Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1908)
- Date
- 1908-01-10
- Page
- Seite 20 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Lmsnuel Laumgorten. Ein Glückwunsch. ' ' m 15. d. M. feiert der auch den Lesern der Zeitung des Judentums durch seine Beiträge bekannte Wiener Schriftsteller Emanuel Baumgarten seinen 80. Geburtstag. . Als Urenkel des Rabbiners A. Proßnitz in Mährisch- Aussee wurde er am 15. Januar 1828 in Kremsier geboren. In seinem 13. Lebensjahre ging er nach Eibenschütz in die Ieschiba des R. Beer Oppenheim. In Boskowitz wohnte er den Talmudvorträgen des Landrabbiners Abraham Placzek bei. Hierauf wandte sich V. zur Fortsetzung seiner Talmudstudien nach Preßburg. Nach Vollendung derselben ging er nach Wien, wo er seither ständigen Aufenthalt genommen und es zu hohem Ansehen gebracht hat. Unter den ersten Juden Oesterreichs wurde er im ersten Wahlkörper der Gemeindevertretung gewählt. Obwohl seinem Berufe, dem Kaufmannsstande, mit allem Eifer ergeben, konnte B. in demselben nicht vollständige Befriedigung finden, sondern verwertete seine Geisteskräfte in vielseitigster Weise auch auf anderen Gebieten. So entfaltete Baumgarten eine reiche Tätigkeit auf journalistischem und schriftstellerischem Gebiete. Es erschienen Beiträge von ihm in politischen Blättern, sowie in speziell jüdischen Zeitschriften, wie Busch' „Central-Organ", „Wiener- Blätter", „Orient", „Neuzeit", „Allgemeine Zeitung des Judentums", „The Jewish Quarterly Review“ it. a. Unter seiner und Magers Redaktion erschien ein national ökonomisches Blatt „Der Fortschritt". Von seinen wissenschaftlichen Arbeiten sind hier zu nennen: „Ruth", eine hebräische Idylle, ferner die Uebersetzung des „Choboth ha-Lebabot“ mit einer Einleitung von Abraham Geiger, „Die Blutbeschuldigung, gegen die Juden von christlicher Seite beurteilt", Fischers „Gutmeinung über den Talmud", die historischen Schriften „Megilath S’dorim“, „Jeschuotli Jisroel“ Hebräische Gedichte und wissenschaftliche Aufsätze sind in großer Zahl in den verschiedensten Zeitschriften von ihm veröffentlicht worden. Im Jahre 1905 erschien seine Arbeit: Zur Geschichte der Juden in Steiermark. Seit zirka 35 Jahren gehört B. dem Journalisten- und Schriftstellerverein Concordia an und bekleidet bei dessen Pensionsinstitut eine Ehrenstelle. Er redigierte auch gemeinschaftlich mit dem großen Gelehrten Lektor I. H. Weiß s. A. die Monatsschrift „Bet-ha-Midrasch“. Der diesen Namen trügenden Anstalt ließ er als Vorstand seine moralische und materielle Förderung zuteil werden. Im Jahre 1873 rief er gemeinsam mit verdienstlichen Männern die „Israelitische Allianz" in Wien ins Leben. Die Anregung zum Jugendgottesdienft in Wien ging von ihm aus. In ganz hervorragender,' im In- und Auslande anerkannter und gewürdigter Weise widmete sich Baumgarten den Interessen seiner Glaubensgenossen. Auch an der Begründung einer israelitisch-theologischen Lehranstalt nahm er lebhaften Anteil. Lange Jahre gehörte er dem Bezirk- und Landesschulrate der Stadt Wien und 20 Jahre dem Vorstande der Kultusgemeinde an. Was er hier gewirkt, gehört in die Geschichte der Juden in Oesterreich. Baumgarten wurde von der Regierung seinerzeit als Vertrauensmann in die Kommission zur Beratung eines Statuts für die Wiener israelitische Kultusgemeinde entsandt, wobei er viele Verbesserungen anregte und die divergierenden Anschauungen ausglich. Die rumänischen und russischen Juden fanden in ihm einen warmen Vorkämpfer. Der Gründung von Schulen in Galizien lieh Baumgarten in wirksamster Weise seine Unterstützung; ihm ist wesentlich die Ueberwindung der Abneigung der dortigen orthodoxen Kreise gegen die Gründung von Schulen zu danken. - - In der umfassendsten Weise betätigte sich Baumgarten auch.in humanitärer Hinsicht, besonders im Kriegsjahre 1866. Er veranlaßte die Seelenfeier. für die gefallenen Krieger (15. November 1866), wofür er vom Kaiser besonders ausgezeichnet wurde. Man kann sagen, daß große Vermögen durch Baumgartens Vermittlung wohltätigen Zwecken und Interessen öffentlicher Wohlfahrt zugeführt worden sind. Und wie Diele Liebesdienste übte er persönlich aus! Selbst Undank und unverdiente Anfeindung hielten ihn nicht vom Wohltun ab. Das ist ein reicher Lebensinhalt, der hier nur kurz gestreift werden konnte, der aber ausführlich geschildert zu werden verdient. Zu seinem 70. Geburtstage erhielt Bamngarten unzählige Glückwünsche von Korporationen und Persönlichkeiten. Möge der verehrte Jubilar noch lange zum Heile des Judentums in ungetrübter Geisteskraft wirken! Fr.-Gr. (Auch wir senden unserm verehrten Mitarbeiter, dem die „Allgemeine Zeitung des Judentums" so viele uud wertvolle Beiträge zu verdanken hat, die wärmsten Glückwünsche zu seinem Jubeltage! Die Red.) Molk Mudsuer. 1832—1907. Von Prof. Dr. Wilhelm Bacher. II. Jahre 1877 erschien ein umfangreiches Werk, mit dem 7 Neubauer seit einem Jahrzehnt beschäftigt war, das als eine seiner hervorragendsten Leistungen gelten darf, aber dennoch den Namen eines anderen Autors trägt. Der Titel des Werkes lautet: „Les rabbins fran^ais du commencement du quatorziöme sieele par M. E. Renan, Mernbre de Tlnstitut.“ Die französische Akademie hatte beschlossen, in der großen Literaturgeschichte Frankreichs („Histoire litteraire de la France“), die beim 14. Jahrhundert angelangt war, auch der jüdischen Literatur, soweit sie auf französischem Boden geblüht hatte, eine eingehende Darstellung zu widmen. Mit dieser wurde Renan, der Vertreter der semitischen Studien im Institut, betraut; er selbst aber übertrug die Arbeit dem ihm von der Mitarbeit am Leben Jesu her nahestehenden Neubauer. In dem Vorworte des einen Teil des 27. Bandes bei: „Histoire litteraire de la France“ bildenden Werkes heißt es darüber folgendermaßen: „Monsieur Adolphe Neubauer, maintenant sous-bibliothecaire a la bibliotheque Bodleinne, parut la personne la mieux designee pour apporter ä notre oeuvre la collaboration speciale, dont eile ne pouvait se passer. I/immense lecture de Mr. Neubauer, son. activite, ses voyages, le'designerent au choi* de celui de nos confreres que cette tache concernait, et, depuis 1866 la preparation du grand travail, que nous oflrons au public n’a presque pas ete interrompu." Der Löwenanteil an der unter Renans Namen in die Oeffentlichkeit tretenden Arbeit gehörte Neubauer oder vielmehr er allein hat den Stoff des Werkes gesammelt und verarbeitet, während Renan nur das Verdienst der Schlußredaktion und der stilistischen Feilung für sich in Anspruch nehmen durfte. Der Inhalt des Werkes hält sich nicht an den auf dem Titelblatte angegebenen Zeitpunktsondern greift ins 12. und 13. Jahrhundert zurück, es ist aber dennoch in seinem Haupt-