Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-11-10 · Heft 45 (10.11.1905) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 45 (10.11.1905)
Date
1905-11-10
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3228636-3228682--62158-3276019
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

69. Jahrgang. No. 45. . . Kerlin, 10. NoYember 1905. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deS Judentums" korrelpondrnHM und Kschrichtkn. . Deutschland. s. Berlin, 3. November. Den Reigen der Vortrüge im Verein für jüdische Geschichte und Literatur eröffnete gestern Herr- Rabbiner Dr. Seligmann aus Frankfurt a. M. mit einem Vortrage über „Das Problem der jüdischen Kultur". Wir können ohne weiteres sagen, das; dieser einer der besten Vorträge war, die der Verein bis jetzt gehört hat, sowohl durch den gediegenen, geistvollen Inhalt als durch die formvollendete Vortragslveise. Der Redner verglich die indische, die griechische und die jüdische Kultur in ihren wichtigsten Momenten miteinander, um schließlich als das Fazit das geistige Uebergewicht der Kultur zu verkünden, der die modernen Juden sich zu entfremden drohen, obwohl sie allein bisher die einzig wahre Formel für die Befriedigung der inneren Seelenuot gegeben hat: Beherrsche Dich selbst! Das überaus zahlreich versammelte Publikum spendete dem Redner rauschenden Beifall. Der Verein konnte seine Wintersaison nicht günstiger und wirksamer eröffnen, als durch diesen ausgezeichneten Vortrag. — Auch in den auswärtigen Vereinen hat bereits die Winterarbeit begonnen. In Königsberg i. Pr. sprach Geheimrat Pros. Cohen über den Stil der Propheten, in Rakel Dr. Perlitz über eine Korrespondenz des Oberjuristen Rabbi EleasarFleckels mit dem Zensor Carolus Fischer, in Dresden Prof. Dr. Philippson über das Judentum und der Staat, in Köln Rabb. Dr. Frank über die Ereignisse des verflossenen Jahres im Iudentuni. in Magdeburg Dr. Ackermann über.: Kennt das Judentum eine doppelte Moral? — In Nicolai wurde am 6. d. M. nach einem einleitenden Vortrage des Herrn Dr. Braunschweiger aus Kattowitz über Ziele und Zwecke eines Vereins fürjüdische Geschichte und Literatur ein solcher Verein gegründet. Es traten 40 Mitglieder bei. In den Vorstand wurden gewählt die Herren Heinrich Jakobowitz, Lehrer W. Salinger und Louis Berger. Jn Züllichan wurde ein neuer Verein für die Gemeinden Züllichau, Unruhstadt, Bombst durch einen Vortrag des Herrn Albert Katz über den Talmud gegründet. In anderen Gemeinden Nord- und Süddeutschlands steht die Gründung von Literaturvereinen in naher Aussicht. So dürfen wir der Wintersaison mit den besten Hoffnungen entgegensetzen. s. Berlin, 5. November. Von den Mitteilungen vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde ist soeben die Nnmmer65 erschienen, die einen sehr ausführlichen Bericht über den zehnten Gemeindetag in Frankfurt a. M. bringt. Bei der Bedeutung, welche die auf diesem Gemeindetag erörterten Fragen über die Rechtsstellung der Juden in Preußen, über den Religionsunterricht, über die Bezirksrabbinate usw. haben, wird daher dieses Heft sicher das besondere Interesse weiter Kreise erregen. Berlin, 5. November. Auf Anregung des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen in Berlin bildete sich im April v. I. ein provisorisches Komitee behufs Einberufung eines Delegiertentages der Vereine zur Ausbildung jüdischer Krankenpflegerinnen in Deutschland. Dieser fand nun am 30. und 31 v. M. hier statt und nahmen an demselben elf Vereine sowie die Großloge U. O. B. B., zusammen 62 Personen, teil. Nach einer Vorbesprechung am 30. Oktober im Schwesternheim, Auguststräße 17, fanden am nächsten Tage die Verhandlungen in den Logenräumen, Wilhetmstraße 118, statt und.währten von 10 Uhr früh bis um 6 Uhr abends. Um diese Zeit konnte Herr Dr. Kirchheim-Frankfurt a. M., der die Versammlung leitete, die Gründung eines „Deutschen Verbandes jüdischer Krankenpflegerinnen-" (D. V. I. K.) unter allgemeinem Beifall begrüßen, nachdem 'manche Gegensätze ausgeglichen waren, die zu lebhaften Debatten Anlaß gaben. Als Sitz des Verbandes wurde bis zu der in zwei Jahren stattfindenden zweiten Delegiertenversammlung Berlin und als Vorstand die Herren Louis Sachs-Berlin (Vorsitzender), Dr. Kirchheim-Fränksürt a. M. und Dr. Auerbach-Köln gewählt, während die Vereine Beuthen, Hamburg, München und die Großloge je einen Vertreter in den Vorstand entsenden werden. Um 7 Uhr abends fand in dem Festsaal des Brüdervereins eine Festtafel statt, an welcher Herr Justizrat Lachmann als Vertreter des Gemeindevorstandes, Herr Geheimrat Blumenthal und Herr Kommerzienrat Jul. M. Friedländer als Vertreter der Repräsentantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde teilnahmen. Am Mittwoch früh begaben sich eine Anzahl auswärtiger Delegierten, insbesondere auch die Oberinnen der Krankenhäuser in Frankfurt. Berlin, Köln und Breslau mit den Vorstandsmitgliedern des Vereins „Jüdisches Genesungsheim" nach dem Genesungsheim in Lehnitz, welches in all seinen Einrichtungen besichtigt wurde und einen sehr günstigen Eindruck 'hervorries. Von der Gründung des „Deutschen Verbandes jüdischer Krankenpflegerinnen- Vereine" ist eine Förderung der jüdischen Krankenpflege, insbesondere eine Hebung der Stellung der Krankenschwestern hinsichtlich ihrer Ausbildung, Lebenshaltung und Versorgung, mit Sicherheit zu erwarten. Wir wünschen dem neugegründeten Verband das beste Gedeihen. Berlin, 6. November. Die Freie Verbindung Hasmonaea von der hiesigen Universität versendet den folgenden Ausruf zum Beginn des Wintersemesters: „Jüdische Studenten! An Euch, die Ihr das kommende Semester in Berlin zu verbringen gedenkt, richtet sich unser Wort. Allerdings nur an diejenigen unter Euch, die sich bewußt sind, was es in unserer keimenden Gegenwart heißt, jüdischer Student sich zu nennen. ^.Die nicht nach Berlin gehen, um im Trubel der Weltstadt sich und ihr Pflichtbewußtsein zu verlieren, sondern die — ohne auf die Genüsse einer Kulturmetropole Verzicht leisten zu wollen — entschlossen find, neben ihren individuellen, vielleicht selbst egoistischen Neigungen ihre sozialen Pflichten nicht zu vergessen. Denn solche haben wir! Haben wir als Jünger der Alma mater, die uns nicht ohne Grund neben unserer fach wissenschaftlichen Beschäftigung reichlich Muße läßt, unsere von ihr empfangenen Kräfte nützlich und edel zu betätigen. Haben wir vor allem als Juden, als Söhne eines Volkes, das elend und ünglücklich genug ist, auf keine einzige hilfsbereite Hand eines seiner Kinder Verzicht leisten zu können. Die jüdische Studentenschaft hat Gelegenheit, der Welt zubeweisen, daß sie an Stammestreue, Opferwilligkeit und Arbeitssreudigkeit in nichts hinter der akadenrischen Jugend anderer Völker zurücksteht. Es genügt, daraus hinzuweisen. „Aber wie Zusammenarbeiten. wo doch überhaupt die Einigkeit über die einzuschlagenden Wege zur Lösung der Judensrage fehlt?" — Gerade dem trachten wir abzuhelsen! Der Verständnislosigkeit, mit der wir Anhänger ver-, schiedener Richtungen im Judentum uns bisher gegenüberstanden, möchten wir auf die natürlichste Weise entgegentreten, indem wir Gelegenheit schaffen, uns zu verständigen; indem wir eine Tribüne zu gemeinsamer freier Aussprache errichten.' Wir erwarten von Euch, Kommilitonen, daß Ihr die Brücke, die, wie wir hoffen, zur Verständigung führen soll, mit erbauen helft; daß Ihr an unseren öffentlichen Diskussionsabenden, die wir veranstalten werden, um uns mit Euch über die verschiedenen Probleme der so gebieterisch an uns alle herantretenden Judenfrage auszusprechen und eventuell — wir hoffen es — Gebiete zu'finden, auf denen wir uns auch in gemeinsamer praktischer Tätigkeit zusammenfinden können, nicht durch Abwesenheit glänzet! Am schwarzen Brett der Universität wird Euch über Zeit und Ort der zu veranstaltenden Versammlungen nähere Mitteilung werden.' Mit jüdisch-studentischem Gruß: Die Freie Verbindung- Hasmonaea an der Universität Berlin. Schriftliche und mündliche Auskunft erteilt stucl. zur. Conrad Kaiser, Berlin N., Brunnenstraße 192."; 22 Berlin, 6. November. Im Israelitischen Erziehungsheim für geistig zurückgebliebene, noch bildungsfähige Kinder besserer Stände in Niederschönhausen,- Lindenstraße 13, findet programmmäßig ein Kind achtbarer Eltern, die nicht in der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.