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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-01-31 · Heft 5 (31.1.1908) · p. Seite 59

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 5 (31.1.1908)
Date
1908-01-31
Page
Seite 59 (sequence 13)
Language
German
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Mose erscheint, und als er in den Fürstenkreis tritt, ist sein Haupt von einem strahlenden Schein umwoben, sein Auge, vom Himmelslicht erglommen, glänzt, und aus seinen Zügen spricht hohe Würde, die, Ehrfurcht gebietend, jedes Herz besiegt- Auf die Frage . des Königs, was die Brüder nach des Niles Strand geführt habe und was sie hier wollen, ergreift Aron das Wort und sagt, daß ein allgewaltiger König, wie sonst kein zweiter hier aus Erden lebe und dem auch Pharao und alle Fürsten untertänig seien, sie gesandt habe. Als Aron geendet, saß Pharao stumm da, in Gedanken versunken, das Brüderpaar anblickend. Sei in der Tat die Sendung von Gott ausgegangen, so müsse er dafür ein Unterpfand besitzen, dann wolle er des Volkes Schmach sühnen und dessen Sklavenfesseln lösen; vor allem müsse er daher der Allmächtigen Wunder schauen. Und alsogleich schleuderte Mose flammenden Antlitzes den weißen Stab in den Königssaal, und der Stab verwandelte sich sofort zu einer Riesenschlange, so daß die bangen Höflinge entflohen. Selbst stolze Krieger suchten dem Ungetüm sich schleimigst zu entziehen, da faßte Mose die Riesenglieder, nnd aufs neue ward die Schlange zum weißen Stabe. Doch dieses Wunderwerk imponierte Pharao nicht, er erklärt dasselbe für ein listiges, gaukterisches Werk, und vor Zorn und Wut verbannte er die Brüder aus seinem Reiche, begleitet von dem Hohn und dem Spott der Höflinge. Nachdem mit Güte dem Pharao und seinen Bütteln nicht beizukommen war, beschwor Mose alle Plagen Aegyptens auf dieses Land und seinen König, und furchtbar raste in jenem Reiche des Nils der Plagen schwere Wut, die Flammengeißel über Volk und Land schwingend. Noch immer war aber das grausame Herz Pharaos nicht zu erweichen, obschon bereits neun Plagen vor sich gegangen und die edelsten und die besten Kinder des Landes hingerafft waren. . Erst bei der zehnten Plage, als auch der Kronprinz, des Reiches Erbe, vom Tode erfaßt wird, wird Pharao von namenlosem Schrecken ergriffen, und vernichtet und angstbeklommen läßt er den Himmelsboten vor sich kommen. - Zieht fort von hinnen mit den Sklaven allen. Das ganze Volk zieh' fort aus meinem Land. Des Todeswut durchwühlt des Reiches Hallen, Schwer ruht auf mir der Allmacht Zorneshand; So mag es denn zur fernen Wüste wallen. Wie Ihr verlangt, die euch ein Gott gesandt, Denn klar und deutlich seh' ich's nun mit Zagen, Die Gottheit war's, die also mich geschlagen! Und so geschah's. So zog nach vielen Jahren, Erlöst vom Druck der tiefsten Sklaverei, Ten Brüdern nach, die seine Freiheit-wahren, Israel jetzt, von Schmerz und Trübsinn frei; An Zahl fechshunderttausend, ziehen die Scharen Durchs Land daher mit Sang und Lnstgeschrei, Und Weib und Kind im dicht'sten Gedränge. Daß zahllos fast erschien des Volkes Menge! Auch die drei anderen Kapitel enthalten eine Fülle der poetischsten, geist- und gemütvollsten Schilderungen aus dem Leben Moses und des israelitischen Volkes. Es ist zu bedauern, daß diese Perle der epischen Dichtung leider nicht so bekannt ist, wie sie es wohl verdient hätte; sie sollte in keinem jüdischen Hause fehlen, denn sie wirkt auf Herz und Gemüt wie ein poetisches Erbauungswerk ersten Ranges. Sie schließt nlit folgender Strophe, mit der wir auch von dem edlen Dichter scheiden: So sinkt die Sonne, wenn ihr Strahlenregen - Den Tag erquickt, im hellen Abendröte, Es wogt die Saat, dem Erdenschoß entwunden. Das Leben jauchzt, erstanden ist das Tote, Und allgewaltig wirkt ihr reicher Segen; Und ob die Herrliche im Lauf der Stunden Den: bangen Aug' entschwunden, Doch nicht versieget ist des Heiles Quelle; Den Flammenbecher hot die Welt getrunken Und Nacht und Nebel lichten seine Funken, Und unvergänglich strahlt die ew'ge Helle! So ist des Geistes Strahl kein Kind der Zeiten, Die Scholle fällt, fein Reich sind Ewigkeiten! Wklke Matter. Memoiren eines alten Stadtviertels. Von Felix Brodowski. msm II. V*^etet ist alt, Netel ist unbeholfen, Netel ist schon einfältig wie ein Kind. So sagen die Leute, aber welche? Dort war ein gewisser Schurke, Glik, der Betrüger Glik oder Wucherer Glik, wie Ihr wollt. Seines Vornamens entsinne ich mich nicht mehr. Und dieser Glik, welcher, wie es scheint, gleich Baum, Jude war, vor allem aber ein Dieb und Taugenichts, führte seit vielen Jahren einen Prozeß mit Baum des alten Hauses wegen. Ich weiß nicht, worauf er seine Ansprüche stützte, und wie mir scheint, hatte er keine Aussicht, den Prozeß gerichtlich zu gewinnen, dennoch war er eine Plage für das Haus und für Netel: jenem drohte er mit Verkauf und Zerstörung und diesen nannte er öffentlich unfähig und dumm. Nichts in der Welt findet soviel Anklang, wie die gemeine Lüge. Daher hörte man aus vieler Leute Munde, daß das alte, gelbe Haus ein Schandfleck für die Straße, und Netel ein kindischer Greis sei. Viktor und Salomon, Netels Söhne, bestritten diese Aussage nicht; was aber waren Viktor und Salomon? Sie waren böse, beschränkte und schädliche Kreaturen. Sie hatten beide auf ihrem Gewissen mehr Menschen, die sie zu Verzweiflung und Mord getrieben hatten, als der gefürchtetste, gerichtete Straßenräuber aufzuzählen vermochte. Viktor und Salomon waren nie gerichtlich bestraft worden, daher führten sie ihre Handlungen mit solcher Ruhe aus, mit solchem Selbstbewußtsein, mit solch gutmütigem Lächeln, wie es kein Mörder zustande brächte, wenn er nicht sicher wäre, daß das, was er tut, gut. gerecht und nützlich sei. Sie waren davon in solchem Maße überzeugt, daß sie Wucher, Gewinn, Prellerei, Egoismus, Haß als Prinzip betrachteten, ja, mehr als Prinzip, als etwas, was jedem Menschen eigen ist, sofern er kein verrückter Greis, kein unerfahrenes Kind, noch beschränkter Mensch sei — als etwas, an dessen Nichtigkeit man weder zweifeln, weder darüber debattieren, noch davon überzeugen kann, da es aus sich selbst entsteht und in der Natur der Dinge liegt. Netel zum Beispiel zweifelte daran, und da er selbst sein ganzes Leben lang nur Weinhändler und kein Wucherer war. bedauerte er den Tagelöhner, dessen Handwerkzeug Viktor für eine unbezahlte Schuld verkaufte. Daher sahen Viktor und Salomon, so wie Glik, in

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