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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-12-22 · Heft 51 (22.12.1905) · p. Seite 607

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 51 (22.12.1905)
Date
1905-12-22
Page
Seite 607 (sequence 7)
Language
German
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damals, und in großen Städten, wie Toledo mit 80 ÖOO Juden, Burgos mit 30 000, Carrion mit 25 OstO, überwog das jüdische Element. "Auch unter Alfonso XI. (1325-^ 1380) haben Juden als Finanz- und Staatsminister großen Einfluß auf die Negierung des Landes gewonnen, und Don Pedro, genannt der Grausame, war 'trotz dieses Epitheton ornans ein Judenfreund, der auch dem bekanntesten jüdischen Dichter, der in spanischer Sprache Bedeutendes geschaffen hat, Don Santob de Carrion, ein Mäceu und Gönner war. Das Ende des 14. Jahrhunderts schließt die Reihe großer jüdischer Spanier mit dem Namen des Fürsten Don Samuel ben-Meir, des Kanzlers Don Pedros und des Don Jose Pichon, des Güustlings und einflußreichsten Politikers Heinrichs II. Noch heute steht in Toledo, dem einstigen spanischen Jerusalem, das Kunstwerk „El Transits", die jetzt als Kirche benutzte Synagoge, von Samuel ben Me'i'r erbaut, ein Denkmal vergangener Pracht und Größe. Das 15. Jahrhundert schuf keine großen jüdischen Männer in der Geschichte Spaniens. Zunehmender Wohlstand und Luxus und eine wachsende Entartung der mit Glücksgütern gesegneten Juden führten bald einen Rückschlag herbei, den die seit langem mißgünstige fanatische Geistlichkeit nur zu gut in ihrem Judenhaß zu verwerten wußte. Und dennoch ist die Reihe der glänzenden Namen unter den Juden Spaniens groß, die auch im übrigen einer makellosen und würdigen Vergangenheit auf der Iberischen Halbinsel sich rühmen dürfen. Die jüdische Bevölkerung war dort von jeher das treibende Element des Handels und der Gewerbe, und jüdischer Fleiß brachte die Fabrikation von Seiden und anderen Geweben, Tuch, Papier, Nahrungsmitteln und Getränken im Verein mit maurischer Hilfe aus eine bedeutende Höhe. Der vom Exporthandel abhängige Schiffbau befand sich ebenso fast ausschließlich in den Händen der Juden und Mauren, und die jüdische Geschicklichkeit in der Führung der Finanzgeschäfte kam der gesamten Bevölkerung zugute. Man muß sich, um unparteiisch hierüber urteilen zu können, stets vor Augen halten, warum gerade die Juden neben den Mauren das Handel und Gewerbe treibende Element des Landes bildeten. Das hängt mit den damaligen Begriffen und Ideen der spanischen Bevölkerung unmittelbar zusammen. Die Granden und Ritter wiesen jedwede Tätigkeit weit von sich,' und da auch alle nur einigermaßen Wohlhabenden für sich den Rang eines Hidalgo beanspruchten, denen jede Tätigkeit unedel und ihrer nicht würdig erschien, so blieb ein sogenannter arbeitender Stand überhaupt nicht übrig. Denn das Landunb Bettelvolk stand auch dem Handel und Gewerbe fern. Der Bauer bearbeitete ohne viele Mühe den reichen Boden der Heimat, und die Abenteurer und Bettler lebten, wenn auch von dem Vermögen der anderen, doch stolz wie ein spanischer Hidalgo. So mußte es daher in Spanien gewaltsam fühlbar werden, als finsterer Glaubenshaß sich anschickte, dem Lande dieses arbeitende Element zu entziehen. Und das kam bald. Ein unheimliches Schreckgespenst, die Inquisition, huschte in die spanischen Städte und verhieß Mauren und Juden Tod und Verderben. Blutigrot loderten die Scheiterhaufen in allen Teilen der Halbinsel, und das Jahr 1492 beendete als Schlußakt jene scheußlichen Taten, die das Andenken einer unmenschlichen fanatisierten Geistlichkeit schmachvoll besudeln. Am 31. März 1492 erwirkte Torquemada von dem Königspaar Ferdinand und Jsabella das berüchtigte Ausweisungsedikt, wonach 300 O0O Juden mit einem Schlage heimatlos wurden, ziellos flüchtend das Land ihrer ruhmreichen Väter verlassen mußten, und Spanien selbst sich blind einer arbeitliebenden, friedfertigen Bevölkerung 31t eigenem Verderben entledigte. Denn, wenn es auch nicht unmittelbar die Konsequenzen jener fanatischen Tat am eigenen Leibe erfuhr, so war doch damals schon damit die Grundlage zu dem wirtschaftlichen Niedergange Spaniens gegeben. Freilich beschützte der Himmel vorderhand das spanische Königtum, das mit der Eroberung Granadas und der Austreibung der Mauren bald geeint unter dem Zeichen des Kreuzes katholisch-rein vor den Augen der Welt erschien. Eine verschwenderische Laune des Schicksals warf Spanien gerade jetzt ein neues Indien in den gierigen Schoß. Das Gold Amerikas nahm seinen Weg nach der Iberischen Halbinsel, Fülle und Reichtum verbreitend und zu neuen Eroberungen aneifernd. Und so sehen wir denn das Reich, in dem schon damals die Sonne nicht mehr unterging, ein gut Jahrhundert lang die Welt beherrschen. Aber der trügerische Schein verblich gar bald, und äußerer Glanz konnte über den mehr und mehr sich fühlbar machenden inneren Zerfall nicht leicht .hinwegtäuschen. Spanien sank rasch und jäh hinab von der Weltmachtstelluug zu der bescheidenen eines kleinen Königreichs von wenig mehr als fünf Millionen Bewohnern. Die Schätze Mexikos, das Gold Perus waren bald vergeudet, und das Land mußte wieder zu reger und produktiver Tätigkeit zurückkehren. Aber da fehlte ihm plötzlich das Volk, das einst sich arbeitsfreudig dem Handel und Gewerbe gewidmet hatte. Vergebens erließen die Könige Dekrete und königliche Verordnungen, in denen es feierlich verkündet wurde, das; die Arbeit keine Schande sei. Man hatte in Kriegs- und Entdeckungsabenteuern zu lange geschwelgt und darüber verlernt unb vergessen, daß Handel und Gewerbe ein arbeitsliebendes Volk erheischen. Wir wissen nicht, ob das Spanien des 17. und 18. Jahrhunderts sich schon das Geständnis inachte, , daß die Austreibungen der Juden und Mauren des Landes eigenes Verderben gewesen. Zu sehr lag die Bevölkerung noch im Banne einer Geistlichkeit, die mit den Machtmitteln der Kirche Könige und Volk beherrschten unb es zu fanatischer Unduldsamkeit erzogen. Das Andenken der Juden war von 1492 an, Generationen hindurch, in den spanischen Landen verpönt, und man vergaß in den Zeiten des klerikalen Absolntismus der jüdischen Rasse, die ehemals einen der mächtigsten Faktoren des Königreiches gebildet hatte. Da brach auch endlich dort, wo Jahrhunderte lang der finstere Geist des religiösen Fanatismus gehaust, der Lichtschein einer befreienden Revolution herein. Das Jahr 1868 räumte radikal mit der Vergangenheit des spanischen Landes auf, und freie Männer voll hoher Ideen scharten sich zusammen, um, der neu erwachten politischen und Geistesfreiheit Rechnung tragend, dem spanischen Volke eine Verfassung zu geben. Und da erinnerte man sich plötzlich auch wieder der Juden. (Schluß folgt.) ' Dü Sage vom Vrlkrüglein. Von Dr. Simon Fried mann in Lublinitz. as biblische Palästina war ein Land, das nicht nur von Milch und" Honig floß, sondern in welchem auch Getreide, Most und Oel in reicher Menge vorhanden, war. Namentlich das Oel war eines der Hauptprodukte des Landes. Vielfach wurde'der Oelbaum kultiviert, und Oelgärten gehörten zu den königlichen Schätzen. Bedeutend war zu jener Zeit die Ausfuhr des Oels nach den verschiedener; Ländern. — Verwandt wurde das Oel unter anderm auch zu Speiseopsern, zum -H Ä >- W 1 1; if

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