Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-01-24 · Heft 4 (24.1.1908) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 4 (24.1.1908)
Date
1908-01-24
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228798-3228803--64164-3276215
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Gemeinde in Rasch kow hat ihre Auflösung beschlossen in der Absicht, sich der Gemeinde in Ostrowo anzuschließen. Die näheren Bedingungen über Leistungen und Gegenleistungen unterliegen noch dem Beschlüsse der Regierung zu Posen. Es ist das die vierte Synagogengemeinde, die in wenigen Jahren innerhalb der Provinz Posen, wo das jüdische Gemeindewesen einst so sehr blühte, eingeht. Es darf dieses um so mehr als ein Zeichen der Zeit und des wirtschaftlichen Rückganges gelten, als auch einst große Gemeinden an Zahl stark zusammenschrumpfen und gleichzeitig auch an Kapitalkraft erheblich eingebüßt haben. — Der Synagogendiener Knopfmacher in Wongrowitz ist kürzlich plötzlich am Herzschlag gestorben. — Der Besitzer des Rittergutes Wronjang bei Wollstein, Freiherr von Goldschmidt-Rothschild, hat dem Kriegerverein zu Kiebel 250 Mark zur Anschaffung einer Vereinsfahne als Geschenk überwiesen.— Kaufmann Schreyer in Lissa ist zum Magistratsmitglied daselbst gewählt und vom Regierungspräsidenten, bestätigt worden.— Kürzlich starb in Samter im Alter von 80 Jahren der Rentier Joseph Holländer, ein Mann, der sich wie selten einer um gemeinnützige Interessen der Gemeinde und der Stadt wohlverdient gemacht hat. Unter anderem war er mehrere Jahrzehnte hindurch Mitglied des jüdischen Schulvorstandes. Lange Zeit lag die Leitung der Synagogenangelegenheiten in seiner Hand und ein Menschenalter lang war er Stadtverordneter und Mitglied des Bureaus vom Stadtverordnetenkollegium. — In B orek hat letzthin die Generalversammlung des Israelitischen Krankenpflege- und Leichenbestattungsvereins den Kaufmann Tisch mann zum ersten Vorsteher und den Lehrer Ludwig Katz zum Schriftführer und Rendanten gewählt. — Ter Israelitische Beerdigungsverein in Schönlanke bat in seiner jüngsten Generalversammlung die Vorstandsmitglieder M. Goldstein, H. Joseph und H. Sinasohn wiedergewählt. Es wurden im letzten Jahre 380 Mark für wohltätige Zwecke verausgabt. Der Verein besteht länger als 100 Jahre. — Rentier Samulon in Ortelsburg ist zum Magistratsmitgliede daselbst gewählt worden. — Kürschnermeister Michael NossekinNa ke l beging neulich sein 50jährigesMeisterjubiläum, aus welchem Anlässe ihm Ovationen von verschiedenen Behörden dargebrächt wurden. — Die jüdische Volksschule in Zerkow ist jetzt von der Regierung zu Posen aufgelöst worden. Die wenigen Kinder wurden der evangelischen Schule daselbst einverleibt und der bisherige Lehrer Abraham ist an die jüdische Volksschule zu Kurnik versetzt worden. — Dem Sanitätsrat Dr. Sachs in Schönlanke ist anläßlich seines 70. Geburtstages der Rote Adlerorden vierter Klasse verliehen worden. Die Stadt, der er bereits seit 40 Jahren als Stadtverordneter angehört, hat ihm das Ehrenbürgerrecht verliehen. — Dem Fabisch Salzmann'schen Ehepaar in Ostrowo ist anläßlich der goldenen Hochzeit die Ehejubiläumsmedcnlle verliehen worden. — In sehr vielen Gemeinden der Provinz Posen sind jüdische Herren in Anerkennung ihrer Tüchtigkeit und ihrer Verdienste letzthin zu Stadtverordnetenvorstehern gewählt worden. Wir erwähnen nur unter anderen Justizrat Voß in Ostrowo, Sanitätsrat Simon in Lobsens, Gerichtsasseffor Dr. jur. Levy in Hohensalza und Rechtsanwalt Kantorowicz in Koschnin.—Kaufmann Aronsohn in Bromberg beging neulich das 25jährige Jubiläum seiner Zugehörigkeit zur Handelskammer daselbst als Vorsitzender. Die Handelskammer hat beschlossen, das Bild des Herrn Aronsohn im Sitzungssaale anzubringen und für diesen Zweck 300 Mark auszugeben. r. Bückeburg, 19. Januar. Durch Polizeiverordnung des Fürstlich - Schaumburg » Lippeschen Ministeriums vom 30. November v. I. war die vorgeschriebene Betäubung des Schlachtviehs auch auf das jüdisch-rituelle Schlachtverfahren (Schächten) ausgedehnt worden. Die Vorstände der Shnagogengemeinden des Fürstentums hatten in einer ausführlich begründeten Eingabe um Zurücknahme dieser Polizeiverordnung gebeten. Der Bitte ist durch Regierungsversügung vom 8. Januar 1908 stattgegeben, zur großen Freude der genannten Gemeinden, welche ihre Eingabe nicht bloß durch ihre religiösen Bedenken, sondern auch durch ein umfangreiches Material von Gutachten begründet hatten, welche die Behauptung der Schächtgegner von der tierquälerischen Natur des Verfahrens bündig widerlegen. M. Hamburg, 19. Januar. Die neue Verfassung unserer Gemeinde ist vom Vorstand und Repräsentanten-Kollegium angenonrmen worden und liegt zurzeit dem Senat zur Beschlußfassung vor. Heiß umstritten war nur der § 2, der außer den bestehenden Kultusverbänden, dem Synagogenpnd dem Tempelverband, noch weitere zulasfen will, wenn denselben mindestens 300 Gemeindesteuer leistende Mitglieder angehören. In diesem Paragraphen sehen die bestehenden Kultusverbände eine Schädigung ihrer Interessen, indem sie geltend machen, daß seinerzeit bei der Trennung der Gemeinde vom Kultus ihnen allein die Sorge für die kulturellen Bedürfnisse der Gemeindemitglieder übertragen worden sei. Die Vorstände des Synagogen- und des Tempelverbandes haben daraufhin beim Senate gemeinsam einen Protest gegen die genannte Bestimmung der Gemerndeverfassung eingebracht. In weiteren Kreisen der Gemeinde ist man gespannt, wie sich der Senat zu diesem Proteste stellen wird. Von größerer Bedeutung ist, daß die Vereinigung der Neuen Dammtor-Synagoge in der Benekestraße bereits die erforderliche Anzahl Unterschriften gesammelt hat, um sofort nach Genehmigung der neuen Verfassung durch den Senat beim Gemeinde- Vorstände Antrag stellen zu können, ihre Synagoge beziehungsweise Vereinigung als selbständigen Kultusverband anzuerkennen. i. Köln, 15. Januar. Der Minister der geistlichen, Unterrichts¬ und Medizinalangelegenheiten hat die mit dem israelitischen Asyl verbundene Krankenpflegeschule des „Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen, Köln" im Sinne des § 5 der Vorschriften über die staatliche Prüfung von Krankenpflegepersonen vom 10. Mai U907 als Krankenpflegeschule anerkannt und das Asyl als Prüfuugsstation im Sinne des § 2 der Vorschriften bestellt. Zu Mitgliedern der Prüfungskommission sind ernannt der Regierungs- und Medizinalrat. der ärztliche Lecker und der chirurgische Oberarzt des Asyls. Nach den neuen Bestimmungen des Vereins sind die eintretenden Pflegeschülerinnen verpflichtet, sich der staatlichen Prüfung am Ende der Lehrzeit zu unterziehen. i. Göppingen, 18. Januar. Am 8. Januar schied hier plötzlich Herr Kommerzienrat Leopold A. Gut mann aus dem Leben. Den in den lokalen wie verschiedenen auswärtigen Blättern erschienenen Nekrologen ist über den Lebenslauf des sehr bedeutenden Mannes zu entnehmen:. Geboren 1858 in dem benachbarten, bis vor wenigen Jahren eine eigene jüdische Gemeinde bildenden Jebenhausen, genoß er eine hervorragende Ausbildung und absolvierte die Technische Hochschule in Stuttgart, woselbst er sich als Mitbegründer der landsmannschaftlichen Verbindung „Saxonia" verewigte. Sodann Jahrzehnte lang Mitchef der Weltfirma A. Entmann & Co. in Göppingen und Hechingen entwickelte er eine auf kommerziellem Gebiete besonders hervorragende Tätigkeit, die vom Könige durch Verleihung des Titels eines Kommerzienrats anerkannt wurde. Gleichzeitig entfaltete er eine außerordentlich vielseitige Wirksamkeit auf gemeinnützigem Gebiete. So war er viele Jahre Vorstand und bis an sein Lebensende Ausschußmitglied des Göppinger Handels- und Gewerbevereins, Mitglied der Reutlinger Handelskammer, Mitglied des Göppinger Gemeinderats, Mitgründer der hiesigen „Mercuria" und eifriger Mitarbeiter zahlreicher Vereine. Aus Gesundheitsrücksichten hatte er sich vor Mehreren Jahren vom Geschäfte zurückgezogen, jedoch weiterhin mit allen seinen Kräften den öffentlichen Interessen dienend. Er war auch Vertrauensmann vieler auswärtiger Wohltätigkeitsvereine in hiesiger Gemeinde, so der „Israelitischen Allianz" in Berlin und des „Hilfsvereins der deutschen Juden". Einzigartig war der Mann in seiner Wohltätigkeit, die ihn zu einem wahren Vater der Armen ohne Unterschied der Konfession machte. Die hiesige israelitische Kirchengemeinde verliert ein besonders treues und opferwilliges Mitglied in ihm, was auch in einer außerordentlichen Sitzung des Kirchenvorsteheramtes protokollarisch zum Ausdruck gebracht wurde. Am 10. Januar fand die Beerdigung in Jebenhausen statt, an welcher nahezu 2000 Menschen trotz der Entfernung und trotz des ungünstigen Wetters teiluahmen. In ungemein eindrucksvoller und ergreifender Weise schilderte hier Herr Rabbiner Dr. Tänzer den Lebenslauf des Verstorbenen, dessen Charakter als Mensch und Wirken als Mitmensch ihn als Juden in wahrhaft edlem Sinne zeigen. Es sprachen sodann noch ein Vertreter des hiesigen Gemeinderates, der Reutlinger Handelskammer, des Handels- und Gewerbevereins, der Beamten, Meister und Arbeiter der Gutmannschen Fabriken, der „Mercuria", „Saxonia", des „Deutschen Volksvereins", der . ihn vor wenigen Wochen erst

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.