Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 44 (3.11.1905)
- Date
- 1905-11-03
- Page
- Seite 522 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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papierenen 'Tat geworden -ist," auch diese" verdient haben, so können wir aus. das Ausland und, zum Glück auchauf . manches'^ich Vaterland.^'verweisen, daß:: die: Juden in höheren.- Stellungen .sich glanzend bewährt - und' befähigt -gezeigt haben. Mänicevjüdischen Glaubens . Habens vereint mit. christlichen Volksgenossen der deutschen Kultur zum Siege verholfen. In Kunst -und. Wissenschaftin. Handel und Industrie haben sich die Juden sehrhervorgetan, aus den Schlachtfeldern, haben sie dem deutschen. Namen Ehre gemacht, Und es waren auch Juden: die, von. ihren christlichen-'Volksgenossengewählt, mitgeschmiedet haben die rechte Form der deutschen Einheit.. Dieser Blick auf . die Vergangenheit muß uns stärken für die Zukunft und uns den Weg weisen. Unser Kamps muß vor.-allem sein.der Kampf für unser Recht. Er muß liegen in der'geistigen Mitarbeit an allen:, was das deutsche Volk bewegt, aber neben der stillen Arbeit haben wir. laut und offen unsere Rechte zu betonen und zu verlangen von jenen, die sie uns versagen. Wir betteln nicht mehr um Gnade, sondern unser Ruf nach unseren Rechten ergeht an diejenigen, die beschworen haben, die Verfassung zu achten und gewissenhaft zu beachten. Dieser Ruf kann nicht verhallen, weil er der Empörung un-d Entrüstung entstammt derer, die ihre Pflicht erfüllt haben und in ihren Rechten gekränkt sind." Auch diese beiden Referate, deren erstes. wegen der mühevollen und sorgsamen. Sichtung -des umfassenden Materials besondere Anerkennung verdient.- wurden. - seitens der Versammlung mit lebhaftem Beifall ausgenommen.. - Der Ausschuß-brachte auch zu diesem Punkte eine Resolution ein, die. folgenden Wortlaut hat: -- ... , . - „Verfassung und Gesetz gewährleisten die Gleichberechtigung aller Deutschen ohne llnterschied des religiösen Bekenntnisses. Gleichwohl findet bei der Besetzung öffentlicher Aemter fast überall eine Zurück-. setzung oder Ausschließung von Personen jüdischen Glaubens stptt. Die Zurücksetzung entfällt in der Regel, sobald. der Uebertritt zum Christentum vollzogen ist. - Dieses Verfahren enthält eine Verletzung .des bestehenden Rechts. Es.verstößt gegen die Gerechtigkeit, denn.es schafft Ungleichheit der Rechte bei gleichen Pflichten. Es bedeutet eine sittliche Gefahr, weil von Staats wegen der aus äußerlichen Gründen vorgenommene Religionswechsel gefördert wird. Es widerstreitet dem Staatsinteresse, weil Kräfte ausgeschaltet werden, die dem-Staate Ersprießlicheszu leisten gewillt und befähigt sind. . Der Verband der Deutschen Juden legt gegen diese festgesetzte Rechtsverkümmerung Verwahrung ein und beauftragt den Ausschuß, alle Maßnahmen zu ergreifen, die.zur -Beseitigung, dieses Zustandes -geeignet sein können. / Die -deutschen Juden hegen zu ihren rechtlich denkenden Mitbürgern das Vertrauen, daß sie ihnen im Kampf für ihr Recht die Unterstützung nicht versagen werden." . . Landtagsabgeordneter Rechtsanwalt Dr. Cohn-Dessau beantragt al-sdann, die drei Resolutionen in dem vorliegenden Wortlaute. anzunehmen. Der Antrag wurde angenommen, und der Vorsitzende .konnte, unter lebhaftem Beifall der Versammlung die einmütige Annahme dieser Resolution konstatieren. Er brachte alsdann aus der Zahl, der vielen eingegangenen Begrüßuugstelegramme . dasjenige von Herrn Geheimen Negierungsrat Professor Dr. Cohen-Marburg zur Verlesung:- „Vereinigt mit-Jhnen-in Hochhaltung unserer Religion und im. Kampf-für unsere Rechte, wünsche Gelingen unfern: Verbände zürn besten des Vaterlandes." ' Nach der einstündigen Frühstückspause hob Abgeordneter. Justizrat Cassel-Berlin in einer kurzen Bemerkung hervor, daß er dem Irrtum Vorbeugen wolle, als ob vielleicht nur seitens der jüdischen Abgeordneten in den Parlamenteneine Abwehr der Verkümmerung der Gleichberechtigung der Juden erfolge. Bei verschiedenen.Gelegenheiten seien Christen für die Rechte der Judey eingetreten, so die. Abgeordneten Gyßling, Dr. Crüger, Dr. Wiemer, Dr. Barth und Eugen Richter im Landtage, während im Reichstage Professor Eickhoff, Stadtrat Kämpff und Müller-Sagau mit vollem Nachdruck gegen die 'Verkümmerung des Rechts der Juden Stellung genommen, haben. Er bezeichnet es als eine Pflicht der Loyalität,, aus die Bundesgenossenschast der christlichen. Abgeordneten, die hoffentlich nicht oh ne Nachfolge, auch aus anderen .Parteien -bleiben werde, hinzuweisen. Der Vorsitzende vollzog alsdann die Wahl des Ausschusses und der Kaffen- Prüfer. Für den Ausschuß erfolgt' die Wahlder." bisherigem Mit-: -giieder-mnd!K'ommisfwnsvorsitzende::^dnrch.-Zu-ruf-;<.-neu>chinen:-gew.ähW' wird Stadtrat Arouson- Broinberg. . Zn- Kassenprüserverden die Herren Justizrat. Tr. Le w i n - Stettin und.. Dr. I: Ginsberg? Berlin vorgeschlagen'undgewählt? Dann trat die .VersammlllNg in' die Diskussion zu den drei Referaten ein, die nur etwas länger.als eine ©tunke: iu Anspruch nahm. Herr Bl nment h al-Cässel-be- ' streitet, daß die Emanzipation, unseren Vätern mühelos in:den Schoß gefallen sei und bezeichnet' es: als eine Verkennung der Arbeit: von Männern, unter anderen Gabriel Rießsrs, denen jeder Jude. zu Dankbarkeit verpflichtet sei. Jllstizrat Fuchs .erklärt, gründlich-miß-, verstünden zu sein, da er ausdrücklich erklärt habe, daß-der.Juden? Emanzipation Abwehrkämpfe der deutschen. Judenheit .nicht vorange? gangen seien, wohl aber einzelne dafür gestritten hätten. Rabbiner Dr. Vo gelstein- Stettin .bittet dringend unter Bezugnahme auf die Wernerschen Ausführungen dahin zu wirken, daß der Begriff der Minderwertigkeit unserer Religion aus dem jüdischen Lager schwinde- Es sei von der größten Wichtigkeit, immer zu betonen,, daß das Gesetz, der Nächstenliebe, wie es das Judentum vor Jahrtausenden, ausgestellt habe, sich mit den Begriffen, die heute von ben edelsten Vertreterl: der Moral und Ethik gelehrt werden, vollständig decke. Unsere Jugend müsse wieder von der Begeisterung für das Judentum. .erfüllt werden. . Dr. Kl ee-Berlin bestätigt, daß es nur die Arbeit einzelner Juden gewesen ist, die uns die Emanzipation 'gebracht habe. Und. nicht eines organisierten Zusammenschlusses der Inder:, Er begrüßt den Verband als die Einheit im deutschen Judentum, als den Jungbrunnen neuer Kraft, nicht int Kampfe gegen einander zur Durchsetzung .dereigenen, Wünsche und der Parteiwünsche, sondern im Kampfe für unser Judentum, der utls immer wieder die Unitas des deutschen -Judentums vor Augen führen soll. Dr. Adler ^.Lübeck bittet, das Korreferat des Herrn Hermann Gnmpertz vollinhaltlich zur Kenntnis zu geben, da man daraus werde ersehen können, daß für alle Parteien irrnerhalb des Judentums Gelegenheit gegeben, sei, sich., an den Verband anzuschließeu. Justizrat Dr. F n ch s erwidert, daß das Korreferat vorliege und im wesentlichen die Stellungnahme zinnVolksschulges.etz und Denkschrift zur Schächtsrage behandele. Zum dritten. Referat regt Rabbiner Dr. Jacob-Göttingen an, eine genügende praktische und wissenschaftliche Vorbildung, der. Verteidiger - des Judentums in die Wege zu leiten, für die Wissenschaft der Apologetik Lehrstühle und Unterrichtsgelegenheit zu schaffen, in Verbindung mitden Lehrstühlen. apologetische Seminarien einzurichten, an denen. Theologen sowohl wie Juristen, Mediziner,. Journalisten und auch Kaufleute sich zu zielbewußten und kundigen Verteidigern des Judentums.ausrüsten könnten...Zur Förderung dieses neuen Studiums, das ja kein Berufsstudimn sei, könnten sich die verschiedensten Organisationen vereinigen, da es ja ein Grenzgebiet zwischen praktischer undwissenschaftlicher Tätigkeit sei. Als eines der'Ziele, würde die Schaffung eines praktischen Handbuches .der Apologetik zu. gelten haben, Rabbiner, Dr.. Frank-Köln, geißelt den Glanbeuswechsel der. Juden und das. Verhalten des Staates, der aus den Uebertritt .eine Prämie setzt.' Als Krebsschaden bezeichnet er es, daß .wir uns gegen diese fahnenflüchtigen Verräter zu tolerant zeigen. Der Vorsitzende, schließt hierauf die, Verhandlungen mit der Bitte, das Gehörte nicht nur zu den Andersgläubigen, sondern, im...wesentlichen zu den .Glaubensgenossen hinauszutragen. Justizrat Geiger-Frankfurt a. M. bringt den..Dank der Versammlung für die musterhafte,, unparteiische' und energische Leitung .der Verhandlungen zum Ausdruck. Im Anschluß an diese Hauptversammlung fand abends, in dem -gleichen Sitzungssaale ein vom. hiesigen Gemeindevorstand .gegebenes .glänzendes Festm ah l statt,, das in angeregtester Stinnnung verlief und zu dem, sich etwa 290 Teilnehmer eingefunden hatten- : Nachdem das Kaiserhoch, das Justizrat Dr. Lachmann .ausbrachte, -.verklungen und, die Musik die Kaiserhymne intoniert hatte, hieß Herr Julius Jacobh, der Vorsitzende der hiesigen Gemeinde, die.Gäste namens des Gemeindevorstandes' herzlich, willkommen.. Herr. Lonis Sa'chs, der. Vorsitzende der Repräsentantenversammlung, sprach : namens dieser dem/ Verbände den herzlichsten Dank aus für die Einigkeit,, die er unter den Juden geschaffen ch.ab.e, Rechtsanwalt Dr. B l a n - Frankfurt am Main dankte : namens - der . Gäste füp die. Begrüßung.und kje; .erwiesene - Gastspeundschaft,.: Justiz-