Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1908)
- Date
- 1908-01-17
- Page
- Seite 34 (sequence 12)
- Language
- German
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Brande, der einen großen. Teil der Stadt einäscherte, wurde seine wertvolle Bibliothek mit vielen Handschriften ein Raub der Flammen. Dieses Brandunglück zwang ihn, zum Wanderstabe zu greisen. Er gab in den meisten Städten Ungarns Konzerte, mit denen er moralische und materielle Erfolge erzielt hat. Auf seiner Kunstreise kam er auch nach Wien, wo er zweimal in der Oper ausgetreten ist. Die Presse gedachte dieses Gastspieles mit der größten Anerkennung, und die Wiener ungarische Leibwache machte ihm in Anerkennung seiner herrlichen musikalischen Leistungen eine wertvolle Geige zum Geschenk. In Pest begegnete er anläßlich einer Serenade dem großen Geiger Johann Bihari, der seinem jungen Rivalen ungewöhnlich große Anerkennung gezollt hat. In TemesckMr war er drei Jahre lang Chordirigent der deutschen Oper. Im Jahre 1824 wurde er von Ignaz Ruzicska für die unter seiner Leitung stehende philharmonische Gesellschaft (die erste ungarische) engagiert, für deren periodische Zeitschrift er viele wertvolle Beiträge geliefert hat. Später war er der Primgeiger der ungarischen Schanspielertruppe, die sich im Pester Deutschen Theater produziert hat. Hier lernte das ungarische Publikum seine Kompositionen kennen und schätzen. Im Jahre 1837 trat er in den Verband des neuen Nationaltheaters. Bei der Eröffnungsfeier spielte die Theatermusik seine „ungarische Ouvertüre". Aber er war nur ein Jahr lang Mitglied des Nationaltheaters. In Ermanglung authentischer Daten können wir seinen weiteren Lebenslauf nicht verfolgen. Nur so viel ist bekannt, daß er später viele traurige Tage erlebt hat. Auf seinen Wanderungen durch Ungarn lebte er in großer Not und mußte sich schier unerträöttc^e Entbehrungen auferlegen. Zigeunerkapellen spielten wohl seines herrlichen Kompositionen, aber um ihren Autor kümmerte sich keine Menschenseele. Lavotte fiel als verkommener Landstreicher leblos in einer entlegenen Gasse de§ -Dorfes Tallha zusammen und Nozsavölgyi, der „Schöpfer entwickelter Kunstformen der ungarischen Musik", beendet als lumpiger Bettler sein trauriges Leben. Schade, daß von seinem Verhältnisse zu Petöfi nichts bekannt ist. Aber daß er ihn hochgeschätzt hat, unterliegt keinem Zweifel. Die seinem Andenken gewidmete Elegie ist eine Apotheose der ungarischen Musik, deren hervorragendster Vertreter er war. Mehrere seiner Werke sind noch bei seinen Lebzeiten im Druck erschienen. In den dreißiger Jahren gab der Kunsthändler Grimm vier Bände heraus. In Wien erschienen vierungarische Musikstücke. Im eigenen Verlage erschien sein volkstümlicher „Jndustrieschutz". Es läßt sich nicht in Abrede stellen, daß Nozsavölgyi ein originelles großes Musiktalent war. Seine Zeitgenossen hielten ihn für einen jüdischen „Zigeuner", aber in Wirklichkeit war er es nicht. Es gab nwhl seinerzeit jüdische Zigeuner, aber er konnte nicht zu ihnen gerechnet werden. Er führte bloß nach Art der Zigeuner ein Nomadenleben, aber er hatte nichts mit ihnen gemein. Seine berühmteste Komposition, den Hochzeitstanz, kennt man in der Umschreibung Pablo de Sarasates und Paganinis in der ganzen Welt. Wenn dieses herrliche Stück in Palästen und Hütten gespielt wird, denkt niemand daran, daß der eigentliche Komponist der „jüdische Zigeuner" war, dessen Andenken diese Zeilen gewidmet sind. Der Schutz. Von Dr. S. Luß-Monnheim. Hl. ^^^as Gesuch um den Schutzbrief, der allein Daniel die Möglichkeit der Verheiratung gegeben hätte, wurde nach monatelangem Hin- und 'Herschreiben und vielen persönlichen, nachdrücklichen Vorstellungen auf dem Landratsamt abgelehnt. Dieser Mißerfolg wurde wohl unangenehm empfunden, aber entmutigte nicht, da man vorausgesetzt hatte, daß er als fünfter Sohn nicht so leicht seinen Schutz erhalten würde. Die Jahre flössen in angestrengter Arbeit hin, das Geschäft vergrößerte sich und gestaltete sich immer eindringlicher, nachdem Daniel seinen Herrn veranlaßt hatte, wie er es im elterlichen Hause vor sich gesehen, auf kaltem Wege aus Spiritus und Wasser, Zucker und Essenzen allerlei feine Liköre zu fabrizieren und in schön etikettierten Flaschen an Wirte und Kaufleute zu verkaufen. Diesen Verkauf besorgte Jsenstein in der Hauptsache selbst, indem er auf größere Entfernungen, herumkutschierte, während Daniel diesen Teil des Geschäfts in den Orten der Umgegend, in welchen er bekannt und eingeführt war, zu fördern Gelegenheit hatte; denn noch immer ging er fünf Tage in der Woche, fein Reff hoch mit Waren beladen, auf den Handel aus. Ein Zufall brachte Daniels Namen m den Mund aller Leute der Umgegend. An einemkalten Wintermorgen ging er lange vor Tagesgrauen mit seinem schwer beladenen Reff vom Hause fort. Sein Weg führte ihn in einer Bergschlucht aufwärts; der Weg war durch die vielen Schlitten, auf welchen die Bauern das Holz aus dein Walde fuhren, glatt geworden; so daß das Gehen sehr beschwerlich war. Fast eine Stunde von seinem Dorfe entfernt, hörte er in einen! nach der Seite steil aufwärts führenden schmalen Fußpfade, auf dem man nach einem vereinzelt gelegenen Gutshofe gelangte, ein feines helles Glöckchen klingen. Dieser Ton war Daniel wohl bekannt, es mußte auf dem Gutshofe ein Sterbender sein, dem der Pfarrer seines Dorfes den letzten Trost des Glaubens gebracht hatte. Daniel ging etwas rascher, um möglichst an der Stelle, wo der Fußpfad in den breiten Waldweg einmündete, vorbeizukommen, ehe der Pfarrer sie erreichte, damit er einer erzwungenen, seiner religiösen Ueberzeugung widersprechenden Reverenz entginge. Plötzlich vernahm er ein lautes Schreien und Stöhnen von dem Fußpfade her. Er machte sich schnell vom Reffe frei, lehnte es einige Schritte seitwärts im Walde gegen einen Bäum und eilte nach der Stelle, woher das Geschrei ertönte. Dort fand er den Pfarrer auf dem Boden liegen, er hatte im Fallen auf dein glatten Wege den Knöchel gebrochen und der Meßner, der daneben stand und laut um Hilfe rief, konnte, da er ein älterer, schwacher Mann, dem wohlbeleibten Pfarrer nicht helfen. Daniel, der durch sein langjähriges Wandern mit dem schweren Warenpacken ein kräftiger, muskulöser Mann geworden war, nahm, ohne sich lange zu besinnen/den Pfarrei auf die Arme und trug ihn trotz dessen ansehnlicher Leibesfülle die Stunde Wegs nach seinem Dorfe zurück und machte sich sofort, nachdem er ihn 'im Pfarrhaus aufs Bett gelegt, auf den Rückweg, um sein im Stich gelassenes Reff mit Waren wieder aufzunehmen. Daniel hatte seine Tat als ganz selbstverständliche Erfüllung einer Menschenpflichb