Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 48 (1.12.1905)
- Date
- 1905-12-01
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 die Verwaltung der hiesigervMKchen. GtzMöMbe qrLäxk sich die Versammlung auf Grund des Gutachters deL Schuko und- Datmud»- Torah-Vorstandes einverstanden. Der Referent- Professor Blas ch k e hebt hervor, daß die Kosten für den ReligionsunterriM sich noch niedriger stellen werden, als die bisherige Subventionen diese Schule betragt. Die starke Frequenz der Schule (300 Kinder) sei im wesentlichen das Verdienst des Leiters Dr. Galliner, der die Schule aus ihren ersten Anfängen zu einer Entwicklung gebracht habe, mit der man allseitig sehr zufrieden sein könne. Professor Geiger ist ebensalls für die Uebernahme. macht aber aus die Gefahr aufmerksam, daß, wie es bisher Sitte gewesen sei, die Inspektion der Schule mit dem Augenblick aufhöre, sobald die Schule nicht mehr Privatschule sei. Diese Gefahr liege zwar augenblicklich nicht vor, könne aber leicht bei einem Wechsel in der Leitung der Schule eintreten. Unter Hinweis hieraus hebt er mit großem Nachdruck die Notwendigkeit und Dringlichkeit der Anstellung eines G e m ei n d e sch ul i n fp ekto rs hervor Ueber diesen letzteren Punkt, entspinnt sich wiederum eine sehr ausgedehnte Debatte. Gegenüber den Ausführungen der Herren Justizrat Lachmann und Syndikus Justizrat Lilienthal, daß der Schulvorstand nicht nur das Recht, sondern auf Grund seiner Satzungen auch die Pflicht habe, die Gemeindereligionsschulen zu inspirieren, weisen die Herren Professor Geiger, Professor Blaschke und Geheimrat Blumenthal auf die Unausführbarkeit dieser Bestimmung hin, eine Unausführbahrkeit, die nicht nur durch die völlig unzureichende Zahl der hierzu fähigen Mitglieder des Schulvorstandes bedingt sei, sondern auch in Hindernissen liege, die sich der Inspektion an sich entgegenstellen. Vom Vorstandstisch wird dem entgegengehalten, daß die Frage. der Anstellung eines Inspektors außerordentlich schwierig sei. Der Gemeindevorstand hat sich bekanntlich mit einem Anträge um die staatliche Genehmigung eines Gemeindeschulinspektors, der die Aufsicht über den gesamten jüdischen Religionsunterricht in Berlin zu führen hätte, an das Provinzialschulkollegium gewandt, das sich nicht entschließen konnte, selbst über die Sache zu entscheiden und den Antrag an das Kultusministerium weitergegeben hat: Hier „ruht" diese Angelegenheit bereits seit längerer Zeit, und der Gemeindevorstand beabsichtigt, in persönlicher Vorstellung dieselbe zu fördern. Der Gemeindevorstand will sich nicht dazu verstehen, vorläufig einen Inspektor nur für den Unterricht in den Gemeinde« religionsschulen und den subventionierten Schulen anzustellen, da es unmöglich ist, eine hervorragende Kraft für ein so kleines Tätigkeitsgebiet zu finden, ein Vorschlag, der schon mehrfach gemacht und auch in der heutigen Sitzung von Herrn Weinberg wiederholt wurde. Der Vorstand ist deshalb an das Provinzialschulkollegium mit dem Ersuchen heran getreten, der jüdischen Gemeinde die ^gleichen Rechte einzurüumen wie den evangelischen und katholischen Religionsgesellschaften, denen laut Landesgesetz als ein Teil der allgemeinen Schulinspektion die Aufsicht des Religionsunterrichtes zusteht. Uebrigens ist ein gleicher Antrag auch vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebund an das Schulkollegium gerichtet worden. Der Minister hat sich leider bisher noch nicht schlüssig machen können, die jüdische Gemeinde mit den anderen Religionsgesellschaften gleichzustellem Rach den Andeutungen des Herrn Geheimrat Blumenthal scheint sich die Aufmerksamkeit des Gemeindevorstandes bereits einer bestimmten Persönlichkeit zugewendet zu haben, die als Schulinspektor gewählt werden soll und als durchaus geeignet bezeichnet wird, die großen Schwierigkeiten der Schulinspektion leicht.zu überwinden. — An Bewilligungen wurden alsdann debattelos genehmigt: 704,15 Mark für Malerarbeiten im Krankenhause, 300 Mark als Subvention an das Israelitische Lehrerinnenheim, 18 Mark als Entschädigung für einen in der Shnagogengarderobe verloren. gegangenen Spazierstock. Als Mitglieder der Fürsorgekommission wurden auf drei Jahre wiedergewählt die Herren Regierungsbaumeister Max Fraenkel, Dr. H. Erabower, Sanitätsrat Dr. Schwarzauer, Georg Silberstein und Maurermeister S. Weile. Mit der debattelosen Bewilligung eines Beitrages von 15 000 Mark für die Opfer der russischen Judenverfolgungen und der Bewilligung eines Zuschusses von 1000 Mark zu den. Reisekosten der Teilnehmer an dem Ferienkursus für Religionslehrer, der in diesen Weihnachtsferien hier abgehalten werden soll, schloß-die öffentliche Sitzung, der eine längere geheime Sitzung, folgte. Berlrir>26. November. Etwas spat, und nachdem fast a lll-e. anderen deutschen Städte in die Hilfsaktion für die russischen Juden mit gutem Beispiele vorangegangen, ist nun auch Berlin nachgefolgt. Am 23. d. M. fand im Rathause unter dem Vorsitz des. Oberbürgermeisters Kirschner die Konstituierung, eines interkonfessionellen Hilfskomitees für die Opfer der Metzeleien in Rußland statt. Der von den Herren Oberbürgermeister Kirschner und James Simon ergangenen Einladung zum Beitritt zu diesem Komitee und zur Unterfertigung eines Aufrufs zu Sammlungen an die Berliner Bürgerschaft haben zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten der Reichshauptstadt, darunter die glänzendsten Namen der wissenschaftlichen, literarischen, industriellen und kommerziellen Welt, entsprochen. Nur sehr wenige der Eingeladenen hätten abgelehnt, unter ihnen der Abgeordnete Singer, der in einem längeren Schreiben darlegte, er könne bei aller Sympathie für den Zweck des Aufrufes diesen nicht unterschreiben, weil darin nicht zum Ausdruck gelange, daß die Metzeleien von den bisherigen Machthabern in Rußland angestiftet worden seien. Zu der konstituierenden Versammlung hatten sich etwa 30 Herren eingesunden. An den Bericht des Oberbürgermeisters Kirschner über die vorbereitenden Arbeiten knüpfte sich eine angeregte Erörterung, in der übereinstimmend der Gedanke zum Ausdruck gebracht wurde, es sei eine Ehrenpflicht der Berliner Bürgerschaft, ohne Unterschied der Konfession, ihrem Abscheu über die Metzeleien in Rußland und dem Mitgefühl mit den Opfern werktätigen Ausdruck zu verleihen. Angenehmen Eindruck machte es, als auch zwei Vertreter der hiesigen Katholiken, die Herren Justizrat Modler und fürstbischöfiicher Delegat Probst Kleineidam, namens ihrer Glaubensgenossen demselben Gedanken Ausdruck verliehen. Das Ergebnis der Erörterung konnte Oberbürgermeister Kirschner kurz dahin zusammenfasseu, daß es in der Berliner Bürgerschaft in dieser Frage keinen Unterschied der Konfession gebe. Mit der Durch-/ sührung der Sammeltätigkeit wurde ein engeres Komitee betraut, dem die Herren Oberbürgermeister Kirschner, Geh. Kommerzienrat James Simon, Dr. Langerhans, Direktor Steinthal und Geh. Justizrat Rießer angehören. s. Berlin, 23. November. Der Verband der Synagogenvereine von Berlin und den Vororten hat eine Trauerandacht für unsere hingemordeten russischen Glaubensgenossen am 22. November nachmitags 4*/a Uhr veranstaltet, und zwar in folgenden Synagogen : 1. Vereinigte Schocharö hatow und B'ne Brith-Gemeinde, Synagoge Grüner Weg 19. Predigt: Rabbiner Dr. Wohlberg. 2. Lippmann Tauß-Gemeinde, Synagoge Gollnowstraße 12. Predigt: Rabbiner Dr. Lipschütz. 3. Oranienburger Vorstadt, Synagoge Liesenstraße 3. Predigt: Rabbiner Dr. Baneth. 4. Adaß Jeschnrun, Synagoge Alte. Schönhauser Straße 42. Predigt : Rabbinatskandidat Samuel Blum. 5. Ahawath Achim, Synagoge Prinzenallee 87. Predigt: Rabbiner Dr. Pick. 6. Agudath Achim, Synagoge Neue Königstraße 30. Predigt: Rabbiner Engelberg. 7. Ahawath Zion, Synagoge Saarbrücker Straße 30. Predigt: Dr. Garbatti. 8. Ahawath Thora, Synagoge Josefstraße 15. Predigt: Rabbiner Dr. Janowitz. 9. Religionsverein Westen und 10. Religionsverein Schöneberg, Synagoge Passauer Straße 2. Predigt: Rabbiner Är. Levy. 11. Israelitische Vereinigung Friedrichsberg und Umgegend, Synagoge Frankfurter Allee 189.. Predigt: Professor Enoch. 12. Israelitischer Brüderverein Nixdorf, Betsaal, Goethestraße. Predigt: Herr Rabbiner Kamerase. Am 26. nachmittags 3^ Uhr fand ein Trauergottesdienst in der Synagoge des Religionsvereins Ahabath Schalom, Gipsstr. 12 a statt. Die Predigt hielt Rabbiner Dr. Salv Stein. Berlin, 27. November. Der Verein „Mädchenhaus Pankow" hielt gestern im Verwaltungsgebäude der jüdischen. Gemeinde seine diesjährige ordentliche Mitgliederversammlung ab. Der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Justizrat Beruhard Breslauer, eröffnet die Versammlung und erstattet Bericht über die Tätigkeit des Vereins im abgelaufenen-Geschäftsjahre. „Die Zahl der Zöglinge, betrug im September v. I. 28. Die Leitung des Hauses lag wie bisher in den Händen des Fräulein Rosa Israel, als zweite Lehrerin fungierte Fräulein Dina Ulvett, und als Küchenmädchen war das in der Anstalt ausgebildete Mädchen Eva Losynski angestellt. Die Zahl der fremden Haushaltungen, für. die in der Anstalt von. Oktober 1904 bis September 1905 gewaschen wurde, betrug 256, der