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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-01-31 · Heft 5 (31.1.1908) · p. Seite 57

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 5 (31.1.1908)
Date
1908-01-31
Page
Seite 57 (sequence 11)
Language
German
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- Me Unvereinbarkeit der'emzelnemRichtnngen imJudentum wurdedurch die Rabbinerversammlungen noch besonders klar dargetan. Der Jude ist zu sehr religiöser Demokrat, das Judentum ist ~pi sehr Laienreligion, als daß eine derartige Theologenversammlung in ihren Beschlüssen hätte allgemeine Anerkennungsin den können. Dazu charakterisierte diese Beschlüsse ein Nachhinken hinter der Praxis, die längst jene Fragen entschieden hatte, ein wichtiges Diskutieren über Dinge, welche der Mehrzahl der Gemeinden kleinlich erscheinen mußten. Inzwischen war auch das christliche Europa reif für den Gedanken der Judenemanzipation geworden. - Die bürgerliche Gleichstellung der Juden ward zu einem Grundsatz liberaler Politik erhoben. Jetzt galt es, das innerlich Empfundene zum äußerlich festgelegten Rechte zu machen. In Gabriel.Rießer 'fanden. die deutschen Juden den trefflichsten Anwalt ihres Rechtes. Das vorbildliche Auftreten der jüdischen Volksvertreter im Frankfurter Parlament rechtfertigte vollauf das Vertrauen, welches das deutsche Volk in seine jüdischen Mitbürger setzte, Wenn trotzdem die Judenemanzipation in der Mitte des 19. Jahrhunderts ohne eigentliche Wirkung blieb, so lag das durchaus nicht daran, weil ihr der ausreichende Rückhalt im Volke fehlte. Sie war vielmehr gegen die Regierungen durchgesetzt worden und mußte darum, sobald die Regierungen wieder zur Macht gekommen waren, mit allen anderen in der Revolution durchgesetzten „liberalen Neuerungen" von den Regierungskreisen angefeindet oder wenigstens auf dem Verwaltungswege außer Kraft gesetzt werden. An der papiernen Emanzipation von 1848/49 hauten wir noch heute. Sie ist mehr als Verheißung denn als Erfüllung zu bewerten. Wenn sie auch nur Theorie geblieben ist — die Juden haben alles, was eine Minderheit leisten kann, zur Verteidigung und zur Durchsetzung ihrer Gleichstellung unternommen. Das Judentum hat im neunzehnten Jahrhundert das Problem zu lösen gehabt, mit der Treue zum Glauben der Väter Verständnis und Befähigung für . die Neuzeitkultur zu verbinden (Philippson S. 390). Diesem Problem ist es gerecht geworden. Seine Bemühungen, dieses Problem zu lösen, wird uns der zweite Band des Philippsonschen Werkes schildern. Wir haben, um Mit Ludwig Philippson zu reden, „von der Aufhebung des.Leibzolls bis zur verfassungsmäßigen Geltung' aller bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte trotz aller zeitweisen Angriffe und Reaktionsversuche einen weiten Weg zurückgelegt, der zu Zielen geführt hat, von welchen wir nie wieder zurückgedrängt werden können (Kayserling, Philippson S. 328)". - Jeder Gebildete, vor allen der gebildete Jude, hat die Ehrenpflicht, die Judengeschichte der Neuzeit, das ist die Geschichte des Ringens der Juden um die Menschen- und Bürgerrechte, kennen zu lernen. Zum Einzelstudium fehlt den meisten die Muße und Möglichkeit, zum Gesamtüberblick mangelt den meisten der weite Blick. Nun haben wir in Philippson' den treuen ' Führer gefunden. Freimütig, offenherzig,, charaktervoll, ohne Liebesdienerei, so objektiv wie überhaupt ein Mensch sein kann, der mit dem Herzen bei seiner Sache ist, erzählt uns Philippson in packender, sich oft zu künstlerischer Höhe erhebenden Sprache die Neuzeitgeschichte des Judentums. Nochist der geschilderte Kampf nicht entschieden, und wir brauchen Kämpfer. Wer ein Mitstreiter fein will, der lese Philippsons Buch, und flammende Entrüstung über Israels Entrechtung wird sich in ihm abklären zu ernster Begeisterung für Israels heiligen Kampf um sein Recht!') 9 Zum Schluß einige wenige Berichtigungen. S. 9: Der Zeichner und- Radierer Dominique Vivant Denon (1747—1825) war kein Moritz Sappsport. . V Von Dr. Adolph Kohut. II. - inen echten und wahren Dichter von Gestaltungskraft, ■ lebhafter Phantasie und glänzender Versifikation, sehen wir in Moriz Rappaport. Seine Poesie hat etwas Einschmeichelndes. Wie er Mose betrachtet und hinstellt, das erfahren wir aus dem Einleitungsgedicht zu seinem Epos. Er führt uns in die altersgraue Zeit zurück, als noch die Welt vom Wunderschein verklärt .dalag und Engel liebend niederstiegen, zu den Menschen einkehrend, und als der Sinn und die Sitten der Menschen noch rein waren. In Wundern hat der Herr zur Welt gesprochen, Einst in der Menschheit früher Kinderzeit. Nun hat Erkenntnis Bahnen sich gebrochen, ' Da Alterskraft den Menschengeist geweiht.; Doch stets hat höh're Macht den Damm durchstochen, Der frevelnd kühn der Wahrheit Hemmung beut, Und was in Wundern einst die Welt erfahren, Errang der Geist nach viermal tausend Jahren. Die Mosaide gliedert sich in fünf Gesänge, betitelt: „Die Sendung", Die Befreiung", „Die Wanderung in der Wüste", „Die Gesetzesgebung" und „Moses Tod". Innerhalb dieses Rahmens erschöpft der Verfasser den ganzen reichen Inhalt des Lebens des Gesetzgebers und des von ihm geschaffenen unsterblichen Werks. Was diesem Epos einen besonderen Reiz verleiht, ist der Umstand, daß bei aller Objektivität, der geschichtlichen Schilderung das psychologische Element und die Stimmung eine hervorragende Rolle spielen. Die eingestreuten Reflexionen unterbrechen nicht den fortschreitenden Gang der dramatisch belebten Handlung; nirgend ist Schwulst oder Bombast zu verzeichnen, vielmehr zeichnet sich die Sprache durch ihre Einfachheit, Schlichtheit und einen hohen Adel der Gesinnung aus. Im ersten Teil sehen wir in packenden Bildern vor unserim geistigen Auge all die Leiden und Qualen Israels im Pharaonenlande vorüberziehen. Immer stärker wird der Dränger Treiben, überall im Lande herrscht Sklaverei, Not, Elend und Drangsal. Die Geister sind gelähmt und die Körper ermattet, die Manneskraft Israels ist längst im Staub erlegen; man hört nur Klagen und sieht nur Tränen rinnen. Da, in höchster Not, als man kaum noch an eine Rettung denken konnte, öffnet sich der Fürstenpalast des Pharaonen, und glanzschimmernd kommt ein Jüngling herangegangen, auf dessen Antlitz Anmut thront, dessen Auge von Geist' des Lichts beseelt flammt und dessen jugendfrische Wangen purpurn glühen. Vom königlichen Schloß eilt er in die Mitte der in bitterer Not arbeitenden Israeliten. Alles horcht auf, wenn der Jüngling spricht, das Volk tröstend; seine Redekraft hat etwas Gewaltiges, Hinreißendes und zugleich' Hoffnungerweckendes. Jedes Wort verrät den hohen Geist des Fürstensohnes, ' der noch zu Großem berufen sei; aber nicht in kriegerischen Eroberungen, im blutigen Waffentanz sucht er die Befriedigung seines Ehrgeizes, sondern in Taten welt- Jude. ©. 65 lies: Hartog Lemon (Hirz Levi Rose). S. 103 lies: M. I. Bresselau. S. 109: Ueber das Vorkommen und die Bedeutung des Hep Hep im 17. Jahrhundert s. Vogelftein-Rieger, Geschichte der Juden in Rom II, 323. ©.159: Die Orgel in Beers Synagoge war nicht die erste in der Kultusgeschichte des Judentums, s. Thalmiid babli Arachin 10b. S. 163 lies: Nogah Zedek. S. 183 lies: Versuche über Jissroels Pflichten. S. 194 lies: Samuel Aaron Romanelli. ©! 249 lies: Pflaumloch. - ,1 j/ . VvwisS'-Si^

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