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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-11-17 · Heft 46 (17.11.1905) · p. Seite 552

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 46 (17.11.1905)
Date
1905-11-17
Page
Seite 552 (sequence 12)
Language
German
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5K2 Dvch auch die unendliche Freude, die der Alte hatte, als -feilt Kindwieder des Sonnenlichts - sich erfreuen konnte, sollte nicht.Ezcklmige Mähren. Ditha wurde, -als sie einst auf dem Felde gingen) in der Blüte ihres Lebens ihm durch einen Blitzstrahl entrissen. Zwei Hirten, die ihm begegneten, entsetzten sich,- wie sie ihn .so im Winde-schreiten sahen, und wie das Haupt und der Arm des Mädchens rückwärts seiner Schulter .herabhing.. Er saß nach diesem entsetzlichen Ereignis vor seinem-Hause und sagte nichts, sondern er schaute die Sonne arsi Er saß so viele Jahre, die Knechte besorgten die Felder — aus Dithas Gliedern sproßten Blumen und Gras, eine Sonne nach der andern verging, ein Sommer nach dem andern und er wußte nicht, wie lange er gesessen, denn nach glaubhaften Aussagen war er wahnsinnig geworden. Dreißig Jahre nach dem Tode Dithas lebte er noch, wie lange nachher weiß man nicht. Im hohen Alter hatte er die schwarze Farbe verloren und war wieder gebleicht worden, wie er in seiner Jugend gewesen. Biele Menschen haben ihn ans der Bank seines Hauses sitzen gesehen, eines Tages aber war er nicht mehr dort. Die Sonne schien aus den leeren Platz und auf seinen frischen Grabhügel, aus dem bereits Spitzen von Gräsern heraussahen . In dem meisterhaft geschilderten, an tragischen Wechselfällen so reichen Lebensgeschick Abdias hat, so will es mir scheinen, Adalbert Stifter mit echt'dichterischer Phantasie symbolisch das Geschick des Judentums in alter und neuer Zeit geschildert. Litrrsrilchr Mitteilungen. — Dr. Adolf Posnanski, Schiloh. Ein Beitrag zur Geschichte der Messiaslehre. I. Teil: Die Auslegung von Genesis 49, 10 int Altertum bis zu Ende des Mittelalters. Leipzig, I. C. Hinrichs. 1904, gr. 8". 'Es ist kaum'ein Vers in der heiligen Schrift, der eine so verschiedenartige Auslegung gesunden hätte wie Gen. 49, 10. Es war darum eine zweifellos interessante, aber auch sehr mühsame Aufgabe, die sich P. gestellt hat: eine Geschichte der mannigfachen Auffassungen dieses Verses zu bieten. Im ersten Bande wird die Literatur aus dem Altertum und Mittelalter bis zur Reformationszeit durch genommen, während ein zweiter Teil das Bemerkenswerte bis auf die Gegenwart bringen soll. In der Einleitung wird die Aufmerksamkeit auf die verschiedenen Lesearten der einzelnen Worte in Gen. 49, 10 hingelenkt, worauf zum eigentlichen Thema sin 18 Kapiteln) übergegangen wird. Der Veriasser bespricht zunächst (Kap. 1) die „Spuren ältester Auslegung", unter denen vor allem Ez. 21, 32 in Betracht konunt. Zu einer jeden angeführten Stelle gibt er wiederum eine Zusammenstellung der verschiedenen Auffassungen von Julian Apostata an bis aus die neueste Zeit. An die „Spuren ältester Auslegung" schließen sich (2. Kap.) die alten Uebersetzungen an, deren Zeugnisse in ähnlicher Weise durch Anreihung der verschiedenen Beurteilung, die sie gefunden haben, mehr veranschaulicht werden. Hierauf folgen (3. Kap.) „Die jüdische Traditionslehre" (Tannaiten, Amoräer, Midraschim), (4. Kap.) „Die Kirchenväter", Kap. 5 behandelt „Die gaonäische Zeit", Kap. 6 „Die Exegese der spanischen Glanzperiode", Kap. 7 „Die Darschanim", (d. i. „Oesetzeserlciuterer"), Kap. 8 „Die nordsranzösische und deutsche Exegetenschule", Kap. 9 „Apologetische und polemische Literatur", Kap. 10 zeigt uns „Die jüdische Bibelexegese vom XIII.-XV. Jahrh.", Kap. 11 „Disputationsliteratur" (zwischen jüdischen und christlichen Autoren), Kap. 12 „Die Karäer", Kap. 13 „Die Samaritaner", Kap. 14 „Die mittlere Zeit der christlichen Exegese", Kap. 15—17 „Polemische Literatur" und Kap.' 18 endlich „Arabische Autoren". — Den - Schluß des. Werkes bilden sorgfältig -ausgearbeitete Stellen- und Namensregister nnd zahlreiche Belege aus dem späteren Schrifttum. Das Buch ist die Arbeit eines großen Gelehrten, der nur der Wissenschaft dient und unbekümmert um die größere und geringere .Bedeutung des. Resultats, in eifrigem Forschen seine volle 'Befriedigung findet. '. . i 4. * Kuhnert-Leipoldt, Wandkarte von Palästina .bis zur Zeit Christi, jn Verbindung mit Prost Dr. G. Leipoldt.in Dresden ttc3cicönet von Realschulobcrlehrer M. Kuhnert in Chemnitz. Mit einem Profil durch Palästina in der Richtung von West nach ,Ost über Jerusalem mit Angabe der entsprechenden Licht-und Schattentone und mit einem Plane von M-Jerusalein und ausführlichem Texte. Auf Grund der neuesten Forschungen dargestellt nach der reinen Neliesmethode mit linksseitiger Beleuchtung und Schattenkonstruktion. Die Methode, nach welcher die Kuhnertffchen Karten gezeichnet sind, ist auf .einfachen und klaren Gesetzen der Natur, Kunst und Wissenschaft aufgebaut und erzielt infolge.der linksseitigen, also schrägen Beleuchtung eine hervorragend plastische Wirkung, leichte Lesbarkeit und wissenschaftliche Richtigkeit. — Das Land ist als Relief aus Gyps dargestellt gedacht und wird von Nordwesten beleuchtet. Diese Beleuchtung bietet den großen Vorteil, daß die Schatten der Berge kräftig dargestellt werden können, wodurch eine vorzügliche Fernwirkung und unübertreffliche Plastik erreicht wird. Das Kind braucht die sonst dargebotene Terrainzeichnung. ' eine scheinbare Plastik, nicht erst mittels schwieriger Denkprozesse in eine natürliche Plastik umzusetzen, sondern es erscheinen unmittelbar Berge als Erhebungen, Täler als Rinnen nsw. Es leuchtet sofort ein, daß eine Karte, nach diesen Prinzipen gezeichnet, ein Bild geben muß, das sich dem kindlichen Geiste unauslöschlich einprägt, die Kinder ohne weitere Belehrung in das Kartenverstäudnis eingeführt werden. — Der beigegebeue Plan von Jerusalem entspricht allen pädagogischen Anforderungen, er ist klar und deutlich. Somit können wir die Karte als ein hervorragendes Anschauungsmittel auf dem Gebiete des biblischen Geschichtsunterrichtes bezeichnen, zumal auch die gediegene äußere Ausstattung der Karte allen Wünschen entspricht. Sprechkaat. uf die Entgegnung des Herrn Rabbiner Dr. H. Vogelstein (S. 534) sei nur kurz erwidert: 1. Herr Vogelftein gibt auch in seiner letzten Entgegnung keine Begriffsbestimmung von „religiösen Angelegenheiten." Auf Seite 537 führt er einen anscheinend neuen, beschränkt gedächten Begriff ein, indem er jetzt nur eine Mitwirkung der Rabbiner bei „spezifisch" religiösen Angelegenheiten verlangt, ohne jedoch auch diesen neuen Begriff, trotzdem dieser gleichfalls vieldeutig ist. näher zu bestimmen. 2. Herr Vogelstein äußert (S. 535). es müsse „ein dickes Buch geschrieben werden", um erkennen zu lassen, was im einzelnen Falle „Religionsgesetz" sei. Hiernach scheint Herr Vogelstein die früher (S. 474) geäußerte Ansicht' aufgegeben zu haben, daß die Bedenken gegen die Verwendung von dergleichen vieldeutigen Ausdrücken im Gesetz sich dadurch beseitigen lassen, daß man jene Ausdrücke durch „präzisere" ersetzt oder in einer „Anmerkung" bestimmt, was darunter zu verstehen sei. Die Anmerkung würde umfangreicher werden als das ganze Gesetz, und dennoch schwerlich jemand befriedigen. 3. Herr Vogelstein gibt nunmehr zu (S. 537), daß dir Fälle einer Schädigung des Judentums, die er in: Auge hat, „nicht gar häufig Vorkommen", wenngleich sie nicht vereinzelt seien. In wievielen jener „nicht gar häufigen" Fälle,, deren Beurteilung seitens der Gegner eine durch die Tatsachen gerechtfertigte ist, läßt sich mangels näherer Angaben nicht nachprüfen. Keinesfalls aber werden „nicht gar häufige" Fälle als genügend angesehen werden können, um die grundlegende Aendernng der bisherigen Gemeindeverfassung zu recht- ^0en. Felix Mako wer. Drück und Berlaa von Rudolf Mosse in.Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Banchwih in Berlin.

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