Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-02-21 · Heft 8 (21.2.1908) · p. Seite 93

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 8 (21.2.1908)
Date
1908-02-21
Page
Seite 93 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228798-3228807--64242-3276297
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

ZW MWWWMDWWWUW 93 1 Das Gebetbuch des Oberrats hat, statt das ganze Stück auszuscheiden, wie es sonst in den modernen Gebetbüchern geschehen ist, die Textänderung vorgenommen: lö^bnib ii8isi 12111 1222 px mbs 12 8121 D22 2*621 2812 7*1122 822 ■oab 2111 ib) /iirnibi .',21 1122^ 8 ii8 2Ji ^8 Danach lautet die deutsche Uebertragung des Gebetes: Gott und Vater! Laß mich dir danken, daß du den Menschen bevorzugt hast vor allen andern Geschöpfen. Wie reich hast du meinen Körper ausgestattet, wie wunderbar hast du ihn eingerichtet! Und wenn die weise Ordnung in ihm gestört wird, wenn Krankheit ihn befällt, so hast du in deiner Gnade der Heilmittel gar viele bereit und läßt ihn gesunden und leben. Wie könnte ich auch bestehen und wirken vor deinem Angesicht, wenn dein gütiges Vaterauge nicht unablässig über mir wachte! Darum danke ich dir innig' o Gott, du wunderbarer Arzt alles Lebendigen, für das, was du zu meinem leiblichen Wohle aus deinem Gnadenschatze mir spendest. Herr Dr. Rosenthal meint nun, der Ausdruck mim 118121 sei dem Geiste des Gebetes nicht entsprechend, das mit 1122 b2 KÖ11 sich an 2. B. M. 15, 26 anlehne. Der Herr Gutachter hat diese Anlehnung irrtümlich angenommen und daraus eine irrige Schlußfolgerung gezogen. Wie gerade Cusari III, 11, auf den er sich (allerdings mit ungenauer Stellenangabe) beruft, nachdrücklich betont, sollen in der Schlußbenediktion 1122 b2 8211 („Arzt alles Fleisches") alle Lebenden inbegriffen sein, während in der aus 2. B. M. angezogenen Stelle und noch deutlicher in der parallelen 5. B. M. 7, 15 nur von Israel gesprochen wird („Ich, der Ewige, bin dein Arzt"). In der Tat werden denn auch von den Gebetbucherklärern andere, ganz allgemein lautende Belegstellen beigebracht, wie von Abudarham 5. B. M. 32,39, von Baer, Spr. Sal. 4, 22?) 9 Wenn aber der Herr Gutachter vielleicht in einer Anwandlung von Hhperorthodoxie an jenen talmudischen Ausspruch (Babli Ber. 10b), daß Chiskija das „Buch der Heilmittel" beseitigt habe, damit die Kranken nur auf das Gebet, d. h. nur auf Gott, ihre Hoffnung fetzen, gedacht haben und also der Meinung fein sollte, daß in der vorliegenden Benediktion Gott nur als der - unmittelbar wirkende Arzt mit Ausschluß aller irdischen Medien gepriesen werden solle, so wäre darauf hinzuweisen, daß schon der Talmud selbst solche den Gebrauch von Heilmitteln, natürlichen und künstlichen, zu perhorreszieren scheinende Denkweise überwunden hat, vielmehr ganz im Geiste des biblischen und nachbiblischen Schrifttums sowohl den menschlichen Arzt, als auch die von der Natur in reicher Fülle dargebotenen oder auch künstlich bereiteten Medikamente anzuwenden gestattet, ja gebietet (Vergl. den Artikel „Medizin" in Hamburgers Enzyklopädie I, S. 738f. und besonders Sirach 38, Maim. Deoth. IV 9 und Sanh. I, 23 Babli Ber. 60 s. Nach Baer haben übrigens auch die Sephardim die Version: Tni8*?2) 'T b2 28 ■’D nn8 1212 1*7'28 2'pinb 11228 '8 ^1181211.) Nur wird mit Recht verlangt, daß der Mensch in alledem göttliche Werkzeuge erblicke (so Babli Ber. und Sir. a. a. O.), und eben dies hat das Gebetbuch des Oberrats in der Benediktion zum Ausdruck gebracht, da sie ja doch einmal ihrem ursprünglichen, ganz beschränkten Zwecke dadurch entrückt wurde, daß sie in das allgemeine Morgengebet Aufnahme fand. Diese Aufnahme bildet schon eine Reform, besonders aber die im Tur. Or. Chaj. 3, 1 erwähnte Abschaffung des O'12122 11221,1. das nach Babli Ber. 60b dem 131 1128 immer vorausgehen soll. Kusari a. a. O., erwähnt in der Tat des 112211 noch, weil er eben, wie auch Maim. Thephill. 7,5 die mit ihm zusammengehörige Benediktion 121 1128 nur als für die angegebenen gewissen Gelegenheiten vorgeschrieben erachtet. Für diese Gelegenheiten mag auch der Wortlaut des 1)2 It28 vortrefflich passen, nicht aber mehr, nachdem dessen Aufnahme in das allgemeine Gebet erfolgt ist. Abudarhams Rechtfertigung, „weil des Morgens ein Geist der Unreinheit aus den Händen ruhe", paßt, selbst wenn wir sie sonst nicht für ungeeignet hielten, allenfalls aus die 1^23 1212 D'l'V nicht aber auf l^i U28. Nun bemängelt aber der Herr Gutachter weiter: „Sprachlich ist 118*72 812 unhebräisch; da könnte es'nur 1122 heißen. " Ar;ch dies ist ein Irrtum. Exvd. 34, 10 heißt es: 1)2 p8,1 *,22 1812) 8*5 1128 118*72) 11228 b2 (Vgl. Nachmanides z. St. u. Cusari a. a. O. 18^*72 12 812V). Aber auch sonst werden unzählige Male die Verba 812 und 1122 prorrüseue und in korrelater Weise gebraucht?) - Endlich sei noch dem Vorwurf begegnet, daß in 2^1 128 zwei dogmatisch wichtige Sätze, nämlich der mit 'lb8 128 und der mit 2^1 11211 (nicht 128 *|1211, wie der Gutachter irrtümlich schreibt) beginnende, weggelasfen sind. Unbegreiflich findet der Herr Gutachter die Ausscheidung dieser Sätze, von denen der erste „die Ewigkeit der Wahrheit unserer Gotteserkenntnis" und der andere „die Ewigkeit des Gotteswortes" zum Ausdruck bringt, um so unbegreiflicher, „nachdem das Gebetbuch im Jigdälgebet sowohl im hebräischen Texte als 9 Vergl. u. a. Genes. 1, 26, 27; 5, I; 6, 6; 1, 1 und 31; Exod. 20 11; 31, 17; Jes. 45, 18; 43, 7; 45, 12, 18; 65, 7 und 66, 22; ferner im Hinblick auf 11V11 11212 in der 1)£1 1212 Jes. 43, 19 und 48, 6; Ier. 31, 22. Dementsprechend heißt es auch im Rösch- Haschanahgebete b2 l"|181*,11812V 12 *72 *72 - - - 71222 b2 *72 D,81121 2'1222.1, ferner in jrb)) 118 statt des sonst üblichen . 112812 11222 — 1'V812 11121. Nach der Ansicht des Gutachters wäre aber auch bsi 18 81121 in der D212 sprachlich ganz unstatthaft, weil mit b2 in der Bibel sonst immer nur das Verbum 1V2 verbunden wird. Vgl. Jes. 45. 7 (in derselben Stelle, der der erste Satz der Iozerbenediktion entnommen ist und in der 21 81121 steht) lb8 *72 11212 '1 28, ferner Jes. 44, 24 '1 *>)8 b2 11212 und Koh. ifci 1V2 *721 18. Auch Gabirol durfte im Kether Malchuth nicht von der Sonne sagen: 81121 12212 1118, da sonst bei den Himmelslichtern nur 1V2, *j1). pl2 oder 121 3" stehen pflegt (Vergl. Gen. 1, 16, Ier. 31, 35, Ps. 8, 4; 74,16;' 104, 19; 136, 9; Hiob 9, 9). Kether Malchuth hat außerdem auch ni8bö) 1121121, was nach dem Gutachter eigentlich auch eine Unrechte Verbindung wäre. Es heißt aber auch in der 1)2bl 1212: D'lini2 812. während sich in der Bibel nur Lp112 1^282 (Spr. Sal. 8, 28) und 2*H7112*7 - - - 51.111 (Hiob 37, 18) findet. Und wo vermöchte denn der Herr Gutachter in der Bibel oder sonstwo eine Analogie für Q^p) 812 nachzuweisen? Abudarham zitiert hier nach b. Baba Bathr. 75s Ezech. 28. 13, wo es jedoch nur heißt: -,))12 1812.1 212 ' ' ' "p2,1)1 ' ' ' 128*72. Gleichwohl wird die Ausdrucksweise niemand beanstanden, der im hebräischen Stil nicht lediglich einer sklavischen Nachahmung biblischer Ausdrücke huldigt, sondern ihm auch, vorausgesetzt, daß der Geist der Sprache gewahrt bleibt, das Recht freier Bildungen zugesteht. — Wir wollen aber noch ein Uebriges tun und dem Herrn Gutachter zeigen, daß die fragliche Aenderung nicht nur dem Geiste der Sprache, sondern auch des Inhalts vollkommen gerecht wird. Abudarham zählt bei der Erklärung von Q’Op) 12 8121 nicht nur alle die vielen Körperorgane auf, die Oeffnungen und Höhlungen bilden, wie Ohren, Nase, Mund, Luft- und Speiseröhre, Herz, Magen und Därme usw., sondern überhaupt alle diejenigen, die in ihrer wunderbaren Struktur irgendwie des Menschen Lebensbetütigung ermöglichen und fördern, wie Augen, Wimpern, Zähne, Zunge, Haut und Muskeln, Sehnen, Nerven und Haare, Hände und Füße und noch vieles andere. Man wird aber zugeben, daß alles dies, worauf dem feinfühligen Kommentator hinter dem vorangegangenen 2181 18 1)1 1128 12212 die Gedanken zu lenken Bedürfnis war, weit besser und prägnanter in der Wendung: 1222 -f'8 1l8b2 12 8121 »und er hat in ihm geschaffen Wunder ohne Zahl" zusammengefaßt und wiedergegeben ist, als in der immerhin nur begrenzten Besonderheit 2'21) 12 8121. Diese ganz spezielle Hervorhebung war, wie bereits bemerkt, wohl früher völlig am Platze, als die Benediktion lediglich der einen bestimmten Veranlassung Vorbehalten war, nicht aber mehr von der Zeit an, da sie dem regelmäßigen Morgengebet einverleibt wurde. Sollte das sinnige Gebet bei so veränderter Anwendung beibehalten werden, so war es unausweichlich, damit eine teilweise Umgestaltung in einem allgemeiner lautenden Sinne vorzunehmen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.