Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 51 (22.12.1905)
- Date
- 1905-12-22
- Page
- Seite 612 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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612 was für eine Hetze zu veranstalten ist. Jetzt, aber wollen wir die. Frage lösen, wv wir wenigstens einen Juden herausfinden -könnten. Gesteht, meine Herren, ob es hier unter uns einen gibt. . ." „Ich schwöre im Namen der gelben Jacke des chinesischen Kaisers, zu dem ich in freundschaftlichen Beziehungen stehe, daß ich kein Jude bin — ich sehe nur einem solchen sehr ähnlich," ries Sigma, sich empor richtend. „Viele von uns sehen Juden ähnlich, doch wir brauchen einen echten," fiel ihm Suworin ins Wort. „Ganz richtig!" brüllte Kruschewan. „Ich habe einen glänzenden Gedanken. Möge mir die Versammlung ein passendes Gehalt bestimmen, dann will ich mit Vergnügen selbst Jude werden. Daß eine solche Umgestaltung mir keine weiteren Umstände macht, ist Ihnen wohl bekannt, da ich doch an einem schönen Tage aus einem Zigeuner ein echt russischer Mensch wurde. Und wenn es schon einem Zigeuner gelang, Russe zu werden, desto leichter wird es ihm, sich in einen Juden zu verwandeln." „Wir setzen den Fall," entgegnete Suworin, „daß in : unserem Jahrhundert, wo alles gefälscht wird und fast nichts j echtes auszuweisen ist, daß da ein gefälschter Jude als echter . anerkannt wird, doch ein Jude tut der Sache nichts, wir j brauchen noch eine Jüdin. Eine gefälschte Jüdin ist noch! leichter herzustellen, als einen Juden; man muß nur irgend ' ein Mädchen in irgend, einer Mikwe untertauchen." „Nun, denn zu!" „Ich bitte ums Wort," meldete sich da eines der Mit- - glieder der Versammlung, „wenn Kruschewan mit seiner Bosj heit und seinem Haß Jude wird, wer wird denn dann die! Juden mit solcher Raserei verfolgen? Wer wird wohl Mut | genug dazu haben, dieselben mit solcher Unverschämtheit, solcher Dreistigkeit zu verleumden?" . . „Machen Sie sich darüber nur keine Sorgen-" beruhigte ihn' Suworin,/.„das .ist .schon, meine Sache. Ich habe dazu geeignete Menschen, die selbst Kruschewan übertreffen werden." „Ei, Alexej Sergejewitsch," rief Kruschewan mit einer echt jüdischen Gebärde, „lang leben sollt ihr mir für Eure wahren Worte. Es gibt genug Hunde, und es kommt dann nicht darauf an, ob es einen mehr oder weniger gibt." „Ich rate Ihnen, Alexej Sergejewitsch," sagte Menschikoff, „gebt ihm eine kleine Summe. Was schadete Ihnen? Ich würde ihm selbst etwas geben, doch nach meinen Grundsätzen der christlichen Liebe gebe ich nie jemandem etwas. Ich bin der Meinung, wenn man nach Christi Gebot seinen Nächsten wie sich selbst lieben muß, desto mehr man sich wie seinen Nächsten lieben soll." „Menschikoff!" sagte Suworin streng, „hört auf!. Eure christliche Nächstenliebe ist allbekannt. Laßt nun den neubekehrten Juden nach unserem Bureau gehen." „Ins Bureau!" sprang Kruschewan freudig auf, „ei weh' mir, wie habe ich das Bureau doch so gern! Mein ganzes qualvolles Leben würde ich für das Bureau des Herrn Suworin hingeben. Das ist ein echt russisches Bureau und wolle Gott, es gäbe deren viele!" Und Kruschewan stürzte kopfüber nach dem Bureau der „Nowoje Wremja". Als er dort angekommen die Kasse erblickte, die ein Angestellter öffnete, um Geld zu holen, wirkte der Anblick des Goldes so erregend auf ihn, daß er sich wie wahnsinnig aus den Geldschrank losstürzen wollte. Der Angestellte erschrak, schlug die schwere Tür zu und klemmte dabei Kruschewans Finger ein. Kruschewan kreischte aus — und erwachte. Das Chsnukkshlicht. . Auf. leuchte, denn es wmM dein Licht ieder naht das Fest der Weihe, Wieder naht das Lichtfest mir. Bald erhellt Sich mein Zelt, Und der Sang, der frohe, freie, Adelt schön die lichte Zier. Ja, im muntern Kreis Getreuer Will ich weihn dem ew'gen Hort Lobgesang, Jubelklang, Der Begeistrung heilig Feuer Wecke meiner Harf' Akkord'. Der die stolzen Syrer beugte, Durch die Makkabäerschar, Datz, erfreut, Sie erneut' Seines Hauses Weih' und Leuchte, Das des Hochmuts Spott schon war.; Der die Ahnen stets entrissen Also der Thrannenhand, Wenn gebaut, Fest vertraut Sie auf ihn in Kümmernissen; Der noch heut den Feind uns bannt. Ihn soll unsre Feier ehren, Ihn, der merkt, was Juda spricht: Wie die Macht Jede Nacht Wir dem Weihelichte mehren, Wachse unsrer Seele Licht! Ja, wie jene Strahlen kosen Acht der Nächte mir mein Zelt, Sei geweiht Meine Zeit Immer mehr dem Licht — ob Rosen, Ob sie Dornen mir gesellt; Ob nur kurze Zeit, ob lange — Acht Jahrzehnte — hier ich weil': Nie soll Tand, Mammons Hand Mich entfremden meinem Range, Dem Beruf, der. Judas Teil: Licht und Liebe, edles Streben Zu erhöhen immerfort: Gottes Lehr', Licht und hehr, Zu verkünden, zu verweben Tief dem Geist das Seherwort: Weichet, kalte Geistesnächte, Weicht von Gottes Erdenrund! Bald erglänz' Völkerlenz, Dem nur feind die feilen Knechte — Wenn es nachtet, tagt ihr Bund!" Nun, mein Herz, aus tiefsten Gründen Dank' dem Gott der Ewigkeit, Der erschafft Licht und Kraft! „Kommt. Geliebte, Lichter zünden, Denn es nachtet — nun ist's Zeit!" Wie sie zünden, wie sie singen! Wenn mein Auge diesen Raum Also schaut Lieb und traut — Ach, die Wonnen, die dann dringen Mir ins Herz, beherrsch' ich kaum! Denn das heil'ge Weltendrama — Die Geschichte Juda's — schwebt Mir nun vor,' Und ein Chor; Singt mir in dem Panorama, Das mir zeigt, was ewig lebt Und die Wundermelodien Dieses Chores klingen mir Ueberall, Wo ich wall', Lange noch im; Geist und ziehen Ihn zum Urlicht hin von hier; Pli. K. Druck und Bering oou Nudols Müsse in Berlin. -Dernntwortlich si'rr-d'.c Üh'bnfthm: Mnx Bauchwi(j in Berlin.