Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1908)
- Date
- 1908-02-21
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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- Moses Mendelssohn 4× ep/1006237
- James Simon 2× ep/1011066
- Berthold Auerbach 1× ep/1025877
- Eugen Fuchs 1× ep/1032463
- Gabriel Riesser 1× ep/1026280
- Gustav Karpeles 1× ep/1004713
- Jeremiah 1× ep/1005299
- Katowice 1× ep/1002406
- Lord Byron 1× ep/1024863
- Ludwig Geiger 1× ep/1027219
- Martin Philippson 1× ep/1023177
- Max Liebermann 1× ep/1025314
- Paul Nathan 1× ep/1023795
- Rashi 1× ep/1002670
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8 Der Gemeindebore. Berlin, 21. Februar 1908. Vetlage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums. OorrrlponLrn?m und Mgchrichtm. Deutschland. 2/D Berlin, 16. Februar. Wir erhalten heute den nachfolgenden Aufruf zur Veröffentlichung und empfehlen denselben unseren Lesern ans das wärmste. Die Errichtung . eines Denk mals für Moses Mendelss o hnist eine Ehrenpflicht der Berliner vor allem, dann aber auch die der gesamten deutschenJudenheit. Es kann nicht dem geringsten Zweifel unterliegen, daß diese keinen Augenblick säumen wird, die Errichtung dieses Denkmals durch ihre Beiträge zu sichern. Der Aufruf hat folgenden Wortlaut: In Berlin, in der Stadt, wo Moses Mendelssohn gelebt und Großes gewirkt, erinnert kein Standbild die Lebenden an den edlen Toten. Mendelssohns Verdienste um die Aufklärung in Deutschland, seine Arbeiten auf dem Gebiete der Philosophie und der Literatur, seine formvollendeten und von edler Gesinnung erfüllten Schriften haben ihre wohltätigen Wirkungen auf das gesamte deutsche Geistesleben erstreckt. Was für die deutschen Juden Moses Mendelssohn gewesen, der ihnen das deutsche Wesen erschloß und sie deutscher Kultur zuführte, bedarf nicht näherer Darlegung. Als sichtbares Zeichen des Dankes soll sich an dem Orte seiner Lebensarbeit das Denkmal dieses Mannes erheben. Eine solche Huldigung, die dem Genius des Befreiers und Philosophen gezollt wird, wird in ganz Deutschland ein Echo wecken, denn sie gilt dem Geiste der Humanität, der Aufklärung und der Menschenliebe, die Mendelssohn so eindringlich in seinen Schriften verkündet hat und als deren Vertreter er in Lessings unsterblichem Nathan erscheint. Eine solche Huldigung ist für uns und für die Generationen der Zukunft der sichtbare Ausdruck der Verehrung, die in unserer Stadt die Ideen genießen, deren Bannerträger Moses Mendelssohn im Zeitalter des Großen Friedrich gewesen ist. Wir sind der festen Zuversicht, daß viele Gleichgesinnte und Gleichempfindende es mit uns für eine Ehrenpflicht halten werden, sich an der Errichtung eines Denkmals für diesen Mann zu beteiligen. Beiträge für diesen Zweck bitten wir unter Benutzung anliegender Postanweisung unserem Schatzmeister Herrn James Simon, Klosterstraße 80/82 zusenden zu wollen. Ueber die Ausführung des Werkes werden die öffentlichen Blätter zurzeit das Nähere berichten. Komitee zur Errichtung eines Denkmals für Moses Mendelssohn: M.'oritz Manheirner, Vorsitzender, James Simon, Schatzmeister, Professor Max Liebermänn, künstlerischer Beirat, Justizrat Timendorfer, Schriftführer, Geheimer Kommerzienrat Eduard Arnhold, Justizrat Bernhard Breslauer, Landtagsabgeordneter Geheimer Justizrät Dr. Oscar Cassel, Justizrat Dr. Eugen Fuchs, Professor Dr. Ludwig Geiger, Geheimer Kommerzienrat Ludwig Max Goldberger, Justizrat Dr. Horwitz, Julius Jacobh, Vorsitzender des Vorstandes der jüdischen Gemeinde Berlin, Dr. Gustav Karpeles, Geheimer Jnstizrat Professor Dr. Mosse, Stadtverordneter Db. Paul Nathan, Professor Dr. Martin Philippson, Justizrat Dr. Veit Simon, Rabbiner Dr. S. Weisse. 3. Berlin, ,16. Februar. Im Verein für jüdische-Geschichte und Literatur fand am 11. d. M. der zweite populärwissenschaftliche Abend statt, zu dem sich ein außerordentlich zahlreiches Publikum eingefunden hatte. Herr Dr. Leopold Hirsch» bcrg sprach über „Die Bibel in der Musik". Selbstverständlich tonnte der Redner im Rahmen eines Vortrags die Vertonungen biblischer Stoffe nicht erschöpfen, und er griff deshalb aus der großen Zahl derselben.nur diejenigen Oratorien heraus, die sich, wie er betonte, musikalisches Bürgerrecht erworben haben. Er begann mit der ,.Schöpfung" von Haydn, und der Chronologie der Bibel folgend, ging er zu der Geschichte Josefs und seiner Brüder über, die von Händel und dem großen französischen Komponisten Möhul musikalisch bearbeitet worden ist. Den Schluß seiner hochinteressanten Ausführungen bildete Händels Oratorium „Die Kinder Israels in Aegypten und deren Befreiung durch Mose" und die Ballade „Nebo" von Carl Loewe nach der Legende von Freiligrath. Das Auditorium folgte mit höchstem Interesse den lichtvollen Darlegungen, die um so mehr geeignet waren, die Hörer zu fesseln, als der Redner am Klavier sowohl wie gesanglich seine Ausführungen in meisterhafter Weise ergänzte. Das Publikum zeichnete den Vortragenden durch wiederholten sehr lebhaften Beifall aus. — Aus den auswärtigen Literaturvereinen : In Kottbus sprach Dr. I. E. Poritzky-Berlin über „M. Gorki und die Juden"; in Tilsit Dr. Beermann-Insterburg über „Jsmael und Israel in der Religionsgeschichte"; in Insterburg D r. Vogelstein-Königsberg über „Gabriel Rießer". Stadtrat Eichelbaum über „Das Erziehungsheim zu Ahlem". Dr. Perl es-Königsberg über „Soziale Gerechtigkeit"; der Verein hat einen Vortragszyklus ljeden Montag) durch Kreisrabbiner Dr. Be er mann über die „Geschichte der spanisch-portugiesischen Juden" veranstaltet. — In Rakel sprach Dr. Guttmann-Culm über „Witz und Humor in der jüdischen Literatur"; in Neustettin Herr Albert Katz über „Lord Byron und die hebräischen Melodien"; in Kattowitz sprachen Oberlehrer Dr. Goldschmidt-Königshütle: „Ein Tag in Kairo", Prof. Dr.. Philippson-Berlin: „Die Juden und der Staat", Siegfried Laqu eur-Breslau: „Berthold Auerbach", Dr. Dienemann-Ratibor: „Das Judentum um die Wende des ersten vorchristlichen Jahrhunderts." In Ratibor fanden zyklische Vorlesungen des Rabbiners Dr. Diene mann über den'Propheten Jeremia statt. Ferner sprachen dort: Lehrer Willner-Kattowitz: „Jüdische Kunst", Rabbiner Dr. Dienemann: „Raschi", Zahnarzt Curt Block: „Land und Leutein Palästina", Dr. Leopold Hirsch - berg-Berlin: „Die Bibel in der Musik", Franz Landsberger- Breslau: „Ueber jüdische Legenden", Oberkantor David sohn- Gleiwitz: „Die Melodien und Gesänge des jüdischen Gottesdienstes", Rechtsanwalt Steiner: „Kriminalität der Juden." In Paderborn sprach Dr. David-Bochum über „Jüdische Maler und Bildhauer" und in Frankfurt a. M. Dr. Salfeld-Mainz über „Das bürgerliche und religiöse Leben! er Juden im Mittelalter". 8. Berlin, 17. Februar. Am 16. Februar fand unter Vorsitz des Herrn James Simon eine Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses des Hi.lfsvereins der Deutschen Juden statt. Unter lebhaftem Beifall der Anwesenden dankte Herr James Simon Herrn Dr. Nathan dafür, daß er durch eine mühevolle viermonatliche Studien- und Inspektionsreise nach dem Balkan, der europäischen und asiatischen Türkei das Werk des Hilfsvereins von neuem wesentlich gefördert habe. Herr Dr. Nathan hebt hervor, daß ihm sein Reisebegleiter, Herr Privatdozent Dr. Mittwoch, als Orientalist die wesentlichsten Dienste in den Ländern des Orients geleistet habe. Alsdann erstattete Herr Dr. Nathan in großen Zügen Bericht über seine Reise. Der Vortragende ging speziell auf das gegenwärtig bereits bestehende Schulwerk des Hilfsvereins in Palästina ein und entwickelte die Aufgaben, die auf dem Gebiete des Schulwesens in Palästina noch der Lösung harren, und deren allmähliche Verwirklichung der Hilfsverein anzustreben habe. Zur allgemeinen lebhaften Befriedigung der Versammelten konnte er feststellen, daß er bei vorurteilslosester Prüfung die sämtlichen Institute des Hilfsvereins im Orient vortrefflich organisiert gefunden habe, und daß die Prinzipien, die für den Aufbau und Lehrplan derselben maßgebend gewesen seien, sich in jeder Richtung bewährt haben. Die Anstalten des Hilfsvereins sind von Anfang an den Anschauungen der religiös gesinnten jüdischen Bevölkerung des Landes angepaßt worden und sie haben sich auf dieser Basis gesund entwickelt. Es hat sich auch in vollem Maße bewährt, daß der hebräischen Sprache eine grundlegende Bedeutung eiugeräumt wurde, und daß sie schon vom Kindergarten an gelehrt wird. Nach der Entwicklung, die die Verhältnisse insbesondere in Palästina genommen haben, ist die hebräische Sprache eine lebendige Sprache geworden, das Hauptverftändigungsmittel zwischen unseren Glaubensgenossen mit verschiedener Sprache, die aus den verschiedensten Ländern stammen, aus