Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 51 (22.12.1905)
- Date
- 1905-12-22
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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schon zweimal Sitzungen der Direktoren ftattgefunden. DiGEdLsurhtive 'Resultat hoffe er in der nächsten Sitzung Mitteilen zw föynem " Sodann wurde im Anschluß an zwei in den letzten Sitzungen gehaltene Vorträge eine Diskussion überdas Uebersetzen der 'GLbeteI eröffnet. Besonders wurde die Frage erörtert, ob als Unterstützung des ' Unterrichts Uebersetzungsbücher den Kindern mittlerer und oberer ' Stufen an die Hand gegeben werden sollten oder nicht. Die Meinungen gingen weit auseinander. Während sie von den Einen ganz verworfen wurden, haben Andere sie für nicht nur billigenswert gehalten, sondern ihre Einführung empfohlen. Daneben sind noch einige andere Fragen erörtert worden, so z. B. in welchem Lebensalter mit dem Uebersetzen begonnen, welche Stücke gewählt und in welcher Weise das Uebersetzen auf den verschiedenen Stufen gehandhabt werden sollten. Die sehr angeregte Diskussion dehnte sich bis gegen Mitternacht aus. Sitzungen des Vereins finden an jedem Dienstag nach dem Monats-Ersten statt, und sind Gäste jederzeit willkommen. Anmeldungen von Mitgliedern nimmt der Schriftführer Herr Dr. Meier Hildesheimer entgegen. 8. Berlin, 18. Dezember. Der „Verein zurPflege hebräischer Musik" hat neuerdings eine Kommission eingesetzt, deren Aufgabe es sein soll, die in den jüdischen Familien bei häuslichen Andachtsgelegenheiten sowie bei Familienfestlichkeiten herkömmlichen Melodien zu sammeln. Die Kommission wird sich demnächst mit einem Aufruf an weitere Kreise wenden. Die Anregung erscheint uns sehr dankenswert und verdient allseitige Förderung, da hierdurch eine Musikliteratur geschaffen werden kann, die sonst für die Nachwelt zweifellos verloren gehen würde. A Berlin, 20. Dezember. Der Vorstand des Vereins „Freunde der Taubstummen Jedide Jlmim" versendet folgenden Aufruf: Das bevorstehend e Chanukahfest gibt uns aufs neue Veranlassung, an die verehrlichen Vorstände der Synagogengemeinden sowie an die Herren Rabbiner und Lehrer 'die dringende Bitte zu richten, die israelitische Jugend zur Mitarbeit an unserem Werke heranzuziehen. Die Zahl der uns anvertrauten Kinder ist in den letzten Jahren auf 46 gestiegen; es entfallen davon auf: Berlin und Vororte 10, die übrige Mark Brandenburg 1, die Provinz Posen 10, die Provinz Schlesien 2, die Provinz Sachsen 1, die Provinz Westfalen 4, die Provinz Ostpreußen 3, die Provinz Westpreußen 3, die Provinz Pommern 3, die Stadt Frankfurt a. M. 3, das Königreich Bayern 3, das..Königreich Württemberg 1, das Königreich Sachsen 1, das Großherzogtum Hessen 1. Mit dieser Steigerung sind unsere Ausgaben entsprechend höher geworden und stehen kaum noch im Verhältnis zu unseren Einnahmen. Es kann unser sehnlicher Wunsch, möglichst alle armen jüdischen taubstummen Kinder aus ganz Deutschland in unserer Anstalt zu erziehen und zu schaffensfreudigen Menschen heranzubilden, nur daun verwirklicht werden, wenn jeder einzelne in werktätiger Liebe uns hilft unsere Einnahmen zu vermehren. Veranlassen Sie deshalb gütigst die Kinder ihrer Gemeinschaften, daß sie uns durch Sammlungen in ihren Familien dazu behilflich sind. Sie geben ihnen dadurch das stolze Bewußtsein mit auf den Lebensweg, schon in ihrer Jugend das traurige Los armer jüdischer taubstummer Kinder mit gemildert zu haben." Lp. Aus der Provinz Posen, im Dezember. Die zuletzt nur noch von neun Kindern besuchte jüdische Volksschule in Pakosch ist von der Regierung zu Posen aufgelöst worden. Die jüdischen Schüler werden der dortigen evangelischen Schule einverleibt. — Kaufmann Leo Michel in Lissa ist zum Mitgliede der Handelskammer in Posen gewählt worden. — Der seit über 70 Jahren bestehende und jetzt 72 Mitglieder zählende israelitische Holzverein hat den Oekonomierat D. Goldstein in Ostrowo zu seinem Vorsitzenden neugewählt. DaS Gesamtvermögen des Vereins, dessen Tendenz in der Versorgung Bedürftiger mit Brennmaterialien besteht, beziffert sich auf 3500 Mark. — Zum Nachfolger des Kantors Cohn in Schönlanke ist Kantor H alle aus Culmsee gewählt worden. — Kaufmann Moritz Aschein in Posen beging neulich sein 25jähriges Jubiläum als Vorstandsmitglied des dortigen Kreditvereins.- Aus diesem Anlasse sind itjm zahlreiche Ehrungen erwiesen worden. — In diesem Monat ist in Mix stad t die dortselbst neuerbaute Synagoge feierlichst eingeweiht worden. Bei der Feier fungierten die Rabbiner Dr. Krauß-Schildberg und Dr. Bamberger-Schönlcmke. — Fabrikbesitzer Dr. Levy und . Bankier Sulomonsohu in Hohensälza sind zu Mitgliedern der £ Handelskammer in Po sen gewählt worden. — In Posen ist ein jüdischer Gesangverein ins Leben getreten. ■n'?.. n. Breslnit, 10. Dezember., Für Sonntag, den 26. v. M., hatte ein Komitee, das sich aus Damen der gebildeten jüdischen Kreise "gebildet hatte, eine Versammlung in die Lassinloge zwecks Gründung einer „Vereinigung jüdischer Frauen" einbeMfen, die außer-, ordentlich zahlreich besucht war. Fräulein Margarete Säeher, Berlin, hielt einen Vortrag über „Rechte des..antiken und Pflichten des modernen jüdischen Weibes". An den, Vortrag schloß sich, eine Diskussion, in , der auch viele der anwesenden Herren .das Wort ergriffen. Die Mitglieder der Vereinigung, besonders die jungen Damen, machen es sich zur Pflicht, sich mit armen, jüdischen Kindern, die zu Hause nicht die nötige Aufsicht und Beschäftigung haben, während, ihrer freien Zeit zu beschäftigen. Um diese Kinder .auch mit jüdischen Dingen zu beschäftigen, sollen die Mitglieder durch zu veranstaltende Diskussionsabende Anregung und die nötige Vorbildung erhalten. Dabei wird auch der Zweck verfolgt, die Frauen mehr für jüdische Angelegenheiten zu interessieren. . Hoffentlich gelingt es dem jungen Verein, sein Ziel voll und ganz zu erreichen. n. Ratibov, 18. Dezember. Die Fre imaurerloge Friedrich Wilhelm zur Gerechtigkeit in Ratibor übersandte dem hiesigen Vorsitzenden des Hilfskomitees für die russischen Juden, Herrn Rabbiner Dr. Dienemann, einen Betrag, begleitet von folgendem Schreiben: „Die in jüngster Zeit von Verblendeten und Betörten an den in Rußland lebenden Juden verübten entsetzlichen, jeder Menschlichkeit Hohn sprechenden Gewalttätigkeiten und Mordtaten müssen jeden gesitteten Menschen mit Abscheu und Entrüstung erfüllen. Un- - beschreibliches Elend ist durch diese Greuel unter Ihren Glaubens-, genossen verursacht worden, und wir teilen aus vollem Herzen Ihre Betrübnis. Dem vornehmstem Gebote der Freimaurerei folgend, dem Nächsten, ohne Unterschied des Glaubens, zu helfen und beizustehen, will auch die hiesige Freimaurerloge ein Scherflein zur Linderung des Jammers beisteuern und bittet Sie, den beifolgenden Betrag annehmen zu wollen." 6. Chemnitz, 14. Dezember. Unser Israelitischer. Frauen- , verein, dem fast sämtliche Frauen unserer Gemeindemitglieder angehören,, feierte am 5. d. M. unter allgemeiner Teilnahme sein 30. Stiftungsfest, bestehend in gesanglichen und musikalischen Darbietungen mit anschließendem Ball. Im Mittelpunkte des Festes stand ein von denVorsteherinnen des Frauenvereins, den Frauen Marie Goeritz, Hermine Schreiber, Anna Simon und Bertha Kupferberg, sowie vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern arrangierter Bazar zugunsten unserer unglücklichen russischen Glaubensgenossen. Jung und Alt, Damen und Herren hatten sich in den Dienst der guten Sache gestellt und so war ein schönes Gelingen vorauszusehen. In seiner Begrüßungsansprache gedachte der seit 30 Jahren dem Vorstand des Frauenvereins als Schriftführer angehörende Herr Moritz Fränkel des wohltätigen Wirkens des Vereins und seiner Heimgegangenen Gründerinnen, Vorstandsdamen und Mitglieder, zu deren Ehren die Anwesenden sich von den Plätzen erhoben. Der 1. Vorsitzende des Gemeindevorstands, Herr Louis Ladewig, überbrachte in herzlichen, packenden Worten die Glückwünsche des Vorstandes und schloß Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Frauenverein und seinen bewährten Vorstand. Im Saale herrschte froh bewegtes Leben und Treiben. Die zahlreichen Verkaufsbuden waren förmlich umlagert, und die liebenswürdigen Verkäuferinnen sorgten dafür, daß keine Restbestände zu verzeichnen waren. Sämtliche Gegenstände für die Verlosung waren gespendet worden und auch fast die gesamten Unkosten wurden durch, freiwillige Spenden gedeckt. Das Fest, an welchem die ganze Gemeinde teilnahm, brachte einen Reinertrag von über 2000 Mark. ' N. Hamburg, 17.,Dezember. Herr Dr. Jul. Sachs, einer der beliebten und beschäftigten hiesigen Aerzte, ist im besten Mannesalter nach längerem Leiden im 53. Lebensjahre verstorben. Der Dahingeschiedene war ein eifriger Pfleger jüdischer Interessen, er war im Vorstand der Alliance isra&ite, im Kuratorium der israelitischen Mädchenschule und vieler, anderer Institutionen. Boy der großen Beliebtheit des Verstorbenen legte die stattgefundene Beerdigung ^ein beredtes Zeugnis ab. Es hatte sich im Trauerhause Cinderstraße eine