Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 49 (8.12.1905)
- Date
- 1905-12-08
- Page
- Seite 586 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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halten und das negative Band darstellen, sondern in positiver Arbeit, in bewußtem, begeisterten Zusammenschluß werden'wir die Schäden in uns beseitigen lernen und den Feind, der von außen uns bedroht, besiegen. Sind wir erst kulturell erstarkt, d H. nicht wir — die Zivilisierte Minderheit — allein, sondern auch-^das Gros des Judentums, das wir mitzuerlösen haben — dann werden wir keine Reaktion mehr zu fürchten haben, dann werden wir auch vielleicht daran schreiten können, die Sache der Menschheit zu verfechten, wie uns die Propheten verheißen haben und wie wir selbst aus gewichtigem gegnerischem Munde vernommen haben: Alles Heil kommt von Israel! , ^a\hLevsff7mS. MW Lertw Ioliklowir?. Historische Novelle von Waclaw Gonsiorvwski. -Deutsch von S. H orowitz. III. ^?^ier Oberst von Gringen rückte schnell gegen Liping vor, 3***^ btxmit der Feind nicht mittlerweile entweiche. Die vorgeschobenen Piketts marschierten au der Spitze, eine breite Kette bildend. Der Kirchturm von Kock war bereits dem Gesichtskreise der Husaren entrückt und die angekündigten Ulanen waren noch immer nicht zu sehen. Der Oberst fluchte leise und beklagte sich vor dem an seiner Seite reitenden Rittmeister von Stieglitz: „Der Teufel hätte diesen Alarm holen sollen! Man hätte noch sehr gut ausruhen können! Aus Kolbe wird nie ein guter Offizier werden. Er muß immer irgend einen Bockstreich machen!" „Ein junger Leutnant!" brummte Stieglitz, den der Schlummer zu überwältigen begann. „Sie, Rittmeister, sind schläfrig! Ich gestehe, auch ich. Wir wollen eine Weile Rast halten. Man muß eine neue Rekognoszierung abwarten. Ich habe es gern, sicher zu marschieren." Von Gringen wandte sich um, um der Schwadron ein Signal zum Stehen bleiben zu geben. Sein Blick siel unwillkürlich auf ein in der Entfernung auf der linken Seite der Straße dämmerndes Gehölz. Der Oberst fuhr zusammen. „Täuscht mich mein Auge!" rief er fieberhaft erregt. „Kavallerie! Halt! Meine Lünette! Ulanen! Aufgepaßt!" Die Husaren brachten ihre Rosse aus der Stelle zum Stehen. Die Rittmeister begannen hastig ihre Detachements auf der Wiese in Frontlinien aufzurollen. Die Ulanen dürften von weitem die Bewegungen der Husaren wahrgenommen haben, denn sie begannen in gestrecktem Galopp über das gegen die Straße abschüssig abfallende grüne Getreidefeld sich heranzuwälzen. Der Boden erbebte unter den Pferdehufen, das Flattern der Standarten wurde immer stärker,'drohender. Die Ulanen kamen wie ein Wirbelwind herangesaust, die Rosse in rasender Karriere streiften beinahe mit ihren Bäuchen die Erde. Ein Falbe trug an der Spitze der Ulanen den jungen Schwadronschef. Die Husaren empfingen die Ulanen mit einer Karabinersalve. Die Ulanen warfen die Pferde herum ... mehrere glitten aus den Sätteln. . . Bald aber erscholl die sonore Stimme des Kommandanten: „Mir nach 1 Vorwärts! Dreinhauen!" Der-Chef spornte sein Roß an und stürzte sich mit geschwungenem Säbel auf die Husaren. Die Standarten senkten sich, knarrten und eine Mauer von erhobenen Lanzen und Schwertern stürzte aus die Oesterreicher nieder. Die Attacke war eine wütende. Trotz der erbittertsten Abwehr vermochten die Husaren nicht dem Anprall Stand, zu halten, ihre Linie wurde durchbrochen, löste sich in formlose Haufen auf. Von Gringen ermahnte zur Ordnung, die Hörner bliesen krampfhaft zum Rückzuge, wurden aber im Schlachtgetümmel nicht beachtet. Die Husaren kämpften auf Tod und Leben, hinter dem die Landstraße einfassenden Gebüsche einen Stützpunkt suchend. Die numerisch überlegene Anzahl der Husaren begann plötzlich ihre Kaltblütigkeit zurückzugewinnen. Der Kampf war ein gleichartiger, als plötzlich ein Ulanen- Pluton, der sich unter dem Kommando des Eskadronschefs Piasecki bei der Attacke vom Hauptkorps getrennt hatte, dem Feinde in den Rücken fiel. „Vivat Piasecki!" „Es lebe Berko!" schrieen die Ulanen. Die Husaren gerieten in Verwirrung, ballten sich zusammen. Jeden Augenblick riß sich jemand aus den zusammengedrängten Reihen los und nahm gegen Kock zu Reißaus. Leutnant Kolbe, der Kapitän Braun utib zwei Adjutanten blieben auf dem Platze liegen. Von Gringen und' Stieglitz wehrten sich verzweifelt an der Spitze einer Halbschwadron — "aber von allen Seiten umringt, ohne Zeit zu haben, Karabiner oder Pistolen zu laden, von den Lanzen in die Enge getrieben, wankten sie. Da Gringen sah, daß ein weiterer Widerstand aussichtslos sei, winkte er Stieglitz, warf sich aus die Ulanen und, von seinen Soldaten unterstützt, schlug er sich durch die Lanzenkette durch und wandte sich im gestreckten Galopp nach Kock. Dem Oberst folgten die Husaren. In einem Augenblicke begann eine erbitterte Verfolgung. Die Ulanen jagten in ausgelösten Schwärmen dahin, einzelne Husaren einholend. Die Landstraße begann sich mit Verwundeten, Getöteten und Pferdekadavern zu bedecken. Aber die Ulanen hatten ermüdete Pferde. Die Husaren konnten wieder zu sich kommen. . Von Gringen, drohend und seine eigenen Soldaten mit flachen Säbelhieben traktierend, vermochte wieder eine gewisse Ordnung herzustellen und Kock erreichend, formierte er sie auf dem Ringplatze. Das Städtchen hatte Momente fieberhafter Unruhe durch-' gemacht. Das Knattern des Kleingewehrseuers hatte die auf dem Ringplatze angesammelte Menschenmasse mit Schrecken erfüllt. Aber die Anwesenheit des Landrats und sein Phlegma, mit welchem er sich anschickte, die Befehle zu erteilen und an dem alten Berko die Strafe zu vollziehen — verlieh allen Zuversicht. Aber das Erscheinen des ersten flüchtenden Husars erweckte wieder Angst. Die Vorsichtigeren begannen nach Haus zu gehen, die Kühneren aber konnten noch nicht auf den Anblick der Streiche, die aus Josielowicz niederfallen sollten, verzichten. Plötzlich begannen die Gassen des Städtchens dumpf zu erbeben. Die' Husaren kamen schwarmweise herangesprengt. Auf dem Ringplatze entstand ein Tumult. Die Soldaten, sich einen Weg bahnend, traten die dichtgedrängte Volksmenge, erbarmungslos nieder. Die Menschenmasfe, denen die Hauptstraße verlegt war, erdrückten und zertraten sich gegenseitig. Schreie des Entsetzens und der Angst erfüllten die Luft. Da kam der Oberst heran galoppiert, die Ueberbleibsel anführend. Es erfolgte ein heftiges, .heiseres Kommando. Die Husaren formierten sickh Die Miliz ergriff die Gewehre.