Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 44 (3.11.1905)
- Date
- 1905-11-03
- Page
- Seite 528 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Mit unverrichteter Angelegenheitflog Samübl-zirm Himmel zurück. * ' : . Aber da erscholl eine feierliche geheimnisvolle Stimme aus der Höhe: '; : 5 -;-■>* ^Moses, .Moses, ...Deine. Stunde rst.-gekommen, .Du mußt, sterben." Ein Schatten,' wie er nach des Alten'Erzählung über Arons Angesicht geglitten war, als der Herr ihm verkündete, fcmjj seine Stunde inne war, huschte über die Züge des Greises^ und die junge. Frau begriff, daß auch die feierliche,.geheimnisvolle Stimme, .die, Moses befahl, sich ber^ zu halten, schon lange den Zum. Kind gewordenen Alten .neben ihr erschreckt, hatte.-. Aberer sagte nichts,- sondern fuhr in .feiner Erzählung fort: v - „O Herr, Herr," rief Moses weinend, „Du hast mich in den himmlischen Sphären weilen lassen und hast den Weihe-' küß auf/meine Stirne gedrückt, 0, überantworte nun nicht Meine Seele dem Todesengel!" Und die Stimme antwortete: „Ser getrost, aus meiner' Hand sollst. Du den Tod empfangen und für Deine Beerdigung werde ich selbst' sorgen." , Und Moses rüstete sich zum- Tode, rein wie ein . Engel.. Und der .Herr senkte sich hernieder aus dem höchsten Himmel und die drei..Engel Michael-, Gabriel und Raphael umgaben ihn. - Der Engel Michael öffnete das Grab. Gabriel brachte ein Tuch von weißem Linnen zum Kopfkissen und Raphael breitete . ein Tuch, die Füße zu bedecken, aus/ Und der Engel Michäel' stand, ohne sich zu rühren, an der einen Seite Moses,und der . Engel Gabriel. unbeweglich an seiner anderen. . / ,.Ünd der H^rr sagte zu Moses: .. „Schließe Deine Augenlider." Und Musesschloß die Augen. v ,-Drücke Deine Hand gegen Dein Herz." Und Moses legte seine Hand auf sein Herz. „Lege Deine Füße zurecht." Und er. legte seine . Füße zurecht. „Heilige Seele, meine Tochter," sagte 'der Herr- „feit hundertundzwanzig Jahr bewohnst Du diesen sündenreinen Körper. Aber die Stunde ist gekommen, trete hinaus aus ihm Und fliege Kn Himmel." ' V Aber die Seele antwortete traurig: „Diesen reinen und makellosen Körper liebe ich . innerlich, ich habe den Mut nicht ihn zu verlassen." „Meine Tochter, verlasse ihm Ich werde Dich aufnehmen in meinem höchsten Himmelnahe meinem unsterblichen Throne sollst Du wohnen, unter Seraphim und Cherubim." Doch die Seele zögerte. Da drückte der Herr einen Kuß auf Moses Stirne,- und mit'diesem Kuß flog die Seele gen Himmel. Und Wolken verhüllten den Himmel, aus dem die Worte quollen: „Wer bleibt aus .Erden zurück, die Sünde und den Unglauben zu bekämpfen?" Und eine Stimme antwortete: „Ein Prophet wie dieser kommt niemals wieder." ' Und die Erde weinte: „Ich habe den gottergebensten Mann verloren." Und Israel weinte: „Wir haben unseren Hirten verloren." Und die Engel jubelten im Chor: „Der Gerechte kommt. Er kommt in Frieden zu seinem Gotte, um von ihm empfangen zu werden." Die letzten Worte starben hin in ein kaum hörbares Flüstern und das alte müde Haupt sank zurück auf die Kissen. Er tastete nach der Hand der Schwiegertochter undhielt sie fest, als sie sie ihm reichte. . -„Geh^ nicht.- ppn MERebekka," flüsterte er. „Bleib bei je* nur, Urnern / treues Weib^/ Ich mag nicht mutterseelenallein * sem." : .- Und. dies-• daß er sie; für seine' Frau nahm, und daß. er .^andere, als. .die . gewöhnlichen ^Geschichten, und gerade diese erzählte, ließ der Schwiegertochter keine Ruhe und sie saß länger als sonst bei dem Alten. . , ' ' . - -. / Er schlummerte ein mit seiner Hand in der ihren. Frühzeitig am anderen Morgen kam eine Botschaft'von den Söhnen, bei denen der . Alte lebte, daß - Elias imd seine Frau hinkommen sollten. Der Greis schlief und schlief und sie-konnten ihn kaum auf einige-Augenblicke wach halten.. Sie saßen den ganzen Tag bei -ihm. Er hatte kein Wort mehr gesprochen, nachdem -er am Abend vorher der Schwiegertochter von Aron und Moses Tode erzählt hatte. Sie saßen bei ihm. Als er aufgehört hatte, zu atmen, lag er in feinem Bette, nicht wie ein Toter, sondern wie ein sanft Schlafender. Sie saßen bei ihm, wie sie sonst zu tun pflegten, wenn er eingeschlummert war. Sie. küßten die Hände, die gefaltet auf der Decke lagen. Die Hände waren nicht kälter im Tode, als sie im Leben gewesen-waren. Im Zimmer war es still, nur die alte Uhr tickte scharf und laut wie immer, nein, sogar viel schärfer als sonst, weil es so stille ringsum war. Elias" Frau sah ihren Mann mit bittenden Blicken an. Er. verstand sie und ging vom Bette nach der Ecke hin, wo die weiße Uhr stand. Er. öffnete das runde Glas und drehte die Zeiger zurück, so daß sie die Todesminute . wiesen, er ergriff den Pendel und ließ das Uhrwerk stille stehen. Nun war es totenstill im Zimmer. , LMrsriühe Mittritungrw — Die Psalmen im Rel i gionsunt erricht. Vortrag, gehalten auf der 47. Jahresversammlung der israelitischen Lehrer in'Rheinland und Westfalen von S. Andorn-Krefeld. Während in früheren Zeiten das Psalmbuch im schönsten . Sinne, des Wortes ein jüdisches . Hausbuch war, zu dem man in allen Lebenslagen griff, um den jeweiligen Empfindungen des Gemüts den entsprechenden Ausdruck zu geben, hat es heute seine ehemalige, das ganze Leben beherrschende Stellung leider vielfach eingebüßt. Auch in unseren Religionsschulen wird ihm nicht die Bewertung Zuteil, die es für sich in Anspruch nehmen könnte. Doch nicht bloß in Rücksicht auf das vernachlässigte Batererbe, sondern vor allem wegen ihrer Bedeutung'für die sittliche und religiöse Bildung des Heranwachsenden Geschlechts' möchte Herr Andorn den Psalmen den ihnen gebührenden Ehrenplatz' wieder errungen wissen. Allerdings wird,es bei unseren heutigen Schülverhältnissen nicht so ohne weiteres gelingen, die für Erlangung einer vollständigen Kenntnis" des Psalmbnches notwendige Zeit zu erübrigen. Es bietet sich aber, wie'.' hier in verständnisvoller, klarer, fesselnder Weise dargetan wird, für den geschickten Lehrer genugsam Gelegenheit, die Kinder mit dem herrlichen Geist der Gesänge vertraut zu machen, damit die in denseiben niedergelegten Empfindungen und Gesinnungen zu ihrem geistigen Eigentum werden. Daß es hierbei nicht auf die Fülle des Gebotenen ankommt,'braucht für den Pädagogen nicht besonders betont zu werden. 'Insbesondere 'wird die häufigere-Berücksichtigung der Psalmen bei Schülandachten empfohlen. — Die in dem nicht umfangreichen, aber/ gehaltvollen Schriftchen dargelegten Gesichtspunkte verdienen die aufmerksamste Berücksichtigung äller Schulmänner. K. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin, :