Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 46 (17.11.1905)
- Date
- 1905-11-17
- Page
- Seite 545 (sequence 5)
- Language
- German
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Erwägung ZU geben, den Mittelgang für das Herausgehen während wes Gottesdienstes.zu sperre»: und zweitens die Synagogenbefücher in geeigneter Weise durch Aüshang oder durch Auslegen von Zetteln auf den einzelnen Plätzen' darauf aufmerksam zu machen, sich beim Schluß-Kaddifchgebetrecht ruhig zu Verhalten, um die Andacht der Kaddisch-Sagenden nicht zu stören. 'In' einer Resolution hat der Ausschuß weiter empfohlen, den Gemeindevorstand zu ersuchen, Vorkehrungen zu treffen, daß a) bte Besucher der Synagogen diese entweder nicht vor Schluß des Gottesdienstes verlassen; b) oder, wenn dies geschieht,- sich ohne Störung entfernen, und c) daß die Garderobenräume in den Synagogen entsprechend der Zahl der Besucher umgestaltet werden. Im Ausschuß ist man darüber einig gewesen, daß alle Gewaltmaßregeln, die von einigen befürwortet wurden, za verwerfensind, wie die Absperrung der Besucher durch eine Schnur, die zum Beispiel im Falle einer Feuersgefahr dem schnellen Berlassen der Räume hinderlich werden könnte.- Dagegen wurde noch empfohlen, daß die Shnagogenvorsteher selbst zur Aufrechterhaltung der Ordnung beitragen sollten, da »um sa ihnen mehr als den Shnagogendienern Folge leisten würde. Herr Weinberg ist mit den Anträgen einverstanden; bittet aber diese zunächst den Synagogenvorständen zur Begutachtung zu überweisen- . Die Vergrößerung der Garderobenrüume würde mach seiner Ansicht zum Beispiel für die Kaiserstraße nur ein frommer Wunsch bleiben, da hier eine zweckmäßige Umgestaltung aus baulichen Gründen unmöglich sei, Herr Kommissar Netter hält es für selbstverständlich, daß sich der Gemeindevorstand vor einer Beschlußfassung mit den Synagogenvorständen in Verbindung setzen wird. Er will die Behauptung nicht unwidersprochen lassen, daß in allen Synagogen Unordnung herrscht, und verweist aus die musterhafte Ordnung, die in den Synagogen Lindenstraße und Rhkestraße waltet. Gegen die Absperrung der Besucher durch eine Schnur ist nach seiner Meinung gar kein Bedenken zu erheben, da sich diese selbst in Fällen der Gefahr sehr leicht lösen lasse. Justizrat Dr. Veit Simon-regt an, kurz vor Schluß des Gottesdienstes die Zugangstüren zu der: Synagogen zu schließen, und verweist in dieser Beziehung auf das bisher noch niemals angefochtene Schließen der Türen während der Ouvertüre in den Königlichen Theatern. Herr Bodenstein bittet dringend um eine Aenderung der Garderobenräume in der Synagoge Lindenstraße. Prof. Kali sch er rügt die häßliche Unsitte des Plauderns während des Gottesdienstes und empfiehlt, um die Störung des Gottesdienstes zu verhindern und die Andacht zu heben, wieder zu der alten Sitte zurückzukehren, die Kaddisch Sagenden zur Verrichtung des Gebetes an den Almemor .herantreten zu lassen. Er verweist ferner auf die Störungen, die durch das unnütze Hin- und Herlausen der Synagogendiener hervorgerufen werden, und bittet auch hier um Abstellung. Maurermeister Fränkel macht darauf aufmerksam, daß eine der großen Störungen in der Aushändigung der den Synagogendienern zur Verwahrung übergebenen Gebetbücher liege, und bittet, dieses „einträgliche Gewerbe" der Syuagogendiener in Zukunft zu verbieten. Bei der Abstimmung werden sämtliche Anträge des Ausschusses einstimmig angenommen. — Dem in der-vorigen Sitzung zum Beschluß erhobenen Anträge Dr. Cohn betreffend Regelung der Erneuerung und Vermietung der Synagogenplätze ist der Gemeindevorstand beigetreten. Letzterer hat beschlossen,- den stellvertretenden Vorsitzenden der einzelnen Synagogenvorstände zur Beratung hinzuzuziehen. Prof. Blaschte konstatiert, daß damit auch den Wünschen der Repräsentanten entsprochen wird, da der stellvertretende Vorsitzende der Synagogenvorstände meist ein Repräsentant ist und so in der Tat eine gemischte Deputation aus Mitgliedern der Repräsentantenverfammlung und des Gemeindevorstandes zustande kommt. Justizrat Timendorser fügt noch hinzu, daß die. Synagogenvorstände anfgefordert worden sind, außer dem stellvertretenden Vorsitzenden noch ein Mitglied ihrer Körperschaften in diese Kommission abzuordnen. — Die Interpellation des Herrn Weinberg über den Stand der Verhandlungen, wegen Ankauf eines Synagogengrundstückes wurde seitens des Vorstandsvorsitzenden dahin beantwortet, daß der Gemeindevorstand bemüht sei, so schnell wie möglich ein Resultat herbeizuftthren, der Beschluß zum Ankauf bereits gefaßt sei, aber das vorzeitige Bekanntwerden - desselben - nicht im Interesse des Ankaufs > liege. - Eine Beratung dieser Interpellation- -wurde gegen - drei .Dtiunnen abgelehnt. — Die Petition von Ständeiuhabern der Synagoge. Rhkestraße um Errichtung einer -Orgel in dieser Synagoge rief, wie kaum anders zu erwarten,- wieder eine etwas erregte und lange Debatte hervor. Herr Hirsch als Referent beschränkte sich auf die Mitteilung, daß etwa 300 Ständeinhaber um die Errichtung ^iner Orgel vorstellig geworden seien. Der - Ausschuß III habe -sich mit dieser Frage beschäftigt und empfohlen, vorerst nicht in-die Materie einzutreten, sondern eine Snbkomnnsfion aus sieben -Mitgliedern zu ernennen, um diese Petition zu prüfen und geeignete Vorschläge zu machen. Als Mitglieder dieser Kommission wünscht der Ausschuß die Herren Blaschke, Blumenthal, Cohn, Julius Martin Friedländer, Löwenthal, Hirsch und Louis Sachs abzuordnen. Den besonderen Anlaß zur Erregung während dieser Debatte bot erst der Antrag Blumenthal und dessen.Begründung durch den Antragsteller, über diese Petition zur Tagesordnung überzngehen. Prof. Blaschke teilte mit, daß dieser Antrag bereits im Ausschuß gestellt, aber dort abgelehnt sei. Er hält es für unmöglich, dem Anträge zuzn stimmen, da der Wortlaut der Petition nicht einmal den Mitgliedern des Ausschusses zur Kenntnis gegeben fei. Schließlich bittet er poch, in die einzufetzende Konimission an feiner Stelle und Stelle des Herrn Sachs die Herren Pros. Geiger und Justizrat Simon zu wählen. Geheimrat Blumenthal begründet seinen Antrag damit, daß durch die Wahl einer Suvkommiffion der Petition ein Wert beigelegt werden würde, die sie augenblicklich nicht haben dürfe. In der Rhkestraße sei erst im vorigen Jahre mit ungeheuren Kosten ein Gottesdienst eingerichtet, der sich des allgemeinsten Beifalls erfreue. Es fei in: höchsten Grade töricht, diesen Gottesdienst wieder nmstoßen zu wollen und dem Geschmack der augenblicklichen Majorität anzupassen. Fallsdie Einrichtung des Gottesdienstes stets nach dem Geschmack der jeweiligen Majorität umgewandelt würde, so würde man zu einem Zustand kommen, der der Berliner Gemeinde wenig würdig wäre. Der Gottesdienst müsse ein stabiler werden. Die vier Gründe, die in der Petition für die Umgestaltung ins Feld geführt würden, seien sämtlich nicht stichhaltig, wie zum Beispiel, daß der Gottesdienst nicht feierlich genug sei, daß keine Hochzeiten oder Barmizwahfeiern ohne Orgel ftattfinbeu könnten. Es könnte ferner nicht maßgebend sein, das; ans Veranlassung einiger Drahtzieher 300 Personen die Umänderung wünschen. Das wären doch nur die Synagogenbesucher, die an den hohen. Feiertagen ins Gotteshaus kämen, und es dürsten unmöglich diejenigen maßgebend sein, die in der Lage wären, für 20 oder 30 Mark sich einen Platz im Gotteshause zu mieten. Die Repräsentantenwahlen hätten den deutlichsten Beweis gegen die Einführung der Orgel ergeben. Im übrigen sei die Einführung der Orgel nicht so leicht, da hierzu eine Zweidrittelmajorität in der Repräsentanz, die 10 Konservative und 11 Liberale zähle, erforderlich sei. Die Filialgemeinden, die man durch die Errichtung der Synagoge ausschalten wollte, würden wieder einen Zuwachs bekommen. Es wäre zweifellos .etwas anderes gewesen, wenn im vorigen Jahre die Einführung der Orgel bei der Errichtung des Gebäudes beschlossen worden wäre, aber nach einem Jahre die Umänderung zn fordern, sei unerhört. Noch ein anderer Grund spreche gegen die Vorlage. Der Verband der deutschen Juden, der vor wenigen Tagen zusammengetreten sei, habe aus den heterogensten Elementen der Jndenheit eine hocherfreuliche Einheit zusammengebracht. Dieser „roetisr äs bronce;< müsse „stabilisieret" werden und würde dadurch zerstört werden, daß eine Fackel der Zwietracht in die Berliner Gemeinde jetzt hineingeworfen werde. Zu billigen - wäre nur eine Umgestaltung, wenn nach drei oder fünf Jahren ein wesentlicher Rückgang im Besuche des Gottesdienstes erkennbar würde. Aber jetzt mit dieser Petition zu kommen, sei ein Verbrechen, und darum bitte er (Referent), seinen: Anträge zuzustimmen. Herr In lins-Ja coby gesteht, daß es dem Synagogenvorstande in der Rykestraße und dem -Chorführer zur größten Ehre gereiche, eine solche Ordnung des Gottesdienstes hergestellt zu. haben. Das beweise aber noch nicht, daß man nicht darüber in Beratung treten könne, ob nicht durch. eine Orgel der Gottesdienst noch besser ansgestaltet werden könnte. 700 bis 800 Personen haben-Anfang des-Jahres in einer Petition den Gemeinde- Vorstand um-Einführung einer-Orgel ersucht. Darüber dürfe man