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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-01-17 · Heft 3 (17.1.1908) · p. Seite 33

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 3 (17.1.1908)
Date
1908-01-17
Page
Seite 33 (sequence 11)
Language
German
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Schilderung ist so lebhaft und anregend, daß der Leser, mit fortgerissen wird aus dem rauhen Norden in das südliche. Spanien. Wir sind sofortgut Freund mit dem „Triumvirat" der Reisegesellschaft und schließen uns ihnen an: dem überall willkommen geheißenen Meister, seinem Sohn und dem Schriftsteller Erens; wir fahren mit durch die Pyrenäenhalbinsel, wagen uns hinüber nach Tanger und genießen Natur :mb Kunst unter der Führung unseres reiselustigen Greises. Mit dem geschärften Auge des Künstlers läßt sich Israels auf seiner Wanderung durch das farbenprächtige Spanien nichts entgehen: kleine Gruppen in den Straßen, die verschiedenartige Schattierung des Himmels und das „wie mit Indigo gemalte" mittelländische Meer, das „sonnig-frische und verführerische" Bild des „dunklen Afrika" und die malerischen Trachten in den verschiedenen Gegenden beschreibt er ebenso beredt ‘ und unmittelbar, wie es die das Buch zierenden flüchtigen Skizzen tun. Man glaubt die begeisterten Zeilen eines jungen Künstlers zu lesen, der in die Welt hinauszieht, vor keiner Unbequemlichkeit zurückschreckt und alles mitmacht, was ihm die Gelegenheit zuführt. Man vergißt, oder will es kaum glauben, daß es ein Siebenzigjähriger ist, der die Stierkämpfe und Kirmessen besucht und auf Langohrs Rücken wohlgemut in der Sierra Nevada hermnreitet. In Madrid m:b Sevilla folgen wir dem Meister in die Galerien und lauschen seinem treffenden Urteile über Velasquez und Murillo. Im Prado entlockt ihm das Porträt eines Kardinals von Raffael Worte der höchsten Bewunderung: „Dieses eine Porträt enthält mehr Poesie als manches dort hängende Gemälde von Heiligen und Engeln." Lange hält es ihn jedoch nicht in den geschlossenen Hallen;. die goldene Sonne lockt ins Freie, und hier kann der Künstler seine Studien sortsetzen. Ein Abendspaziergang mit Laternen in den unbeleuchteten Straßen Tangers „zeigt hundert Gemälde in der sonderbarsten Beleuchtung, und immer denke ich an die Radierungen, die Nembrandt von der Flucht nach Aegypten machte". Bei einem anderen Spaziergange in Tanger tritt er in eine Wohnung, die von außen wie ein großer, viereckiger Steinklumpen aussah, und sieht in einem Raume einen weißbärtigen Alten, der ihn in hebräischer Sprache um sein Begehr fragt. ,8alom adonai, salom allichem, onoughi jehudi me eerets Hollande.“ entfährt es dem erstaunten Eindringling, und die uns mit unseren weitverstreuten Brüdern verbindende Sprache unserer Väter führt hier den holländischen Maler mit dem Thorarollenschreiber zusammen. . So geht es durch das ganze Buch; heitere Episoden wechseln mit scharfsinnigen - Beobachtungen, wohlbedachte Schilderungen mit lustigen Intermezzi) und wir bedauern nur, daß wir so bald zurückkehren müssen in des Meisters Vaterland, das aber auch der Schönheiten voll ist, denn „es ist nirgends so schön wie bei uns". Das zweite Schriftchen Israels erschien im Juli 1906 als Skizze im „Gids" und wurde uns bald daraus in einen: kleinen Heftchen in deutscher Uebersetzung noch rechtzeitig zu den Rembrandt-Tagen gebracht. Die„Vossische Zeitung",Nr. 326 vom 15. Juli 1906, veröffentlichte die anspruchslose, nur wenige Spalten füllende Skizze vor ihrem Erscheinen im Buchhandel :ind setzte folgende Einleitung davor: „Es ist ein köstliches, kunsthistorisches Juwel, dessen herrlichen Genuß eben nur der in vollen Zügen in sich anfnehmen kann. den: der Name Nembrandt eine göttliche Offenbarung geworden ist. Einen besonderen Reiz empfängt die Darstellung von Israels noch dadurch, daß er uns einen Einblick in seine eigene Entwicklung gestattet, welche nur deshalb die höchste Stufe ersteige:: konnte, weil eben Nembrandt sein unerreichbarer Lehrmeister gewesen ist." Wahrlich, das Schriftchen ist ein Juwel und sagt mehr über Nembrandt als manch dickleibiger Band, der uns mit Daten und Hypothesen quält. In ihn: erzählt uns Israels, wie er gegen die Hälfte des vorigen Jahrhunderts zu Krusemai: in Amsterdan: in die Lehre kan:, wie dieser ihn: das Kopieren alter Meister anriet, und der „grasgrün aus der Provinz .gekommene" Junge sich an einen Kopf der Staalrneesters wagte. Hier ging ihm das Gefühl für Nembrandt auf, er vertiefte sich in seine Radierungen und Zeichnungen. „Und wie denke ich jetzt über den Meister, nachden: so viele Jahrzehnte verflossen sind?" — so beginnt der zweite, der Hauptteil des köstlichen Merkchens, in dem er uns „die gewaltigste Aeußerung von Rembrandts großartiger Malkuust, die er in seiner „Nachtwache" niedergelegt hat", mit Worte:: schildert, die nicht kommentiert, sondern gelesen werden müssen, so wie sie Israels seinem großen Vorgänger zu Ehren seiner dritten Zentenarfeier gewidmet hat. Die greise Hand Jozef Israels schafft heute noch rüstig weiter; dem Pinsel und der Radiernadel hat sich im hohen Alter noch die „stählerne Schreibfeder" hinzugesellt, die uns die beiden herrlichen Schriften geschenkt hat. Und an Deinen: 84. Wiegenfeste grüßen wir Dich, Du ehrwürdiger, vielgeliebter Greis, und wünschen Dir noch einen langen Lebensabend! Lin berühmter jüdischer „Ligeuner". Von E. Blumgrund. 3n den vierziger Jahren, als Alexander Petöfi, der größte Lyriker Ungarns, mit seinen poetischen Ergüssen das ungarische Volk für freiheitliche Ideen zn gewinnen suchte, begeisterten sich die Kunstfreunde für die musikalischen Glanzleistungen Markus Rözsavölgyis, des gefeierten „Schöpfers entwickelter Knnftformen der ungarischen Musik", der als jüdischer „Zigeuner" von den Karpathen bis zur Adria bekannt war. Die großen Märztage, in deren Dienst er seine Geige gestellt hat, erlebte er nicht. Sein großer Zeitgenosse, der vergötterte Poet seines Volkes, Alexander Petöfi, widmete diesen: traurigen Künstlerleben eine herrliche Elegie, der nur Goethes „Euphrosyne" gleichgestellt werden könnte. Der Lebenslauf dieses großen Künstlers, den Petöfi in einem der herrlichsten Gedichte der Weltliteratur betrauert hat, ist ein rechter Beweis dessen, daß die Kunst im vorigen Jahrhundert in Ungarn den Mann noch nicht genährt hat. Markus Rözsavölgyi (früher Rosenthal) wurde in: Jahre 1787 in Balassa-Gyarmat geboren. Seine Eltern waren einfache, arme Juden. Im Alter von elf Jahren verließ er das Elternhaus. Einige Jahre lebte er in Preßburg, Wien und Prag, wo er als Schönschreiblehrer sein Leben fristete und auch an der Seite berühmter Musiker tätig war. Er widmete sich mit großem Eifer dem Musikstudium und schrieb fern von seiner Heimat seine populärste Komposition: „Das Heimweh." Im Jahre 1806 machte er sich in Pest als Handelsagent ansässig. Sieben Jahre später heiratete er in Baja, wo er auch in: Hause seiner Schwiegereltern wohnte. Bei einem

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