Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 43 (27.10.1905)
- Date
- 1905-10-27
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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hOvdr.^ 1S7Z zog KM Heimgegangene nach' Kiew,' wo ev' 'in "beit; eMerMahvett als Mitarbeiter des „Kiewljariin“' war, und zwar als | -Feuifletonist. * Schon die ersten Schritte Kupernits auf derneuen LaGöahn, als Rechtsantvält. drängten ihn schnell in die erste Reihe, wö er äti der Seite von Plewako (einer der berühmtesten russischst Advokaten)' und des -verewigten - Fürsten. F- N. Urusow arbeitete,-mit welMfetzterem ihn ein besonders t enger Freundschastsbund Verbands EitiEe Iahre Arbeit reichten hin, um ihm eine große Popularität zu erringen- /Verschiedene berühmte Prozesse, undsein unvergeßliche^ Karnpf'>MV^dem Vertreter derMnkldge, dem späteren Justizminist'er Mürawiewj befestigten gänzlich Kuperniks Ruhm als Redner ersten Ranges. Als-die glänzendste Seite in dem reichen Leben desVerblicheneu.. erscheint die konsequente Verteidigung von idealen und allgemeil^ Fragen. Auf dem Gebiete der sogenannten Rituälmorde und- AE indischen Pogrome kann das Verdienst des Verstorbenen eiU.-hrsE risches genannt werden. Angefangen vom Prozeß der Sarah MdW badze in Kutais, wo er sich um das Judentum ungemein, verdikch^' machte, bis zum Homeler Prozeß, gab es keinen einzigen -H'ervvM ragenden.Prozeß, der die Interessen des Judentums berührte, D dem die ruhige, mächtige, überzeugende Stimme des VerewigDr^ nicht ertönte. In ^den letzten Jahren nahm Kupernik den wärmsten Anteil an den Prozessen der Arbeiter- und Agrarunruhen und dev Staatsverbrechen. Mit einer bedeutenden literarischen und gelehrtM) Bildung ausgerüstet,, zog Kupernik vor Gericht ° stets die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. Kaum war der betreffende Erlaß des Zaren ‘ erschienen, als sKupernik den Behörden seinen Rücktritt zum Judekk- ' tumlin einem wahrhaft'klassischen Schreiben ankündigte, in dem .er sagte, er^shabe diese Religion eigentlich nie verlassen. Ehre dem - Andenken des großen Kämpfers für Recht und Freiheit! " Von MH und Fern. — Sanitätsrat Dr. Salomon Reumanns ist zu seinem^ 86. Geburtstage zum Ehrenmitgliede der Gesellschaft/für soziale Medizin) Hygiene und Medizinalstatistik ernannt wordeu. Die Ehren-;; urkunde würde ihm von dem Vorsitzenden der GesellschaftsRegierungs-, rat Professor Dr. Mayer^.und dem Schriftführer Dr. Rudolf Lenn- : hoff überbracht. In der Urkunde wird zunächst herborgehoben, daß., Neumann einer der Begründer der sozialen Medizin in Deutschland I ist. Dann wird seiner großen Verdienste um die Statistik gedacht. — ' Die Rote,Kreuzmedaille III. Klasse haben^anläßlich des Geburtstags der Kaiserin erhalten die Frau Auguste Alsberg in Cassel, der Stadtrat, Hans Samter in Charlottenburg. Unter denen, welche sich durch Opferwilligkeit für die freiwillige Krankenpflege bei . der^SchutztruPge für Deutsch-Südwestafrika ausgezeichnet und die : deshalb die Rote Kreuzmedaille-III. Klasse erhalten haben, befindest : sich auch der bekannte Kommerzienrat W. Gerngros in Nürnberg/. — Der Schriftsteller Gustav Kadelburg hat den Roten Adlers orden IV. Klasse, erhalten. — Am 19. d. M. ist hier der Kanter? Jacob Prager, der 42 Jahre lang in Neuenburg i. Westpreußen amtierte. E^L0.^Lebensjahre gestorben.. —. ^m^MMiiner in Dortmund'-würde^Dr.> Jaco b-aus Göttingen,<äls, Räch,fo'lger des Predigers Rotschild, der daselbst' lange Jahre ivirkte/ünd''sich nun in den Ruhestand zurückziehen wrll/^ gewählt..^-Jn Höchst.'wurde, da die Synagoge sich im.Umbau befindet, der- 'israelitischen Gemeinde der Saal des katholischen Vereinshauses zUr Verfügnng/.gestellt und auch von ihr benützt. — Das Sanatorium des Dr. HettMger in Nordrach b^si'Gengenbäch ist dem Vernehmen nach äst^die Rothschild-Stiftung - in Frankfurt zum Zweck der Errichtung einer Lungenheilanstältfür' israelitische Kranke verkauft: worden. — In Gailingen ist am' 11. d. M. Herr Max A W eil im Lebensjahre gestorben. Derselbe war seit 18Jahren Mitglied des Gemeinderats, 25 Jahre- Vorsitzender, der Leih- und Sparkasse und ca. zwölf Jahre Präsident des israelitischen Krankenhauses Gailingen. r An bent Leichenbegängnis beteiligten sich offiziell der Kriegerverein, dessen Mitglied er seit Gründung desselben war, sowie der Bürgermeister und das ganze Gemeindekollegium. — Wie es heißt, beabsichtigt das russische Ministerium der Volks au fkl ärung gegen jede Beschränkung bei Aufnahme^der Polen und Juden in die Lehranstalten sich auszusprechen. —-Die Judensrage wird durch ' das Ministerkabinett der Volksvertretung zur Beurteilung vorgelegt werden. — Das Moskauer Universitätskonseil lehnte den Antrag ab/das Ministerium zu ersuchen, die Juden ohne/Prozentsatz auszunehmen, da in den. Gesetzen eine derartige Beschränkung sich nicht findet. — AndtzrUniversität Odessa sind wiederum vierhundert christliche Studenten.aufgenommen worden. Juden sind 89 ausgenommen worden. — Das Zentralkomitee der Alliance IsräAlite bewilligte für die ^Abgebrannten in : Adrianopel eine weitere Unterstützung von 56,00- Franken, ferner - 5060 Franken für die Opfer der antisemitischen Militärkrawalle in Bialystock. — Gelegentlich der Neujahrsfeier fanden in Newyork verschiedene Judenhetzen statt, namentlich im Ghetto. Mehrere. Israeliten wurde % durchs Stein würfe verletzt. Die Presse wirft der Polizei., vor, daß sie die Ruhestörer häufig längere Zeit gewähren ließ, ohne sofort einzuschreiten. — Der Newyorker Mäcen Iacob H. Schifs hat der Harvard-Universität 260 600 Mark geschenkt, damit fünf. Jahre lang jedes Jahr eine Forschungsexpedition nach Palästina, ausgeschickt werde. —Moses Ul mann, einer der angesehensten BürgerrWilli am sports, verschied am 20. v. M. im Alter von 75 Jahren.. Er war aus Mannheim gebürtig. — 'Die Bibliothek des fei. Oberrabbiners Dr. Kayserling hat nicht Oscar S. Strauß, sondern ein anderer Mäcen, Julius Rosenwald in Chicago auffVeranlassung des Rektors 3Dr. Köhler für das Levre^v Union College in Cincinnati gekauft. — Der „Deutsch-japanischen Post" zufolge hat der Gerichtshof in Batavia die Hinrichtung des Abdullah Bin Jussuff Efsendi (eines ungarischen Juden namensKarl J^naz Hirsch), der in Djambi Sumatra) den heiligen Krieg gegen die Giaftrs gepredigt hat, beschlossen. — Im Sudan ist ein tapferer französischer Offizier, der Hauptmann Julien Bloch aus Spinal, im 44. Lebensjahre gestorben. Er war bereits für den Posten eines Kommandanten ausersehen. Die Ansicht, daß die Schädlichkeit des Tadakrarrches ausschließlich seinem Gehalt an Nikotin zugeschrieben werden müßte, ist viel verbreitet. Ein Beispiel für die Unrichtigkeit dieser Meinung .findet mancher Raucher in einer Erinnerung aus der Jugendzeit. Der erste Näuchversuch mit einer wirklichen Zigarre aus Tabak ist einigermaßenglimpflich abgelaufen, aber eine bei Gelegenheit in Ermangelung von Tabak mit Papier, Pflanzenlaub rc.. also nikotinfreien Stoffen, unteiA nommene Wiederholung ist in ihren Folgen oft derartig, daß sich, schon dem Knaben der Tabak als das kleinere Uebel darstellt. Was. diese primitive Beobachtung lehrt,, bestätigt in vollem Maße die chemische Untersuchung. Der Tabakrauch besteht im wesentlichen aus: Nikotin und dessen Spaltungsprodukten (Pyridinbasen), ferner 'aus Ammoniak, Methylaminen, Pyrrolen. Schwefelwasserstoff. Blausäure, Buttersäure) Kohlensäure, Kohlenoxyd, Wasserdampf und empyreumatisch-teerigen Produkten, unter welch letzteren kleine Mengen voy Phenoleu^beobachtet werden.- Gesundheitsschädlich sind besonders die basischen Körper: Nikotin, Pyridinbasen, Ammoniak, ferner Schwefel, Wasserstoff, Blausäure und Kohlenoxyd, wenn in größerer Menge dem' Organismus zugesührt. Das Alkaloid Nikotin findet sich bereits vyr-/ gebildet im Tabak, während die übrigen Bestandteile des Tabakraucheß' ersp infolge des Rauchens entstehen; sie sind die Produkte einer trockenen Destillation. Es ist hiernach klar, daß auch der Rauch, vom, nikotinfreiem Tabak gesundheitsschädliche Bestandtelleenthält. Es seien hier genannt: Kohlenoxyd, Ammoniak, Methylamine, Schwefelwasserstoff, Blausäure. Diese Stoffe liefert nun aber verbrennender Tabak keinesfalls in größeren Mengen, als sie die Verbrennung des Laubes anderer Pflanzen ergibt. Es schneidet vielmehr nach den zahlreichen Versuchen des, Verfassers der Tabak verhältnismäßig recht günstig ab. Von Zigarettenpapieren zeigten sich, in derselben Weise wie Tabak verraucht, einige Sorten giftiger als alle anderen untersuchten Stoffe. Vom hygienischen Standpunkte aus können allein solche Tabakfabrikate empfohlen werden, bei deren Verrauchen nicht nur die Nikotinwirkung aufgehoben wird, sondern auch die Produkte der'trockenen Destillation unschädlich gemacht werden. Beides wird: ohne Beeinträchtigung des Wohlgeschmacks der Fabrikate erreicht .durch . das Verfahren des Geheimrats Professor Dr. med. Gerold und des Universitätsprofessvrs Dr. Thoms-Berlin> Berschie-. deutlich wurde.von autoritativer Seite auf die Methode dieser bekannten'Gelehrten hingewiesen. So berichtete auf der 73; Versammlung Deutscher Naturforscher und Aerzte zu Hamburg Sauitätsrat Dr. Forst in der hygienischen Abteilung über Versuche, welche mit. nach Vorschrift dieser Gelehrten hergestellten Fabrikaten im. physiologischen Laboratoriüür'des Jnflitüs für medizinische Diagnostik zu Berlin vorgenommen wurden. Der Vortragende wies nach, daß schädliche Beeinflussung des Herzens und der Blutgefäße,. sowie des Nervensystems beim Rauchen dieser Zigarren nicht beobachtet werden kann. Hergestollt werden - diese Fabrikate von Weydt's - Zigaxrenfabriken ^A,-G.^ Bremens und als Wendt's Patent-Zigarren und' -Zigaretten in den Handel gebracht. - . > Dr. Lbg.