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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-01-31 · Heft 5 (31.1.1908) · p. Seite 58

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 5 (31.1.1908)
Date
1908-01-31
Page
Seite 58 (sequence 12)
Language
German
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’58 erlösender Humanität. Ist er doch selbst ein Sproß des Jsraelitenstammes, und das Leid und Weh seiner Brüder zu lindern hat er sich vorgenommen, und dieses Ziel schwebt ihm stets vor: Nicht eitler Glanz vermag sein Herz zu rühren; Zu Höherm ward sein großer Geist berufen, Sein Volk zu schwingen auf des Glückes Stufen, Begeisternd es der Hochtat zuzuführen. Das Schmackerstarrte glühend zu beseelen, Dem Leben es, dem Ruhme zu vermählen. Aus dem Bunde der Mächtigen dieser Welt, steigt er, ein armer Leidensbruder, in das Tal seiner Leidensgefährten, denn der Schmerzensruf der Geplagten und Entrechteten war zu seinen Ohren gedrungen, und es schien ihm nun die Zeit gekommen zu sein, um tatkräftig für sie einzutreten und an ihre Rettung zu denken. Doch wie soll er helfen? Allein steht er im weiten Lebensreiche. Wie konnte er das Riesenwerk durch eigene Kraft vollbringen, zumal die Schar der Feinde so groß war? Doch verzagte er nicht, denn ihm ward Gottes Sendung zur Rettung und Befreiung der in Sklaverei und Knechtschaft Schmachtenden. Weil er den Schergen, der seine arbeitenden Brüder gegeißelt, von Wut übermannt, getötet, muß er fliehen und das Reich der Pharaonen verlassen. Er flüchtet zum freien Hirtenstamm, der in Arabiens beglückenden Landen, noch unberührt von der Flamme wilder Habsucht, nur Liebe kennt und üppige Fluren und Weiden. Tort lebt er still und Zurückgezogen, um im frommen Hirtenkreis selbst ein Hirt zu werden. Als er nach Jahren, am Berge Horeb weidend, der früheren Tage und des traurigen Loses seiner Brüder gedachte, hörte er plötzlich ringsum Rauschen im duftigen Frühlingsblühen, wie Sphärenklang und Eugelsharmonieu. Die Luft zerfließt in himmlisch süßen Düften und in den Lüften segeln Riesenaare und Nachtigallen singen Jubellieder. Mose blickt scheu nach oben und kann all das Wunderbare, das sich jetzt um ihn ereignet, nicht fassen, und siehe da, plötzlich sieht er einen Dornenbusch in Heller Glut und Flamme, und das Merkwürdige ist, daß, obschon der Dornenbusch stundenlang brennt, flammt und raucht, er dennoch nicht zur Asche wird. Nun erfaßt ihn Angst und er will dem brennenden Dornenbusch nähertreten, da schallt ein himmlischer Torr an seine Ohren und er.hört eine Stimme, die ihm verkündet, daß Gott ihn zu seinem Knecht ernennen und ihn in Kampf und Nöte senden wolle, gleich dem Blitz, der da sprühe, rausche und zünde und donnernd von Gottes Macht und Größe spreche. Sv sollst auch Du mein Himmelswort verkünden, Und Licht sollst Du verleih'n den Geistesblinden, Mein Volk befrei'n, und decken seine Blöße; Noch hat sein Gott sich nicht von ihm gewendet, Dem Volke sag', daß Dich Jehova sendet! Die Stimme Gottes im Dornenbusch gebietet ihm, mit Kraft sich die Lenden zu umgürten und mit zuversichtlicher Stimme den Leidenden Trost und Frieden zu verkünden. Nicht ferner soll er bei den Schwachen, den Hirten verbleiben, sondern den Wanderstab' ergreifen und in das wildbewegte Leben sich stürzen. Gott wolle ihm das Auge stärken und seine Arme zu großen Werken stählen; denn er habe ihn zu etwas Hohem beschieden. Ueberall lege er Zeugnis ab von der Allmacht und der Allweisheit des Allerhöchsten. Denn was sich nur im weiten All gestaltet. Auf Berg und Tal, in Schlünden nnd in Flüssen, So weit der Schöpfung Werderuf erklungen, Ob Meere rauschen oder Blumen sprießen, Es ist mein Hauch, der überall zeugt und waltet. Mein Hauch ist's, der den Aetherkranz geschlungen; . Von meinem Blick durchdrungen. Flammt hoch das Morgenrot, des Ostens Leuchte. Der Lenz erblüht aus meines Atems Wehen, Und was nun ist, kann nur durch mich bestehen. Wo ist der Ort, wohin mein Arm nicht reichte? Der Zeitenknaul ist mir ein einziger Morgen, Und keine Zukunft bleibet mir verborgen. Der Mensch allein, der Schwächste und Kleinste der Staubgeborenen, habe vom Himmel die schönste und der Freude reinste Gabe erhalten, nämlich der Seele Frucht und des Geistes üppige Reben; in seiner Brust lebe eine ganze Welt, und die Weisheit seines Hauptes kröne ihn zum Herrscher int Erdenleben; Erkenntnis leuchte ihm als Geistesfackel. und er, an Körperkraft der Schwächste, stehe da groß an Freiheit und sei der Höchste durch Geisteskraft. Seine Aufgabe sei, das göttliche Wort der Welt zu verkünden und sich durch hohe Taten und im Kamps mit irdischen Widerwärtigkeiten den Weg ztim Himmel zu bahnen. So laß, mein Knecht, auch Deinen Trübsinn schwinden, Umgürt Dich mit dem Harnisch der Geweihten, Für Deinen Gott zu streiten. Dein Volk zu reißen aus des Unheils Kerker; Ob Deiner Feinde Zahl wie Sand im Meere, Ihr Panzer Erz, gewaltig ihre Speere, An Kräften stark, an Trug und Tücke stärker, Geh' hin, mein Knecht, und trotze ihren Scharen, Jehova will's. Dich wird Dein Gott bewahren! Der dramatisch belebteste und packendste Abschnitt ist der zweite Gesang „Die Befreiung". Wir sehen Mose.mit seinen hohen Zwecken wachsen, und werfen einen Blick in seine geistige Werkstatt, in. die Entwicklung seiner Freiheitsideen und seiner kühnen Entschlüsse. Er, der Gottes urgewaltige Größe erkennt, wird durch des Herrn Gnade selbst rieseustark und durch die Glut der Ueberzeugung zur Begeisterung entflammt. Mutig und kühn verläßt er mit all den Seinen Midiaus Gebiet; durch Wüsten und auf steilen Vergesrücken meint er auf üppiger Blumenflur zu gehen, kahle Felsen scheinen sich ihm zu schmücken, ja.selbst der Baum mit Blättern und mit Zweigen scheint glückverkündend und grüßend sich zu neigen. Der himmlische Strahl, der mächtig ihn getroffen, treibt ihn weg vom heimatlichen Herd, und vor seinen Augen, sieht er ein strahlendes Reich der Zukunft. Immer und immer denkt er nur des Feuerbusches und der heiligen Sendung, sowie der göttlichen Verheißung von der Befreiung-Israels aus den Sklavenketten.. Im Verein mit seinem Bruder,' dem Hohenpriester Aron, wallfahrtet er aufs neue nach dem Aegypterland, der Wiege ihrer Sehnsucht und ihrer Schmerzen. Dort versammelt er die Geistgeweihtelt um sich, die mit Flammenworten und mit Jubel den Himmelsboten begrüßen, ihn bittend, voranzuschreiten und sie zum Ziele zu geleiten, und weit und breit erschallt im ganzen Land die Kunde von dem Brüderpaar. Auch zum König Pharao dringt die Wundermär, die gleich dem Donner laut das Land durchhallt, und er braust im Zorn aus und befiehlt, daß man die Brüder sogleich in Fesseln schlage. Doch Mose erhebt den weißen Stab, uni sich blickend, und da geschieht ein Wunderwerk, denn die Kriegsknechte, die ihn und seinen Bruder nach * dem Kerker schleppen sollen, stehen marmorbleich da und wagen nicht, Hand an sie zu legen. Als der König hört, was sich begeben, ergreift auch ihn ein Angstgefühl; da nun auch die stärksten Männer des Landes vor Furcht beben, läßt er durch seinen Herold das Brüderpaar zu sich .bitten, sie vor seinen königlichen Richterstuhl ladend und ihnen Huld und Gnade verheißend.

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