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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-11-24 · Heft 47 (24.11.1905) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 47 (24.11.1905)
Date
1905-11-24
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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69/. Jahrgang,< No. 47.. , .: TT1 ylTl MvU MI-V♦ Berlin, 24. November 150h. Beilage zur „Allgemeinen Leitung drFAndentumK" korrkspondenffkn und Kachrichten. Deutschland. s. Berlin, 17. November. Eine nachträgliche Raschi-Gedenkseier hat der Verein für jüdische. Geschichte und Literatur gestern begangen, indem er den ersten Forscher auf diesem Gebiete. Herrn Pros. Dr. A. Berliner, zu einem Vortrage über den großen Geisteshelden aufforderte. Der Verein darf es als eine besondere Gunst betrachten, daß es ihm beschieden war, den hervorragendsten Kenner aus , diesem Gebiete als Redner begrüßen zu dürfen. Die Erwartungen des überaus zahlreich erschienenen Publikums wurden denn auch durch den hochinteressanten und geistvollen Vortrag vollauf erfüllt, in dem Prof. Berliner uns einen Blick in die Zeit, in der Raschi gewirkt, in das Milieu, aus dem er hervorgegangen, und auf die großen Schöpfungen, die er vollbracht, gestattete. Es war ein fesselndes, ans dem Vollen geschöpftes Lebensbild, das der Vortragende vor uns ausrollte und durch einige interessante Reminiszenzen aus der Jugendzeit wirksam ergänzte. Reicher Beifall zeigte dem verehrten Redner, daß seine Mahnungen auf guten Boden gefallen sind. — Aus den auswärtigen Literaturvereinen: In Culm sprach Frau Regina Neisser über „Berthold Auerbach", in Forst Dr. Julius Moses über „Jüdischen Witz und Humor", in Nordhausen Rechtsanwalt Dr. L. Holländer-München über „Die Stellung der deutschen Juden im Wirtschaftsleben der Gegenwart", in Düsseldorf Dr. Hochfeld über „Das Judentum im Kampfe mit den geistigen Strömungen des 19. Jahrhunderts", in Aachen Dr. G. K.utna-Verlin über „Biblische Gestalten in der Kunst". — Neue Vereine wurden begründet in Tuchel und in Bebra. ya Berlin, 19. November. Seitens der hiesigen jüdischen Gemeinde sind Kurse eingerichtet worden, die bezwecken, Damen, die hiesige Lehrerinnenseminare besuchen, unentgeltlich Gelegenheit zu bieten, sich auch in sämtlichen Fächern des jüdischen Religionsuni errichts und in der Methodik dieser Disziplin äuszubilden. Die Dauer der Kurse ist, entsprechend der Dauer des Seminarbesuches, bei vier Stunden wöchentlichen Unterrichts auf drei Jahre berechnet. Am Ende der Ausbildungszeit soll eine Abschlußprüfung stattfinden, über deren Ergebnis den Teilnehmerinnen ein Zeugnis ausgestellt wird. Der Besuch der Kurse ist auch geprüften Lehrerinnen gestattet. Mit dem Unterricht, der Montag und Donnerstag nachmittag stattfindet, ist bereits Ostern d. I. begonnen worden. Doch können Damen, die einige Vorkenntnisse im Hebräischen haben und mit der biblischen Geschichte vertraut sind, auch.jetzt noch eintreten. Leiter der Kurse ist der Rektor der Mädchenschule der jüdischen Gemeinde, Herr Dr. Gutmann, Kaiserstraße 29/30, der Anmeldungen entgegennimmt und zu jeder weiteren Auskunft bereit ist. 8. Berlin, 19. November. Dem bisherigen Senior der Stadtverordnetenversammlung, S.anitätsrat Dr. S. Neumann, wurde gestern mittag in seiner Wohnung die Ehrengabe seiner Wähler überreicht.' Sie besteht, wie bereits mitgeteilt, aus einer kostbaren, in der königlichen Porzellanmanufaktur hergestellten Vase mit prächtigem , Sockel. Die eine Seite der künstlerisch ausgeführten, reich vergoldeten Porzellanvase zeigt auf blauem Grunde in hellen Tönen das Bild des Berliner Rathauses, umgeben von einem vergoldeten Lorbeerkranz, darüber die städtische Mauerkrone. Aus der anderen Seite trägt sie in kunstvollen goldenen Buchstaben folgende Inschrift: „Herrn. Stadtverordneten Dr. Neumann in dankbarer Anerkennung seiner lang- . jährigen - Verdienste um das Wohl der Stadt Berlin. Die Wähler der ersten Abteilung 6. Gemeindebezirks 1859/1905." Eine Abordnung, bestehend aus den Herren Generalkonsul Landau, Rentner M. Manheimer und Stadtverordneter H. Plischke überbrachte die Ehrengabe. Stadtverordneter Plischke, der an den scheidenden Kollegen die Ansprache richtete, hob hervor, daß die Abordnung von den Wählern des Wahlbezirks, den Sanitätsrat Dr/ Reumann zuletzt in seiner siebenundvierzigjährigeu Tätigkeit als Stadtverordneter vertreten habe,, entsandt worden sei. Sie wolle den Dank für die seltene Hingebung aussprechen, mit dem er sein Mandat ausgeübt habe. Er erinnerte daran, wie Neumann an der Seite Virchows Berlin durch Einführung der Kanalisation zu einer der gesundesten. Städte , gemacht habe. Er hob ferner hervor, daß Dr. Neumann die Aufnahme der Statistik nicht nur über die Bevölkerung, sondern auch über alle Berufsarten der Bevölkerung der Stadt Berlin ins Leben gerufen hat. Wenn er nun auch aus dem Stadtverordnetenkollegium geschieden sei, so werde er doch — das wissen die Abordnung und die. in deren Namen sie,, gekomnren seien, genau — das rege Interesse, das er immer gezeigt, auch in der Folgezeit für das Gedeihei', der Stadt Berlin bewahren. Als Zeichen ganz besonderer Anerkennung und Verehrung seiner Wähler möge er diese Vase annehmen. Sanitätsrat Reumannsankte in bewegten Worten für die ihm erwiesene Ehrung; er versicherte,., daß er bis zu seinem Lebensende, soweit es seine Kräfte vermögen, für das Gedeihen der Stadt Berlin wirken werde. Die Ueberreichung der künstlerisch ausgeführten Adresse der Stadtverordnetenversammlung findet in den nächsten Tagen statt. 's. Berlin, 19. November. Der Israelitische Fortbildungsverein Montefi ore hat sein Vereinslokal Dircksenstraße 46. Lehrplan für das Winterhalbjahr 1905/06: Sonntag 4—5 Uhr nachmittags Herr Dozent Dr. I. Wohlgemuth: „Kusari, II. Teil". Beginn am. 29. Oktober. — Dienstag 9—10 Uhr abends Herr Rabbiner Dr. E.. Munk: „Dinim". Nach „Darkai Nauam". Beginn am 31. Oktober. — Freitag V2IO Uhr abends Herr Dr. Ed. Biberfeld: „Aus-, gewählte Psalmen". Beginn ctm 3. November. s. Berlin, 20. November. Das Genesungsheim zu Lehnitz bleibt auch in diesem Jahre während der Wintermonate geöffnet. Aufnahmegesuche von Rekonvaleszenten oder sonst erholungsbedürftigen weiblichen Personen sind unter Beifügung eines ärztlichen Ältestes an den „Verein Jüdisches Genesungsheim Berlin", Große Präsidentenstraße 31 zu richten. ff. Berlin, 20. November. Die. großartige Schenkung der Büchersamnilung des Sanitätsrats Dr. Neumann an die Gemeindebibliothek lenkt die Aufmerksamkeit auf das jüdische Bibliothekswesen im allgemeinen. Zwar hat'der Ankauf der Bibliothek des sel. Dr. Kayserling für das „Hebrew Union College" von Cincinnati Europa um eine, namentlich für die Geschichte der sphardischen Judenheit hochwichtige jüdische Büchersammlung ärmer gemacht, aber es muß sich mit der Tatsache trösten, daß die wertvolle Sammlung wenigstens nicht zersprengt und an einzelne Personen verhökert wurde. Bei. diesem Anlaß wollen wir hervorheben, daß Europa noch eine überaus große Anzahl jüdischer Büchersammlungen besitzt, von denen wohl nur sehr wenige ihren Weg nach Amerika finden dürsten. Zunächst besitzen fast sämtliche jüdische Rabbinerseminare überaus wertvolle Bibliotheken: so die Rabbinerseminare von Wien, Budapest und Paris, ferner die beiden Anstalten zur Heranbildung von Rabbinern, in Berlin, wie das Fränkelsche Seminar zu Breslau. Die Bibliothek des Rabbinerseminars zu Berlin ist namentlich reich an Responsen. Drei solcher Seminarbibliotheken befinden sich ferner in Holland und eine vierte am Rabbinerseminar zu Florenz. In England besitzt das „Jewish College" eine reiche Bibliothek. Sehr wertvoll bereits sind die Büchersammlungen der beiden jüngsten Rabbinerseminare in Amerika, von denen das „Hebrew Union College" in Cincinnati durch die Erwerbung der Kahserling-Bibliothek wesentlich bereichert wurde, während das theologische Seminar von Newyork im Jahre 1903 von Mayer Sulzburger 7500 Bücher und 750 Handschriften erhalten hat. Zu diesen 13 mit Rabbinerseminaren verbundenen großen Büchersammlnngen tritt eine weitere Reihe von Bibliotheken hinzu-/die die großen jüdischen Vereine zusammengebracht haben, Wir erwähnen die Sammlungen des deutsch-israelitischen. Gemeindebundes zu Berlin, der „Alliance Jsraelite" zu Paris, der Abarbanell-Bibliothek zu Jerusalem, des Beth Hamidrasch zu London und der den amerh

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