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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-12-22 · Heft 51 (22.12.1905) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 51 (22.12.1905)
Date
1905-12-22
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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69. Jahrgang No. 51. > Berlin, 22. Dezember 1905 Vetlagr zur „Allgemetnen Lettung deK Iudrntumß" jßorrrlpondm?m und Nachrichten. Deutschland. s. Berlin, 17. Dezember. Vor Eintritt in die Tagesordnung der heutigen Repräsentanten-Versammlung richtete zunächst Herr Moritz Manheimer herzliche Dankesworte an die Gemeindebehörden für die ihm dargebrachten Ehrungen. Geschäftlich teilt der Gemeindevorstand mit, daß er der in der vorigen Sitzung gefaßten Resolution, der Armenkommission noch weitere 5000 M. Zuschuß zu gewähren, nicht beigetreten ist. Von Interesse ist auch die fernere Mitteilung des Gemeindevorstandes, daß der frühere Gemeindebibliothekar Dr. Fromer mit seiner Klage auf Gehaltszahlung für die Dauer seines Kontrakts nunmehr kostenpflichtig abgewiesen worden ist. — Dem Religionsverein Oranienburger Vorstadt wird alsdann zur Bestreitung des zu erwartenden Fehlbetrages eine einmalige Beihilfe von 1000 M. gewährt, während eine Erhöhung der bisherigen Subvention für das laufende Jahr abgelehnt wird. — Ein einmaliger Zuschuß von 500 M. wird an die David Herzogsche Freitisch-Stiftung bewilligt. Die Mittel der Stiftung, welche den Hörern der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums zur Verfügung stehen, sind infolge der starken Frequenz der Anstalt augenblicklich ausgebraucht; die Gewährung von Unterstützungen hätte ohne Beihilfe jetzt für die nächsten Monate ausgesetzt werden müssen. Prof. Blaschke weist hierbei auf das Fehlen einer derartigen Einrichtung für die Präparanden der Lehrerbildungsanstalt hin. Erst jüngst angestellte Erhebungen haben erkennen lassen, in wie dürftigen Verhältnissen hier eine große Zahl von Präparanden sich befindet. Prof. Blaschke bittet deshalb dringend, der Präparandenanstalt Mittel zuzuwenden, um so indirekt den jüdischen Lehrerstayd zu kräftigen, der ja mit Rücksicht auf den jüngsten Volksschulgesetzentwurf einer Kräftigung gewiß dringend bedürftig ist. — Zur Belegung des Wartesaales des Friedhofs Weißensee mit Linoleum werden 250 M. bewilligt. Rechtsanwalt Dr. Cohn macht hierbei einige weitere Wünsche geltend und bittet um verstärkte Lichtzuführung in den bisher dunkelen Raum, er beklagt den Mangel einer Ausschmückung der 'Wartehalle und fordert eine Abänderung des namentlich im Winter unangenehmen offenen Säulenganges. Diesen Wünschen wurde sowohl seitens des Dezernenten Herrn Netter wie auch seitens der Herren Löwenthal und Maurermeister Fränkel aus triftigen Gründen widersprochen. Der Rechnungsabschluß der Waisenkommission pro 1904/05 ergibt einen Minderverbrauch von 3607,20 Mark; die Einnahmen beliefen sich auf 56 662,07 Mark; die Ausgaben auf 53 054,87 Mark. In der Pflege der Kommission befanden sich 33 Kinder lgegen 28 im Vorjahr); für diese wurden an Pflegegeld monatlich 900 Mark gezahlt. pro Kopf und Monat durchschnittlich 27°/33 Mark. Die Zahl der bei ihren Müttern belassenen Kinder betrug 259, für welche monatlich 2527,50 Mark an Erziehungsbeiträgen gewährt wurden. Eine Pauschalsumme von 500 Mark wurde für die Unterbringung der Pfleglinge in den Ferienkolonien bewilligt. — Beim Rechnungsabschluß der F ü r s o r g e k o m m i s s i o n beträgt der Minderverbrauch 2262,01 Mk.; den Einnahmen von 10 711,77 Mark stehen an Ausgaben 8449,76 Mark gegenüber. Der -Kommission ist es gelungen, 25 Strafentlassenen wieder Arbeit zu verschaffen, eine gewiß nicht leichte Mühe, die auch der Referent der Vorlage namens des Ausschusses mit großem Danke anerkennt. Im Laufe des Berichtsjahres traten an die Kommission 101 neue Fürsorgefälle heran. 79 davon betrafen entlassene Strafbezw. Untersuchungsgefangene und deren Familien, 9 die Familien Inhaftierter und 13 verwahrloste oder von der Verwahrlosung bedrohte Personen. Unter den 101 Pfleglingen befanden sich 84 Männer, 4 Frauen und 13 jugendliche Personen; die verwahrlosten Kinder standen im Alter von 7 bis 19 Jahren.— Der Rechnungsabschluß des Jüdischen Krankenhauses ergibt einen Mehrverbrauch von 10 853,26 Mark; die Einnahmen betrugen 238 584,70 Mark, die Ausgaben. 249 487 96 Mark.'-DieEtätsüberschreitung -ist-hauptsächlich auf Mindereinnahmen an Verpflegungsgeldern und Mehrausgaben für Wirtschaftskosten, Verbandmaterial und Inventar zurückzuführen. Auf den beiden Stationen wurden 1744 Kranke verpflegt mit 53000 Verpflegungstagen. Die Selbstkosten eines Verpflegungstages betragen pro Kopf 4,10 Mark, während 2,50 Mark nur bezahlt werden; in den meisten Fällen ist ja, wie bekannt, die Verpflegung eine völlig unentgeltliche. 400 Kranke mußten durchschnittlich jährlich wegen Platzmangel von der Aufnahme abgewiesen werden, gewiß ein Beweis, wie dringend erforderlich der Neubau des Krankenhauses ist. — Den Bureauassistenten sowie den Kassenboten der Gemeindeverwaltung ist auf ihren Antrag hin mit Rücksicht auf die zurzeit herrschende wirtschaftliche Teuerung eine Notstandszulage gewährt worden und zwar für Verheiratete bezw. Witwen mit Kindern je 100 Mark, für die übrigen Beamten je 50 Mark. Wie aus der Diskussion, in welcher Rechtsanwalt Dr. Cohn die Ausschließung verschiedener Gruppen von Beamten bemängelt, hervorgeht, ist denjenigen Angestellten, die nur im Nebenamte bei der Gemeinde beschäftigt sind, die Vergünstigung nicht gewährt worden. Mit den Friedhofsbeamten ist bereits vor kurzem eine Verständigung betreffs einer Gehaltserhöhung erzielt worden. — Die für die IV. Religionsschule gewünschte Vermehrung der Unterrichtszeit um eine Stunde wöchentlich für diejenigen Zöglinge, die ohne Kenntnis des Hebräischen in die Schule eintreten, für die unterste Klasse jedoch schon zu alt sind, wird gewährt. — Mit der Wiederwahl der turnusmäßig ausscheidenden 25 Mitglieder der Armenkornmission und 3 Mitgliedern der Waisenkommission auf eine fernere Dauer-von 3 Jahren schließt die öffentliche Sitzung. In der geheimen Sitzung steht die Uebernahme der Verwaltung der Gärtnerei des Friedhofes Weißensee in die Verwaltung der jüdischen Gemeinde zur Erörterung. Der Vertrag mit dem bisherigen Pächter ist bereits gekündigt worden. Trotz des fast dreifach höheren Angebots der bisherigen Pachtsunnne seitens des jetzigen Pachtinhabers hat der Gemeindevorstand nicht in die Verlängerung des Vertrages gewilligt und aus Grund der auf dem Friedhofe in der Schönhauser Allee gemachten günstigen Erfahrungen den Selbstbetrieb im Interesse der Gemeinde empfohlen. Es ist wohl mit Sicherheit zu erwarten, daß die Repräsentantenversammlung sich den Erwägungen des Geineindevorstandes anschließen wird. 8. Berlin, 17. Dezember. Die in einigen hiesigen Tagesblättern gebrachte Notiz betreffs der Errichtung eines jüdischen Friedhofes in Lankwitz, welcher zur Aufnahme der im Berliner Westen und Süden Verstorbenen dienen sollte, bedarf der Richtigstellung Die Notiz könnte den Eindruck.erwecken, als ob sich die jüdischen Gemeindebehörden bereits offiziell mit diesem Plane befaßt und sich an die Lankwitzer Gemeindevertretung gewandt hätten. Dem ist jedoch nicht so. Vielmehr ist durch private Vermittlung, zweifellos im Einvernehmen mit beit dortigen Grundbesitzern, der Friedhofskommission der Jüdischen Gemeinde ein Terrain in Lankwitz für Friedhofszwecke angeboten worden. Ueber diese Offerte ist innerhalb der Kommission zwar verschiedentlich - beraten worden, doch ist ein Preisangebot seitens der Kommission überhaupt nicht erfolgt und konnte auch nicht ohne Zustimmung der Gemeindebehörden gemacht werden. Der Plan ist ja nunmehr gegenstandslos geworden, nachdem, wie die Tagesblätter meldeten, die Lankwitzer Gemeindevertretung sich gegen die Hergabe des Terrains als Kirchhofsland ausgesprochen und im Interesse einer „gesunden Weiterentwicklung" von Lankwitz die Verwertung des Terrains als Bauland empfohlen hat. 8. Berlin, 17. Dezember. Die Vereinigung jüdischer Religio nslehrer Berlins hielt am letzten Dienstag ihre von den Mitgliedern lind Gästen zahlreich besuchte Dezember-Versammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Rabbiner Höxter, erstattete - zunächst Bericht über den Erfolg eines Antrages, der innerhalb der Vereinigung gestellt war, und eine Zusammenkunft der Direktoren der Berliner Religionsschulen zur Aussprache über verschiedene Mängel -innerhalb derselben ariregte; - dieser Anregung -entsprechend, haben

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