Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1908)
- Date
- 1908-02-21
- Page
- Seite 88 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3228798-3228807--64237-3276292- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
sich durch zielbewußtes und treues Festhalten an den von den -Gründern aufgestellten Leitsätzen die Achtung und Anerkennung der akademischen Kreise zu verschaffen. Mochten in der ersten Zeit jüdische Studenten aus Angst vor dem Spott und Hohn der Gegner sich an den Namen des Vereins stoßen, mochten später wiederum jüdische Studenten dem Verein Feigheit vorwerfen, weil er nicht eine ausgesprochen jüdische Tendenz habe, der A. I. G. V. hat unbeirrt und fern von allem religiösen Parteihader, fern von politischem Gezänke für seine Ueberzeugung gekämpft, die in dem Gedanken gipfelt: die jüdische Geschichte und Literatur ist ein Bestandteil der Universalgeschichte, sie muß daher objektiv wie jeder andere Zweig dieser Wissenschaft erforscht werden, ohne einen anderen als den rein wiffenschaftlichen Zweck; sie ist in diesem Sinne keine jüdische Wissenschaft. Es ist für die akademische Jugend ein ideales Ziel, dieser Wissenschaft ihren Platz und gebührende Anerkennung unter allen anderen Wissenschaften zu erzwingen, ein Ziel, das gerade durch die bedeutendsten jüdischen Denker von Gaon Saadja, Maimonides, Moses Mendelssohn bis zu Zunz, Geiger, Salom. Munk den Gelehrten unserer Zeit und vor allem den Begründern der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums aufgestellt wurde. Auf diesem Boden arbeiten Studenten aller Fakultäten, aller 'religiösen und politischen Richtungen im A. I. G. V. seit 25 Jahren freudig zusammen. Mancher steht nun wohl dem tatsächlichen Gewinn solcher wissenschaftlichen Arbeit in akademischen Vereinen skeptisch gegenüber, mag das ideale Streben noch so sehr zugegeben werden, demgegenüber mag es genügen, auf die praktischen Erfolge des A. I. G. V. hinzuweisen. Es wurden in den 25 Jahren 437 Vorträge gehalten, ein Kursus in der hebräischen Sprache zur Erforschung der Quellen, mehrere obligatorische Geschichtskurse; an den Abenden, an welchen ein Vortrag ausfiel, fanden meistens Diskussionen über Themen aus dem Gebiete der jüdischen Geschichte und Literatur statt. Statutengemäß kann ein Fuchs nur dann Bursch" werden, wenn er wenigstens einen Vortrag gehalten hat. Unter den 437 Vorträgen sind 29 von unseren Ehrenmitgliedern und 27 von Gästen, meist Gelehrten vom Fach. Auf Kosten des Vereins wurden folgende Schriften gedruckt: I. H. Ritter „Mendelssohn und Lessing" D. Cassel, „Die Armenverwaltung im alten Israel", derselbe „Sebulon und Jsachar"; Jul. Steinschneider „Einiges über R. Samuel Usques Trost Israels in seinen Trübsalen"; Gedenkreden von Schreiner auf Joel Müller, Hochfeld auf D. Cassel. Indirekt hat der Verein die Initiative gegeben zur Gründung der allgemeinen Vereine für jüdische Geschichte und Literatur und ebenso .zur Begründung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, an der ein Ehrenmitglied und mehrere A. H. A. H. der A. I. G. V. beteiligt waren. Aus Anlaß der Jubiläumsfeier hat der A. H.-Verband einen Preis von 600 Mark ausgeschrieben für die beste Bearbeitung des Themas: „Die Ethik-der Propheten". Das Resultat wird in diesen Tagen bekannt gegeben. Fügen wir noch hinzu, daß der Verein von den meisten Gelehrten aus dem Gebiete seiner Wissenschaft bereitwilligst gefördert wurde, (Ehrenmitglieder sind die verstorbenen D. Cassel, I. Ritter, H. Graetz, Joel Müller, M. Lazarus und die Herren M. Philippson, M. Schreiner, H. Cohen), daß von seinen theologischen A. H. A. H. drei im Berliner Rabbinat und viele andere in einflußreichen Stellungen anderswo sind, so ist das Gesamtbild von den praktischen Erfolgen der A. I. G. V. doch sicher nicht zu verachten. Und diese Tatsache bewegt alle A. I. G. V.er an dem Ehrentage ihres Vereins freudig; dieser Erfolg von 25 Jahren 88 - gibt ihnen Mut, weiter zu schreiten auf dem Wege, der ihnen vorgezeichnet ist und auf dem sie sich begleitet wissen von den besten Männern ihrer Wissenschaft. Um das grün-weiß-rote . Banner mit der Inschrift: Hoffnung. Frohsinn, Wissenschaft scharen sich alle A. I. G. V. er und Freunde und rufen aus i vollem Herzen: Vivat, ereseat, iloreat A. I. G. V.! | ' j lörirk sus Köln. 1 u einer weihevollen Feier gestaltete sich die am 10.- d. Mts. : J vorgenommene Einweihung des Schwesternheims. Der hiesige Schwefternverein wurde vor zehn Jahren begründet, ' ' und wenn in der allerersten Zeit die den Schwestern im jüdischen Asyl zur Verfügung stehenden Räume allenfalls - | genügen mochten, so war es doch schon seit langer Zeit ein 1 unabweisbares Bedürfnis geworden, gesundere Lebens- I bedingungen zu schaffen und die Schwestern aus den engen, dumpfen und dunklen Zimmern in eine geräumige, luftige ] und helle Wohnung hinüberzuführen. Diese Aufgabe wurde . j sehr schön gelöst durch die Errichtung eines chesonderen Baues . auf dem Gelände, welches das Asyl für seine besonderen j Zwecke erworben hatte. Es hat hierdurch nicht etwa eine } Verschmelzung des Asyls mit dem Schwesternverein statt-. gefunden, sondern beiden Institutionen wurde die Selbj Müdigkeit gewahrt, indem das Asyl das Haus für seine Rechnung errichtete und an den Schwesternverein vermietete; letzterer hingegen überließ wiederum dem Asyl das ihm zur Verfügung stehende Kapital gegen hypothekarische Eintragung. \ Auf diese Art wäre jederzeit eine Scheidung möglich, wenn 1 widrige Umstände sie gebieten sollten. Bemerkenswert ist die j Art, wie das oben erwähnte Kapital, wenigstens der Hauptsache j nach, zusammengebracht wurde. Es vereinigte sich nämlich eine größere Anzahl von Hausfrauen zu dem Zwecke, auf die. Dauer von drei Jahren wöchentlich eine Mark vom Haus- \ Haltungsgeld für das Schwesternheim herzugeben, und aus j diese Weise kam der größte Teil des Geldes zusammen. Die \ Sache hat neben der praktischen auch die hochideäle Seite, daß § jede dieser Frauen sich gewiffermaßen vom eigenen Munde :| abzog, was sie darbrachte, und dadurch das Gebotene so rech I als eine Gäbe des Herzens kennzeichnete. Etwa 300 Personen, d. h. so viele, wie der größte Raum, V der Betsal, unter Ausnutzung, aller Ecken, Eckchen und des j angrenzenden Flurs fassen konnte, mochten erschienen sein, j um dem bedeutungsvollen Akte der Einweihung beij zuwohnen. Die Behörde war durch einen Geheimen Medizinalrat vertreten. Als Vorsitzender des Asyl- Kuratoriums übergab Herr Justizrat - Eltzbacher dem Schwesternvereine das neue Haus, indem er in warmen Worten die Opserwilligkeit derer pries, die das Werk .so schön förderten.! Herr Dr. B. Auerbach dankte namens des Vereins und schilderte | die Entwicklung des letzteren, namentlich auf die.Gewissen- J Hastigkeit verweisend, mit der die Schwestern der ihnen übertragenen Verantwortung für Leben und Gesundheit gerecht, würden. Besondere Worte der Anerkennung und des Dankes fand er auch für den Frankfurter Schwesternverein, der dem hiesigen nicht nur als Vorbild diente, sondern auch alle Förderung angedeihen ließ, und der auch bei dieser Feier durch seine Oberin vertreten war. Frau Jacob Strauß dankte für die Damen des Vereins. In herzlichen Worten brachten noch Glückwünsche dar Herr Stadtverordneter Eliel als Vorsitzender des Vorstandes der hiesigen Synagogengememde, Herr Dr. Ad. Apfel für die Rheinlandloge, Herr Rechtsanwalt