverständnis über das. was auf diesem Gebiete zu geschehen hat, mit den beteiligten Kreisen herbeigeführt habe. Der Ausschuß gab seine Zustimmung dazu, daß der Hilfsverein für eine solche Unterstützung der Talmud-Thora-Schulen Mittel zur Verfügung stelle. An der religiösen Unterweisung soll nicht das. geringste geändert werden. Hingegen soll der Lehrplan erweitert werden durch Anfügung hebräischen und arabischen Sprachunterrichts. Auch die Realien sollen in hebräischer Unterrichtssprache gelehrt werden, sö daß die jungen Leute besser für das praktische Leben vorbereitet die Schule verlassen. Auf diese Weise wird die künftige Generation von der Chalukah unabhängiger. Der erste Schritt auf ''diesem Wege wurde durch Bewilligung einer den Bedürfnissen entsprechenden Summe für die Talmud-Thora-Schnle der Sephardim in Jerusalem gemacht. Es wurde mit Freude begrüßt, daß die sephardischen Gemeinden in gleicher Weise wie die aschkenasischen den Anstalten des Hilfsvereins ihr Vertrauen schenken. Mit großem Interesse nahm der Ausschuß Kenntnis davon, daß durch Vermittelung des Herrn Dr. Nathan der langgehegte Plan betreffend die Begründung der Dr. Salvendi-Musterfarm realisiert worden ist, wo- - durch für die Hebung der Landwirtschaft und Bodenkultur in Palästina und die Ausbildung von jüdischen Kolonisten ein Schritt vorwärts getan worden ist. Auf. der Musterfarm werden voraussichtlich auch in Uebereinstimmung mit dem Frankfurter Verein zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina die Zöglinge des Lehrerseminars, die während der Schulzeit theoretische landwirtschaftliche Kurse hören, in ihrer Ferienzeit praktische Unterweisung erhalten. Herr Dr. Nathan gab darauf einen Bericht über die Verteilung der Summe, die der geschäftssührende Ausschuß ihm zur Linderung der wirtschaftlichen Notlage und Teuerung in Palästina zur Verfügung gestellt hatte. Alsdann wurde das Budget für Palästina für das Schuljahr 1908/09 festgestellt. Die Budgets eines Teils der Anstalten des Hilfsvereins respektive der von ihm subventionierten Institute wurden zwecks weiterer Ausgestaltung erhöht und eine Reihe von Neubewilligungen vorgenommen — unter anderem wurden Mittel für eine Kolonieschule bewilligt — womit der erste Schritt vom Hilfsverein getan ist, auch in den Dörfern Schulen zu errichten. Von anderen Bewilligungen sei noch erwähnt, daß Fonds zur Errichtung oder Unterstützung von Analphabetenknrsen in Galizien, sowie Mittel zur Beschaffung von Unterrichtsmaterial für die Schulen des Vereins Cultura in Bukarest zur Verfügung gestellt wurden; ferner erfolgten Bewilligungen zugunsten von Schulen in Bulgarien und endlich wurde auch ein Beitrag zur Unterstützung an Schulen in Saratow, Rußland, angewiesen. ' 8. BeE^ir, 16. Februar. Aus dem jüngst erschienenen 6. Jahresberichte der Jüdischen Arbeiterkolonie in Weißenfee kann mit Genugtuung entnommen werden, daß die Anstalt im abgelaufenen Jahre wiederum 594 Kolonisten ausgenommen hat. Darunter war diesmal kein einziger, der bereits in früheren Jahren die Kolonie frequentiert hätte. Hieraus und aus zahlreichen Dankschreiben ehe- "maliger Insassen geht hervor, daß das Institut seinen Hauptzweck erfüllt, seine^Schützlinge nicht nur vorübergehend zu beherbergen üüd zu beschäftigen, sondern sie dauernd erwerbsfähig zu machen. Seit Eröffnung der Anstalt hat dieselbe bereits an mehr als 2500 Unglücklichen ihre, nachhaltig segensreiche Wirkung erprobt. Es ist schade,, daß das Rechnungsjahr auch diesmal mit einem.finanziellen Defizit von etwa 4000 Mark abschließt. Leider muß hier mit einer Dauererscheinung gerechnet werden, wofern es nicht gelingt, weitere Einnahmen, vor allem feste Beiträge in gleicher Höhe, zu gewinnen. Im Interesse des sozial so heilsam wirkenden Unternehmens ist das dringend zu wünschen. n. Breslau, 11. Februar. Hier '.hat sich 'vor kurzem ein national-jüdischer Handlungsgehilfenverein gebildet. Für nächste Tage ist eine Versammlung einbernfen, die den neuen jüdischen Handlungsgehilfen-Verband auf „nationaler Grundlage und religiöser Weltanschauung" schaffen soll. Die Statuten besagen darüber: I.Der jüdische Handlungsgehilfen-Verband vertritt die geistigen und wirtschaftlichen Interessen seiner Mitglieder und der gesamten jüdischen Gehilfenschaft. 2. Parteipolitische und religiöse Bestrebungen sind ausgeschlossen. 3. Der Verband unternimmt nichts, was gegen das jüdische Religionsgesetz verstößt. — Sollte es sich um etwas anderes handeln als um eine wirklich kaufmännische Organisation, die lediglich Handlungsgehilfen-Jnteressen wahrnimmt, dann wird man dieser Neugründung keine sonderliche Bedeutung beimessen. Th. Eisenach, 7. Februar. Am Montag den 3. d. M. beging im Saale des „Hotel Zimmermann" der hiesige Synagogenchor sein Jahresfest, bestehend aus einem Festessen für die Chormitglieder, Liedern für gemischten Chor, wie auch für Männerchor, Theateraufführungen, Sologesängen nsw. Alle Darbietungen wurden von den zahlreich erschienenen Gemeindemitgliedern mit großem Beifall ausgenommen. Die Chorgesänge wurden unter der bewährten Leitung des Dirigenten. Herrn Lehrer Karper, exakt und mit vielem Verständnis vorgetragen. Den Glanzpunkt des Abends bildete die Vorführung eines Märchenspiels „Der Jungbrunnen" mit Gesang. Der Gemeinde, die bereitwilligst die erforderlichen Mittel, wie alljährlich, zu dem Feste gewährte, sei an dieser Stelle ein herzlicher Dank dargebracht. Ebenso Herrn Lehrer Meyer, der unter Aufbietung seiner ganzen Kraft zu dem guten Gelingen beigetragen- Der hiesige Shnagogenchor kann auf eine 24 jährige Wirksamkeit zurückblicken. Für das Jahr 1909 wird eine große Jubiläumsfeier geplant, da gleichzeitig das 25 jährige Bestehen der Synagoge und das 25 jährige Dienstjubiläum des Herrn Predigers E. Meyer gefeiert werden soll. n. Köln, 15. Februar. Am 26. v. M fand in dem Sitzungssaale der Synagoge Roonstraße der gutbesuchte siebente Verbandstag des Provinzial - Verbandes rheinischer Synagogengemeinden unter Vorsitz von Sanitätsrat Dr. Äpfel-Köln statt. Derselbe erstattete zunächst den Jahresbericht, nach dem sich der Verband im letzten Jahre erfreulich entwickelt hat. Es gehören ihm 59 Gemeinden an. In den Ausschuß wurde der Vorsteher der Gemeinde Düsseldorf, Herr Josef Levison, kooptiert. An Unterstützungen bewilligte der Verband für die Arbeiterkolonie Weißensee 50 Mark, für den Verband deutscher Juden 50 Mark; für das israelitische Lehrlingsheim Köln 50 Mark, für die in der hiesigen israelitischen Bewahranstalt unter Leitung von Frau Rabbiner Dr. Plato untergebrachten Fürsorgekinder 100 Mark; für die Beschaffung ritueller Kost zu Pessach für die Insassen der Anstalt Brauweiler wurde eine Beihilfe gewährt. An Unterstützungen für Religionsschülen zahlte der Verband in dem vergangenen Jahre 2141 Mark. Eine Anzahl Schulen wurden inspiziert und von allen Schulen Berichte eingezogen. Eine Pensions- und Reliktenkasse für die Lehrer Rheinlands soll in Angriff genommen werden, sobald die Möglichkeit festgestellt ist. An den Bericht knüpfte sich eine längere Diskussion, in der die Lage der einzelnen Gemeinden und Bezirke eingehend geschildert wurde. Hierauf erstattete der Schatzmeister Herr Bruno Heidenheim-Köln, den Kassenbericht. Die Einnahmen betrugen im Jal.re 1907/08 3888,73 Mark, die Ausgaben 3457,68 Mark. Es verbleiben ein Kassenbestand von -2128,85 Mark und ein Sparkassenbuch von 3683,22 Mark. Der frühere Ausschuß wurde wiedergewählt; anstelle des von Euskirchen ver-

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