Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 44 (3.11.1905)
- Date
- 1905-11-03
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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-konfessionell, teils weil sie an der Peripheriedes ^Stadtbildes liegen, -unseren jüdischen Kindern'nicht zugänglich. Mit Freuden: ist darum 'die .beabsichtigte Gründung eines jüdischen - MädchenHortes im Innern zu begrüßen. Große Verdienste erwarben sich dabei - die so rührige Frau R. Moses, Frau Charlotte Danziger^ Frau' Eliason und andere Damen -des Vorstandes'. Äüss wärmste 'wurden -.sie bei ihren Bestrebungen von Herrn und Frau Rabbiner Dr. Gnttmann, Herrn Rabbiner Dr.. Rosenthal und .Seminardozenten Dr. Brann unterstützt. Mögen sich zahlreiche Mitglieder unserer Gemeinde finden, welche durch einmalige Spenden sowie durch -Zeichnung von jährlichen Beiträgen den Erfolg der Gründung des. Mädchenhortes ermöglichen, es würde mit diesem Werke eine wahrhaft edles Denkmal der Erinnerung an die Silberhochzeitsseier unseres - geliebten Kaiserpaares in unserer Mitte geschaffen werden. n. Breslau, 29. Oktober. Die Wahl bewegung hat in unserer 'Gemeinde bereits angesangen. Sie bietet manche Analogie zu den Berliner Verhältnissen. So ist z. B. die Analogie zwischen Ihrer Orgel-,und unserer Harmoniumfrage recht interessant; nur daß bei uns, da wir n och die Majorität im Repräsentantenköllegiuin haben, der Angriff abgeschlagen worden ist. Auch bei uns wird von einerorthodoxen Seite vor dem Sonntagsgottesdienst gewarnt; dieser ..Angriff ist aber bei uns geradezu lächerlich, da nie und-bon keiner Seite auch nur eine Andeutung darüber gefallen ist. Aber da die Orthodoxen in Berlin gute-Geschäste damit gemacht haben, versuchen sie hier Sie Menge damit - gegen die Liberalen einznnehmen. Der Wahlaufruf des liberalen Vereins ist ganz vortrefflich gehalten. Er wurde zunächst an eine Anzahl hervorragender Mitglieder der liberalen Richtung gesandt, die der Vorstand zu einer vertraulichen Besprechung eingeladen hat. Diese Versammlungwar gut besucht, von bester Stinunung und Zuversicht und von Friedensliebe gegen die andere Richtung erfüllt. Es wurde beschlossen, die bewährten Mitglieder . des Repräsentantenkollegiums, von denen drei gemäßigt, einer sogar konservativ, aber sehr verdient um die Gemeinde, besonders um ihre Wohlfahrtseinrichtungen ist, wieder anfzustellen. Dagegen hat der Vorstand es strikte abgelehnt, dem-konservativen Verein auch nur einen-Stellvertreter zu konzedieren.. Daher werden beide Parteien getrennt in den Wahlkampf gehen, der sehr hitzig zu werden verspricht. Daß auch, bei uns Männer, welche nichts weniger als konservativ sind und zum Teil sogar mit Vorschriften des Judentums so vollständig, gebrochen haben, wie es durchaus nicht wünschenswertist, die Geschäfte der Orthodoxie besorgen, isteine Erscheinung, die ja allenthalben jetzt wiederkehrt, die aber - trotzdem recht unerfreulich, bleibt. N. Brauuschweig, 29. Oktober. In welchem Geist gegenwärtig in unserem Lande regiert wird, das zeigt folgender eklatanter Fall, von dem -die „Fr. D. Pr." Mitteilung erhält. In der Kreisstadt Holzminden sollte am 9. d. M. ein Vieh- und Krammarkt stattfinden. Da ans diesen Tag der höchste jüdische Feiertag fiel, hatte die dortige Synagogengemeinde rechtzeitig beim Magistrat den Antrag gestellt, den Markt auf den 10. zu verlegen. Magistrat und Stadtverordnete hatten dem Ansuchen stattgegeben und die Verlegung beschlossen. Dennoch mußte der Markt bei geschlossenen Läden abgehalten werden, weil die Regierung ohne Angabe von Gründen ihre Genehmigung zu der beabsichtigten Verlegung versagt.hatte. Hervorgehoben muß noch werden, daß-zur Zeit der Regierung des verstorbenen Herzogs Wilhelm eine derartige Verlegung mehrmals anstandslos bewilligt worden war. 2. Elberfeld, 27. Oktober. „In der Stadthalle zu Barmen predigt der Königlich preußische Generalleutnant z. D. v. Viebah n aus Stettin das Evangelium." So besagt eine Einladung, die von Barmen aus an Anhänger aller Konfessionen, auch an katholische Geistliche und jüdische Religionslehrer, verschickt wurde. Die Einladungen an Katholiken und Juden sind mit der Absenderadreffe versehen: „Karl Polnik, Barmen; Apostelgeschichte 4,12." Die an Protestanten verschickten Einladungen-tragen diese Adresse nicht, und an die Juden sendet man - außerdem noch ein „Traktätchen" mit dem Titel: - „Die edelen Söhne Zions- (Klagelieder 4, 2.) und ihr Messias nach der Thora und den Propheten." - Auf dem Titelblatt befindet sich ein Kreuzchen, überklebt mit einem runden Zettelchen, welches die Inschrift trägt: .„Ani Adonoj rofecho", ic^ bin der Herr, dein Arzt. ^.^Da's:--'Trak-tätchen--'chemüh1 sich darzntüw, - daß der 5Ressias-ischou gekommen sei -in der Person -Jesu Christi- und -es. läuft' daraus-hinausdis Juden anzuleiten, „den- Herrn -Jesmn Christum zu finden-" Ich Zusammenhang- 'damit -meint nun die „Köln. Volkszeitung", der Herr Generalleutnant.. v. Viebahn täte -besser, . seine Wirksamkeit auf Stettin zu -beschränken, - und das in Elberfeld erscheinende. „Wupperthaler Volksblatt" fügt dem hinzu, es sei 'wirklich eigentümlich, daß diese pietistischen Kreise sich an Juden und Katholiken wenden. Wenn sich der Herr General'zum Apostel berufen fühle, bann stehe ihm in der China-Mission und. auch bei den Hottentotten ein reiches Feld zur Verfügung. Diesen Stimnien von. katholischer Seite -können wir nur beipflichten. . - . . ' - . X Speyer, 18. Oktober. Auch in diesem Jahre fand am 6. d. Mdie-An stell nngsprüf un g der Schuldienstexpektanten -hier am/Sitze der Regierung statt. Die schriftliche Prüfung, für welche Herr Bezirksrabbiner Dr. Landsberg aus Kaiserslautern die betreffenden Themata zu stellen hatte, . bestand in der Bearbeitung solgendeb Themata: a.) aus der systematischen Religionslehre: Was lehrt die Bibel über die Bestimmung des Menschen; b) aus der Kirchen? geschichte: Die Bedeutung des Moses. Maimonides für die Wissenschaft und Religion; e) aus dem Kirchendienste: Inhaltsangabe' der für. den - täglichen - Gottesdienst bestimmten.-Psalmen? -Die mündliche Prüfung, welche .in Gegenwart der für die- Religionsfächer gewählten .Kommission - von Herrn Dr. Landsberg -vorgenommen wurde, erstreckte sich 1. aufdie Religionslehre, 2. ans die - jüdische Geschichte und Literatur, 3. auf Bibelkunde und 4. Ilebersetznngen aus der Bibel. - . . . : . -. - — Rastatt, 26. Oktober. -Auch in unserer - Stadt wurde: 'nun-, mehr der Grundstein zum Neubau der Synagoge gelegt. Die Feier fand am 1.4. d. M. statt. Trotz des Regenwetters-hatten sich auf dem Bauplatze der Synagoge außer den israelitischen Geineindemitgliedern eingesunden: ein Vertreter des großherzoglichen Oberrats--die- Bezirksältesten von Karlsruhe und Bühl, der bauleitende Architekt der großherzogliche -Bezirksvorstand,- der -Bürgermeister, die Mitglieder--'des Gemeinderats und- Bürgeransschüsses, sowie: viele Bewohner, der Stadt. -Nach Begrüßung der Erschienenen durch den Vorstand der israelitischen Gemeinde, Moritz Weil, nahm der- Bezirksrabbiner Dr. Mayer-Bühl die Einsegnnngdes Grundsteins vor und führte die ersten drei Hammerschläge aus. Weitere Hammerschläge erfolgten durch Rabbiner Dr. Appel-Karlsruhe, die beiden Bezirksältesten, den bauleitenden Architekten, Hofrat Levy, den Herrn Geh. Regierungsrat Frech, den Bürgermeister Bräunig, die Mitglieder des Synagogenrats sowie durch das älteste männliche Mitglied der Gemeinde und den jüngsten Schulknaben. - Mit Erteilung des Segens nahm dieser Akt sein Ende, und man begab sich zur Fortsetzung der Feier in den Saal zur „Linde". Hier hielt Bezirksrabbiner Dr. Mayer öie: Festrede, die auf alle Anwesenden tiefen-Eindruck machte: Hierauf erfolgte die Verlesung der Urkunde.. Aus dem Inhalt, der zuerst die zurzeit regierenden Fürsten, die.Inhaber der Staats- und städtischen Behörden und sonstige historische Ereignisse anführt, ist zu - entnehmen, daß für die neue Synagoge 322 Plätze vorgesehen sind und die Baukosten aüf 100 600 Mark -veranschlagt sind. Die Zahlder israelitischen Gemeindemitglieder beträgt zurzeit -54, und die Gesamtseelenzahl 226: Auf ein au den Großherzog von Baden abgesandtes Ergebenheitstelegramm traf folgendes huldvolle Antworttelegramm ein: „Herrn Moritz Weil/ Rastatt! Es freut mich, daß die zur Grundsteinlegung versamtnelten Festgästebei dieser Feier meiner in so freundlicher Weise gedachten: Friedrich, Großherzog." - GesterrLtH-LlnSsrn. □ Wien, 30. Oktober. Eine Notiz, die ein geradezu erschreckendes Bild unserer religiösen Verhältnisse bietet, ging in dieser Woche durch die hiesigen Blätter: In der Zeit vom 13. Juli 'bis'- 17. Oktober 1905 -wurden 152 Austritte ausdem Iudentumgemeldet.- Wir glaub en nicht, daß eine jüdische - Gemeinde tir'-ber ganzen Welt ein ähnliches Bild darbietet-. Was soll daraus werden-p — Am 21. d. M. ist - hier nach langen Leiden-der Hof- und Gerichts-' advokat Dr-. -Os car KV kesch/gestorben.- Er wav-einer der eifrigsten Vorkämpfer des- Zionismus in Oesterreichseit- Anfang der Bewegung. -