Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 49 (8.12.1905)
- Date
- 1905-12-08
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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MMM zur Letzten Ruhe geschlossen hatte. An diesem. Tage versammelte sich die zahlreiche Gemeinde der Freunde und Verehrer des Verstorbenen auf dem in Weißensee belegenen Begräbnisplatze der Gemeinde Adaß Jisroel, tun ein dessen, kurz vorher mit einem Denkstein geschmückten Grabe sein Gedächtnis zu feiern. Die Feier wurde mit dem Vortrag des Psalms 16 (Michtom l'Dovid) eingeleitet, worauf der langjährige Freund des Verstorbenen, Herr Dr. Hirsch-Hildesheimer, eine ergreifende Rede hielt, in welcher er mit wenigen kräftigen Strichen ein Bild des Verewigten zeichnete und dessen hervorragende Verdienste um das Judentum Deutschlands, ja des ganzen Erdballs hervorhob. Gerade die jetzigen schweren Tage in Rußland lassen den Eingeweihten die große Lücke erkennen, welche sein Tod in unsere Reihen gerissen hat. Der Hilfsverein der deutschen Juden hat seine Begründung und seine umfassenden Organisationen zum sehr erheblichen Teil der bedeutenden Energie, dem außerordentlichen Organisationstalent und der schier grenzenlosen Arbeitskraft des Verstorbenen zu verdanken. In dem Hilfsverein aber besitzt das deutsche Judentum das erforderliche Organ, um bei jeder über unser Volk hereinbrechenden Katastrophe sofort tatkräftig eingreifen und die schweren Folgen nach Möglichkeit ntildern zu können. Außer der Mitbegründung des Hilssvereins, des letzten Lebenswerkes des Verblichenen, hat das Judentum ihm auch sonst noch sehr viel zu verdanken. Die segensreiche Wirksamkeit Willy Bambtls in Palästina genügt schon allein, um ihn einen ehrenvollen Platz in der Geschichte unseres Volkes zu sichern. Ueberhaupt ging Willy Bambus'stets mit neuen Plänen im Dienste des Judentums um, dem er zwanzig Jahre lang jede freie Minute seines rastlosen Lebens widmete. Was hätte dieser Mann für unser Volk noch geleistet, wenn es ihm vergönnt gewesen wäre, sich auszuleben und ein volles Menschenalter im Dienste des Judentums zu wirken! Mit dem Vortrag des Psalm 24, des El moleh rachamim und des Kadisch- Gebetes schloß die erhebende Feier, welche bei allen Anwesenden einen tiefen Eindruck hinterlassen hat. ac. Perleberg, 5. Dezember. Bekanntlich wurde hier am 1. Januar vorigen Jahres gleichfalls ein Schächtverbot erlassen. Die Synagogengemeinde entschloß sich nun, in der nahe gelegenen Stadt Wittenberge das rituelle Schlachten ausführen zu lassen, was ihr auch vom dortigen Magistrat genehmigt wurde. Im Juli d. I. wurde jedoch dem Magistrat zu Wittenberge von seiten der Schlachthausverwaltung eine neue Schlachthausordnung zur Genehmigung unterbreitet, in welcher aber der frühere § 18, welcher lautete: „Das Schlachten nach jüdischem Ritus ist in hiesigem Schlachthofe erlaubt" — fehlte. Der Magistrat genehmigte ohne weiteres diese neue Verordnung. das heißt das Schächtverbot. Dem Regierungsbaumeister Wolfen in Wittenberge, zurzeit Repräsentantenvorsteher der Synagogengemeinde Perleberg-Wittenberge, gelang es nun, als Stadtverordneter mit Hilfe des Stadtverordnetenvorstehers eine Stadtverordnetenversammlung anzuberaumen, in welcher der Schlachthausdirektor Horn durch Fälle aus seiner Praxis das Schächten als Tierquälerei hinzustellen versuchte, während Herr Wolfen diesen Ausführungen' die Gutachten berühmter Professoren gegenüberstellte. Infolge dessen stimmten 24 Stadtverordnete für das Schächten, 4 Stadtverordnete dagegen. — Der Magistrat zu Wittenberge hob nun seinen früheren Beschluß auf, aber nur mit der Bedingung, daß an den Schlachthof von seiten der Synagogengemeinde eine Halle zum Zwecke des Schächtens angebaut werde. Die Synagogengemeinde nahm auch diese Bedingung an. Hannover, 2. Dezember. Der von dem verewigten Konsul A. M. Simon zu Hannover begründete Verein zur Förderung des Gartenbau- und Handfertigkeitsunterrichts in der jüdischen Volksschule wählte in der am 7. dieses Monats abgehaltenen Generalversammlung Herrn S. Federlein an Stelle des Verstorbenen zum stellvertretenden Vorsitzenden. Es wurde beschlossen, um den Bestrebungen des Vereins weitere Verbreitung zu geben, jüdischen Gemeinden und Lehrern, welche Gartenbau- und Handfertigkeitsunterricht einführen wollen, aus den Mitteln des Vereins Beihilfen zu gewähren. Gesuche sind an den Vorsitzenden des Vereins, Seminardirektor Dr. Kn oller zu richten. ---Hamburg, 3. Dezember. Der Verein zur Förderung jüdischer Gemeindeinteressen in Hamburg hielt am Donnerstag abend eine Versammlung im Logenheim ab. Es lag ein Antrag vor, zum Andenken des verewigten Herrn Dr. S. P. Rath an eine Stiftung ins Leben zu rufen. Von den Antragstellern wurde auf die großen Verdienste hingewiesen, die der Verstorbene sich um die Gemeindeinstitutionen erworben habe. ' Nach längerer Debatte wurde eine fünfgliedrige Kommission zur weiteren Prüfung eingesetzt. — Hierauf wurde Bericht erstattet über die angestrebte Vereinigung des Deutsch-Israelitischen Shnagogenverbandes mit der neuen Dammtor- Synagoge in der Beneckestraße. Sämtliche Redner vertraten die Ansicht, daß eine Vereinigung angestrebt werden sollte. Man beschloß, nochmals eine Kommission zu wählen, die neue Einigungsverhandlungen anbahnen soll, zu denen auch die Herren Oberrabbiner M. Hirsch und Rabbiner Dr. Löwenthal einzuladen seien. Auf die Eingabe des Vereins, daß die Sitzungen des Repräsentantenkollegiums öffentlich stattfinden möchten, hat der Gemeindevorstand sich zustimmend erklärt. In Zukunft sollen eine Anzahl Einlaßkarten für Gemeindemitglieder ausgegeben werden. Schließlich wurde noch eine Kommission eingesetzt, um die Vorbereitungen für die im Dezembernötigen Neuwahlen zum Delegiertenkollegium zu treffen. — Bremen, 1. Dezember. Der hier allgemein bekannte, sehr beliebte und geehrte Herr Eduard Abraham beging am 27. v. M. in voller Rüstigkeit und seltener Geistesfrische seinen 80. Geburtstag. Um den Ovationen, die seitens seiner zahlreichen Anhänger zu seinem Ehrentage geplant waren, zu entgehen, ist er abgereist, um in aller Stille im engsten Familienkreise in, Köln den. Tag zu feiern. — Was für eine Persönlichkeit Herr Abraham war, wie er insbesondere seinen großen Wohltätigkeitssinn zum Ausdruck gebracht hat, das läßt sich nicht im Rahmen dieser Korrespondenz sagen. Bemerkenswert und von Interesse ist es, zu erfahren, daß Herr Abraham noch der einzige lebende Jude von den vier Familien ist, die im Jahre 1848 laut Beschluß des Senats zuerst das Aufenthaltsrecht in Bremen erlangten. Bekanntlich dursten vorher keine Juden in Bremen wohnen. Herr Abraham diente sogar in den Revolutionsjahren bei der Bürgergarde und brachte es bis zum Unterofsizier. Seit dem Jahre 1861 bekleidete er das Amt eines zweiten Vorstehers und hat in dieser seiner Eigenschaft die Bestrebungen der Gemeinde in jeder Weise gefördert. In Anerkennung seiner Verdienste überreichte ihm die Gemeinde anläßlich feines 25jährigen Amtsjubiläums eine prachtvoll ausgeführte Adresse. Eine solche erhielt er auch von dem israelitischen Frauenverein, dessen Mitbegründer und Hauptsörderer er ist. Der Frauenverein verehrte ihm ferner eine wunderbare Lampe, als Symbol seines leuchtenden Vorbildes, und eine namhafte Summe Geldes, das den Grundfonds zur Abraham-Stiftung bildet. Was bei ihm neben seinem großen Wohltätigkeitssinn am meisten zu bewundern ist, das ist sein geistreicher, unverwüstlicher Humor, den er sich bis heute ohne die geringste Abschwächung zu bewahren gewußt hat. Zu Ehren seines 80. Geburtstages wurden ihm seitens der Gemeinde viele Ehrungen zu teil. Wir schließen mit dem Wunsche, daß Herrn Abraham noch viele Jahre in ungetrübter Gesundheit und bisheriger Geistesfrische beschieden sein mögen! i. Weimar, 26. November. Mit Beginn des kommenden Jahres wird das rühmlichst bekannte Bankhaus Julius Elkan in Weimar seine über ntehr als fünf Menschenalter ausgedehnte Tätigkeit beschließen. Das alte Haus geht an die Magdeburger Privatbank über unter der Firma „Magdeburger Privatbank, Filiale Weimar, vormals Julius Elkan". Der Chef des Hauses, Dr. Moritz, zieht sich ins Privatleben zurück. Mit dem Hause Elkan verknüpfen sich manche Erinnerungen an die klassische Zeit Weimars. Hingewiesen sei nur auf Goethes Verse ans „Miedings Tod" (1789): „Der tätige Elkan läuft mit manchem Rest, Und diese Gährnng deutet auf ein Fest." I. Elkan war bekanntlich der „Hofjude", mit dem auch Goethe in geschäftlicher Verbindung stand. Er war lange Zeit der einzige Jude der in Weimar lebte. Durch die Verwandtschaft mit der bekannten Bankiersfamilie Veit ist der Name auch für Berlin von Interesse. Frankfurt a. M., 29. November. Auf Veranlassung des vor einigen Jahren zum Zwecke der Bekämpfung des Abfalls vom Judentum gebildeten Komitees und im Rahmen der von diesem Komitee veranstalteten Vorträge sprach am 18.d.M. vor einem zahlreich erschienenen Publikum Herr Landtagsabgeordneter Dr. Cohn aus Dessau über „Die Dringlichkeit der Selbstverteidigung und den Verband der deutschen Juden." Der Redner begründete in längeren