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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-12-15 · Heft 50 (15.12.1905) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 50 (15.12.1905)
Date
1905-12-15
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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MMMWWF offenen Grabe getragen und unter weiteren Gesängen des Chores in die Erde gesenkt. n. Breslau, 8. Dezember. Soeben erhalte ich die erfreuliche Mitteilung, daß unsere liberale Repräsentanten-Kandidatenliste völlig gesiegt hat. Nicht ein Einziger der Gegner hat auch nur annähernd soviel Stimmen erhalten, als unsere Repräsentanten - stellvertreter. Die Beteiligung der Wähler war eine ungewöhnlich große. -Nächstens etwas ausführlicher. Gewählt sind als Repräsentanten aus 6 Jahre: 1. Justizrat Ollendorff mit 2560 Stimmen, 2. Simon Scheye mit 2544 Stimmen, 3. Emanuel Breslauer mit 2536 Stimmen, 4. D. N. Schlesinger mit 2535 Stimmen, 5. Samuel Jaffe mit 2525 Stimmen, 6. Herm. Neustadt mit 2467 Stimmen, 7. Samuel Kohn mit 1672 Stimmen, 8. Prof. Dr. Leopold Cohn mit 1637 Stimmen; als Stellvertreter aus 6 Jahre: 9. Rechtsanwalt Joel mit 1622 Stimmen, 10. Georg Sachs mit 1615 Stimmen, 11. Justizrat Callomon mit 1613 Stimmen, 12. Louis Löwenthal mit 1607 Stimmen, 13. Dr.-Karl Alexander mit 1568 Stimmen, 14. Dr. Wilh. Groß mit 1563 Stimmen, 15. Dr. Siegfried Kohn mit 1545 Stimmen, 16. Rechtsanwalt Kalisch mit 1541 Stimmen; als Stellvertreter aus 3 Jahre: 17. Direktor Meidner mit 1536 Stimmen und 18. Louis Rosenthal mit 1497 Stimmen. Somit ist die Liste des „Liberalen Vereins" völlig durchgedrungen. Meiningen, 7. Dezember. Unser Landtag hat bereits im Jahre 1904 einen Antrag aus Abänderung des Gesetzes von 1835, enthaltend Vorschriften über die Sonntagsheiligung, angenommen. Als Referent des Gesetzgebungsausschusses, dem inzwischen eine entsprechende Regierungsvorlage zugegangen ist, war der Abgeordnete Dr. Ledermann-Pößneck ausersehen. Wie das „Saalfelder Volksblatt" berichtet, hat Dr. Ledermann aber auf das Referat verzichten müssen, weil zwei Landtagskollegen die Ansicht äußerten, Abgeordneter Ledermann könne als Jude nicht über das christliche Sonntagsgesetz referieren; die Pfarrer im Lande könnten an dem Zustandekommen des Gesetzes auf diese Art Anstoß nehmen! 6-. Essen. 1. Dezember. Auf dem israelitischen Friedhofe vereinigte am Morgen des Buß- und Bettages ein pietätvoller Akt noch einmal einen engeren Kreis ehemaliger Schüler und Freunde an der Gruft des verstorbenen Seminarlehrers Abraham Treu. Galt es doch, den dem Hingeschiedenen gestifteten Gedenkstein seiner Bestimmung zu übergeben. In seiner Weiherede, die Herr Rabbiner Dr. Samuel in der Leichenhalle hielt, ließ er noch einmal das Bild des Entschlafenen vor dem geistigen Auge der Anwesenden erstehen. Am Grabe selbst sprach namens der Schüler Herr Lilienfeld aus Steele, indem er den Gefühlen der Liebe und Dankbarkeit, die dem väterlichen Freunde auch übers Grab hinaus von seinen Schülern bewahrt worden, ergreifenden Ausdruck gab. Beide Ansprachen hinterließen einen tiefen Eindruck. Schlicht und einfach wie Treus Wesen, ist auch der Gedenkstein im belgischen Granit von der Firma Lukas ausgesührt, der noch späteren Generationen Kunde geben wird, wie Schüler ihren Lehrer geehrt und verehrt haben. Bei einem später im Kasinosaale stattgehabten gemeinschaftlichen Mittagessen sprach Herr L. Treu in seinem und seiner Familie Namen all denen herzlichsten Dank aus, die das Andenken seines Vaters in Wort und Tat verherrlicht hätten, während Herr Lehrer Kaufmann von hier in gebundener Rede den Manen des Heimgegangenen Lehrerveteranen ein stilles Glas weihte. — In der nunmehr anschließenden Konferenz des Vereins israelitischer Lehrer Rheinland-Westfalens, insbesondere der Bezirke Düsseldorf und Dortmund, an der außer dem hiesigen Herrn Dr. Samuel auch der neue Rabbiner Duisburgs, Herr Dr. Neumark, als Gäste teilnähmen, hielt Herr Lehrer Kaufmann- Gelsenkirchen den Hauptvortrag über die biblische Geschichte und ihre Stellung im Religionsunterrichte der jüdischen Volksschule. Die vom Referenten aufgestellteu Leitsätze riefen einen lebhaften Meinungsaustausch hervor. Sodann referierte Herr Generalsekretär Strauß aus Frankfurt a. M. über die Tätigkeit des Vereins zur Abwehr und gab Fingerzeige, wie gerade die Lehrer der kleineren Gemeinden den Verein ideell unterstützen könnten. Herr Alexander-Krefeld besprach die neuesten Erscheinungen aus pädagogischem und liturgischem Gebiete, während in den freien Besprechungen die Stellung der jüdischen Lehrer zu dem in Aussicht stehenden Schulunterhaltungsgesetz eingehend zur Sprache kam. Mit herzlichen Dankesworten an den Leiter, Herrn Hauptlehrer Fröhlich-M.-Gladbach, wurde gegen 7 Uhr die anregende Konferenz geschlossen. n. Trier, 8. Dezember. Der unerwartet eingetretene Tod des Kaufmanns und Stadtverordneten Eugen Rothschild bedeutet für die Oeffentlichkeit in mehrfacher Hinsicht einen großen Verlust, der sich nicht leicht verschmerzen lassen wird. Die Stadt verliert einen einsichtsvollen, fleißigen und eifrigen Berater. Fast ein Menschenalter hat der Verstorbene dem Stadtverordnetenkollegium angehört und hat namentlich in der Finanzkommission eine bemerkenswerte Tätigkeit entfaltet. Meist hatte er den Warner, den Sparer, den Bremser abzugeben, aber wo es nötig war, konnte er auch den städtischen Säckel öffnen. Die nicht immer ganz leichte, doch aber glatt besorgte Unterbringung der städtischen Anleihen ist teilweise seiner Mühewaltung zu danken. Im Plenum des Stadtrates gehörte Herr Rothschild zu den Mitgliedern, die häufiger das Wort ergreifen, meist um irgend eine Aufstellung nicht unwioersprochen in die Welt gehen zu lassen. Außer dem Rathause war die Handelskammer das Feld seiner dem Gemeinwohl gewidmeten Tätigkeit. Als genauer Kenner der“ gewerblichen und kaufmännischen Verhältnisse unseres Bezirkes, verstand er es, für dessen Interessen lebhaft einzutreten. Die Vorarbeiten der Moselkanalisierung, die Beziehungen zu den benachbarten Handelskammerbezirken fanden in ihm einen warmen Förderer. Oesters wurde er von der Kammer mit ihrer Vertretung auf auswärtigen Vereinigungen betraut. Bei der Einweihung des Handelskammergebäudes wurde er durch Verleihung des Roten Adlerordens ausgezeichnet. Für die Kunst, in erster Linie die dramatische, hatte der Verstorbene viel Sinn, und wenn unser Stadttheater trotz mancher dürren Jahre sich gehalten und schließlich Dauer versprechende Daseinsbedingungen errungen hat, so ist das vorwiegend ebenso sein Verdienst, wie die würdige Ausgestaltung des äußeren Theatergebäudes. In der israelitischen Gemeinde war Rothschilds Einfluß stets sehr bedeutend; unsere Glaubensgenossen werden ihn sehr vermissen. Für die liberale Partei Triers bedeutete der Verstorbene einen Eckpfeiler, der die Erfahrungen und Lehren des Alters - mit jugendlicher Begeisterung und frischem Arbeitsamt verband. Ungleich vielen seiner Altersgenossen hielt er sich nicht von der praktischen Betätigung seiner politischen Gesinnung fern, sondern war bei der Hand, wo immer es galt, sür die liberale Sache einzutreten. Die Beerdigung des im 68. Lebensjahre Verstorbenen gestaltete sich zu einer wahrhaft imposanten Kundgebung der Liebe und allgemeinen Anerkennung. Am Grabe sprach Oberrabbiner Dr. Baßsreund in längerer Rede über die Wirksamkeit Eugen Rothschilds als Vorsteher der Synagogengemeinde, Stadtverordneter Und, Handelskammermitglied. In tiefempfundenen Worten gedachte Redner der Verdienste des Verstorbenen, seiner Tugenden als Mensch, als Gatte und Vater und vor allem seiner unverwüstlichen Arbeitslust, seines leutseligen Charakters, welche Eigenschaften dem Entschlafenen allgemeine Beliebtheit eingetragen hätten. Der Vorsitzende des Repräsentantenkollegiums, Herr Siegmund Loeb, gab im Namen des Vorstandes der Synagogengemeinde in kurzen, warmen und beredten Worten der Trauer Ausdruck, die das Hinscheiden Eugen Rothschilds in der gesamten Gemeinde hervorgerusen, sein Verlust sei unersetzlich. Nach den letzten herzlichen Abschiedsworten, die Revner dem im Sarge Ruhenden nachruft, wird dieser in die Gruft gesenkt, die sich vor der Grabstätte des Bruders, des Herrn Justizrats Rothschild, befindet. i. Dnrmstadt, im Dezember. Die Folgen der Zustände in unserer Gemeinde, wie sie in den Nummern 16, 18 und 23 vom Jahre 1902 geschildert sind, speziell aber die Folgen der Mandatsniederlegung seitens der früheren Vorstandsmajorität und die daraus folgende Wahlenthaltung der überwiegenden Mehrheit der Gemeindemitglieder, sind leider nicht ausgeblieben. Am eklatantesten und bedauernswertesten sind sie in einem Fall zutage getreten, der am 4. bezw. 18. vor. Monats vor dem Großherzoglichen Berwaltungsgerichtshof zur Verhandlung stand. Das Vorgehen des hiesigen Gemeindevorstandes gegen den Rabbiner Dr. Selver, mit. dem der Gerichtshof sich zu beschäftigen hatte, erregte innerhalb und außerhalb der Gemeinde das peinlichste Aussehen und schädigte das Ansehen der Gemeinde empfindlich. Da die hierüber in den Tageszeitungen erschienenen Berichte recht viele Ungenauigkeiten und Unrichtigkeiten enthielten, so. soll in Folgendem der Sachverhalt iüi

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