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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-11-24 · Heft 47 (24.11.1905) · p. Seite 564

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 47 (24.11.1905)
Date
1905-11-24
Page
Seite 564 (sequence 12)
Language
German
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*- 564 —— gedeckt, Füßchen mit Wein und Meth herbeigeschafft und SchüWn mit Speisen., aufgetragen. Die Offiziere gerieten in 'ausgelassene Laune. Die Becher machten schnell die Runde' und der Oberst bekam seinen lustigen Humor. „Berko," rief er zu den sich tummelnden Josielowicz, „ich bim mit Dir zufrieden. ' Du'hast Dich ausgezeichnet." - „Ich , gebe mir Mühe, Herr Oberst, und soll ich die Rechnung beim Stabe einreichen?" . „Die Rechnung! Du wagst mir mit einer Rechnung zu kommen?" ' ,;Jch weiß nicht, Herr Oberst. Mir ist es egal, wer zahlt, wenn — —" „So schweige! Warte! Du wirst,mir nun zwei Faß Wein nach der Kaserne schicken . . . Marsch! Geschieht Dir Unrecht?" ' „Herr Oberst!" „Du wirst vier schicken!" Die Offiziere nahmen die Entscheidung von Gringers mit einem herzlichen Lachen auf. „Ausgezeichnet! Famos!" wurde in der Runde gerufen „Mit. einem solchen kann man nicht anders zu Werke gehen," bemerkte Rittmeister von Stieglitz. „Unser Oberst ist sogar noch zu rücksichtsvoll." „Meine Herren! Wenn nicht dieses Zirkular des Erzherzogs Ferdinand wäre, wüßte ich mit ihm gleich fertig zu werden." „In der Tat," fing Kapitän Braun überzeugt an. „Der verdient es! Man kann sich ob dieser Nachsicht nur wundern. Ich begreife es sehr gut, daß sie bezweckt, die Bevölkerung für die Armee zu gewinnen ... aber ..... „Warte, Kapitän!" unterbrach der Oberst überzeugt, „das wird schon vorübergehen! Noch ein paar Wochen . . Napoleon wird einen Denkzettel, bekommen und vor allem dieses einzige Fürstentum, das uns auch die Zähne zu zeigen beginnt." „Möge dies wie am ehesten geschehen!" fügte der Rittmeister von Stieglitz hinzu. Unser Geld würde sich vielleicht bessern — und heute hält es wahrlich schwer, sich mit den Assignaten Rat zu schassen! Die hiesigen Juden wollen sie nicht annehmen!" . „Nicht? Nicht möglich!" . „So ist es, Herr Oberst — höchstens um den fünften Teil des Nominalwertes." „Entschuldigen Sie, Rittmeister, ich glaube nicht." „Aber, Herr Oberst, heute . . ." „Ich werde Sie überzeugen! Erlauben Sie . . . He, Josielowicz!" Berko erschien vor dem Obersten. „Höre nur!" ergriff von Gringer das Wort. „Vielleicht möchtest Du uns eine Assignate wechseln. Du wirst mir 200 Dukaten geben!" „Zweihundert Dukaten-?" „Nun, verstelle Dich nicht! Ich will wechseln. Nun, vorwärts,' beeile Dich, daß Du es nicht bedauerst." Berko stieg der Gedanke auf, von Gringer wolle für die Bewirtung bezahlen. Er eilte also hastig nach dem Alkoven und legte bald darauf die verlangte Summe auf den Tisch. Der Oberst musterte phlegmatisch das Gold, zählte es, steckte, es in die Tasche und übergab Josielowicz eine gleiche Anzahl Papierassignaten. Berkos Hände begannen zu zittern. „Herr Oberst. Heute stehen Dukaten — viermal so hoch." „Aber nicht für mich!" „Ich kann nicht . . . ich bin arm, ich Hab' nicht!" „Hast Duzweihundert Dukaten bekommen?" „In Assignaten!" .. . ... . . „Die Sache rst erledigt. Weg aus meinen Augen, denn sich lasse Dich, anßpeitschen." . , Josielowicz stand unbeweglich. „Herr Oberst," . sagte er, düster, „ich werde Gerechtigkeit findep . . . ich werde eine Klage nach Wien schicken..." . Von Gringer runzelte die Stirn: V „Höre, Du naseweiser Mensch! Mir willst Du drohen? Willst Du, daß ich Dir . diese. Hütte in Flammen ausgehen lasse? Du spielst die Unschuld?- Und sage, was macht Dein Sohn? Was? Noch ein Wort und Du wirst baumeln!" - „Recht so, ganz richtig!" pflichteten die Offiziere bei. Berko zog sich zum Fenster zurück und verfiel dort in eine Erstarrung. Erst jetzt verstand er diese Drohungen, diese halben Worte, die er seit einiger Zeit vernahm. ,Das war die Strafe für seinen Sohn. , (Fortsetzung folgt.-) SprechlMl. Berlin, 19. November 1905. Hochgeehrter Herr Redakteur! meinem lebhaften Bedauern hat sich iy meinem Repräsentantenbericht, auf dessen Genauigkeit ich stets eifrig bedacht bin, ein Fehler eingeschlichen, den unsere aufmerksamen Leser wohl schon selbst aus den gottesdienstlichen Mitteilungen der hiesigen jüdischen Gemeinde haben seststellen können. Es ist nämlich nicht Herr Rabbiner Dr. Kael.t er-Potsdam zur Gastpredigt ausgefordert worden, sondern vielmehr Herr Rabbiner Dr. Hannes aus Konstanz Der Irrtum ist dadurch entstanden, daß Ihr Referent für die Repräsentantenberichte nicht den Namen des eingeladenen Rabbiners verstand, dagegen ganz deutlich den Namen der Stadt Potsdam anstatt Konstanz zu hören glaubte und nun aus seiner Kenntnis heraus den Flamen des Herrn Dr. Kaelter, der ja der einzige Vertreter des Rabbinats in Potsdam ist, der aber sich gar nicht gemeldet hat, hinzufügte. Ich benutze diese Gelegenheit, um auch von dieser Stelle aus an den verehrlichen Herrn Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung, der sich stets in dankenswerter Weise den Wünschen der Presse willfährig zeigte, die dringende Bitte zu richten, auch bei den geschäftlichen Mitteilungen der überaus schlechten Akustik des Sitzungssaales eingedenk zu sein und mit deutlicher Stimme den Wortlaut der geschäftlichen Eingänge bekannt zu gebeu. Danu werden derartige Jrrtümer, die recht wohl zu sehr unangenehmen Konflikten für die Betroffenen führen können, in Zukunft keine Veranlassung zu einer Berichtigung geben. In vorzüglicher Hochachtung P. S. <V> Sehr geehrter Herr Redakteur! ^ht dem interessanten Aufsätze „Memoiren aus Alt-Berlin", heißt es, daß Hans Devrient die „Jugenderinnernngen" seiner Mutter herausgegeben habe. Hans Devrient, Gymnasiallehrer in Weimar schreibt mir aber, daß er der Sohn von Otto Devrient sei und dieser war der Sohn von Therese Devrient; also ist der Herausgeber der „Iugenderinnerungen" der Enkel von Therese D. Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch das Folgende erwähnen: Im Hause Eduard Devrients lebte auch noch die- Schwester von Therese Devrient, Lore; sie.war in der letzten Zeit leidend und ist in Karlsruhe gestorben. Dort wußte mau, daß Therese.D. Jüdin gewesen. Es wäre von Interesse zu erfahren, ob Lore Schlesinger in Karlsruhe als Jüdin gestorben ist. Hochachtungsvoll Worms. - - S. Rothschild. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Banchwih in Berlin.

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