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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-01-24 · Heft 4 (24.1.1908) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 4 (24.1.1908)
Date
1908-01-24
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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neuerdings in den Gemeinderat gewählt hatte, und verschiedene andere. Ehre dem Andenken des edlen Menschen, dessen ganzes Leben ein wahrer Kiddusch Haschern gewesen ist. Gesterreich-MnMw. Wien, 20. Januar. Die Mißwirtschaft der Christlich- Sozialen wird ihnen vielleicht am ehesten ihren Sturz bereiten. In dieser Woche hat der niederösterreichische Landtag den Gesetzentwurf angenommen, durch welchen der Gemeinde Wien die Ermächtigung zur Aufnahme einer Anleihe im Betrage von 360 Millionen Kronen, bestimmt für verschiedene Investitionen, erteilt wird, und schon berichten die Blätter, daß der Direktor der Länderbank nach Berlin abgereist sei. um mit der „Deutschen Bank" wegen der Uebernahme der Anleihe zu konferieren. Die „Deutsche Bank" hat schon einmal Herrn Lueger, der das non ölet auf seine Fahne geschrieben, wirksam geholfen. — Große Empörung herrscht unter den hiesigen Antisemiten darüber, daß der diesjährige Grillparzerpreis Arthur Schnitzler zuerkannt worden ist und zwar für seine Komödie „Zwischenspiel". Diese Entscheidung kam um so überraschender, als bis vor kurzem noch Ernst v. Wildenbruch mit seiner „Rabensteinerin" als sicherer Preisträger galt. — Am 16 d. Mts. ist nach längerem Leiden der langjährige Herausgeber und Chefredakteur der „Neuen Freien Presse". Dr. Eduard Bacher, gestorben. Er stand im 61. Lebensjahre und hatte seit 1879 die Leitung der „Neuen Freien Presse" gemeinsam mit Moritz Benedikt inne. Bacher war ein Mann von hervorragendem Wissen und ein Politiker von Rang. Seine innerpolitischen Leitartikel, die er für sein Blatt schrieb — und er beschäftigte sich vorwiegend mit der inneren Politik Oesterreichs — zeichneten sich durch ihren klugen Ernst und nicht zuletzt durch ihre brillante Fassung aus. Die Wiener Journalistik verliert in Eduard Bacher einen ihrer hervorragendsten Vertreter. — Ein Iudentag für Galizien und die Bukowina wird geplant. In einer jüdischen Volksversammlung zu Radautz wurde der Plan gefaßt und angenommen. — Bei der jüngst stattgehabten Neuwahl der Budapest er jüdischen Gemeinderepräsentanz wurde buch der pensionierte Generalmajor Eduard Ritter von Schweitzer in die Repräsentanz' gewählt. Generalmajor von Schweitzer hat um seine Pensionierung angesucht, weil ihm seinerzeit deutlich nahegelegt wurde, daß er bereits die höchste Stufe erreicht habe, die ein Jude, ohne seinen Glauben aufzugeben, beim Militär erreichen könne. „Exzellenz" könne ein Jude in der österreichisch-ungarischen Armee nicht werden. Generalmajor Schweitzer hat noch während seiner aktiven Dienstzeit sich gerne mit den Angelegenheiten seiner Glaubensbrüder, soweit dies im Dienste zulässig war, beschäftigt. Seit seiner Pensionierung lebt er in Budapest und nimmt an den jüdischen öffentlichen Angelegenheiten regen Anteil. So wurde er auch in den von der Regierung eingesetzten (Budnpester) israelitischen Gemeindedistrikt entsendet. — Der Kustos an der k. k. Universitätsbibliothek in Wien, Dr. Salomon Frankfurter, hat das Ritterkreuz des Franz Joseph- Ordens erhalten. Vun Msh und ssern. — Wie bekannt, ist auf Antrag des Ersten Staatsanwalts beim Landgericht in Glogau gegen den Grafen Pückler-Klein-Tschirne das Entmündigungsverfahren, beim Amtsgericht Glogau wegen Geisteskrankheit beantragt worden. Das Geschick Pücklers gestaltet sich nun immer tragischer, denn diese Entmündigungssache und die Auswahl und Ernennung eines Vormundes sowie insbesondere die Führung der Vormundschaft fällt in das Dezernat eines jüdischen Richters, desselben, den Pückler einmal vor der Ferienstrafkammer abgelehnt hatte, was ihm jetzt nicht mehr möglich ist. — GeheimerJustizrat Freund in Breslau hat den Kronenorden II. Klasse erhalten. — Anläßlich der Einweihung des Jnstitutsgebäudes des Physikalischen Vereins in Frankfurt a. M. haben Herr Leo Ellinger den Charakter' als Kommerzienrat, Geheimer Kommerzienrat Leo Ganz und Herr Wilhelm Bonn den Roten Adlerorden III. Klasse erhalten. — In Frankfurt a. M. wurde Herr Dr. med. Simon Kirchheim, Chefarzt des Israelitischen Gemeinde-Hospitals, Vorsitzender des Schwestern-Verbandes und Sohn des bekannten Frankfurter Gelehrten Raphael Kirchheim, zum Stadtverordneten-Stellvertreter gewählt. — Dr. Neuhaus in Lauenburg (Pommern) ist zum Rabbiner der Synagogengemeinde Ostrowo gewählt worden. — In Straßburg ist am 20. d. M. der Präsident des israelitischen Konsistoriums des Bezirkes Unterelsaß, Sanitätsrat Dr. Gustav Levy, im Alter von 73 Jahren gestorben. — Die zwei in der letzten Zeit vorgenommenen Stadtmauer-Durchbrüche in Worms und die dort entstandenen Stadttor-Imitationen, die in mächtigen Bogenformen aus altem Steinwerk errichtet wurden, gereichen den betreffenden Stadtvierteln zu großer Verschönerung. Besonders gilt dies von dem eben seiner Vollendung entgegengehenden Raschitor. — Der Privatdozent Dr. Karl Neumeyer in München wurde zum außerordentlichen Professor ernannt. — Der Verdienstorden vom heiligen Michael IV. Klaffe wurde dem Kommerzienrat Ernst Tuch mann in Nürnberg verliehen. — Der in der vorigen Nummer erwähnte Hofrat Dr. Peretz selber in Würzburg ist nicht mehr Jude. — Herr Jonas Weil in Emmerdingen (Baden), der seit 18Jahren Obermeister der Bäckerinnung ist, — wohl der einzige jüdische Obermeister Deutschlands — ist bei seinem kürzlichen Rücktritt zum „Ehrenvorstand" ernannt. — Auf eine Anfrage an den Wintersportverein in Kitzbühel, welches der dortigen Hotels nicht judenrein zu bleiben wünscht, erhielt ein Herr Dr. K. P. unter dem 12. Dezember folgende Antwort: „Euer Hochwohlgeboren diene auf geehrte Anfrage, daß die Tendenz, den Ort „judenrein" zu halten, allgemein ist; wie es die einzelnen Gaststätten halten, entzieht sich unserer Kenntnis und Einsichtnahme." — Der König von Dänemark hat dem Delegierten der Pariser Gesellschaft für Statistik, Herrn Alfred Neymarck, anläßlich des Internationalen Kongresses für Statistik in Kopenhagen das Kommandeurkreuz des Danebrog-Ordens verliehen. Herr Neymarck gehört zu den rührigsten Mitgliedern des jüdischen Zentralkonfistoriums von Frankreich. — Vom Friedensverein in Malmö wurde das infolge der allgemeinen Landestrauer verschobene Nobelfest am 11. d. M. veranstaltet. Der Vorsitzende des Vereins Stadtpfarrer Frick ersuchte Rabbiner Dr. Wohlstein, den wissenschaftlichen Vortrag zu halten. Das Thema lautete: „Die Friedensidee in der Bibel." Das fast ausschließlich christliche Auditorium folgte mit gespannter Aufmerksamkeit den interessanten Ausführungen des Redners. — Am 16. d. M. wurde in Lodz der Fabrikbesitzer Jakob No senbla tt beim Verlassen seiner Wohnung von einem Unbekannten erschossen. — Einer der Führer des Vereins vom russischen Volk („schwarze Hundert"), Purifchkewitsch, ist vom Verein ausgeschlossen worden und hat einen neuen, ähnlichen Verein gegründet. Dadurch ist unter den schwarzen Brüdern Feindschaft ausgebrochen. — Abraham Goldfaden, der bekannte jüdische Dramatiker, der viele Stücke für die hiesigen jüdischen Theater geschrieben hat und wohl eine der populärsten Persönlichkeiten im New Jorker Jndenviertel war, ist dieser Tage gestorben. Seine Beisetzung führte zu tulmultarischen Szenen, da wohl nahezu 100 000 Menschen gekommen waren und den Sarg berühren wollten.^ Die Polizei war anfangs machtlos, bis sie Verstärkung erhielt. Die Straßen waren stundenlang gesperrt und der Verkehr unterbrochen. — Der Gouverneur der Kapkolonie hat Herrn E. H. Cotton zum Friedensrichter für Port Elisabeth ernannt. Mr. Cotton ist der Sohn des gewesenen Präsidenten der Bournemouther jüdischen Gemeinde Mr. Aaron Cotton. Der neue Friedensrichter hat seine Studien an der Londoner jüdischen Hochschule „Jews College" absolviert und ist seit mehreren Jahren auch Präsident der jüdischen Gemeinde von Port-Elisabeth, deren Synagoge er zum großen Teile aus eigenen Mitteln Herstellen ließ. Die nächsten Abfahrten von Post- und Passagier-Dampfern der! Hamburg-Amerika Linie finden statt: Nach New fyorkr 29/1. Postdampfer „Kaiserin AugusteVittoria", 1/2. „Patricia", 8/2. „Pretoria", 16/2. „Graf Waldersee", 19/2. „Amerika", 22/2. „President Lincoln", 29/2. „Präsident Grant", 4/3. „Kaiserin Auguste Vwtoria". Nach Boston: 31/1. Postdampser „Bosnia", 8/2. „Arkadia": Nach Baltimore: 31/1. Postdampfer „Bosnia", 8/2. „Arkadia". Nach Philadelphia: 4/2. Postdampfer „Albano". Nach Westindien: 25/1. Postdampfer „Odenwald". Nach Ostasten; 25/1. Postdampfer „Suevia", 30/1. „Langbant", 10/2. „Silesia". Arabisch-Persischer Dienstr 9/2. Postdampfer „Savoia".

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