Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 44 (3.11.1905)
- Date
- 1905-11-03
- Page
- Seite 527 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Mutterlkklenallem. Volr Sopl/kö'Mkän. ' Autorisierte Uebersetzung aus dem SchwedisHen'von Toni Klein. III. iehst Du, Rebekka lieb," begann der alte Mann seine Geschichte: „Als Gott dem Moses verkündet hatte, daß Aron sterben solle, ohne das gelobte Land erreicht zu haben, wurde Moses sehr betrübt, und als Gott ihm befahl, seinem Bruder zu verkünden, daß. seine letzte Stunde herannahe, konnte Moses vor. Gram und Betrübnis die ganze Nacht nicht schlafen. Frühzeitig am folgenden Morgen, als der Tag graute, begab sich Moses zu Aron. Dieser, sehr verwundert, den geliebten Bruder so früh am Morgen bei sich zu sehen, fragte ihn nach der Ursache seines Besuches. „Ich habe kein Auge zugetan heute Nacht," antwortete Moses, „denn in Gedanken ging ich einige Punkte des heiligen Gesetzes durch, die mir sehr schwer zu erklären waren, und nun komme ich so zeitig zu Dir, um sie mit Dir zu überdenken." N Sie fingen an in den heiligen Gesetzen zu lesen, vom ersten Worte an, und wenn sie zu einer neuen Stelle kamen, riefen sie beide zugleich aus: „Dies ist heilig, dies ist schön, dies ist gerecht!"- So kamen sie zur Erzählung von dem Sündenfall Adams, und Moses unterbrach sich einen Augenblick und sagte: „O, Adam, Du hast den Tod in die Welt gebracht!" Und Aron antwortete: „Warum bist Du darüber, betrübt, mein Bruder? Führt uns nicht der Tod zurück in Edens Lustgarten?" „Es ist dennoch unsäglich schmerzlich," brach Moses aus, „ich habe die himmlischen Heerscharen geschaut und Du hast den Tod bezwungen, und dennoch müssen wir beide sterben. Wie viele Jahre glaubst Du, werden uns noch zu leben beschert sein?" „Vielleicht zwanzig Jahre," antwortete Aron. „O, viel weniger", rief Moses aus. „Vielleicht fünfzehn?" „O, noch viel, viel-weniger!" Und Aron nannte eine immer kleinere Zahl und erhielt beständig dieselbe Antwort: „O, noch viel, viel weniger!" Die Stimme des Greises erlosch förmlich. Die Schwiegertochter beugte sich hinab über, die eiskalte Hand, die die ihre noch immer streichelte und küßte sie. Der Alte fuhr fort: „Da Aron diese Antwort fortwährend wieder hörte, bemächtigte sich seiner Seele eine schreckliche Ahnung und versetzte ihn in Angst und Verwirrung. Aber fein Bruder Moses sagte liebevoll zu ihm:. „O, mein Geliebter, wäre es nicht schön, wenn man von Dir wie von Abraham sagte, er ging hin in Frieden zu seinen Vätern —" Aber in seiner Verwirrung verstand Aron diese-Worte nicht und Moses sprach weiter: „Wenn Gott Dir verkündete, daß Du sterben sollst, wenn Du hundert Jahre alt geworden bist, was würdest Du dann sagen?" — „Ich würde sagen, Gott ist gerecht und was .er tut ist wohlgetan," antwortete Aron. „Rebekka lieb, wenn mein Vater bis an diese Stelle kam, pflegte ich immer am ganzen Körper zu beben und zu zittern, weil ich dachte: wenn Gott nun zu mir sagen würde, heute sollst., du sterben/ wie würde,ich:mich..da erschreckewl-r'/Jch'chatte große Furcht vor dem Tode, als ich noch so jung war und die -Geschichtezum; erstenmal hörte, siehst Du, Rebekka." — Er streichelte wieder mit seiner dünnen Hand die ihre. „Das MH/ nnn. ko.mmt, erschreckte michnie, das.ist nur schön." Und Moses und Aron und dessen Sohn Eleazar -stiegen zusammen auf demBergZ) LlDi.sie demGiPfelerreicht hatten, sahen sie, daß eine Grotte' sichs/muftslwMderhaie^Weisel'wor ihren .Blicken-öffnete. - ,Sie .gingen in. die - Grotte: ^hinein - Änd fanden das von den Engeln schon Bereitete Todeslager, . Aron streckte sich daranf^us und bereitete sich zum Sterben vor. Und Moses rief voll Sorge und Kummer aus : „Wehe mir, wir waren zwei, als wir unsere Schwester zu Grabe geleiteten! In Deiner letzten Stunde bin ich bei Dir. Wen aber werde ich in meiner letzten Stunde bei mir haben?" Und eine Stimme von der Höhe rief: „Du sollst Gott bei Dir haben!" Der Greis schwieg. Elias Weib blickte in ihres Schwiegervaters Gesicht, dies wechselte nie seinen Ausdruck und auch jetzt fah er aus wie sonst, wenn er seine alten Geschichten erzählte. Aber die Schwiegertochter war tief bewegt. Sie fand) . daß diese Erzählung viel besser für ihn paßte, als alle die anderen, die sie ihn hatte erzählen hören, und sie hoffte, daß er von jetzt an, nur die alten Talmudlegenden, die er als Kind gehört hatte, erzählen würde. Er fuhr auch sogleich fort: ' „Als mein Vater uns von Arons Tod erzählte', pflegte, er auch die Geschichte von Moses Tode zu erzählen. Ich glaube nicht, daß etwas in dieser Geschichte vorkommt, daß mich als Kind geängstigt hat oder Dich erschrecken wird, Rebekka lieb. Du wirst gleich hören!" ' Und die spröde Stimme begann wieder, von dem einförmigen schrillen Ticktack der alten Uhr begleitet, zu erzählen: „Siehst Du, Rebekka, Moses war damit beschäftigt, dre letzten Worte in den heiligen Gesetzen aufzuzeichnen und wollte gerade den Namen Gottes, den keiner, wagt auszusprechen, niederschreiben, als der Augenblick der für ihn bestimmten Zeit seines Todes herankam. Und der Herr rief seinen Engel Gabriel zu sich und sagte: „Geh und führe I Moses Seele zum Himmel empor." Und der Engel antwortete erschrocken:.- „Herr,- Herr, ich war sein Lehrer und er war mein Schüler. Ich vermag es nicht, ihn sterben zu sehen." . - . Und der Herr rief Samuel, den.Engel der Vernichtung zu sich und sagte zu ihm: „Führe Moses Seele , zum Himmel empor!" . Und das Antlitz des Todesengels strahlte in blutdürstiger Lust. Er umgürtete sich mit seiner hellglänzenden-Rüstung und stürzte sich auf den Gottesmann hinab. Er fand ihn mit dem unaussprechbaren Namen Gottes unter der Zeder, und der Todesengel zitterte. Als er Moses betrachtete, sah er, daß Strahlen des göttlichen Lichtes sein Antlitz erhellten. Und der Todesengel wendete seine Blicke weg und dachte: dieses ist ein Engel und kein anderer Engel kann iC)m den Tod , geben. „Was willst Du, was suchest Du?" rief Moses dem Engel zu. „Ich bin abgesandt. Dir den Tod zu geben," erwiderte der Engel zitternd.. Jeder Staubgeborene ist meiner Macht unterworfen." „Aber nicht ich," sagte Moses mit Zuversicht. „Schon im Mutterschoße auserkoren als Werkzeug des heiligen Wunders, das Gesetz und die Wahrheit -auf Erden zm verbreiten,-- werde ich niemals Dir meine Seele anvertrauen.". .? .rv