Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1908)
- Date
- 1908-02-21
- Page
- Seite 94 (sequence 12)
- Language
- German
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auch in der Uebersetznng sich unverhüllt dazu bekennt". .Dieses Bekenntnis ist eben nicht nur im Jigdal, sondern auch sonst in zahlreichen Gebeten mit voller Klarheit ausgesprochen oder implicite enthalten.') Die Ausscheidung der fraglichen Sätze war daher unbedenklich und lag um so näher, als ursprünglich, wie in der Denkschrift S. 52 mit Berufung auf Znnz dargelegt ist, an Stelle des großen Stückes von 2^1 7128 bis ^83 überhaupt nur 45 Worte, nämlich rW8ü 7128 bis ^[nblT? ferner NLNN n*TO bis ‘ijn und die Schlußeulogie gestanden haben. Alles übrige, darunter auch die beiden vom . Gutachter hervorgehobenen Sätze, fehlte. Das Gebetbuch des Oberrats behielt indessen nicht nur jenen Grundstock, sondern auch das Meiste von dem, was Zunz „spätere Zutat" nennt, bei; die Kürzungen aber geschahen allein im Interesse des Gebetes selbst, das durch die hinzugetretenen Häufungen nur an Kraft verloren hatte. Im ganzen kann der badische Oberrat mit dem Gutachten des Herrn Dr. Nosenthal sehr wohl zufrieden sein. Seine Zugeständnisse auf der einen und die Unhaltbarkeit seiner an sich nicht zahlreichen Ausstellungen auf der anderen Seite sprechen mehr zugunsten des Werkes des Oberrats als gegen dasselbe. Für weitere Kreise ist es aber höchst lehrreich, die Denkart der führenden Männer unserer heutigen Orthodoxie im allgemeinen und die Art ihrer wissenschaftlichen Beweisführung im besonderen gründlich kennen zu lernen. Wir hoffen daher bei den Lesern dieser Zeitung Verständnis dafür zu finden, daß wir auch anscheinend minder wichtige Einzelheiten des in Frage stehenden Gutachtens der Erörterung wert gehalten haben. gmitiLecfiv? Der Oroltek. Eine Ghettogeschichte von L. v. Sacher-Masoch. II. Ä^ie Mäuse zerfraßen dem armen Amster Löbl Negenstreif ben einzigen Kaftan, den er hatte. Und,seine Frau drehte denselben hin und her und verwünschte die elende Behausung, in der sie wohnten, ihre eigene Unachtsamkeit und vor allem sämtliche Mäuse unter Gottes Sonne. „Wozu gibt es solche schlechte Tiere auf der Welt?" sagte sie, „hat man je gesehen, daß eine Maus zu was nütze war, kann man eine Maus einspannen oder satteln oder melken?" „Du sprichst, wie Du es verstehst, Abia," bemerkte der Prostek, „hat es doch eine Zeit gegeben, wo man die Maulwürfe für schädlich hielt und ihnen auflauerte mit dem Spaten, und jetzt tut ihnen kein verständiger Mensch mehr was zuleide, weil man eingesehen hat, daß es nützliche Tiere sind. So werden auch die Mäuse zu was gut sein, wären sie zu nichts gut, hätte Gott sie nicht erschaffen. Was aber den Kaftan betrifft, hat er mich doch immer geniert beim Gehen, und da er nur unten zerfressen ist, werden wir ihn abschneiden, und er wird mich nicht mehr genieren beim Gehen." Der Prostek brachte einer Edelfrau verschiedene Dinge in das Haus, und da einige Monate vorüber waren und er y Beispielsweise in den Benediktionen für die Thora- und Hafthoravorlesung (S. 124, 222 und 224), ferner in den täglichen Gebeten ILM “jm .1133 VT '1 “]T|3 und ln ■p3’l ,81.1 HflS in 2'2'1 7128 mit dem voraufgehenden Schema, in FflW- \vxb 821 und riZWb wbv in H31281 7128 und 181'- genau dreißig Gulden und einen halben zu fordern hatte, so bat er um das Geld, und da ihn die Edelfrau vertröstete, bat er in vierzehn Tagen wieder darum und immer dringender, bis die Polin die Geduld verlor und ihn mit Hunden aus .ihrem Edelhofe jagte. Der Prostek ging aber deshalb doch nicht zu Gericht, noch beklagte er sich bei seiner Frau oder sonst jemandem. Für ihn war das Geld nicht verloren. „Es ist gerade so, wie wenn ich es angelegt hätte," sagte er sich,, „diese dreißig einhalb Gulden sind mir dort so sicher wie in der Sparkasse." Und jedesmal, wenn er an dem Edelhof vorüberkam. berechnete er, wie sich sein Kapital seither durch die ihm gebührenden Zinsen vergrößert hatte. Amster Löbl Regenstreif war auch Faktor bei dem Herrn Bojalsky, einem klugen, nüchternen Kleinrussen, dessen kleines Gut weit und breit das am besten bewirtschaftete war. Trotzdem. Herr Bojalsky keinen Groschen auf demselben haften und auch sonst keine Schulden hatte, lebte er doch wie ein Bauer. Er ging, in grobes Tuch gekleidet, mit einem großen Strohhut, den er sich selbst geflochten hatte, auf dem Kopfe umher, kochte sich selbst sein Essen, putzte selbst seine Stiefel und ließ jeden Abend selbst die Hunde von der Kette los. Außer einem alten Diener, dessen Haar eben so weiß war wie " das seine, und einem alten Jagdhunde duldete er niemanden in seinem Hause. Was er nicht selbst tat, das mußte der alte Diener besorgen, die Feldarbeit' ließ er durch Tagelöhner verrichten, die er weither aus einem ganz anderen Kreise berief, und was er noch sonst benötigte, brachte ihm Amster Löbl Regenstreif in das Haus. Der Prostek stand sehr in der Gunst bei dem alten Geizhals und war der einzige, dem er jedesmal ein Gläschen Branntwein einschenkte und einen Sitz anbot; ja, Herr Bojalsky besuchte sogar einmal seinen Faktor. Er kam nicht etwa mit Vieren angefahren wie ein flotter polnischer Gutsbesitzer, auch nicht mit Zweien wie ein Bauer, ja, nicht einmal mit einem Pferde wie ein Zigeuner, sondern er kam zu Fuß, mit seiner Pfeife, seinem Knotenstock und seinem Hunde und saß am . Samstag mittag zwei volle Stunden in dem elenden Verschlag. unterhielt sich mit den Kindern, erteilte Amster Ratschläge und aß endlich sogar von dem Schalet, den Abia auf den Tisch stellte. Das war aber noch alles nichts. Als Herr Bojalsky ging — er hatte schon lange vorher seine Hand in die Tasche versenkt — gab er jedem von den Kindern einen neuen Zwanziger, und da der Prostek noch immer zehn lebende Kinder hattet waren das im Ganzen drei Gulden und zwanzig Kreuzer, und es hatte noch niemand gesehen, daß Herr Bojalsky drei Gulden verschenkt hatte. Einmal, als Amster Löbel Negenstreif ihm wieder Stiefelwichse und Zwirn, Tee und Zucker brachte, saß der Alte gar elend in seinem Lehnstuhl, er litt an der Gicht und konnte sich nicht regen. Dennoch schenkte er seinem Faktor selbst das übliche Gläschen Branntwein mit zitternder Hand ein. Nachdem dieser es geleert hatte, gab ihm Herr Bojalsky einen Wink mit den Augen näher zu rücken. „Ich werde Ihnen was sagen, Regenstreif," begann er dann, „man nennt mich einen Geizhals, ich weiß es, nun mir liegt nichts daran, nicht soviel liegt mir daran." Er schnippte mit den Fingern. „Die Menschen sind alle so einfältig und boshaft, was kann uns also an ihrem Urteil liegen. Sie aber, mein Geliebter, sind ein gescheiter Mensch. Sie sagen: nichts in der Welt geschieht ohne Grund. Gut also. Sie sollen erfahren, daß es auch seinen guten Grund hat, wenn ich so bin, wie ich bin. Sehen Sie dort den alten Sekretär aus Mahagoniholz?"