Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1908)
- Date
- 1908-01-10
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Lebens itn deutschen Vaterlande, entbieten-die>-aus allen Tellen des - Reiches zur Abhaltung ihres Vereinstages hier -vepfammeKen Mitglieder der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, der Gesamtvertretung der gesetzestreuen Juden Deutschlands, ehrfurchtsvollen Huldigungsgruß mit dem Gelöbnis unwandel-, barer Treue. Namens des Vorstandes: Rabbiner Dr. Breuer-Fränkfurt a. M., Kommerzienrat Hirsch-Halberstadt, Vorsitzende." Die hierauf eingetroffene Antwort lautet: „An den Vorstand der «Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" — Seine Majestät der Kaiser und König lassen' für den Huldigungsgruß und das Gelöbnis treuer Anhänglichkeit danken. Auf allerhöchsten Befehl der Geheime Kabinettsrat von Lucanus." Der Kultusminister hatte mitgeteilt, daß er infolge des Festtages zu seinem Bedauern verhindert sei, an der Versammlung teilzunehmen, daß er aber von den Zielen der Vereinigung und von der Tagesordnung des Vereins- . tages mit lebhaftem Interesse Kenntnis genommen habe. Der Oberpräsident der Provinz Brandenburg wünschte der Tagung glücklichen Verlauf. s. Berlin, 3. Januar. Oberlehrer Dr. Eugen Wölbe, der Verfasser der erfolgreichen Jugendschrift „Major Burg", hatsoeben bei Neufeld & Henius, Berlin SW. 11, ein neues, in erster Reihe für die deutsche Jugend bestimmtes Büchlein „Berthold Auerbach. Ein Lebensbild" veröffentlicht. Auf ein der verwitweten Großherzogin Luise von Baden übersandtes Exemplar ist ihm aus Karlsruhe folgendes Schreiben zugegangen: „Euer Hochwohlgeboren beehre ich mich im Allerhöchsten Aufträge Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin Luise Höchstderen herzlichen Dank für die gefällige Vorlage eines Abdrucks des von Ihnen verfaßten Lebensbildes Berthold Auerbachs ergebenst auszusprechen. Allerhöchst Dieselbe wird in Erinnerung alter Zeiten und Beziehungen mit besonderer Teilnahme von dem Inhalt des Buches Kenntnis nehmen. Mit vorzüglicher Hochachtung (gez.) R. v. Chelius Geheimrat und Kammerherr. I. Berlin, 3. Januar. Am 29. v. M. fand in dem völlig ausverkauften Beethovensaale ein Jugendkonzert des „Vereins zur Pflege hebräischer Musik" unter Leitung des Herrn Kapellmeisters Kellermann statt. Die Erwartungen der Kleinen und Großen — denn auch diese waren in großer Zahl erschienen — wurden mehr als erfüllt. Das Konzert bot einen großen künstlerischen Genuß. Die Chorleistungen befriedigten in höchstem Maße, die Solisten, nämlich Fräulein Ellen Sarsen und die Herren Luria und Dembitzer, boten ihr Bestes. Besonders hervorgehoben sei die Piece „Ruth und Noomi" in der Bearbeitung des Vereinsdirigenten Herrn A. Kellermann, die auf stürmisches Verlangen wiederholt werden mußte. Der Verein und besonders sein rühriger und opferwilliger Dirigent kann auf den Erfolg dieser Veranstaltung stolz sein. — Königsberg, im Januar. Auch in diesem Jahre hat der Obersekretär unserer Gemeinde, Herr M. Klein, eine vortreffliche tabellarische Ueberficht über die Wohltätigkeits-Vereine und Institute der Synagogengemeinde zusammengestellt. Die Zahl dieser Wohltätigkeitsinstitute beträgt fünfzehn, deren Gesamtvermögen sich auf 149477.8 Mark belief. An Jahresbeiträgen der Mitglieder gingen bei sämtlichen Instituten 30410,20 Mark ein; mit den größten Summen 4375 resp. 4698 resp. 4188 Mark figurieren die Chewra Kadischa resp. je die beiden Waisenanstalten, das Israelitische Waisenhaus für Stadt und Provinz und die Dr. Koschsche Waisen-Erziehungsanstalt resp. der Hilfsverein für kranke russische Israeliten. Für regelmäßige Unterstützungen wurden von allen 15 Instituten 57910,31 Mark verausgabt, zu außerordentlichen Unterstützungen, sowie für ärztliche Honorare, Medikamente, Kurkosten, Nahrungsmittel, Stipendien, Schul- und Handwerkerkasse zusammen 71563,83 Mark. Die Gesamtsumme der Wohltätigkeitsausgaben aller 15 Institute erreichte die Höhe von 129474,12 Mark. r. Königsberg i. 3. Januar. Ein Akt außerordentlichen Wohlwollens verdient Verbreitung in weiten Kreisen, zumal der Lehrerbeziehungsweise Beamtenschaft. Dem Beispiele des Staates und vieler Kommunen folgend, sahen sich die Gemeinde-Körperschaften veranlaßt,, dllcu ihrem Beamten eine dem-Range und der Stärke der Famihieentsprechende) einmalige Zulage infolge der herrschenden Neuerung aus eigener Initiative zu gewähren. Sie haben damit einen erneuten Beweis geliefert, wie-sehr ihnen daran gelegen ist, den Wünschen der Beamten nach materieller Besserstellung entgegenzukommen. Gehört doch die hiesige Gemeinde zu den wenigen iti Preußen, deren Statut den Beamten Anspruch auf Pension gewährt und nach dem für deren Hinterbliebenen in nachahmenswerter Weise gesorgt ist. Es hat sich hier die Erkenntnis Bahn gebrochen, daß nur ein den materiellen Sorgen enthobener Beamtenstand den heiligen Aufgaben in Eifer und Hingebung obliegen kann. Die Gemeinde erhält sich so einen Stamm von Beamten,und darin liegt für Gemeinde und Schule ein großer Segen. Erst jüngst haben wir einen Beamten zu Grabe getragen, der über ein Menschenalter hindurch seine Kräfte der Gemeinde als Lehrer, Kantor und Chordirigent gewidmet hatte. In Her m a n n Cohn ist das Muster eines Beamten . dahingegangen; musterhaft war seine Pünktlichkeit und Treue im Berufe, seine Bescheidenheit und Kollegialität im Verkehr. Wenn es eines Beweises dafür bedarf, welches Ansehens er sich erfreute, so legte die außerordentliche Beteiligung bei der Beisetzung der letzten Reste Hermann Cohns lebendiges Zeugnis davon ab. 6h. Thorn, 3. Januar. Am 3. d. M. konnte Herr D. Wolfs hier auf eine 25jährige Wirksamkeit als Vorsteher in der Synagogengenwinde znrückblicken. der er bereits früher viele Jahre hindurch seine Kräfte als Repräsentant gewidmet hat.' Eine auf allen Gebieten praktische Erfahrung, klarer Blick wie volles Verständnis befähigten ihn, 1883 das Amt eines Vorstehers zu übernehmen. Als im Jahre 1901 der damalige Vorsitzende Herr N. Leiser starb, rückte Herr D. Wolff in diese Stellung ein, und getragen von dem Gefühl treuester Pflichterfüllung, ist es ihm möglich, trotz feiner vielen beruflichen Obliegenheiten all den Pflichten gerecht zu werden, welche ihm das Amt eines Vorstehers wie auch andere Ehrenämter in der kommunalen Verwaltung auferlegen. Vorstand und Vertretung der Gemeinde ließen es sich nicht nehmen, diesen Tag auszuzeichnen. Bei der Ueberreichung einer prachtvoll aus gestatteten Adresse hielt Prof. Horowitz eine Ansprache an den Jubilar, in der er dessen Leistungen und Verdienste um die hiesige Synagogengemeinde hervorhob. Möge es Herrn D. Wolff noch lange vergönnt sein, in unverminderter Frische seines Ehrenamtes zu walten! Danzig, 8. Januar. Der dritte Jahresbericht des Kuratoriums für jüdische Krankenpflegerinnen berichtet über seine Tätigkeit im abgelaufenen Jahre. Die Tätigkeit der dort stationierten Schwester war eine sehr rege und erfolgreiche. Die Bemühungen wegen Anstellung einer zweiten Schwester sind wegen Mangel an jüdischen Krankenpflegerinnen auch in diesem Jahre leider erfolglos geblieben. Durch den Fortgang des Herrn Rabbiner Dr. Freudenthal ist eine Ergänzung des Kuratoriums erforderlich gewesen. Dasselbe besteht zurzeit aus den Herren Hugo Hirschberg als Vorsitzenden, Louis Maschler als Schatzmeister, Dr. med. Boenheim, Rechtsanwalt Dr. Brodnitz, Frau Jacoby, Dr. med. Jelski, Dr. med. Levh. Frau Selbiger, Dr. med. Solmsen, Frau Sternberg. Die Einnahmen betrugen 2247,40 Mark, die Ausgaben 1306,64 Mark. Der Schwefternsonds besitzt jetzt 2235.01 Mark. Chemnitz, 8. Januar. Der Israelitische Krankenpflege- , Unterstützungs- und Bestattungsverein (Chebra Kedoschah) berichtet zum einundzwanzigsten Mal über seine Geschäftslage. Dis Zahl der Mitglieder ist auf 228 gestiegen. Diese können in Krankheitsfällen aus Versorgung durch Krankenpflegerinnen rechnen; außerdem hat der Verein eine Armenkasse und bei Sterbefällen trägt er die Ausgaben in Höhe von 50 Mark. Für dauernde und einmalige Unterstützungen sind 1432,20 Mark aufgewendet. Die Einnahmen betrugen 5946,45 Mark, die Ausgaben 4951,92 Mark, das Gesamtvermögen 9983,68 Mark. Hamburg, 2. Januar. Das Repräsentanten- Kollegium der Deutsch-Israelitischen Gemeinde hielt eine Sitzung unter Vorsitz des Herrn Jakob Alexander ab. Zum ersten Punkt der Tagesordnung: „Bericht aus der gemischten Kommission betreffend die Talmud-Thora-Schule" bemerkte Herr Dr. Samson als Berichterstatter, daß es nach längeren Verhandlungen durch gegenseitiges Entgegenkommen gelungen sei, einen Modus zu finden, durch