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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-11-03 · Heft 44 (3.11.1905) · p. Seite 523

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 44 (3.11.1905)
Date
1905-11-03
Page
Seite 523 (sequence 7)
Language
German
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rat Cass e l-Berlin feierte i>ie innigen'Beziehungen zwischen Dentschtym und Judentum, -Rabbiner Dr. Wermer-München ioasteteians die daheimgebliebenerr und :das . Hans hütenden Frauen der - Gäste-. Juftizrat -Timen d.orfer-Berlin, . der Präsident der Großloge des \ des U. O. B. B., forderte die zahlreich anwesenden. Brüder zu einem! Hoch auf den Verband aus, Kirchenrat D r.. Kroner - Stuttgart toastete aus die jüdische Jugend, die unsere Zukunft ' ist, Herr Venäs L evy-Berlin . auf. den Ausschuß des Verbandes. Unter lebhaftem Beifall der Versammlung ließ, alsdann Prof. Philippsoni Berlin alle Führer und Förderer des Verbandes der Deutschen Juden leben, Rechtsanwalt Dr. Horwitz-Berlin trank namens der Mitglieder des Zentralvereins, der alles tun werde, unk'dem Verbände und damit der Gemeinschaft aller Glaubensgenossen: zu dienen, auf das Gedeihen .des Verbandes, während Justizrat- Veit Simon- Berlin in seiner Rede dein Verbände empfahl, nicht allein mib Mut, sondern auch mit Klugheit dem gesteckten Ziele zuzustreben. - y Wir schließen unseren Bericht mit der Mitteilung, daß an dem der Sitzung folgenden Tage im Verbandsbureau auf das an den Kaiser gerichtete Huldigungstelegramm folgende Antwort aus dem Zivilkäbinet telegraphisch eingegangen ist: . „Seine. Majestät der Kaiser, und König lassen der Hauptversammlung des Verbandes Deutscher Juden für den Ausdruck treuer Ergebenheit danken. . . Auf Allerhöchsten Befehl der Geheime Kabinetsrat v. Lucanns." Ä. Dir Mache. Berlin, 1. November, as Thema von der konfessionelten Medizin/ will nicht zur Ruhe kommen in unserem Kultürstaate. So ging in dieser Woche ein merkwürdiger Versuch ärztlicher Fürsorge, der dies Thema auch berührt, durch die Blätter. , Die Oeffenttichkeit erfuhr zuerst davon durch .die Verhandlungen der hannoverschen Aerztekammer über den Vorfall, . Der L.andrat des Kreises Dannenberg hat. an .den Dekan deränedizinischen Fakultät in Göttingen und vermutlich auch.an die medizinischeWakultüt anderer Universitäten ein. vervielfältigtes Schreiben gesandt, worin um die Nachweisung eines jüngeveü Arztes für die Stadt ^Dannenberg und Umgegend ersucht wird. Einem genehmen Arzte wird die. Uebertragung der zu vergebenden amtlichen .Behandlungssachen (Impf- und Armeltpraxis, Gutachten usw.) und außerdem ein kleiner fester Zuschuß in Aussicht gestellt, und es heißt dann weiter :. Hierdurch bitte ich ergebenst, junge. Aerzte der bezeichneten Art christlicher Konfession) gefälligst veranlassen zu wollen,- Meldungen unter Angabe der bisherigen Tätigkeit und Beifügung aller Zeugnisse an den Unterzeichneten einzusenden. Dem betreffenden Arzte wird, wenn er sich als zuverlässig, strebsam und für die Verhältnisse geeignet erweist, von hier aus das größte Entgegenkommen gezeigt werden, da es der Wunsch der Bevölkerung ist, möglichst bald einen zweiten zuverlässigen Arzt zu erhalten. Der sonstige Inhalt des kuriosen Schreibens geht uns hier nichts an. Daß aber bei dem gesuchten Arzt von vornherein eine konfessionelle Vorschrift gemacht wird, zeigt schon, daß er nicht bloß in seinen ärztlichen Leistungen genehm sein sein soll, und legt die Vermutung nahe, daß die ärztliche Qualität bei dieser Auswahl überhaupt nicht das allein Maß- ' gebende sein soll. Der Landrat hat, bei semer Anfrage in •; Göttingen nun allerdings kein Glück gehabt.. Der dortige Dekan hat darin eine Herabsetzung des Aerztestandes erblickt und dem in einem Brief an. den Regierungspräsidenten Ausdruck gegeben;. die gemachten Offerten werden als geradezu standes.unwürdig bezeichnet- Ferner, sandte. der Dekan das landrätliche Schreiben dem Vorsitzenden der hannoverschen Aerztekammer-- welche darauf beschloß, beim Oberpräsidenten Beschwerde zu führen. Die Sache hat eine über den Einzelfall hinausreichende Bedeutung; denn.es liegt eine nicht zu ünter-! schätzende Gefahr darin, daß' die amtliche Autorität zur Be- > friedigung konfessioneller Sondergelüste benutzt .werden kann. yy \.. -y . & ' ' ' ’ . .. ' ' / ' i Eine , durchaus zutreffende Bemerkung macht die „Frankfurter Zeitung" anläßlich des Eintretens der deutschen Diplomatie für. die Rechte der Kurutzowalachen, eines unter türkischer Hoheit stehenden rumanischen Volksstammes,ündem sie unter Anderem-schreibt: y „Das Eintreten der deutschen Diplomatie für dieKnrutzowalaÄen ist sehr bemerkenswert. Als vor einigen Jahren die Vereinigten Staaten von Amerika im Namen der Menschlichkeit zugunsten der verfolgten rumänischen Juden intervenierten, verhielt sich Deutschland teilnahmslos, obgleich es eine der Mächte ist, die durch den Berliner- Kongreß den rumänischen Juden die Gleichstellung «nt .der christlichen Bevölkerung gewährleistet h a ben. Als es sich aber in diesem Jahre um die Anerkennung'der kurutzowalachischen Bevölkerung als besondere Nation durch die Pforte handelte, unterstützte die deutsche Diplomatie sehr energisch Rumänien gegen das Patriarchat und der deutsche Botschafter in Konstantinopel gab sich große Mühe, die Anerkennung der kurutzowalachischen Nationalität dnrchzusetzen. Warum diese verschiedenartige Behandlung. Sind die einen wenigernnterstützungswürdig als die anderen?- Die Kurutzowalachen wurden früher sehr gut. behandelt und hatten dieselben Rechte, wie die anderenmazedomschen Volksstämme, während die Juden in Rumänien so bedrückt werden, daß sie froh sind, wenn sie nur"auswandern können." . -3» : In Rußland tobte in dieser Woche die Revolution. Md. die Juden nahmen wacker Teil an Freud und Leid..des Vaterlandes, ohne in diesem verhängnisvollen Augenblick an ihre Sonderbestrebungen und Aussichten zu denken. Dies allein zeigt schon, daß sie völlig reif sind für die Gleichstellung, die ihnen auch jedes nur halbwegs liberale Regiment nicht mehr vorenthalten wird. . Was sie zu fürchten habeny ist 'allein die Reaktion.' Und daß diese wieder in ihrer früheren Machtfülle wieder ans Ruder kommen kann, erscheint/gegenwärtig so gut wie ausgeschlossen, nachdem der Zar nunmehr eine Verfassung, Gleichheit aller vor dem Gesetz ohne Unterschied der Religion und der Nationalität, Gewissens- und Nede- .freiheit gewährt und Pobjedonoszew. entlassen hat.; Indessen, so erhebend es ist, die politische Bildung und Reife der russischen Juden in dieser großen Zeit zu betrachten, so darf man doch auch seinen Blick nicht von den häßlichen Begleiterscheinungen des. neuen Freiheitstages abwenden. Da zeigte sich denn, genau so wie in anderen Ländern, manche Frucht der Assimilation, die wenig erfreulich ist. -Die jüdische Jugend ■ suchte in manchen russischen Gemeinden die Sitten ihrer nichtjüdischen Mitkämpfer: nachzuahmen. Sie drang in die Synagogen einsuchte diese zu politischen Demonstrationen zu mißbrauchen,, was aufs schärfste getadelt werden muß, sie griff die Rabbiner an und suchte sie sogar in der Ausübung ihres. Berufes zu verhindern, wie dies z.- B. in. Petersburg bei dem Gottesdieft für 'den plötzlich verstorbenen Freiheitskämpfer Fürsten Trubetzkoi der Fall gewesen ist. Ja, in einem russischen Städtchen gingen sie noch weiter, wie ans folgender Meldung zu ersehen ist: . ... . " . , u „In Stcrszow wurde gegen den Rabbiner Jehuda Grünbardt, der während der letzten jüdischen Feiertage in der Synagoge, eine die fortschrittliche jüdische Jugend' verurteilende Kanzelrede' hielt, ein Attentat verübt. Abends, als er: in der Laubhütte, saß, würden..aus

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