Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 44 (3.11.1905)
- Date
- 1905-11-03
- Page
- Seite 520 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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d)em Juden: und dem -Lud e-.ytirM Frommt, nur nicht..^iF Gewissenssreih eit. de r I uden.ein s chränken, die Minorität bedrohem, Kultus,, Rit.u s und Do g ma. r e gl em e nt i eren..Er will nur die weltlichen Interessen des . deutschen Judentums vertreten, die uustas iu ueeessariiZ Herstellen und m äubsis die lihsrtas gestatten. Der D. I. G. B. konnte nicht zum Verbände ausgestaltet .werden, ohne, seine bisherigen Ausgaben zu, schädigen, der Verband mußt.e auch, aus .reichsrechtlicher Basis geschaffen werden. Und nun zu den Aufgaben des neuen Verbandes. Er hat in erster Reihe .die Abwehr? kämpfe des Zentralvereins durch.das,Schwergewicht seiner Legitimation zu unterstützen und die Gleichberechtigung zur Wahrheit zu machen^ Ans dem Heere/und der Verwaltung .sind die Juden wortlos ge? strichen,, nn.der Justiz zur Not zugelassen und arrch dort dem Geists derMerfassung zuwider mit der prozentual konfessionellen Elle gemessen,- Schlimmer - ist noch die Herausdrängung der Juden im gewerblichen Leben. Auch zu dem neuen Bolksschulgesetz muß-der: Verband Stellung nehmen, und bei der etwaigen Einführung, der konfessionellen. Schule ist die Berücksichtigung der .Wünsche der gesamten Juden zu fordern; in gemeinsamer Arbeit mit den -übrigen Organisationen muß hier das statistische Material beschafft werden. Betreffs der Schächtfrage. durch die-auch der liberale, Jude in seinenz religiösen Gewissen verletzt -wird, ist nicht zu dulden,, daß unserer Religion der Vorwurf der Inhumanität gemacht werde. Apologetisch? Schriften müssen-in die Lande hinausgeschickt werden, um-die Ehre und, die Ethik des Judentums zu verteidigen. Wir. müssen der Welt Nachweisen, daß dieses Judentum die Mutter der Kulturreligionen, in welcher die Wissenschaft und die Lehre göttliche Anbetung genießt, noch gar so modern ist wie die Kinder. Mit der Fackel der Wahrheit muß in das Obskurantentum hineingeleuchtet werden, das in der Maske der Wissenschaft die Quellen fälscht.. Was gewisse Schwarmgeister über Rassen und Rassendefekte, Völkertugenden und Völkerfehler gesagt, das muß in seiner Ignoranz vom. Verbände gebrandmarkt werden. Das Wissen vom Judentum muß gemehrt werden, weil Abwehr Wissenverlangt, weil das .Wissen Stolz und Selbstbewußtsein und damit die Treue bringt, die über das Ende des Kampfes hinausreichen." Zum Schluß die bisherigen .Leistungen; des Verbandest Seine größte Tat ist die, daß er sich geboren hat. Außer der mühevollen. Organisation der Wahlverbände, der Schaffung des ganzen Apparates ist jedoch bereits als Grundlage für -die Abwehr eine große Enquete in die Wege geleitet, die ein ausgiebiges Material verspricht, eine Denkschrift ist ausgearbeitet über die Schächtfrage und über das, Volksschulgesetz und den zuständigen Stellen unterbreitet. Wir werden dem Vaterlande zeigen, daß wir gute Deutsche sind-.und gute deutsche Juden bleiben können." Anhaltender und sich immer wiederholender Beifall lohnte die Ausführungen des Redners. Im Anschluß hieran brachte der -Vorsitzende die folgende Resolution zur Verlesung: „Die Hauptversammlung des Verbandes 'Deutscher Juden sieht in -dem Verbände die aus autonomer-Grundlage geschaffene Vertretung der deutschen . Juden. . Zweck des Verbandes, ist es,-die geistigen Kräst.e der deutschen Juden zu gemeinsamer, Planmäßiger Arbeit, zusammenzuschließen, um . das Judentum selbst zu kräftigen und die Gleichberechtigung zur. Wahrheit zu machen, Ausgabe des Verbandes ist es ,insbesondere: - 1. alle Deutschen jüdischen Glaubens im Bewußtsein ihrer Zusammengehörigkeitzur Abwehr, unbegründeter Angriffe und zur gemeinsamen Verteidigung der ihren staatsbürgerlichen Pflichten entsprechenden staatsbürgerlichen Rechte zu vereinen; 2. als berufenes Organ an zuständiger Stelle die berechtigten Wünsche und Beschwerden der Deutschen jüdischen Glaubens vorzutragen und zur Anerkennung zu bringen; 3. alle Angriffe gegen die religiöse Ehre des Judentums und gegen die Freiheit der Religionsübung abzuwenden, insbesondere -er Agitation gegen das rituelle Schlachtversahren entgegenzutreten und auf die Beseitigung der durch staatliche oder kommunale Anordnungen erlassenen Verbote hinzuarbeiten; 4. allen, welche die Bestrebungen des Verbandes zu fördern bereit sind, mit Nachweisungen dienlich zu sein." - Der Korreferent zu dem ersten Thema über die Entwicklung und Aufgaben des Verbandes der Deutschen Juden,-Herr Hermann Gumpertz-Hamburg, ist leider erkrankt, und, der Vorsitzende der Versammlung. spricht sein herzliches Bedauern darüber, aus, daß dieser Redner am . Erscheinen , verhindert ist. Alsdann sprach Rabbiner Dr^ Werner-München über.„Das Judentum im Lichte moderner Kritik". Der Redner, besprach zunächst die. Angriffe, welche von.der Babel-Bibel-Paxtei gegen den Monotheismus erhoben wurden, und sodann die Angriffe, welche die Rassensanatiker gegen das Judentum gerichtet haben. Der Talmud erzählt, so ssührte der Redner, unter anderem aus, daß ein Mann, zwei Frauen hatte, eine ältere.und eine jüngere. Die ältere entfernte seine.schwarzen Haare, damit er alt anssähe;.die jüngere, entfernte seine grauen Haare, damit er jung aussähe;' die Folge war, .daß er ganz kahlköpfig wurde. So erging es auch, dem, Judentum. Die Assyriologie hat uns die ,grauen Haare, die moderne, christliche Theologie die schwarzen Haare ausgerissen. Da kam, so fuhr der Redner unter stürmischem Beifall .,fort, die Rassentheorie und sagt: der Schädel, taugt auch nichts, Wir verlangen nur eine tendenziöse Wissenschaft; wir geben Babel, was Babels ist, und der . Bibel, was der Bibel ist. Aus Babel starrt uns trotz seiner Kultur , der krasse Götzendienst an; aus der Bibel weht uns göttliche Weisheit, reine Heiligkeit entgegen, hier weht.'Menschengeist, dort weht Gottesgeist,-hier, herrscht Menschenkunst, dort haben wir Sinaihöhe.. Es ist betrübend und. traurig zugleich, daß der größte und berufenste Vertreter dieser Wissenschaft sich nicht scheute, vor den höchsten Herrschaften ,auszurufen, daß der Gott des Judentums ein Nationalgott sei. Dagegen müssen wir.ganz energisch protestieren. Der Gott des Judentums ist im Gegensatz zu den Nationalgöttern der einig einzige. Entweder der Gott der Propheten, der, Gott der Bibel oder gar kein Gott,. .Das ist unser Besitz, der uns mit Ehrfurcht erfüllt, den wir nicht antasten lassen werden. Die andere Methode, die in unserer Zeit gegen das Judentum angewendet wird, ist scheinbar entgegengesetzt, kommt aber zu demselben Ziele. Man bestreitet nicht unser Älter, man bestreitet aber nur unsere Jugend, unsere ewige Kraft,, unsere . Existenzberechtigung, Die Gegner sagen, wir) haben nicht die Feindesliebe und, darum sind wir minderwertig. Den Feind zu lieben, lehren wir allerdings nicht, weil oft der sittliche Kampf eine Notwendigkeit ist. Was die Lehre von der Feindesliebe hervorgebracht hat, des lebendige Zeugen sind wir Juden. Aldannlbeleuchtete. der Redner noch einen dritten Gesichtspunkt, von dem aus die moderne Kritik der Judenfrage ,sich leiten läßt und besprach diejenigen Angriffe, die von sozialer, Seite angeblich im ökonomischen Interesse gegen .die Juden in den letzten Jahren erhoben worden, sind. Niemals hätte, in, unserer Zeit die gegen uns gerichtete Bewegung eine solche./Ausdehnung angenommen, wenn nicht in Wort, und Schrift immer wieder die Wahnidee verbreitet worden wäre, daß die Juden in. ihrem Handel und Wandel zu einer sozialen Gefahr sich herausbilden. Der Kundige weiß, wie unwahr diese Behauptungen sind; er weiß, daß unser Schrifttum von den ältesten bis zu den letzten rabbinischen Erörterungen über die Rechte und Pflichtender Arbeitgeber und der Arbeitnehmer von echt .sozialer Weisheit erfüllt ist, daß die Geschichte nicht nur,, von unsäglichen Leihen, sondernauch von der edelsten sozialen Wirksamkeit Israels Zeugnis ahlegt. Wirklich jüdisch sein,. Heißt sozial sein in des Wortes edelster Bedeutung. -„Das Judentum, hat zuerst die Menschheit die soziale Fürsorge für die, Armen und s Schwachen gelehrt und dieselbe stets betätigt. Auch die Statistik,, die man .' besonders;.'in der letzten Zeit als Beweismittel .gegen unsangebracht -hat, hatLvollständig versagt. Bei vorurteilsfreier,, Prüfung der Zahlen sind die Resultate wie Granitblöche, an denen der Gischt , der brausenden Leidenschaften abprallt. Zum SchlußIweist. der.Redner noch darauf hin, wie vielen sozialen Sinn die deutschen Juden durch die Tat an den Tag gelegt haben. Der, Verband würde sich ein Verdienst erwerben, wennLer nicht nur erforschen würde,, was wir leiden, sondern auch was wir leisten. Diese Statistik, zu der. das Material in allen Gemeinden Deutschlands gesammelt werden, müßte, würde beweisen, daß die Juden nicht soziale Gefahren Hervorrufen, sondern soziale Wohlfahrt fördern. Als heilige Pflicht erkennen fie. es . an, mit ihrem Wollen und Können, mit hingebender Tatkraft an, allen allgemeinen sozialen Aufgaben der Gegenwart mitzuarbeiten. Das Resultat der Statistik wird ein solches sein, daß, wir laut verkünden können, der Jude ist ein sozialer Segen, wenn ser die Freiheit und die Rechte hat. Bei -der.Bedeutung, welche dieser Vortrag hat, dürfte ein kurzes Referat