Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 49 (8.12.1905)
- Date
- 1905-12-08
- Page
- Seite 582 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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^'5^' Ir**»**#** t- M '—- jüdischen Philologen und Theologen das Rüstzeug zu geben, sondern haben, die enge Verbindung der Wissenschaft und des Lebens betonend, uns.immer ermahnt, eine Anstalt zu schaffen, die, wie sie dem. Forscher ausreichendes Material bietet, auch dem Laien vielseitigen. Genuß verschaffe, ihm die Möglichkeit gewähre, die Geschichte zu erkennen, das Lebenzu verstehen, den Grund seines Glaubens zu stützen und seine Religiosität zu vertiefen. Der Wert einer Bibliothek wie der Ihrigen, die für immer die Ihre bleibt, auch wenn sie die unsrige. wird, besteht in dem alten Worte scripta man ent. Parteien wechseln, Ansichten vergehen, das geschriebene Wort bleibt und behält ewige Dauer. Das Geschriebene birgt die Weisheit der Vergangenheit wie ihre Torheit; nichts wird vergessen, nichts kann vergehen. Aber zu diesem Bleiben der Schriften muß kommen, daß der Zauberer hinzutritt, um die Stummen reden zu machen. Der Zauberer ist jeder ernste Besucher: er gibt den Stummen die Sprache und jenem Wunder gleich, da die Steine schrieen, als Menschen schwiegen, können und sollen auch die Bücher die Zauberkraft der Rede erlangen. Kraft Ihres Sammelfleißes erlangen wir einen köstlichen Schatz, der bleibt und dauerhaft ist; wir hoffen zu der Kraft unserer Besucher und Benutzer, daß sie den Bleibenden zur Rede verhelfen, mit weithin schallendem, mächtigem Klang. Sie geben uns in Ihren Büchern eine Schatzkammer der Vergangenheit und ein Arsenal für die Zukunft. Empfangen Sie dafür unfern herzlichsten Dank! Herr Sanitätsrat Neumann antwortete in längerer Rede. Er sprach mit großer Rührung seinen Dank aus für die Ehrung, die seinem Herzen wohlgetan habe. Anknüpfend an den Spruch: Acbaraun acliaraim clioviw- (der Letzte, der Liebste) gab er dem Gedanken Ausdruck, daß gerade dieser Dank, obwohl oder weil er der letzte sei, seine innersten Gefühle erregt. Mit einer fast jugendlichen Lebhaftigkeit setzte er die Ziele auseinander, die ihn bei seiner jüdischen Sammlung geleitet hätten, sprach wiederholt von der Freude, die es ihm bereite, diese, seine Lieblingsschöpfung, der jüdischen Gemeinde anvertraut und zu weiterer Arbeit benutzt zu sehen. Er bezeichnete seine anwesende Tochter und Nichte als die, die mit seinem Willen genau vertraut seien und mit der Ueberführung seines Geschenkes am besten Bescheid wüßten und dankte wiederholt dem Redner und den mit diesem erschienenen Mitgliedern der Deputation für die ihm gezollte Anerkennung. Hatte er bisher auf einem Sessel sitzend gehört und gesprochen, so ließ er ' sichs nun nicht nehmen, die Versammelten in sein Studierzimmer zu führen und ihnen . dort manches zu zeigen, das gleichfalls für die Gemeindebibliothek bestimmt sei. Alle Anwesenden waren von der Geistesfrische und Klarheit des greisen Geschenkgebers überrascht und erfreut und drückten die Hoffnung aus, ihn in den Sitzungen der Kommission noch häufig zn sehen, sowie den Wunsch, es möge ihm vergönnt sein, seine Sammlung in den ihr von der Gemeinde angewiesenen Räumen noch lange zu beschauen und zn benutzen. Zu einem Jubelfest der hiesigen Indischen Gemeinde gestaltete sich die offizielle Feier, tvelche der Gemeindevorstand anläßlich der goldenen Hochzeit des Ehepaares Moritz und Bertha Manheimer geb. Lehweß heuteftn der Neuen Synagoge unter glänzender Prachtentfaltung ausrichtete. Die Synagoge war am Almemor sonne an den beiden Emporen mit Girlanden, die mit Blumen und goldenen Blättern reich dnrchflochten waren, durchzogen, und die Perserteppiche, die an den Galerien befestigt waren, hoben sich wirkungsvoll von dem frischen Grün ab. Aus der Mitte der über dem Almemor befindlichen Kuppel hing ein mit den Initialen des Jubelpaares und den Jahreszahlen 1855 und 1905 verzierter Fahnen- - Wimpel in den festlichen Raum hinab, der ja doch in seiner architektonischen Schönheit und Würde von keiner 'hiesigen Andachtsstätte übertroffen wird. Zur Feier hatten sich außer den Gemeindevorstehern und den Repräsentanten, welche vollzählig erschienen waren, alle diejenigen eingesunden, welche ehrenamtlich in der Gemeinde tätig sind, Vertreter der städtischen Verwaltung, das gesamte Rabbinat, Leiter und Lehrer der Waisenhäuser und Gemeindeschulen, Mitglieder aller Kuratorien der hiesigen Wohltätigkeitsinstitutionen, die Vertreter der Großloge und die Präsidenten der drei Logen des Ordens B ne Brich, die hervorragendsten Vertreter der Bank- und Handelswelt, eine unermeßlich große, den Festraum überfüllende Schar sonstiger Gemeindemitglieder, das technische Personal aller Gemeindeanstalten, ja selbst viele Insassen des Alterversorgungsanftalten, Hospitgliten und Hospitalitinnen; sie alle ohne Ausnahme führte nicht bloße Neugierde zur heutigen Feier, sie alle hatten den aufrichtigen Wunsch, dem Jubelpaar an seinem Ehrentage die wohlverdiente Huldigung darznbringen und ihrerseits mit dazu beizutragen, den Dank dein hochherzigen Paar für die blühenden und segensreichen Anstalten und' Stiftungen abtragen zu helfen, den die Gemeinde ja niemals in dem vollen und gebührenden Masse abzntragen imstande sein wird. Eine besondere Deputation hatte Gommern, die Vaterstadt des Jubilars, entsandt, um ihren vor kurzem zum Ehrenbürger' ernannten Sohn zu ehren. Pünktlich um 12 Uhr setzte die Feier mit einem Orgelpräludinm ein. Unter den Klängen eines vom gesamten Chorpersonal'intonierten und von Posaunen begleiteten Händelschen Chors, dem ein vom Bnreaudirektor der hiesigen Jüdischen Gemeinde, Herrn Arnold Budwig, verfaßter Text unterlegt war, unter Leitung des Herrn Kapellmeisters Kellermann, wurde alsdann unter Dorantritt von kerzentragenden Synagogendienern und unter Führung des Vorsitzenden des Gemeindevorstandes und des Vorsitzenden, der Repräsentanz das Jubelpaar mit den nächststehenden Verwandten durch den Mittelgang in die Synagoge zum Almemor geleitet. Nach dem von Herrn Kellermann komponierten mib von Herrn Alexander Heinemann in seelenvollem Vortrage zu Gehör gebrachten Begrüßnngsgesange: Boruch liabo beschem adaunoj berachnnchem mibes adauno (Gesegnet, der da kommt im Namen des Herrn! Wir segnen Euch vom'Hause des Herrn) bestieg Rabbiner Professor Dr. May bau m? die Kanzel und nahm das Wort zn der nachstehenden Predigt, deren Eindruck ein um so tieferer war, als sie bei aller Formschönheit und j Wärme der Empfindung doch die gerade dem bescheidenen Wesen des Jubelpaares entsprechenden schlichten Töne fand: - ‘71 nttfJJ Dvn m »Das ist ein Tag, den uns der Ewige bereitet hat!" Also rufen wir allesamt mit Ihnen, mein verehrtes Jubelpaar, dankerfüllten Herzens ans. Wir-preisen den Allgütigen, lynTO daß er Sie und uns am Leben erhalten und uns den heutigen Tag hat schauen und erreichen lassen, an dem sich zum 50. Mal die Stunde fährt, wo Sie den Herzensbund geschlossen, den Sie bis auf diesen Tag in Treue gewahrt haben. Nachdem wir so dem Ewigen vor allem unsere Anbetung gezollt haben, wenden wir uns zu Ihnen, verehrtes Jubelpaar, um Ihnen.zunächst dafür zu danken, daß Sie sich uns am heutigen Tage nicht entzogen haben. In der Bescheidenheit Ihres Herzens gedachten Sie j anfangs, den Tag Ihrer goldenen Hochzeit in stiller Zurückgezogenheit! fern von unserer Stadt zu verleben; aber sie willfahrten zuletzt dem natürlichen Wunsche unserer Gemeindebehörden, die sich am heutigen Jubelfeste huldigend um Sie scharen wollten. Wer, verehrtes Jubelpaar, wie Sie die Interessen der Gesamtheit in so hohem Maße sich zn eigen gemacht hat, der darf sich nicht wundern, wenn seine persönlichen Erlebnisse in weiten Kreisen der wärmsten Anteilnahme begegnen. Darum .weitet sich Ihr heutiges Familienfest zu einem Feste unserer Glaubens ge in ein de. Wie Sie heute mit innigster Rührung auf die Zeit Ihrer gemeinsamen. irdischen Wallfahrt zurückblicken, auf der Sie einander gestützt, gefördert und liebevoll umhegt haben, so fühlen sich heute auch unsere Gemeindebehörden, Vorsteher und Repräsentanten, tief ergriffen bei dem Rückblick auf den Ehrendienst, den Sie seit Jahrzehnten in unserer Verwaltung in treuester Hingebung verrichten, und wie sich heute der große und weitgedehnte Verwandtenkreis neben der einzigen Schwägerin und Schwester um sie schart, wie alle Ihre Neffen und Nichten, das zweite und das dritte Geschlecht Ihnen für die Fülle des Segens danken, mit dem Sie sie unablässig bedacht haben, so scharen sich heute die Mitglieder unserer Glaubensgemeinde in herzlicher Verehrung um Sie, mein verehrtes Jubelpaar, deren Verbindung zu einer Quelle mannigfachen Segens für uns geworden ist. Ja, Ihre Verbindung wurde uns zum Segen. Sie haben beide den gleichen Anspruch aus unsere Dankbarkeit. Nicht blos dadurch, daß Sie stets eines Sinnes'waren in der Spendung und Verwendung reicher Mittel zn wohltätigen Zwecken, sondern auch dadurch, daß Sie beide, von