Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 43 (27.10.1905)
- Date
- 1905-10-27
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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ber Provinz Posen als Referent für Pharmazie, zuerst als Medizinalassessor, später als Mitglied mit dem Titel Medizinalrar an. Lebhaften Anteil nahm Dr. Mankiewicz in früherer Zeit an der Kommunalverwaltnng der Stadt Posen und an der Posenschen Provinzialverwaltung. Nachdem Mankiewicz, der Apothekenbesitzer in Posen war, sich vor etwa 10 Jahren von feinem Geschäfte zurückgezogen hatte, widmete er seine Arbeit ganz besonders gemeinnützigen Bestrebungen. Ein besonderes Verdienst hat er um die Ausgestaltung der Fürsorge für kranke Arbeiter und um die Verbesserung der Säuglingsfürsorge in Posen. — Rentier Philipp Todtmann, gebürtig aus Rawitsch, jetzt in Homburg v. d. Höhe, hat in dankbarem Gedenken an seine Heimat mit einem der hiesigen Synagogengemeinde zu übergebenden Kapital von 200 000 Mark eine Stiftung errichtet, welche den Namen: „Isaak und Philipp Todtmann- Stiftung" führen soll. Von dem Spender'ist bestimmt worden, daß die laufenden Zinsen des Kapitals bedürftige jüdisch e Bräute im Posener Bezirke als Beihilfen zu ihrer Aussteuer erhalten sollen. Die Gemeindebehörde -in Posen hat die hochherzige Stiftung dankend angenommen. N. Breslau, 4. Oktober. Am 29. v. M. wurde die Synagoge zum Storch nach vollendetem Umbau wieder eröffnet. Das Gotteshaus macht jetzt in seinem Innern einen imposanten Eindruck. So hat denn auch die Breslauer Gemeinde zwei Synagogen, die sich den Gotteshäusern der anderen Großgemeinden würdig an .die Seite stellen können. — Ende des Monats begeht das hiesige jüdische Waisenhaus die Feier seines hundertjährigen Bestehens. Ueber dieselbe ist näheres noch nicht bekannt geworden. Der langjährige Inspektor Silberstein legt an diesem Tage, wie bereits mirgeteilt, sein Amt nieder, das Herr Dr. phil. Korach aus Hirschberg übernimmt. Die Leitung des bekannten Pensionats hat Herr Dr. Koch, ein früherer Hörer des hiesigen jüdisch-theologischen Seminars, übernommen. — Soeben ist Herr Dr. M. Fried, ein früherer Hörer des hiesigen jüdisch-theologischen Seminars, einstimmig zum zweiten Rabbiner nach Stockholm gewählt worden. Herr Dr. Fried war mehrere Jahre Beamter der hiesigen jüdischen Lesehalle. ä. Bremen, 18. Oktober. Unter dem Vorsitz des kaiserlichen Gesandten v. Dircksen tagte hier am 11. und 12. d. M. der vierte deutsch-nationale Kongreß gegen den Mädchenhandel. Neben den Staatsregierungen von Preußen, Bayern, Württemberg, Sachsen, Baden und der freien Städte waren verschiedene Vereine zur Bekämpfung der Unsittlichkeit vertreten. Das jüdische Zweigkomitee des deutsch-nationalen Komitees war vertreten durch die Herren Rabbiner Dr. Rosenack-Bremen, Gustav Tuch-Hamburg, Sanitätsrat Dr. Maretzki-Berlin. Vom Vorsitzenden und mehreren anderen Rednern wurde das friedliche Zusamnienarbeiten aller Konfessionen als segensreich und nützlich bezeichnet. Ueber die Einrichtungen zur Bekämpfung des Mädchenhandels sprach Herr Regierungsrat Steengrase-Bremen. Wir entnehmen dem Vortrage dasjenige, was.sich aus die jüdischen Einrichtungen bezieht: „Wie an anderen Orten, fo entfalten auch in Bremen die drei religiösen Gemeinschaften, eine große, ersprießliche Tätigkeit zur Bekämpfung des Mädchenhandels. Nach Herrn Rabbiner Dr. Rose nacks Mitteilung sind die jüdischen Komitees zur Bekämpfung des Mädchenhandels 1. die Jewish Association for the Protection of girls and women in London und 2. das jüdische Zweigkomitee zur Bekämpfung des Mädchenhandels in Hamburg. Das Londoner Komitee besteht seit etwa 15 Jahren und ist aus ganz kleinen Anfängen hervorgegangen. Da auch dieses Komitee für die Bremen Dampfer tätig ist, sei noch folgendes erwähnt. Das Komitee unterhält eigene Hafenagenten, i deren Aufgabe im wesentlichen darin besteht, die Mädchen von den Schiffen abzuholen, sie aus die Gefahren aufmerksam zu mckchen, sie in ihre Häuser zu geleiten, wo sie dem Schutze der Verwandten, wenn deren Respektabilität außer Zweifel ist, anvertraut werden. Solche, die keine Adresse haben, werden in das Mädchenheim gebracht. Während der ersten acht Tage werden die Mädchen bei den Verwandten vom Damenkomitee besucht und beobachtet. Das ist ein nachahmenswertes Vorbeugungssyftem! Die Zahl-der vor Gefahren bewahrten Mädchen beträgt jährlich zwischen 500—700, einschließlich einer Anzahl nichtjüdischer Mädchen, die, wenn erforderlich, gleichfalls im Lodging Honse ausgenommen werden: die Tätigkeit der Jewish Ässociatiöu erftvecft sich auch auf Rußland, Frankreich, Aegypten, Südafrika, Südamerika und Indien. Das Hamburger Komitee, zu dessen Vorstand auch Rabbiner Dr. Rosenack und Sanitätsrat Dr. Maretzki-Berlin gehören, wurde im Jahre 1897 als Spezialkomitee eingesetzt. Wegen seiner engen Beziehungen zu Bremen sei über dieses Komitee noch folgendes gesagt: Nach dem Muster des Londoner Komitees und im Zusammenhang mit ihm bildete das Hamburger Komitee Zweigkomitees im In- und Auslande. Ein besonderes Verdienst des Herrn Gustav Tuch, der an der Spitze des Hamburger Komitees steht, ist die Uebersetzung des Lupanar, eines aus brasilianischen Polizeiquellen geschöpften Werkes, durch das die Namen vieler berüchtigter Mädchenhändler bekannt wurden. Neben freundschaftlichen Warnungen an alleinreisende Frauen und Mädchen verbreitet das Komitee Rundschreiben an geeignete Persönlichkeiten in allen Plätzen Deutschlands, in denen ein Durchzug stattfindet, mit der Bitte, Vertrauenspersoneu namhaft zu machen, an welche sich die Mädchen und alleinreisende Frauen um Rat und Schutz wenden können. — Hier in Bremen hat das Komitee für hilfsbedürftige durchreisende Inden diese Aufgabe mit übernommen. Es kommt manchmal vor, daß russische, ungarische und galizische junge Mädchen allein hier Zurückbleiben, sei es, daß der Familie Geld zur Ueberfahrt nach Amerika fehlt, weil es unterwegs abhanden kam, oder weil die Mädchen Bauernfängern in die Hände fielen. Um. solche Mädchen gut unterzubringen, bedarf es eines Mädchenheims und gerade in einer Hafenstadt wie Bremen ist ein solches Heim ein dringendes Bedürfnis. Ich komme gern einer Bitte des Herrn Rabbiner Dr. Rosenack nach, auf die Gründung eines jüdischen Mädchenheims iü Bremen die Aufmerksamkeit zu lenke::." — Bekanntlich hat Rabbiner Dr. Rosenack ans die Gründung eines jüdischen Mädchenheims bereits früher hingewiesen. Gemeint ist ein Heim für solche unglückliche Mädchen, die manchmal monatelang in Bremen weilen müssen, bis ihre Schiffskarte eintrifft oder die Mittel hierfür anderweitig aufgebracht sind. Es wäre ein Heim nach dem Muster des Lodging House in London, freilich in viel kleinerem Maßstabe als jenes. Wir wollen hoffen, daß es Herrn Dr. Rosenack bei seinen guten Beziehungen zu den großen jüdischen Organisationen und privaten bekannten Wohltätern gelingen möchte, das schöne Werk zu vollenden. Oesterreich-Ungarn. □ Wien, 23. Oktober. Eine neue Gefahr droht unseren ohnedies sclwn schwer bedrängten jüdischen Kaufleuten. Der Gewerbeausschuß des Abgeordnetenhauses hat den Befähigungsnachweis für das Handelsgewerbe angenommen, und es ist die Eventualität keineswegs ausgeschlossen, daß er damit durchdringt, wenn auch Herrenhaus und Regierung vorläufig noch dagegen sind. Welche schwere Gefahr dies aber für die jüdischen Kausleute bedeutet, ist klar. Der Antisemitismus, der es ja nur ans ihren wirtschaftlichen Ruin abgesehen hat, versetzt sie ja in den von ihm beherrschten Gegenden in die Zwangslage, die Möglichkeit des Uebertritts aus einer Branche in die andere sich offen zu halten. Der Befähigungsnachweis würde hier nicht die Befähigtesten fördern, sondern sie eher hemmen und unterdrücken. Es soll deshalb auch schon a:n 24. dieses Monats eine Protestversammlung jüdischer Kaufleute stattfinden. — In Innsbruck hat die israelitische Kültusgemeinde in der Andreas Hoser- Straße für 110 000 Kronen ein Haus gekauft, um auf dem Grundstück eine Synagoge zu erbauen. Es wird dies das erste jüdische Gotteshaus sein, das dort errichtet wird. Lutzland- L. A. T. Odessa, 19. Oktober. Am 12. d. M. starb in Kiew einer der ältesten und angesehensten Vertreter der russischen Advokatur, ein Kämpfer für Recht und Freiheit, einer von der Schar der berühmten Verteidigerder Rechtsanwalt Lew Abrahamowitsch Kupernik. Derselbe wurde 1845 in Wilna geboren; erzogen wurde er im Kiewer Gynasium und nach Beendigung desselben bezog er die dortige Universität. Die neuen Gerichtseinrichtungen lenkten Kupernik in die Reihen der Advokatur. Seiner Abstammung nach Jude, trat er noch in seiner Jugend zur rechtgläubigen (prawoslawny) Kirche über, aber er bewahrte alle Verbindungen mit den Juden, genoß unter ihnen einen großen Einfluß, und trat stets als ihr Verteidige