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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-02-21 · Heft 8 (21.2.1908) · p. Seite 87

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 8 (21.2.1908)
Date
1908-02-21
Page
Seite 87 (sequence 5)
Language
German
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-Die- Einberufung des ungarisch-israelitischen Landeskongresses scheint nunmehr gesichert. Einer Abordnung sämtlicher - Distriktspräsidenten antwortete der Kultus- und Ünterrichtsminister Graf Albert Apponyi aus ihre Ansprache folgendes: Geehrte Herren! Der Umstand, daß der erste Schritt, den ich da unternommen habe, lange aus sich warten ließ, hat vielleicht manche auf den Gedanken gebracht, daß ich nicht die Absicht habe, mich mit der Regelung der Angelegenheiten der vaterländischen Judenschaft zu befassen, und ich bin vielleicht auch schon Vorwürfen darüber begegnet, daß es mir in nicht ganz zwei Jahren nicht gelungen ist, dasjenige zu regeln, was meinen Vorgängern in vierzig.Jahren zu regeln nicht gelungen ist. Ich begreife, daß die Herren sich unbehaglich fühlen in der Lage, in der die jüdische Konfession sich derzeit befindet, aber nicht unbehaglicher, wie ich mich gerade dieser Konfession gegenüber fühle, da ich in diesem Ministerium zuweilen solche Fragen zu entscheiden habe, die ich nicht verstehe und zu welchen, selbst wenn ich sie verstünde, ich keine Kompetenz in mir fühle, vermöge jener Grundsätze der Gewissensfreiheit und der Glaubensfreiheit, welche die Grundlage meines Wirkens bilden. Ich habe also gerade wegen der Schwierigkeit des Problems lange darüber nachgedacht, bis ich endlich zu dem Entschlüsse gelangte, daß es das Zweckmäßigste sei, wenn ich vor allem diejenigen anhöre, die in dieser Beziehung am meisten kompetent sind, sich zu äußern, und zwar ohne Rücksicht auf jene Schattierungen, die im Schoße der Judenschaft bestehen, jeden, jedermanns Meinungsäußerung anhöre. Es ist mein warmer Wunsch, daß es mir, geleitet von Ihrem.weisen Rate, gelingen möge, in unserem Vaterlande das Gebäude der Rechtsgleichheit und des konfessionellen Friedens dadurch zu vervollständigen, - daß auch die Judenschaft ihre autonome Organisation erlange und daß ihr Verhältnis zu diesem Staate aus solche Grundlagen gestellt werde, welche der wahren Rechtsgleichheit und Gewissenssreiheit entspricht. (Lebhafte Eljenrufe.). Daran arbeite ich, und ich entnahm mit großer Beruhigung den Ausführungen Ihres Präsidenten, der mein früherer Abgeordnetenkollege Und auch jetzt noch mein Freund ist, daß Sie sich dafür einsetzen werden, eine solche Organisation zu schaffen, innerhalb welcher an niemandens Gewissensfreiheit ein Abbruch geschehe (lebhafte Zustimmung), denn gerade das ist die einzige Sache, in welche ich mich unter keinen Umständen schicken könnte, daß nämlich, wem immer zuliebe, die Gewissensfreiheit anderer, mögen diese viele oder wenige sein, verletzt werde. (Großer Beifall.) Ich Hoffe, daß wir, nachdem uns dieselben Prinzipien leiten, Sie, von denen ich die Initiative erwarte, und ich, dem die schwere Aufgabe zufällt, die von Ihnen erhaltenen Ratschläge, Aufklärungen und Direktiven in Form zu bringen, auch diesen Weg zurücklegen werden, mit mehr Erfolg, als es bisher geschehen i|*t. Bei mir ist in dieser Hinsicht der beste Wille vorhanden. Ich danke sehr für Ihr freundliches Erscheinen. (Lebhaste Eljenrufe.) Der Minister sprach noch eine Zeitlang mit den Mitgliedern der Deputation, die sich hierauf zum Staatssekretär Johann Toth begaben. Der Staatssekretär erwiderte die Ansprache des Vorsitzenden gleichfalls in der herzlichsten Weise und äußerte sich dahin, daß er sich mit den Angelegenheiten, der israelitischen Konfession gründlich befasse und sie mit sehr großer Wärme und großem Wohlwollen behandle. (Eljenrufe.) Er sehe demnach mit großen Erwartungen der Arbeit -der Versammlung der Präsidenten entgegen, wie sie nämlich in der wirklich schweren, seit Jahrzehnten ungelösten Frage, mit welcher sich nun das Ministerium beschäftigt, diesem wird den Weg weisen können. (Großer Beifall.) . Es wird unsere Leser interessieren zu hören, daß der greise Gelehrte Professor Armin Vämbery in Budapest, dessen eigenartige Autobiographie wir schon in einigen Nummern unseres Blattes im Auszuge brachten, noch immer in größter geistiger Frische seine rastlose Feder in den Dienst der Politik stellt: In der Donnerstagsitzung des englischen Oberhauses ist sein Name in ehrender.- Weise genannt worden. Lord Curzon, der frühere Vizekönig von Indien, hielt seine Jungfernrede und griff die Regierung wegen des britischrussischen Asienvertrages in einer langen und glänzend begründeten Rede an, worauf ihm der Vertreter des Auswärtigen Amtes, Lord Fitzmaurice, folgendes erwiderte: „Die Argumente des edlen Lords stammen von einem hochberühmten und aufrichtigen, Freund Englands, von Professor Armin Vümböry, der alle die eben angeführten Einwendungen gegen die britisch-russische Entente in einer Reihe von Artikeln veröffentlicht hat,, die teilweise in der „Morning Post“ erschienen sind/ Gegen diese Einwendungen selbst aber konnte Lord Fitzmaurice auch nichts Vorbringen; sie wurden auch vom Hause als wohlbegründet anerkannt, wie die häufigen Beifallsrufe bewiesen. Immerhin ein schöner Erfolg, den. der einstige arme,, ungebildete ungarische Judenjunge und jetzige hochberühmte Orientalist errungen hat! ' $ Die lange Reihe der Begnadigungen der Verbrecher vom Verbände des russischen Volkes vermehrt sich durch die! neuerdings erfolgte Begnadigung der Unholde, welche int Oktober 1905 den Pogrom in Tschernigow veranstaltet haben und im vergangenen Jahre vom Gericht zum Verlust aller bürgerlichen Rechte und einigen Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden waren. Die große Zahl der Begnadigungen war bereits ein Beweis dafür, daß man es hier mit einem System — der Ermutigung der Räuber und Mörder. — zu tun hat, die man als Bundesgenossen im Kampfe gegen die Revolution willkommen heißt. Nun erführt die „Ruff. Korr.", daß der Zar in einer Audienz, die er dem Grafen Konownitzyn, dem Odeffaer Führer des Verbandes echt russischer Leute, gewährte, offen die Versicherung abgegeben hat, daß er keine von den Personen, die wegen der Pogrome verurteilt worden sind, eine Strafe erleiden laffen werde. — Es ist wahr, erwiderte der Monarch auf die Klagen Konownitzyus, daß die Gerichte oft formell Vorgehen und die Angeklagten verurteilen müssen. „Ich gebe Ihnen aber mein Kaiserwort darauf, daß den Verurteilten die Strafe erlassen werden wird." Die Straflosigkeit ist auch wirklich für diese Verbrecher allgemein geworden. Die Angeklagten im Prozeß wegen des Pogroms in Orscha riefen den Richtern zu: „Verurteilt uns, so viel ihr wollt. — Wir haben unseren Beschützer.— den Kaise r." Auch nur ein Wort zu diesem Bericht hinzuzufügen, wäre mehr als schädlich! Am schlimmsten haust natürlich die Gesellschaft in Odessa. Diese Stadt hat in General Tolmaschew einen neuert Generalgouverneur erhalten. Aber die Hoffnung der Bewohner, daß dieser mit den gesetzlosen Zuständen, die- Handel und Wandel in der Stadt so schwer schädigen, aufräumen werde, ist bereits längst zuschanden geworden. Der slrademilche Verein kür jüdische Geschichte und Literatur. Von Dr. Julius Cohen. m 22. d. M. vollendet der A. I. G. D. sein fünfzigstes: Semester und die große Schar der A. H. A. H. und; aktiven Mitglieder blickt mit freudiger Genugtuung aus diese erfolgreiche Zeit seines Bestehens zurück. Wenn es dem A. I. G. V. auch von dem Tage seiner Begründung an nicht an heftigen Anfeindungen gefehlt.hat, so hat eres doch verstanden^

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