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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-01-10 · Heft 2 (10.1.1908) · p. Seite 21

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 2 (10.1.1908)
Date
1908-01-10
Page
Seite 21 (sequence 11)
Language
German
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teile eine Darstellung der jüdischen Literatur Südfrankreichs an der Wende des 13. und 14. Jahrhunderts. Die Koryphäen und auch die kleineren Träger dieser Literatur werden mit ihren Werken in größeren und kleineren Abschnitten vorgeführt, zum großen Teile auf Grund neuen handschriftlichen Materials. Schon vorher hatte Neubauer in zwei Berichten (Bapports sur ma mission)' über seine Forschungen in den Bibliotheken des südlichen und östlichen Frankreichs, der Schweiz und Deutschlands zum Zwecke der großen Arbeit Rechenschaft abgelegt (1874). Im Jahre 1878 edierte Neubauer aus einem Unikum der Bodleiana eine aramäische Uebersetzung des Buches Tobith, einen wichtigen Beitrag zur Geschichte dieses Apokryphon. Die in Paris zur Pflege der Wissenschaft des Judentums erstandene Gesellschaft gab vom Jahre 1880 an eine neue Zeitschrift heraus: die„Uevu6 des Etudes Juives“, zu deren frühesten und fleißigsten Mitarbeitern auch Neubauer gehörte. Unter dem Gesamttitel „Documents kedits“ lieferte er wichtige Beiträge zur Aufhellung verschiedener Punkte der jüdischen Geschichte (Band IV bis XII, 1882 bis 1886) und außerdem noch . viele andere Beiträge mannigfaltiger Art zu Geschichte und Literatur, durchaus neues, den Handschriften entnommenes Material, mit .lehrreichen und klaren Erörterungen. Die ersten 23 Bände der Revue (bis 1891) enthalten außer zahlreichen Buchbesprechungen über dreißig Artikel Neubauers. Später hat er nur noch einmal (im 30. Bande) sich eingestellt, mit einer Mitteilung über eine alte metrische Uebersetzung der Psalmen ins Arabische. Mit großer Vorliebe suchte Neubauer mit seinen die jüdische Literaturkunde bereichernden Beitrügen die von M. Noest in Amsterdam herausgegebene Zeitschrift „Israeli- Iische Letterbode“ auf. In den elf Bänden dieser Zeitschrift (1875 bis 1889) sind mehr als dreißig Artikel von Neubauer erschienen, aus denen besonders hervorgehoben sei die in den letzten zwei Bänden sich findende Arbeit „Zur Frauenliteratur", eine Edition interessanter, italienischem Boden entsprossener Dichtungen für und gegen die Frauen, wozu Neubauer in der Jubelschrist zum neunzigsten Geburtstage von Dr. L. Zunz (1884) und im siebenten Bande der „Aul deirAcademie dei Lincei“ in Rom weitere Nachträge lieferte. Als wir in Ungarn im Jahre 1884 die erste jüdische wissenschaftliche Zeitschrift in ungarischer Sprache begründeten, freute sich Neubauer, auch seinerseits die Kulturbestrebungen der Juden seines Geburtslandes fördern zu können; er ließ einige seiner englischen Abhandlungen gleichzeitig auch in der ,Mg^ar-2sid6-82emIe" erscheinen. So: Ueber die Sprache der Juden in Palästina in den letzten Jahrhunderten des zweiten Tempels (1885). Die jüdischen Chroniken des Mittelalters (1887). Die Quadratschrift in den Bibelhandschriften und die ältesten Bibelhandschriften (1891). Die letztere Abhandlung erschien englisch in dem Oxforder Sammelwerke „Ltudia Biblica“, in der auch andere Arbeiten Neubauers erschienen, so eine über die Ueberschristen der Psalmen, ein inhaltreicher Beitrag zur Geschichte der Bibelexegese. Auch in den Dienst der „Historischen Kommission für Geschichte der Juden in Deutschland" stellte Neubauer seine Arbeitskraft und. Gelehrsamkeit. Mit M. Stern gab er (1892) als zweiten Band der von dieser Kommission edierten Quellen „Hebräische Berichte über die Judenverfolgungen während der Kreuzzüge" heraus. Vom Mai 1886 ist das Vorwort Neubauers zu den nach achtzehnjähriger Arbeit endlich an die Oeffentlichkeit tretenden Kataloge der hebräischen Hand schriften der Bodleiana datiert. Gerade hundert Jahre vorher (1787) war das Verzeichnis des früheren Bestandes dieser Handschriften gedruckt worden, das merkwürdigerweise ebenfalls von-einem Ungarn, dem Protestanten Johannes Uri, herrührt. In dem seither verflossenen Jahrhundert hatte die Sammlung eine außerordentlich starke Bereicherung erfahren, vor allem 1829 durch die berühmte David Oppenheimsche Bibliothek, die 780 Manuskripte zählte, dann 1848 durch die 860 Manuskripte der Heymann Joseph Michaelschen Sammlung, sowie durch andere größere und kleinere Erwerbungen, um die sich, wie bereits erwähnt war, Neubauer selbst verdient machte. Neubauer gab der ganzen Sammlung hebräischer Handschriften, zu denen auch die hebräisch-arabischen gehören, eine neue Anordnung und nunmehr definitive Nummerierung. Der Katalog, ein Quartband von 1168 Kolumnen, enthält die Beschreibung von 2602 Manuskripten, knapp aber erschöpfend und zahlreiche Proben des Inhaltes bietend. Die Handschriften sind in folgende Rubriken eingeteilt: Bibelhandschriften; Bibelübersetzungen; Midrasch; Bibelkommentare und Superkommentare; Talmud, Halacha; Talmud, Agada; Liturgische Dichtungen; Theologie, Philosophie und Ethik; Massora, Grammatik und Lexikographie; Poesie und Neimprosa; Kabbala; Mathematik, Astronomie, Astrologie, Magie und Kosmographie; Medizin; Vermischtes (dazu gehören: Polemische Literatur, Historische. Literatur usw.). Diese Ueberficht zeugt sowohl von der Mannigfaltigkeit der großen Handschriftensammlung von Oxford, wie auch von der vielseitigen Gelehrsamkeit, die dazu gehörte, eine solche Sammlung fachgemäß zu beschreiben. Neubauers Katalog ist ein Hilfsmittel ersten Ranges für die Erforschung der jüdischen Literatur und reiht sich würdig dem Kataloge Steinschneiders an. Neubauers Stellung in Oxford hatte inzwischen einen neuen Inhalt bekommen. Im Jahre 1884 wurde ein Lehrstuhl für rabbinisches Hebräisch gegründet und derselbe dem in Universitätskreisen ein verdientes Ansehen genießenden und persönlich sehr beliebten Neubauer übertragen. Er hatte ihn bis zum Jahre 1900 inne und hatte besonders christliche Zuhörer, aus denen manche Zierde der englischen Gelehrtenwelt hervorging, die er in die Kenntnis der nachbiblischen hebräischen Literatur einführte. Neubauer, der mit englischem Leben und englischen Verhältnissen immer mehr verwuchs, wurde auch in eines der Oxforder Kollegien als Ehrenmitglied ausgenommen, und auf dem Titelblatte des Katalogs gibt er seine Zugehörigkeit zum Exeter-Gollege an. Aber er mußte in seinem engsten Wirkungskreise eine schwere Enttäuschung erleben. Nach dem Tode des Bibliothekars Coxe, an dessen Seite er sich zum angesehensten Beamten der Bodleiana hinaufgearbeitet hatte, hegte er die stille Hoffnung, daß ihm dessen Nachfolge zufallen werde. Er wurde übergangen, wobei nicht nur seine nicht englische Herkunft, sondern wohl auch das konfessionelle Moment entscheidend war. Er blieb auch weiter Unterbibliothekar und arbeitete im Dienste der Bibliothek an der Seite ihres neuen Chefs Nicholson mit derselben Hingebung und demselben Eifer wie bisher. Nach der Vollendung des Katalogs beschäftigte sich Neubauer mit einem bedeutsamen Unternehmen: einem „Quellenbuch e zur jüdischen Geschichte". Bereits im Oktober 1887 erschien in der Sammlung: Aneedota Oxoniensia der erste Band des Werkes: IVlediaeval lewisb Chronicles and Chronological Notes. Dieser Band enthält außer bekannten Schriften, wie der Brief ' des Gaon Scherira und das Geschichtsbuch Abraham Jbn Dauds — aber auch diese mit Zugrundelegung von Hand-

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