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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-11-24 · Heft 47 (24.11.1905) · p. Seite 555

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 47 (24.11.1905)
Date
1905-11-24
Page
Seite 555 (sequence 3)
Language
German
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555!WM?KMN?8WA^?^^EMWAMtz«K.') Häuser und Läden äusgeplündert. bestialische Grausamkeiten. Inden ganzen Kreisen .wüten - Judenkrawalle in den kleinen Flecken. 22. Kischinew (25 Getötete, 50 Verwundete, Schaden größer als während des erschütternden Kischinewer Krawalles von 1903), 23. Klinzh (Gouv. Tfchernigow), 24. Koseletz (Gouv. Tfchernigow), 25. Krementschug (Gouv. Poltawa, 20 Getötete, 30 Verwundete, Judenhetzen in den umliegenden Ortschaften), 26.Krolewcz lGouv. Tfchernigow) 27. Kursk (furchtbares Blutvergießen, in einem Stadtteil ist kein Stein auf dem anderen geblieben), 28. Marinpol (Gouv. Jekaterinoslaw, drei Tage hintereinander, Menschenopfer, Tausende jüdischer Familien ohne Obdach und Nahrung), 29. Minsk (fürchterliches, hauptsächlich gegen die Juden gerichtetes Gemetzel, gegen 100 Tote und viele hundert Verwundete), 30. Mohilew-Podolsk (Gouv. Podolien), 31. Mordarowka (Gouv. Cherson), 32. Neschin (3 Tage verschiedene Menschenopfer), 33. Nikopol (Gouv. Cherson), 34. Nikolajew (schreckliche Krawalle, die jüdische Bevölkerung in Zahl von 25000 Seelen vollständig ruiniert), 35. Nowgorod-Swewersk (Gouv. Tfchernigow), 36. Nowosybkow (Gouv. Tfchernigow, 3 Tage. hintereinander), 37. Obuchow (Gouv. Kiew), 38. Odessa (eine wahre Bartholomäusschlacht während 4 Tagen und Nächten; eine der wohlhabendsten und ausgezeichnet organisierten jüdischen Gemeinden ein Trümmerhaufen. Unerhörte Grausamkeiten. - Nach verschiedenen Angaben 1000—1500 Juden martervoll getötet, viele tausende gefoltert und verwundet), 39. Olwispol (Gouv. Cherson, nied^gebrannt), 40. Orel (vom Priestaw organisierter Judenkrawall während zweier Tage), 41. Orscha (Gouv. Mohilew, 8 Juden vor: Soldaten und Pöbel getötet), 42. Pologoe (Gouv. Taurien), 43. Polotzk (Gouv. Witebsk), 44. Rakitnoje, 45. Rasdelnaja (Gouv. Cherson, im Eisenbahnzuge 12 Juden hingemordet und 32 verwundet), 46. Riga, 47. Rjäsan, 48. Romny (Gouv. Poltawa, 25 Getötete und Verwundete), 49. Rostow am Don (reiche jüdische Gemeinde ruiniert, der ganze neue Markt und viele Läden verbrannt, 511 jüdische Läden ausgeraubt, die ganze Moskowskajastraße vernichtet, das gesamte jüdische Gut vertilgt, viele Menschenopfer, Kampf der Polizei gegen die Selbstwehr), 50. Rowno (Gouv. Wolhynien), 51. Saratow (mit wenigen Ausnahmen fast alle Juden ausgeplündert, Millionenschaden, zahlreiche Familien ohne Obdach und Nahrung, 50 Getötete und viele Verwundete), 52. Smolensk, 53. Solotonoscha (Gouv. Poltawa), 54. Strascheny, 55. Surasch (Gouv. Tfchernigow, 37 Getötete und 244 Verwundete, alle Läden außer der alten Reihe verbrannt, seitens der Juden Versuch bewaffneten Widerstandes), 56. Starodub (Gouv. Tfchernigow), 57. Theodosia (Gouv. Taurien), 58. Tiraspol (Gouv. Cherson), 59. Tomsk (außer allgemeinen furchtbaren Exzessen und grausamen Menschenhinschlachtungen und Brandstiftungen speziell jüdischer Krawall), 60. Tfchernigow, 61. Uman (Gouv.- Kiew), 62. Ungenh, 63. Woronesch, 64. Weliki Luki (Gouv. Pskow), 65. Wiasma (Gouv. Smolensk, die gesamte jüdische Bevölkerung ausgeplündert), 66. Winnitza (Gouv. Podolien), 67. Witebsk, 68. Woronesch, 69. Ismail (vollständig niedergebrannt), 70. Retschitza. Leider ist auch dies Verzeichnis noch nicht vollständig und wird durch die Nachrichten dieser Woche einer traurigen Ergänzung bedürfen. Es kommen schon jetzt noch 21 Orte hinzu. Im ganzen also 91 Städte! Aber schon die vorstehenden Einzelheiten zeigen, daß der Notstand wahrhaft furchtbar ist und daß es ganz außerordentlicher Summen bedarf, um auch nur annähernd die Opfer vor dem Hungertode zu retten, die Obdachlosen, die den Unbilden des in Rußland bereits eingetretenen Winters ausgesetzt'find, vor sonst unabwendbarem Verderben zu bewahren. Der Hilssverein hat vorläufig weitere 130 000 Mark für die Opfer der Judenmassakres in Rußland bewilligt. Es sind demgemäß 50 000 Mark nach Kiew, 50000 Mark nach Odessa, 30 000 Mark nach Warschau gesandt worden. Im ganzen wurden seit den Schreckenstagen bisher 220 000 Mark nach Rußland überwiesen. Es sollen. aber entsprechend dem Fortschreiten der Sammlungen weitere Sendungen erfolgen, Es zeigt sich setzt, daß die Exzesse, die zahllose Opfer gekostet und unberechenbare Verluste an Hab und Gut verursacht haben. wahrhaft verheerend auf das gesamte wirtschaftliche Leben der betroffenen Bezirke gewirkt haben. Nur wenn die Opferwilligkeit der weitesten Kreise sich immer von neuein betätigt, kann eine Linderung, des unendlichen Notstandes in gewissem Umfange erfolgen. Aus allen Teilen Deutschlands erhalten wir Briefe, die uns von der Bildung interkonfessioneller Komitees, von glänzend verlaufenen Protestversammlungen und erfolgreichen Sammlungen berichten. So aus Nürnberg, Bamberg, Karlsruhe, Frankfurt a. M., Köln, Cleve u. a. O. Europa aber schweigt wieder beharrlich zu all diesen Greueln. Zwar wird aus London berichtet, einige Mächte sollen einen Schritt getan haben, der einer Intervention zugunsten der russischen Juden sehr ähnlich sieht, wenn auch diese Absicht nicht ausdrücklich ausgesprochen sei. Die Regierungen von England, Italien und den Vereinigten Staaten Amerikas hätten ihre diplomatischen Vertreter in Petersburg angewiesen, genaue Informationen über die an den Juden verübten Greueltaten zu sammelm. Die Konsuln der betreffenden Länder wären gleichzeitig angewiesen worden, die Botschafter in dieser Aufgabe zu unterstützen. . # - Andere Blätter melden wieder aus Petersburg: In den letzten Tagen hatten der amerikanische und englische Botschafter lange Besprechungen mit dem Minister des Aeußern Grafen Lamsdorff, in welchen sie, wie von diplomatischer Seite verlautet, auf den „schlechten Eindruck" hinwiesen, welchen die „ungeheuerlichen" Vorgänge in Rußland in Amerika und England, wie überhaupt in der gesamten zivilisierten Welt gemacht hätten und betonten, daß es im eigensten Interesse Rußlands gelegen wäre, wenn solchen Schändlichkeiten ein rasches Ende bereitet würde. Selbstverständlich erfolgten diese Aeußerungen der Botschafter in der freundschaftlichsten Weise und gelegentlich der Besprechung der schwierigen Lage, in welcher sich das Land befinde. Graf Lambsdorf habe versichert, daß die neue Regierung mit aller Energie bestrebt sei, wieder geordnete Zustände herbeizuführen, und an die Behörden die strengsten Weisungen erteilt habe, um dieses Ziel ehemöglichst zu erreichen. Allein eine Bestätigung dieser Nachrichten fehlt leider bisher. Es bat sich tatsächlich noch keine Macht der Unglück-' lichen russischen Juden ernsthaft angenommen. Auch die Interpellationen im galizischen und bukowinischen Landtag, die von jüdischen Abgeordneten eingebracht und von andern unterstützt wurden, werden daran nur sehr wenig ändern. Auch in London und Paris ist natürlich die Hilfsaktion im vollen Gange. In London führte Lord Rothschild am 14. d. M. den Vorsitz in einer Konferenz, in der die Art der Verteilung der für die notleidenden russischen Juden gesammelten Gelder beraten wurde. Aus Paris, Berlin und Petersburg waren Delegierte anwesend. Es wurde beschlossen, mit den Ueberweisungen an Baron Günsburg, der sür die Verteilung sorgen soll, fortzufahren und ferner die Abreise einer aus drei Mitgliedern bestehenden Kommission ins Werk zu setzen, welche die durch die Unruhen heimgesuchten Städte besuchen soll. Ferner wurde bestimmt, ein Zentralinformationsbureau in Berlin zu errichten, welches die Meldungen über die Bedürfnisse jeder Ortschaft im einzelnen sammeln soll, um die verhältnismäßige Verteilung der Gelder zu sichern. Jedes Komitee auf dem Kontinent soll die Kontrolle über die Gelder, welche es aufgebracht hat, behalten, aber anordnen, daß der gegenwärtige Ueberschuß aller Gelder durch N. H. Roth-. schild and Sons überwiesen oder zur Verfügung dieser Firma gehalten werde. Die erste Liste einer in Paris zugunsten der russischen Juden veranstalteten Sammlung verzeichnte bereits sehr

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